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Kaisers Klassik-Kunde

Kaisers Klassik-Kunde  9 Kommentare

Folge 79: Wer piept denn da?

Kann der Aufschwung der Opernregie darüber hinwegtrösten, dass die Sängerinnen und Sänger heute nicht mehr so gut sind wie früher?

Von Joachim Kaiser

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Der große Mann des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung geht online: Joachim Kaiser öffnet sein Klavierzimmer und beantwortet in seiner Video-Kolumne Fragen der Leser des SZ-Magazins zu klassischer Musik.

Haben Sie eine Frage? Schicken Sie eine Mail an kaiser@sz-magazin.de.

Kommentare

  • Gerd Franke

    Dass die Oper schauspielerisch und inszenatorisch enorm dazugewonnen hat, steht außer Frage. Überhaupt nicht zustimmen kann ich der Bewertung, dass die sängerischen Leistungen insgesamt abgenommen hätten. Davon abgesehen, dass sich der Gesangsstil doch erheblich verändert, und zwar ausgesporchen positiv verändert hat, gibt es eine Fülle großartiger Sängerinnen und Sänger, die den Vergleich mit den vom Fragesteller genannten spielend aushalten.
    Absolut daneben ist die in Kaisers Antwort vorgenommene Gleichsetzung eines Strauss-Librettos mit einem Wagnertext. Da liegen hinsichtlich der Qualität doch Welten dazwischen – Wagner war nun einmal kein Dichter und kann etwa Hofmannsthal nicht im Traume das Wasser reichen!

  • Bel Canto

    Was für ein Unsinn! Der Herr Professor sich noch immer nicht von den nationalistischen Stereotypen der Musikgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts freimachen können. Italienische Oper schwach, deutsche Oper über alles. Also bitte, der Herr Professor hätte sich vor seiner Pensionierung vielleicht doch ein bißchen mehr mit der modernen Musikforschung beschäftigen sollen.

  • Thomas W.

    Ein Thema, das doch wesentlich komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.

    Mittelmäßige und schlechte Sänger und Darsteller gab es heute wie früher, das gibt sich wahrscheinlich nicht viel. Doch wenn man nur die besten zum Maßstab nimmt, tut sich doch ein Gefälle auf, und zwar nicht nur sängerisch sondern auch darstellerisch.

    Ich sehe heute niemanden, der an die darstellerische Größe eines Schaljapin, einer Callas, eines Gobbi oder Hotter heranreichen würde. Gleichzeitig waren die genannten als Sänger keineswegs unanfechtbar.

    Umgekehrt sehe ich aber auch niemanden, der sängerisch in einer Liga mit einem Caruso, einer Lehmann oder Schwarzkopf spielen könnte.

    Es mag heute viel mehr an Inszenierungen und Personenregie gearbeitet werden und es ist vielleicht auch mehr professionelles Engagement im Spiel als früher, doch ob deswegen die darstellerische Überzeugungskraft höher ist, wage ich eher zu bezweifeln. Dabei will ich gerne zugeben, dass auch heute auf der Opernbühne gutes und sehr gutes geleistet wird, dem außerordentlichen begegnet man allerdings sehr selten.

    Ich denke der Befund ist ähnlich wie bei den Instrumentalisten. Das allgemeine professionelle Niveau mag heute insgesamt höher sein als früher, die Ausnahmeerscheinungen sind aber rarer denn je. Dumm nur, dass es auf diese wenigen letztendlich mehr anzukommen scheint.

    Noch ein Wort zu Wagner und Hoffmannsthal. Hoffmannsthal mag auf den ersten Blick der professionellere, sprich dichterisch und stilistisch versiertere Autor gewesen sein. Doch sind seine Stücke und Libretti doch unendlich viel seichter als Wagners vielleicht manchmal unbeholfene, doch von Lebenserfahrung und tiefgründigen Einsichten gesättigten Dichtungen.

  • Herbert P.

    Das Problem sind die Medien. Die Hypen Sänger hoch und wieder runter. Wenn ich nach einem Konzert oder einem Opernauftritt lese, wie toll der Sänger/die Sängerin war, obwohl mehrmals Schwächen waren, tiefer gesunger wurde, usw., dann wundere ich mich. Viele sehr gute Sänger, die lieber auf der Bühne als in den Medien stehen oder einfach “nicht attraktiv” sind, werden kaum wahrgenommen. Alles dreht sich momentan um Netrebko und Villazon und aktuell um Kaufmann. Natürlich haben wir aktuell keinen Pavarotti. Aber er war auch einmalig. Aber es gibt sehr sehr viele sehr gute Sänger und Sängerinnen. Oftmals bin ich überrascht, wenn ich in der Open jemanden höre, den ich nicht kenne und der einfach nur schön singt.
    Und eine Oper lebt auch nicht nur von ein oder zwei Darstellern, der Chor, das Orchester, alles muss passen. Da kann eine Oper mit Netrebko, die mal wieder ein zwei Noten tiefer singt, schlechter sein, als eine Oper mit Nobodys. Gutes Beispiel ist Elena Mosuc. Ich habe sie mindesten ein dutzend Mal gesehen und sie hat immer perfekt gesungen, und sehr schön dazu. Doch kaum einer kennt sie. Das ist schade.
    Zum Schauspielern: Nicht jeder ist als Schauspieler geboren, siehe Vargas. Und nicht jede ist so attraktiv wie Netrebko. Dennoch, ein Pavarotti konnte sich auf der Bühne teilweise kaum bewegen. Da finde ich einen Alvarez, der kaum ruhig stehen kann, sehr angenehm. Auch wenn er stimmlich kein Pavarotti ist. Ich denke schauspielerisch hat die Oper viel gewonnen. Leider denken aber viele, die Oper muss modern sein. Doch im Mondlich Kräuter suchen die Zauber haben, passt nicht ins 21 Jhd.
    Da finde ich die klassischen Inszenierungen viel besser.

  • HansA

    Altersstarrsinn nennt man das wohl. Früher war alles besser.
    Diesen Eindruck wollte Kaiser schon vor einiger Zeit bei Pianisten erwecken.
    Ja, früher, da waren sie toll, aber heute…
    Nun das gleiche bei den Sängern/Sängerinnen.

    Er hört einfach nicht hin. Wie genau kennt er denn die Scene. Nehmen wir nur einmal die Kategorie “Sopran”. Wieviele hochtalentierte haben wir da nicht.
    Frau Dessay,Frau Kermes,diDonato,Kozena,Kirchschlager,Frau Bartoli,Frau Garanca, natürlich auch Netrebko… die Liste liesse sich fortsetzen.

    Die sollen schlechter sein als ein Grümmer oder Schwartzkopf ? Mindestens Geschmackssache, wahrscheinlich aber falsch.

    Irghendwann sollte man vielleicht mit seinen Urteilen aufhören, schlicht in Pension gehen ?

  • Thomas W.

    @HansA: alles vorzügliche Sängerinnen, die Sie da aufführen. Doch aus meiner Sicht ganz klar nein, keine von denen kann es darstellerisch mit der Callas oder sängerisch mit der Schwarzkopf aufnehmen. Und das ist keine exotische Spezialmeinung von Herrn Professor Kaiser oder mir, die allermeisten Opern- und Gesangsliebhaber würden dem wohl zustimmen.

  • HansA

    Wer darstellerisch die Dessay als Lucia gesehen hat, wer eine der Genannten singen hörte,zB als Gräfin, könnte hier lange streiten,obwohl de gustibus…aus Iher Sicht ganz klar…ja, aus Ihrer Sicht…..

  • Christoph Bader

    Wenn man eine Meinung äußert und über 40 ist, wird man dann automatisch altersstarr? Scheint so.

    Mal ganz davon abgesehen, dass man Herrn Prof. Kaiser nicht absprechen kann, eine eigene Meinung zu haben (und ohja! Er hat eine eigene Meinung!), möchte ich mal fragen, was daran gut sein soll, sich gleich jeder Strömung (Mainstream) anzupassen, die aufkommt?

    Ich stimme bei weitem Herrn Kaiser nicht immer zu. Aber “Altersstarrsinn” zu erkennen, ist bei einem über 80jährigen, der im eine Internetkolumne hat, ist ja schon fast zu komisch, um es als einen unfairen (in einem Worte: beleidigenden!) Versuch aufzufassen, jemandes Worte als “ungültig” zu erklären.

    Ajo sischa!

    Grüße aus Leipzig

  • Simon W.

    @ Herrn Franke
    Als großer Verehrer der beiden Richards bin ich meinerseits über ihre Einschätzung schockiert. Selbst in Elektra – meiner Meinung nach das Werk dem Hofmannsthals schlicht abstrahierender Stil am besten zu Gesichte steht – findet sich weder thematisch noch handwerklich Wagners Sprachdichte.
    Hofmannsthal ist mit Sicherheit ein glasklarer und trefflicher Dichter, aber er verharrt selbst in Momenten großer Sprachbilder immer auf der kühlen Ebene des Konversationellen, das der Moderne zu Wohl oder Übel angemessen ist.
    Bei Wagner hingegen finde ich einen echten Genius im Umgang mit der deutschen Sprache. Die Libretti rauchen vor Kreativität und dichterischer Selbstsicherheit, wie sie eben nur einer kennt, der sich vor keiner Mode fürchtet.
    Dass die Texte angefüllt sind mit Pathos macht auf mich angesichts der verarbeiteten Thematiken einen ebenso natürlichen Eindruck.
    Auch die Negativargumentation widerspricht ihrer Auffassung: Wagner hat sich mit keiner seiner Schöpfungen künstlerisch verhoben; Die FroSch lässt sich meinerseits nur mit viel Liebe ertragen – nicht nur des Sinnspruch wegens.

    Es mag sein dass hier auch die Generationenfrage eine Rolle spielt und mich mein geringes Alter und Aufwachsen in einem vereinigtem Deutschland vor der reflexartigen Abscheu vor selbsternannter Größe bewahrt hat.
    Damit möchte ich direkt nichts unterstellen, meine aber wohl mir erlauben zu dürfen ihre Meinung auf mangelnde Beschäftigung mit Wagner zurückzuführen.
    Gerade im Schatten der modischen Auffassung dass Wagner ein unsinniger Dichter gewesen sei, die lange Zeit vielen jungen Deutschen eingebleut worden ist.
    MfG

    @Bel Canto
    Herr Kaiser hat leider Recht. Die südliche Oper hatte nie einen vergleichbaren Anspruch wie die nördliche Spätromantik – Folgende.
    Am nähesten käme da noch Verdi mit seiner Behandlung der Shakespeare-Stoffe. Das Verismo machte im Kern dasselbe Singspiel wie die vorangegangene Tradition, entlehnte nur die nun differenziertere musikalische Sprache den deutschen, “ernsten” Musikdramen.
    Kein Mensch hält die italienische Oper für schwach – aber im Vergleich bleibt sie auf rein künstlerischer Ebene zahnlos.