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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Die sieben besten Songs über die Linkspartei

In der Arbeiterbewegung wird gerne gesungen, aber die "Internationale" kommt vielen Genossen nicht mehr leicht über die Lippen. Mit welchen anderen Melodien können also Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ihre Partei auf kommende Wahlschlachten einschwören? Welche Lieder passen zur Partei "Die Linke"? Teil drei meiner parteiübergreifenden Songsammlung anläßlich der kommenden Bundestagswahl.

Von Johannes Waechter

Vergangene Woche habe ich gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, Songs über die CDU zu finden. Bei der Partei “Die Linke” sieht das ganz anders aus. Seit über hundert Jahren gehören linke Kampflieder zum folkloristischen Beiprogramm der Arbeiterbewegung, und es wäre kein Problem, diese Liste mit Hymnen wie “Brüder, zur Sonne, zur Freiheit” und der “Internationale” zu füllen. Aber ganz so altmodisch ist Oskars wilder Haufen dann doch nicht, und so haben ich, neben einigen echten Gewerkschaftsliedern, auch moderne Popsongs in die Liste aufgenommen. Hier sind sie also, meine sieben besten Songs über die Linke. Mit Gewinnspiel – mehr dazu am Ende des Textes.

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1. Lerryn: “Der Sänger mit den besseren Liedern”

Die enge Verbindung zwischen linker Politik und engagierter Sangeskunst zeigt sich auch daran, dass die Linke die einzige Partei ist, die einen echten Liedermacher in den Bundestag geschickt hat: Dieter Dehm, der früher unter dem Namen Lerryn Sponti-Schlager sang. Seine große Zeit hatte er in den Siebzigern und frühen Achtzigern, als er mit der Anti-AKW-Kapelle Bots zusammenarbeitete und deren Hit “Das weiche Wasser” schrieb, der später sogar zum SPD-Parteilied wurde. (Auch Klaus Lages Heuler “Tausendmal berührt” stammt aus seiner Feder.) 1998 wechselte er von der SPD zur PDS, 2005 zog er für die Linkspartei in den Bundestag ein; trotzdem erschien 2006 ein neues Album von ihm.

2. Motörhead: “Eat The Rich”

Wie alle großen Songwriter hat Lemmy Kilminster zu fast jedem Thema etwas zu sagen. “Eat The Rich” von 1987 hebt dabei den Klassenkampf auf eine ganz neue Stufe: Es geht nicht mehr nur darum, die Reichen zu enteignen, nein, am besten ist es, sie mit Haut und Haaren zu verspeisen. “Come on baby, eat the rich”, singt Lemmy. “Put the bite on the son of a bitch”. Lenin wäre stolz gewesen!

3. Suzanne Vega: “Left Of Centre”

Vom Soundtrack des Films Pretty In Pink stammt Suzanne Vegas wunderbare Ode an das Außenseitertum. “Links von der Mitte”, drückt sich die Protagonistin herum, an den Rändern, in den Ecken, in den Nebenstraßen. Als Zustandsbeschreibung der deutschen Linkspartei taugt der Track also nur bedingt, denn spätestens nach den Wahlen im Saarland und in Thüringen steht die Linke im Zentrum des politischen Geschehens.

4. Sarah Ogan Gunning: “Come All Ye Coal Miners”

“Lets sink this capitalist system in the darkest pits of hell” – wer war die Frau, deren Botschaft selbst Sahra Wagenknecht zu radikal wäre? Sarah Ogan Gunning war die Frau eines Bergarbeiters aus Kentucky, die in den Dreißigern an der Seite ihres Mannes extreme Armut und Unterdrückung durch die Minenbesitzer erdulden musste und dadurch nachhaltig politisiert wurde. Anfang der Vierziger lernte sie in New York Woody Guthrie kennen, einige ihrer Lieder gingen darauf in den Folk-Kanon ein, neben “Come All Ye Coal Miners” vor allem “I Hate The Capitalist System”, das die Fellow Travellers 1993 auf ihrem Meisterwerk Things & Time sampelten.

5. The Almanac Singers: “I Don’t Want Your Millions, Mister”

Wo wir schon bei Woody Guthrie sind: Zusammen mit Pete Seeger und anderen engagierten Linken gründete die amerikanische Folk-Ikone 1940 die Almanac Singers, eine extrem einflussreiche Gruppe, die bei politischen Kundgebungen und Gewerkschafts-Demos auftrat und Scharen von Protestsängern den Weg wies. Besonders interessant an dem Song “I Don’t Want Your Millions, Mister” ist die sechste Strophe: “Take the two old parties, Mister / No difference in them I can see / But with a Farmer-Labor Party / We could set the people free”. Ähnliches dürften sich Gysi und Lafontaine vor ein paar Jahren zugeraunt haben.

6. Lefty Frizzell: “If You’ve Got The Money, I’ve Got The Time”

Einige Performer tragen ihre linke Gesinnung bereits im Namen, Link Wray zum Beispiel, Paul Lincke – und natürlich Countrystar Lefty Frizzell. Manche behaupten, in seinem Song “If You’ve Got The Money, I’ve Got The Time” ginge es um abendliches Ausgehvergnügen; man kann die Nummer, die 1950 an der Spitze der Countrycharts stand, aber auch als Anklage des ausgebeuteten Arbeiters verstehen: Das Geld hat immer ein anderer, im Zweifelsfall der Boss.

7. Gunter Gabriel: “Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld”

Dasselbe Thema sprach 1974 Gunter Gabriel an, allerdings wesentlich expliziter. Sein Schlager über den Malocher Knut Wuchtig (was für ein Name!), der seit 15 Jahren ehrlich schuftet und nun eine Gehaltserhöhung fordert, weil seine Frau zuhause krank im Bett liegt, hat noch heute einen proletarischen Charme. Damals hätte ein Mann wie Knut Wuchtig bestimmt SPD gewählt, ob er das heute noch tut, ist eine der Fragen, die die kommende Bundestagswahl entscheiden wird.

Und jetzt seid ihr dran! Welche Lieder gibt es noch, die von Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, linkem Klassenkampf und sozialistischen Utopien handeln? Ich suche möglichst viele Songs zum Thema “Die Linke” und verlose unter allen, die mir weitere Songs nennen, drei Bände der SZ-Diskothek. Bitte die Songtitel in den Kommentaren posten (und die korrekte E-Mail-Adresse nicht vergessen). Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, den 13. September.

Foto: Getty

Kommentare

  • Mick

    Ich will den Kapitalismus lieben, doch es gelingt mir einfach nicht. – Funny van Dannen

    Mr. President (have pity on the working man) – Randy Newman

    Kentucky Miners Wife – Aunt Molly Jackson

    Letter From The Government – Brother Ali

    I wonder if your breath can last – Robert Wyatt

    Und als Beitrag zur Internationalen:

    Sérgio Godinho – Que força é essa?
    http://www.imeem.com/hertzonline/music/EkcU6JWu/sergio-godinho-que-forca-e-essa/