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Doppelklick

Das Fotoblog von Thomas Kartsolis und Ralf Zimmermann

Doppelklick  4 Kommentare

Das Vermächtnis des Krieges

Die Galerie Kirsch & Co in München zeigt vom 8. bis 16. Oktober "Sound of Silence", eine Arbeit von Armin Smailovic über die individuellen und kollektiven Traumata des Bosnienkrieges.

Von Ralf Zimmermann

Geschätzte 20.000 Frauen wurden während des Bosnienkriegs zwischen 1992 und 1995 Opfer von Vergewaltigungen und sexueller Gewalt. Neben Deportationen, Folter, Exekutionen und der Zerstörung kulturellen Eigentums wurden Vergewaltigungslager, Zwangsschwängerungen und erzwungene Prostitution im Zuge der so genannten ethnischen Säuberungen systematisch zur Demütigung und Einschüchterung der bosnischen Zivilbevölkerung eingesetzt. Erst seit Juni 2008 gelten Vergewaltigungen nach einer Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen als Kriegsverbrechen.

Wie das Undenkbare und Unsagbare sichtbar machen? Wie jemanden zeigen, der aus Angst vor Stigmatisierung, aus Scham und Schuldgefühl eigentlich nicht gesehen werden will? Armin Smailovic fotografiert seit Mitte 2010 Frauen, die mit den individuellen und kollektiven Traumata des Krieges leben müssen. Seine dunklen, schwarzen Porträts lassen das ganze Ausmaß an Isolierung, Schmerz und Angst spürbar werden. Herausgelöst aus ihrer Umgebung, vom spärlichen Licht einer Taschenlampe angeleuchtet, wirken die Aufnahmen der Opfer wie ein visueller Nachhall aus den Vergewaltigungslagern. Das Alleinsein der Frauen mit dem grausamen Vermächtnis des Krieges und die Bedrückung und Machtlosigkeit der Außenstehenden werden deutlich.

Als work in progress angelegt, wird die Arbeit „Sound of Silence“ in Kooperation mit dem United Nations Population Fund (UNFPA) bis 2012 weitergeführt und soll anhand weiterer Porträtaufnahmen die Masse der Betroffenen und die große Dunkelziffer der unsichtbaren Opfer zum Ausdruck bringen. Neben Hasija B. werden andere Frauen mit ihrem je eigenen Schicksal und den lebenslangen Konsequenzen begleitet.

Die Ausstellung ist vom vom 8. bis 16. Oktober in der Münchener Galerie Kirsch & Co zu sehen.

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Kommentare

  • SOUND OF SILENCE | FotoDoks

    [...] Auch auf Doppelklick. [...]

  • Kunstbanause

    Wie einfach und a posteriori! Hat sich schon mal einer überlegt, was Deutschland in der Zeit gemacht hat, als auf dem Balkan der Krieg war? Hat man sich eingemischt? Haben die politisch Verantwortlichen dieses Landes es nötig gefunden für Frauen, Kinder, ein paar Alte, und Männer den Völkermord zu stoppen, von dem die Medien berichteten? So ein bißchen Vergewaltigung – na ja, so ist Krieg eben, haben sie sich gedacht und dann das Wort ‘ethnische Säuberungen’ zum Unwort des Jahres erklärt – Kunst draus machen, ist einfach, aber helfen oder dafür sorgen, dass sowas erst gar nicht passiert, damit tut sich Deutschland wohl schwer. Und Photos über Vergewaltigung und solche Geständnisse sind doch immer was für den Voyeur! Sorry wenn’s zynisch klingt, aber Hinterherkrähen ist manchmal einfach nur noch blöd!

  • MR

    Ja, ja, die schlechten, die bösen Serben! Wenn man schon denkt, alles über diese Volk gehört und gelesen zu haben, kommt die Süddeutsche mit noch mehr Dreck. Es sind immer die anderen, die an allem schuld sind. Ich habe mehrere Jahre in Deutschland gelebt, aber nur wenig von eueren Greueltaten in den beiden großen Kriegen in eueren Medien desehen. In tausend Jahren wird es von dem Bürgerkrieg in Jugoslawien nur eine Fußnote in den Geschichtsbüchern geben. Darin wird aber zu lesen sein, daß der größte Genozid in der Geschichte der Menschheit von der katholischen Kirche (in Südamerika), den Amerikanern (an den Indianern) und den Deutschen (an den Juden) begangen wurde. Von den anderen hundert Millionen Menscheleben gar nicht zu sprechen. Und ihr wagt euch über jemand anders schlecht zu schreiben. Ihr sollt euch schämen. Wenn ihr mit der Geschichte vertraut wäret, würdet ihr wissen, daß man in eurem Lande die Serben seit eh und je gehaßt hat. Es sei auch gesagt, daß eure Regierung zum Ausbruch des Bürgerkriegs heftig beigetragen hat.

  • Nicole Ritter

    Deine Arbeit gibt Würde zurück und ist ein Kampf gegen das Vergessen.
    Danke dafür!!
    Nicht nachlassen!