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Doppelklick

Das Fotoblog von Thomas Kartsolis und Ralf Zimmermann

Doppelklick  6 Kommentare

Doug Rickards Buch – A New American Picture

Man muss heute nicht mehr unbedingt das Haus verlassen, um auf der Straße zu fotografieren.

Von Ralf Zimmermann

Rickards Serie A New American Picture besteht aus Straßenszenen verwahrloster amerikanischer Vorstädte. Düstere, vergessene Orte, wirtschaftlich abgehängt. Das Ende des amerikanischen Traums. Seine Sichtweise erinnert dabei unverkennbar an die klassischen Dokumentarfotografen Robert Frank, Walker Evans und Stephen Shore. Sogar der Titel scheint eine Anspielung auf Evans’ einflussreiches Buch American Photographs von 1930 zu sein.

Robert Frank ist in den Fünfzigerjahren für sein Projekt The Americans mit einem Guggenheim-Stipendium zwei Jahre durch Amerika gereist und kam mit 28.000 Negativen zurück, um daraus ein Buch mit 83 Bildern zu produzieren. Außer zu einigen Recherche-Reisen musste Doug Rickard zum Fotografieren seiner Serie sein Haus nicht verlassen. Er fand die Orte bei Google Street View und fotografierte sie vom Bildschirm ab. Obwohl Google mittlerweile auch HD Bilder anbietet, wollte Rickard unbedingt die alten, qualitativ schlechteren und unschärferen Bilder verwenden. Einen interessanten Artikel dazu, mit einem Vergleich zu der Arbeit von John Gossage, gibt es im Ahorn Magazin.

Die Bilder aus A New American Picture wurden erstmalig in der Sammelausstellung Anonymes in Le Bal, Paris gezeigt, kuratiert von David Campany and Diane Dufour; daneben waren dort Motive von Walker Evans, Lewis Baltz und Jeff Wall zu sehen. Das Buch ist in einer signierten 200er-Auflage bei White Press erschienen. Es ist wahrscheinlich längst vergriffen, soll aber 2012 noch einmal bei einem größeren Verlag erscheinen.

John Rafmans Projekt Nine Eyes und Michael Wolfs Paris Street View sind zwei weitere Beispiele dieser neuen Technik. Mich hat sie neulich auch fasziniert. Als ich, wie wohl schon fast jeder von uns, mein eigenes Haus bei Google Street View angeschaut habe, fand ich meine Frau und mich Arm in Arm davor. Die Gesichter zwar unscharf, die Statur aber unverkennbar.

Sehr zu empfehlen sind auch Doug Rickards hervorragende Fotoblogs American Suburb X und These Americans. Zwei der besten Archive zeitgenössischer Dokumentarfotografie.

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Kommentare

  • Andreas Jell

    Eindrucksvolle Serie. Ich hoffe, es sieht in 10 Jahren nicht auch bei uns so aus!

    Viele Grüße
    fotojell

  • B.

    Wenn sich die SZ richtigerweise um den Zusammenhang von Linken und Antisemitismus kümmert, ist es folgerichtig, den Zusammenhang von SZ und Antiamerikanismus zu betrachten, da ich schon älter bin kann ich nur sagen, für die SZ geht Amerika schon seit Jahrzehnten unter. Aber offenbar tun die USA den guten Journalisten in Deutschland nicht den Gefallen, macht endlich Schluss mit eurem spiessigen und ätzenden Antiamerikanismus. Letztlich seid ihr auch nur wie die Linken !

  • Klaus

    Der Buch-Titel “A New American Picture” sei eine Anspielung auf den Buch-Titel “American Photographs”?
    .
    Weil das Wort “American” bei beiden vorkommt?

  • karlheinz e. vogt

    wie 2010 auf cuba.

  • wulf

    Amerikan existiert nur noch, weil es nicht gedeckte Papiere verkauft und Dumme finden, welche dafür waren liefern. Man nennt es den Dollar, in diesem Banken Betrugs System eines Luft Staates, der nur Ponzi Betrugs System ist.

  • S.

    “Seine Sichtweise erinnert dabei unverkennbar an die klassischen Dokumentarfotografen Robert Frank, Walker Evans und Stephen Shore” – wie das?
    Robert Frank wird mit seinen Arbeiten in der Beat Generation eingeordnet, Walker Evans hat für die FSA fotografiert und hatte eine ganz andere Agenda, und schließlich Stephen Shore, über den als “stiller Fotograf” geschrieben wurde – also drei grundlegend verschiedene Sichtweisen und Bildsprachen. Würde eher von einer Bezugnahme auf diese Arbeiten durch den Titel reden, die dadurch, das sie mit völlig neuer Technologie arbeitet, eine andere Vorstellung vom “American Picture” entwirft. Stephen Shore – American Surfaces, Robert Frank – The Americans und Evans’ American Photographs, ein fotogeschichtlicher Kontext, zu dem durch die Technologie ganz andere Fragen gestellt werden – na, “A New American Picture” halt.