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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Selbst Al Gore hat jetzt ‘nen Grammy

Von Johannes Waechter

Die gestrige Grammy-Verleihung begann, indem U2 aus einem Loch im Boden emporschwebten und ihre neue Single “Get On Your Boots” spielten. Danach betraten die Stars die Bühne im Minutentakt, um Grammys zu überreichen, zu erhalten oder einfach nur Musik zu machen; am besten haben mir das Duett von Al Green und Justin Timberlake gefallen, sowie der Auftritt von Paul McCartney, der mit Dave Grohl am Schlagzeug “I Saw Her Standing There” spielte.

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Der eigentliche Reiz der Veranstaltung liegt für mich jedoch darin, dass für eine Nacht auch etliche obskure Künstler ins Rampenlicht treten. Es werden Grammys in insgesamt 110 Kategorien verliehen. Viele davon sind lokalen Musikformen der USA gewidmet, die man hier nicht wirklich auf dem Schirm hat. Andere Kategorien sind einfach nur rätselhaft. Was ist wohl der Unterschied zwischen “Best Hard Rock Performance” und “Best Metal Performance”? Und wieso waren, wenn man diese Genres schon so sophistisch aufsplitten möchte, Judas Priest für beide Katgegorien nominiert? Vorschlag: Warum nicht in Zukunft einen Grammy für “Country” und einen für “Western verleihen?

Wer hört heute eigentlich, außer Beethoven- und Techno-Fans, noch Instrumentalmusik? Aus dem Pop sind Instrumentals nahezu verschwunden – nicht so bei den Grammys. In der Kategorie “Best Pop Instrumental Performance” konnten die Eagles, die sich ausnahmsweise das Singen verkniffen haben, ihren ca. 88. Grammy abräumen, als “Best Pop Instrumental Album” wurde eine Platte des Banjospielers Bela Fleck prämiert. Pop ist bei den Grammys jedoch keineswegs identisch mit Rock, und so wurde auch die “Best Rock Instrumental Performance” ausgezeichnet. Hier gewann Frank Zappas Sohn Dweezil, der unter dem passenden Titel Zappa Plays Zappa die Musik seines Vaters nachspielt.

Preisfrage: Aus welcher Kategorie stammen die folgenden fünf Grammy-nominierten Alben: Meditations, Pathfinder, Peace Time, Ambrosia, The Scent Of Light? Richtig: New Age! Auch das ist ein Genre, das aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Das muss man nicht bedauern; andererseits wäre es natürlich reizvoll, wenn zwischen dem ganzen Ego-Geballer von Coldplay, Lil’ Wayne und Metallica der Schlagzeuger Jack De Johnette die Bühne erklimmen und seine preisgekrönte CD Peace Time aufführen würde, die nur aus einem einzigen, ewig langen Stück besteht.

Große Bedeutung bei den Grammys hat die Gospelmusik. Nicht weniger als sieben Auszeichnungen wurden in diesem Genre verliehen, das sind mehr als beim Rap. Zweimal konnte der Gospel-Superstar Kirk Franklin triumphieren, besonders gefreut habe ich mich über den Preis für die Blind Boys Of Alabama, die immerhin schon seit 1939 auf diesen Moment hinsteuerten. Trotzdem haben sie sich, wie man sieht, nicht aus der Ruhe bringen lassen:

Erstaunlich auch die Bandbreite der prämierten Latin-Musik. Dass es ein “Best Latin Pop Album” und ein “Best Latin Rock Album” geben muss, leuchtet mir ein, aber was, bitteschön, ist ein “Best Tropical Latin Album”? (Sieger übrigens: der gute alte Jose Feliciano.) Auch Musikstile wie “Banda”, “Tejano” und “Regional Mexican” lösen in Deutschland eher Schulterzucken hervor.

Ab Kategorie 72 wird es dann richtig regional. Hier wurde zuerst das “Best Native American Music Album”, dann das “Best Hawaiian Music Album” ausgezeichnet. Preisträger in letzterer Kategorie: Tia Carrere und Daniel Ho mit ihrem Album ‘Ikena. Nie gehört! Ich verspreche hiermit, diese Blidungslücke schleunigst zu schließen.

Besonders beliebt bei Journalisten ist schließlich die Kategorie 90: “Best Album Notes”. Endlich wird mal nicht einer dieser verdammten Musiker ausgezeichnet, sondern jemand vom eigenen Stamme. Herzlich gratuliere ich also dem Kollegen Francis Davis, Jazzkritiker bei der Village Voice, der sich dank seines Begleittextes zur Jubiläumsedition des Miles-Davis-Albums Kind Of Blue nun einen Grammy auf den Kaminsims stellen darf.

Weitere Gewinner, die nicht unerwähnt bleiben sollen: Al Gore, für das Hörbuch zu An Incovenient Truth. Der Rundfunkchor Berlin, für eine zusammen mit den Berliner Philharmonikern eingespielte Strawinsky-Aufnahme. Die frühere Indiepop-Band They Might Be Giants, die für Here Come The 123s den Grammy fürs “Best Musical Album For Children” erhielten. Nichts gewonnen hat hingegen Till Brönner, der für “Best Jazz Instrumental Solo” nominiert war; hier ging der Preis an Terence Blanchard.

Meine Lieblingskategorie ist jedoch die Nummer 76: “Best Polka Album”. Dass diesem doch unzweifelhaft etwas angestaubten Genre bei den Grammys weiterhin die Treue gehalten wird, muss man begrüßen. Gratulation also an Jimmy Sturr, der mit seinem Album Let The Whole World Sing die begehrte Trophäe abräumte. Ich bedauere sehr, dass gestern abend zwischen U2, Paul McCartney und Stevie Wonder nicht auch eine flotte Polka getanz wurde.

Kommentare

  • jürgen

    Hallo.
    Vieleicht kann mir hier jemand helfen ? Ich suche den Titel der instrumental hintergrundmusik, was gerade im Sender VOX läuft, eine Dokumentation von SZ über Model´s und Co.
    Wer kann mir da weiter helfen ?
    Gruß jürgen