Anzeige

SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  Keine Kommentare

Madonna – wie soll’s weitergehen?

Madonna gastierte in München – und hinterließ bei vielen Zuschauern Ratlosigkeit. Wie lange kann die 51-Jährige noch am Ideal einer ewigen Jugend festhalten und flotten Dancepop für die Generation ihrer Kinder machen?

Von Johannes Waechter

Am Montag habe ich ein Interview mit Joe Henry gepostet, der mit Madonnas Schwester Melanie Ciccone verheiratet ist. Henry, ein erfahrener Produzent, hat gesagt, dass eine musikalische Richtungsänderung gut für seine Schwägerin wäre. Stimmt das, frage ich mich seitdem? Und wenn ja, wie sollte so eine Neuerfindung aussehen?

Anzeige

Dass Madonnas Erfolgsrezept ins Wanken kommt, zeigte sich auch bei ihrem Konzert am Dienstag im Münchner Olympiastadion. Etliche tausend Tickets wurden nicht verkauft, und im Stadion scheinen viele Zuschauer – ich war nicht da – von Madonnas Musik eher underwhelmed gewesen zu sein. Das Konzert sei “mehr Workout als Konzert – Aerobic statt Erotik”, schreibt Beate wild auf sueddeutsche.de, und auch in mehreren anderen Kritiken wird die nahezu sekundengenaue Durchinszenierung des Bühnengeschehens hervorgehoben.

“Diese Show ist getaktet wie ein Herzschrittmacher”, findet Christian Jooß in der Abendzeitung, und Michael Althen schreibt in der FAZ: “Vielleicht liegt es tatsächlich an der Perfektion, dass die Menge so geschüttelt, aber nicht gerührt ist, an der Durch-und-durch-Inszenierung der Show, die mit dem animierten Videoclip einer flitzenden Candy-Flipperkugel beginnt und mit der Einblendung „Game Over“ aufhört – Zugabe weder möglich noch erwünscht.”

Kritischer ist die Stimmung in manchen Blogs. Bei Queen Of Pop ist von einem “schwachen Konzert” die Rede und von “1,5 Stunden Playback, Tanz und Gehoppse à la Las Vegas”. Im Hype Magazin Blog steht: “Madonnas Performance erinnerte an das Popcorn, welches vor dem Olympiastadion verkauft wurde, nett für den Moment, aber ohne jeglichen Mehrwert.”

Aus allen Kritiken geht hervor, dass Madonna kein nostalgisches Greatest-Hits-Konzert gespielt hat, sondern dass selbst Evergreens wie “Holiday” und “La Isla Bonita” durch neue Beats und Arrangements modernisiert wurden. Diesen Drang, aktuell zu bleiben, finde ich einerseits bewundernswert, andererseits könnte er auch in die Sackgasse führen, solange Madonna keine andere künstlerische Persona einfällt als die der sexy Dancefloor-Queen; schon jetzt scheint ihre Show mit all den lasziven Posen und erotischen Kostümen auch ein Kampf gegen das eigene Alter zu sein.

Am 29. September erscheint ihre neue Best-Of-CD Celebration. Genauso heißt ein neuer Song, der seit drei Wochen auf ihrer Website gestreamt wird und bereits im US-iTunes-Shop erhältlich ist. Der Track klingt wie immer: unwiderstehliche Beats, ein superstarker Hook, ein Gefühl von Euphorie und Ekstase. Doch gerade weil “Celebration” hundertprozentig Madonnas Hitformel entspricht, hat der Song auch etwas Gespenstisches. Kann es so weitergehen, bis Madonna irgendwann in Strapsen und Bustier von der Bühne fällt? Oder braucht sie tatsächlich eine neue musikalische Idee, die es ihr erlaubt, in Würde zu altern?

Fotos: ddp (2), Reuters

Kommentare

  • Christian Kördel

    Hallo,

    also ich weiß nicht woher diese Rückschlüsse kommen. Ich war letztes jahr auf ihrem Berliner Konzert und dieses Jahr auf dem Prager Konzert. Und ich muß sagen, das konzert war einfach klasse! Die Show natürlich perfekt. Wenn es angeblich so schlecht sein sollte wie es hier gemacht wird, wieso fährt sie dann mit dieser tour scho wieder einen Weltrekord für eine Solokünstlerin hin? Es mag ja sein, dass in Deutschland ihre konzerte nicht ausverkauft waren, dafür aber in anderen Ländern. Selbst in Städten wo sie mehrmals aufgetreten ist.
    Also ich bin total begeistert.

    Gruß

  • Nicht-Fan

    Madonna war ganz früher mal gut, aber ist doch seit x Jahren nur noch langweilig.
    … gähn ….

  • Hinternet-Blog – Presseschau 20. August 2009 –

    [...] Süddeutsche-Blog: Madonna –wie soll’s weitergehen? [...]

  • euphrat

    Ich habe gestern auf Pro 7 ihr Buenos Aires Konzert gesehen, und hatte mir genau die gleichen Fragen gestellt. Wie lange will sie immer so jung bleiben.Ich höre sie gerne an, und finde sie hat einiges bewegt & beeinflusst, ist aber irgendwie irgendwo stehen geblieben und das schon sehr lange. Man darf nicht vergessen, dass sie ein Produkt aus den 80`ern ist. Gemacht dank ihres Namens, wie McDoof, Pepsi usw. wo nur die Verpackung stimmt. Was mich aufregt ist, dass es so viele tolle talentierte Künstler gibt, die mit Herz & Blut ihren Job machen und live dem Publikum was geben können.Und dann eine die nicht singen kann, und so teure Preise.Abzocke und unverschämt. Ich finde sie ist keine Solokünstlerin, sondern Madonna ist ein Musical, wo sie die Hauptrolle spielt. Dann soll sie in überschaubaren Hallen auftretten, wo man auch alles sehen kann.Das ganze als PoP-Revue aufziehen. Und 90 € wäre dann die Höchstgrenze. Dann würde ich auch hingehen. Sie kann leider nicht singen, und gestern habe ich versucht genau hinzusehen, da stimmt der Gesang nicht zu dem was man visuell sieht. Eine verarschung.Übrigens bin ich selbst Musicaldarsteller.

  • Johannes Waechter

    @ Euphrat
    Ja, genauso ging es mir gestern abend auch. Die Show und die ganzen Choreographien sind leidlich beeindruckend, aber das, was eigentlich im Zentrum der ganzen Inszenierung stehen sollte – die Musik –, spielt kaum noch eine Rolle. Madonnas Songs scheinen für die aktuelle Bühnenshow nahezu komplett neu arrangiert und mit modernen Beats versehen worden zu sein – mir kommt es so vor, als hätten sie im Zuge dessen jeglichen emotionalen Kern verloren. Da kommt nichts mehr rüber.

  • Christian S.

    Ich glaube, es täte Madonna gut, auf weniger Trendscouts zu setzen und sich wieder auf das zu konzentrieren, was sie gut kann, nämlich perfekte Popsongs zu schreiben. Es ist, glaube ich, immer schon ein ihr Problem gewesen, zu sehr dem nächsten Trend VORAUSzusein, anstatt sich auf das zu besinnen, was sie in der Vergangenheit aufgebaut hat. Das funktioniert eine Weile sicher gut, aber Fans wollen life eben auch „ihre“ alten Hits Hören.

    Wenn sie dann noch die Show downstrippt und weniger pompös gestaltet, könnte sie wieder begeistern. Und das ist letztendlich das, was auf einem Life (?)-Konzert passieren sollte. Wenn aber jegliche Spontaneität fehlt und dem Publikum „nur“ das Gefühl gegeben wird, eine sekundengenaue Vegas-Show vorgesetzt zu gekommen, funktioniert das aus meiner Sicht nicht. Da kann man sich dann lieber die DVD kaufen (oder mehrere: Tribünenplätze über 200 EUR ;-) ).

    Ein Vergleich sei mir erlaubt: Springsteen, der (auf Rockmusik-Ebene) in der selben Liga spielt, schafft das famos. Tobende Fans bis auf den hintersten Tribünenplatz. Klar, andere Schublade, anderer Sound.
    Aber eben auch der Unterschied zwischen Musik spielen (Madonna) und Musik machen (Bruce).

    Schöne Grüße

    cs

  • Paddy

    Ich war am Dienstag live im Stadion. Doch live schien es nur dann zu sein, wenn Sie die langsamen etwas ruhigeren Lieder gesungen hat. Da hörte man auch Ihre Stimme. Bei schnellen Beats, wirkt der Gesang “künstlich” verstärkt und gefiltert, um perfekt zu klingen. Die Show als solche ist sehr, sehr gut, fast perfekt. Auf der Strecke bleiben die Emotionen und Gefühle. die durch Musik ja eigentlich trasnportiert und erzeugt werden sollen. Schade. Das Sie die alten Songs aufpeppt oder neu interpretiert finde ich bei einigen ganz nett, dass wir uns aber Ray of light in der x-ten Fassung geben müssen….. Trotz der überschaubaren Menge an Fans, ob nun 30 oder 35.000 sei mal dahingestellt, war die Stimmung nicht schlecht. Nur Schade, dass Madonna dies bis auf Kleinigkeiten nicht honoriert hat. Keine Zugabe, kein Danke, kein bis zum nächstenmal..nichts….und dies zu den horrenden Preisen die aufgerufen wurde….
    GAME OVER MADONNA ???

  • Black Jack

    Also das war mein erstes Madonnakonzert und die Perfektion der Show war beeindruckend. Erschreckend allerdings in der Tat, dass das Publikum nicht mitgerissen wurde.
    Peinlich das nach der Aufforderung Madonnas Konzertbesucher, die ein Mikro vor die Nase gehielten bekamen, nur kreischten, als den Text zu singen.
    Egal eine perfekte Show aber eher Popart als Musikkonzert!

  • JKT

    Wer hat je behauptet, Madonna sei eine Musikerin?

    Klar, auf der ganzen Welt hört man ihre Musik, und wer sich mit ihrem biographischen Hintergrund auseinandergesetzt hat, weiß, dass Madonna alles andere als ein fremdgesteuertes Kunstprodukt ist, sondern sich aus eigenem Antrieb Anfang der Achtziger aus dem New Yorker Underground heraus, zuerst als Schlagzeugerin, dann erst als Sängerin, hochgearbeitet hat.
    Trotzdem: Wie Camille Paglia richtig erkannt hat, ist Madonna in erster Linie eine Tänzerin, ein visuell arbeitende Popkünstlerin. Für mich ist sie vor allem eine hervorragende Videokünstlerin. Oder sie war es. Die Glanzzeiten des Musikvideos sind längst vorbei, und Madonna investiert schon lange nicht mehr groß darin; ihre letzten Videos sind im Vergleich zu den früheren ziemlich ideenlos und fad.

    Aber warum soll das alles, also der Tanz im übertragenen Sinne, weniger wert sein als sogenannte ‘echte’ Musik? Und Madonnas Werk tut kein Abbruch, dass sie all die Jahre sozusagen ‘nebenbei’ hervorragende Popmusik geliefert hat. (Ihr Album “Like A Prayer” oder auch “Music” ist bester, feinster Pop!)
    Ihr jetziges Auftreten reißt mich auch nicht mit, der neue Song ist nett aber total belanglos, und auch ich denke, dass sie nicht ewig die Berufsjugendliche sei kann. Aber: Um noch richtig mit dabei zu sein, bemerkt zu werden, hat sie fast keine andere Wahl. Ihre alten Kollegen wie Cyndi Lauper, Prince oder meinetwegen Bruce Springsteen, machen auch noch großartige Musik – aber sind längst verschwunden aus dem richtigen Mainstream, aus der Mitte der Popwelt. Und da ist Madonna irgendwie immer noch, so lange wie sie war niemand drin.

    Im Übrigen sah es einmal fast so aus, als würde sie es vorziehen, sich als altersweise ‘Songwriterin mit Gitarre’ darzustellen. Das damalige Album, “American Life”, ist aber gnadenlos gefloppt – zu Unrecht. Das scheint also auch nicht gewünscht.
    Ich sehe es optimistisch. Madonna hat schon viele Grenzen überwunden. Ihr wird auch da etwas einfallen.

  • domingos

    Sorry, die alten Sachen kann man sich ganz gut anhören, die neuen Titel plätschern immer so dahin. Ich glaube nicht, dass irgendein Laden Madonnas alte Hits im Hintergrund laufen lassen würde. Die neuen Sachen sind beliebt als Hintergrundmusik, und dafür und nichts anderes sind sie gut.

  • Sippli

    Also ich kann nur sagen, Madonna ist ein Profi durch und durch. Ich war auch auf dem Konzert am Dienstag in München und muss sagen, es war einfach ein toller Abend. Es war super Wetter, d. h. eine tolle Sommernacht und Madonna unterhielt, Madonna begeisterte und Madonna lieferte für das teure Geld auch super Arbeit. Ich war nach dem Konzert noch sehr beschwingt und gelassen. Auch muss man anmerken, Madonna reitet nicht auf alten Hits herum, sie spielt ihre neuen Lieder und diese kann man sehr gut anhören, ihre Bekanntheit lebt nicht von ein paar Hits aus den 80ern. Sie hat sich immer wieder neu erfunden. Man will auch nicht immer wieder den gleichen Song hören, sondern die gespielte Auswahl ihrer Lieder war super aufeinander abgestimmt und man war immer wieder überrascht.
    Es war einfach gelungene Unterhaltung pur. Auch lieferte sie politische Statements. Was man nun nicht unbedingt erwartet hätte. Auch war die Show nicht auf extrem sexy getrimmt. Wobei es mir ein Rätsel ist, wie man mit solchen hohen Schuhen so tanzen kann. Es war einfach perfekte Unterhaltung.

  • Marco Pepanio

    Ich war in München auf ihrem Konzert. Es war mein erstes Konzert (18 Jahre alt). Ich hatte damals für den Sitzplatz 150 Euro ausgegeben und wir meinten wir hätten damit eine gute Wahl getroffen – Madonna erschien uns jedoch nur in ca. 4-5 cm größe!!! Daher verstehe ich nicht warum die “Front-of-Stage”, also direkt vor der Bühne “nur” 110 € gekostet hätten!! Schlechte Preispolitik…

    Die Show ansich – und es war eig. nur Show – war sehr spektakulär…das gesamte Album hatt seinen Glanz vom Produzenten Timbaland. Dieser ist bekannt dafür, Musik großer Künstlern wie Madonna, Nelly Furtado oder Justin Timberlake seiner erfolgreichen “Beats-Wäsche” zu unterziehen! Die daraus entstehende Musik ist sehr verspielt, besonders oft mit kleinen Klängen wie von Glöckchen die im Wind spielen – eben die Handschrift von Timbaland!!

    Das Konzert war für mich etwas neues, nicht bestimmend vom “Playback oder Live” sondern von diesem Gefühl, nach der Show etwas neues, noch nie dagewesenes Stück im Leben gerlebt zu haben..das hat das Konzert zu etwas spektakulären, faszinierenden gemacht. Das Konzept versprach Erfolg – und das hat es auf alle Fälle gemacht…ob für die Besucher oder für die Konzertveranstalter sei dahingestellt…

  • Neues von Madonna | kosmos-x

    [...] erfolgreichste Sängerin aller Zeiten mit weltweit mehr als 380 Millionen verkauften Tonträgern. Talentierte und [...]