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Küchenzeilen

Ein Witzigmann lernt kochen

Küchenzeilen  2 Kommentare

THE REST OF… Küchenabfälle #5

Das Grießflammerie schmeckt nach Plastikeimer / Das kulinarische Auswärtsspiel wird richtig, richtig heftig / Gelächter über den Küchenpraktikanten / Das Stinkerle heißt jetzt Puzzarino / Während in Villa Riba noch der Gasbrenner repariert wird, wird in Villa Bajo schon Paella gekocht.

Von Max Witzigmann

Mittwoch, 13. Juli, 22 Uhr 30, Unterschleißheim. Zusammen mit Köchin Meike aus dem Blauen Bock stehe ich hinter dem Büffettisch, auf dem wir das Dessert aufgebaut haben. Das Firmenfest, für das Hans Jörg Bachmeier heute engagiert wurde, steht unter dem Motto “Spanien”. Dementsprechend fallen die Nachspeisen aus: zum Beispiel Sangría-Gelee mit Chili, Grießflammerie mit Safran oder Pfirsich-Tarte. Ein weiblicher Gast, der sich zuvor ein Grießflammiere genommen hatte, kommt zurück und meint: “Das hat irgendwie voll nach Plastikeimer geschmeckt.”

“Tja, Safran ist nicht jedermanns Sache”, antworte ich und beneide die Dame insgeheim. Ich habe ja schon vieles probiert, aber einen Plastikeimer habe ich noch nie gegessen.

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RÜCKBLENDE.

Mittwoch, 13. Juli, 16 Uhr, München. Pünktlich erscheine ich im Blauen Bock. Ich habe keine Ahnung, wer oder was mich später auf dem Sommerfest erwartet. Hans Jörg hat es mir nicht verraten wollen. Unter die Kategorie Eierschaukeln scheint dieses kulinarische Auswärtsspiel jedenfalls nicht zu fallen. “Das wird die Hölle”, warnt mich Sous Chef Kai vor, der heute Abend die Stellung im Lokal halten muss. “Das wird richtig, richtig heftig.” Um Gottes Willen, denke ich. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?

17 Uhr. “Was wollt ihr trinken?”, empfängt uns der Gastgeber herzlich, den ich natürlich aus Hans Jörgs Restaurant kenne. Ein Gourmet vor dem Herrn und ein echter “Hocker”. (So hat mein Vater die Gäste genannt, die damals in seinem Lokal bis in die frühen Morgenstunden gezecht haben.) Wir stoßen mit einem Glas Champagner an und jetzt weiß ich auch, wie Kai das gemeint hat, als er vorhin sagte: Das wird richtig, richtig heftig.

Donnerstag, 14. Juli, 1 Uhr, Unterschleißheim. Meine Befürchtungen haben sich doch nicht bestätigt. Das Catering ist so gut wie stressfrei verlaufen und wir durften während des Kochens sogar Wasser trinken.

Eine Bilanz: Zu Beginn des Festes müssen wir uns bei den Gästen namentlich vorstellen. “Ich bin Max, der Küchenpraktikant”, sage ich mit Scham gerötetem Gesicht, als ich an der Reihe bin und ernte damit großes Gelächter. Warum, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Obwohl ich eigentlich nur Bratwürste und Gambas grille, bezeichnet mich eine Frau tatsächlich als “Koch”, was mich ein wenig stolz macht.

Kurz darauf werde ich allerdings gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. “Von welchem Teil ist der Spanferkelbraten?”, fragt mich ein Gast.

“Von welchem Teil der Spanferkelbraten ist…?”, wiederhole ich laut und langsam, um Zeit zu gewinnen. Ich habe keine Ahnung.

“Vom Rücken!”, eilt mir Hans Jörg zur Hilfe, der mich seit neuestem “Puzzarino” nennt, was auf Italienisch so viel wie Stinkerle bedeutet. Gracie mille!

Gleich und gleich gesellt sich gern: Hans Jörg Bachmeier hat mal wieder richtig Schwein gehabt.

Als Hans Jörg Paella machen möchte, gibt es Komplikationen: Der ringförmige Gasbrenner will nicht angehen. Eine kleine Katastrophe. Schließlich ist die spanische Reispfanne heute der lukullische Höhepunkt.

Während man in Villa Riba noch am Gasbrenner rumschraubt…

Hans Jörg will schon improvisieren und die riesige Pfanne auf den Elektrogrill stellen. Doch der Hausherr gibt sich nicht geschlagen. Er doktert so lange am Gasbrenner herum, bis er tatsächlich funktioniert.

… wird in Villa Bajo schon Paella gekocht.

Beim Feierabendbier komme ich mit zwei interessanten Gästen ins Gespräch. Gast 1 lädt mich zu seiner alljährlichen Hausschlachtung im November nach Thüringen ein. Gast 2 ist Amateurringer. Als Jugendliche hatten er und seine Freunde unbedingt das ringertypische Blumenkohlohr haben wollen und sich deshalb gegenseitig die Bratpfannen um die Lauscher geschlagen. Das erhoffte Blumenkohlohr hat er davon nicht bekommen, dafür ist ihm wenigstens die Matschbirne erspart geblieben.

Stay hungry!

Coming up WANN KOMMT DIE GLUT? Die Wünsche bleiben im Baum hängen / Warum kann man Bier nicht grillen? / Kinder von Grillvätern werden bevorzugt / ein Grill namens Kermit / Hartz-IV-Dübel statt gefüllter Paprika / Zum Glück haben wir einen Ofen / Eierkartons in Pflanzenöl / Hier riecht’s ja wie in Istanbul! / Der Funke springt über / Mundfasching trifft Gesichtsdisko / Anzündkamine sind was für Loser / Feureka! / Rat vom BBQ-Experten

Kommentare

  • Frank2

    Lieber Max, tolle Storys. Aber ich möchte nie – wirklich NIE – von dir bekocht werden. Macht Laune !

  • detlef1206

    Mittlerweile freue ich fast genauso auf die kochpraktikantischen Erlebnisse des Sohnemanns wie seinerzeit auf die genialen Esserlebnisse bei seinem Papa !
    Stay hungry