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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Fröhliche Selbstmordgedanken

Von Johannes Waechter

Teddy Thompsons letztes Album war eine reine Countryplatte, auf der er einige der größten Tränenzieher dieser an traurigen Liedern wahrlich nicht armen Musikrichtung coverte. Da auch schon seine beiden davor erschienen Alben eher introspektiv waren, hatte ich vermutet, dass der Sohn von Richard und Linda Thompson vollends ins Genre der leidenden Selbstbespiegelung abgeglitten wäre. Diese Gefahr hat er anscheinend auch selbst gesehen und mit A Piece Of What You Need (Verve/Universal) nun eine relativ flotte Popplatte aufgenommen. “This is a happy record”, lässt er mittels Presse-Info verlauten.

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Thompson ist ein guter Songschreiber und ein exzellenter Musiker, aber anders als sein Freund Rufus Wainwright ist er kein Exzentriker. Will man sich seiner künstlerischen Person nähern, so kommt einem dabei kein Drama, kein Skandal, keinerlei stilistischer Auffälligkeit zu Hilfe. Auf den aktuellen Fotos versteckt er sich in einem schicken Anzug – und scheint fest entschlossen zu sein, allein die Musik für sich sprechen zu lassen.

Als ich die CD zum ersten Mal gehört habe, empfand ich das als Nachteil: Die Songs sind allesamt gut, die Instrumentierung ist gediegen, doch schien mir die offensichtliche Qualität der Ausführung eine gewisse Leblosigkeit zu bemänteln. Beim zweiten und dritten Hören fand ich dann jedoch in die Platte hinein. Der Knackpunkt: Thompson ist ein Mann der Nuancen, viele seiner Lieder werden erst dann wirklich interessant, wenn man genauer hinhört. Hier zwei Details, stellvertretend für viele schöne Stellen auf dieser Platte: der Bläsersatz, der sich nach der Hälfte des Stückes in “Can’t Sing Straight” hineinschleicht. Und die leicht schiefen Streicher- und Keyboard-Einsprengsel, die schrägen Handclaps, die ab der dritten Strophe “Jonathan’s Book” verzieren.

Am besten gefällt mir der Song “Turning The Gun On Myself”. Schon die Eröffnungszeilen sind erstklassig: “The morning is bright as Rapper’s Delight / Floats To My Room From The Street / And who would disturb my slumbering world / With this late seventies beat”. Doch dann geht es keineswegs heiter weiter: Thompson beschreibt, wie ein Mann den Schmerz in seinem Kopf nicht mehr ertragen kann und mitten in New York Selbstmord begeht. Das morbide Thema wird als Ballade inszeniert, mit stimmungsvollen Klavierakkorden und einem nachdenklichen Mittelteil; solcherart unterstützt, liefert Thompson seine beste Gesangsleistung auf dem Albums ab. Da macht es auch nichts mehr, dass “Turning The Gun On Myself” in gewissem Widerspruch zu Thompsons eingangs zitierter Aussage steht, A Piece Of What You Need sei “a happy record”.

Hier noch das Video zu “In My Arms”. Mit einem memorablen Gastauftritt von Rufus Wainwright!

Und hier ein zehn Jahre altes Duett zwischen Teddy und seinem Vater Richard Thompson. Ebenfalls großartig!

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