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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Lene Marlin im Interview: “Ich will kein knappes Kleid tragen”

Als Schulmädchen wurde die norwegische Sängerin Lene Marlin vor zehn Jahren ein Star. Seitdem hat sie A-ha den Ruf als erfolgreichster norwegischer Pop-Export streitig gemacht und vier Alben veröffentlicht. Im Interview spricht Lene Marlin über das Leben am Polarkreis und die Bürde des frühen Erfolgs.

Von Johannes Waechter

Lene Marlin, Sie kommen aus Tromsö in nördlichen Norwegen. Das ist ein sehr kalter und dunkler Ort, oder?

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Ja, eigentlich schon. Im Winter ist es nur eine Stunde lang hell. Es schneit viel und kann sehr kalt werden. Im Sommer scheint dafür die Mitternachtssonne und es wird niemals dunkel.

Hat es Ihnen dort gefallen?

Ich habe in Tromsö gelebt, bis ich achtzehn war. Die Dunkelheit war total normal für mich, ich habe nicht weiter darauf geachtet.

Vor ein paar Jahren hieß es, wegen der Dunkelheit gebe es in Norwegen so viele Death-Metal-Bands.

Ich weiß nicht, ob das stimmt. Diese Bands gibt es zwar, aber genauso viele Musiker spielen normale Pop- und Rockmusik.

Sie wurden 1999 schnell berühmt. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Alles kam sehr überraschend. Ich hätte nie davon zu träumen gewagt, Musikerin zu werden. Lieder zu schreiben und zu singen hat mir einfach Spaß gemacht. Doch dann habe ich plötzlich einen Vertrag bekommen – mit 17.

Das passierte mehr oder weniger zufällig, richtig?

Es gab bei uns einen Radiosender, da konnte jeder im Studio etwas aufnehmen, solange das irgendwie sendefähig war. Ein paar Tage lang war ich dort im Studio und habe meine Lieder gesungen. Dann habe ich eines abends einen Journalisten, der beim Sender arbeitete, im Bus getroffen. Ich habe deine Lieder gehört, hat er gesagt, und würde sie gerne einem Freund von mir schicken, der bei einer Plattenfirma arbeitet. Ein paar Wochen später war ich bei Virgin unter Vertrag.

Glauben Sie, dass sich die Leute anfangs auch deshalb für Sie interessiert haben, weil Sie so hübsch sind?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Für mich geht es nur um die Musik. Deshalb durfte auch niemand meinen Stil ändern. Beim ersten Album haben sie versucht, mich zu stylen, mir einen bestimmten Look zu verpassen. Ich habe gesagt, nein, das bin ich nicht, ich will kein knappes Kleid tragen und keine Truppe von Tänzern auf der Bühne haben.

So schön der schnelle Erfolg war – Sie haben auch darunter gelitten.

Als ich mein erstes Album aufgenommen habe, war ich noch auf der Schule. Am Tag, als ich mit der Schule fertig war, bin ich abgereist und war mehrere Monate unterwegs. Ich habe manchmal drei verschiedene Länder pro Tag besucht. Alles ging so schnell, dass ich gar nicht mehr realisiert habe, was eigentlich passiert, und ich bin sehr müde geworden. Musik war etwas, dass mir viel Spaß gemacht hat – nun war auf einmal alles sehr ernst. Alle haben viel von mir erwartet. Als ich merkte, dass ich den Spaß verliere, habe ich gesagt, Moment, ich brauche eine Pause. Ich musste wieder ein normales Alltagsleben führen; nur so bekomme ich Anregungen für meine Lieder.

Ist es für Sie überhaupt möglich, ein normales Alltagsleben zu führen? In Norwegen sind Sie ein großer Star.

Doch, das geht schon, und ich finde, man hört es meinem neuen Album auch an. Das ist kein Pop-Album, eher ein Singer-Songwriter-Album. Überwiegend akustisch. Es sollte nicht zu kommerziell sein.

Die Arrangements auf Twist The Truth sind sehr geschmackvoll. Hier und da tauchen ungewöhnliche Instrumente auf, sogar ein Dobro. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter.

Freut mich zu hören – das war der Plan. Auch wenn man das Album ein paar Mal hört, entdeckt man immer noch neue Dinge.

Vor ein paar Jahren haben Sie einen Song für Rihanna geschrieben haben. Wie kam es dazu?

Mein drittes Album wurde von einem Team namens Stargate produziert – Norweger, die inzwischen international sehr erfolgreich sind. Ich kenne sie gut, und als sie angefangen haben, für Rihanna zu arbeiten, haben sie mich gefragt, ob ich einen Song beisteuern möchte. Meinen Namen im Booklet von Rihanna zu sehen war echt cool.

Was für Künstler haben Sie inspiriert?

Als ich mit 14, 15 angefangen habe, Songs zu schreiben, habe ich nicht viel Musik gehört. Bei uns zu Hause lief das Radio, aber meine Eltern hatten keine große Plattensammlung. Ich wollte einfach Geschichten erzählen, und statt ein Tagebuch oder Gedichte zu schreiben, habe ich Songs komponiert. Ich glaube, dass ich gerade deshalb überhaupt den Vertrag bekommen habe: Die Plattenfirma hat gemerkt, dass ich niemanden kopiere.

Was war das Beste, das in ihrer Karriere passiert ist? Was das Schlimmste?

Schwierige Frage. Ich denke, das Beste war mein Plattenvertrag, denn damit hat alles angefangen. Das Schlimmste war, als ich den Spaß an der Musik verloren habe. Ich war wirklich besorgt, dass ich ihn nie wiederfinden würde. Aber zum Glück kam der Spaß nach ein paar Jahren Pause zurück.

Lene Marlins Album “Twist The Truth” erscheint am 27. November.

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