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SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  8 Kommentare

Endlich! Der Buena Vista Social Club wird geschlossen

Bei einer Show in Paris stellte Star-DJ Gilles Peterson gestern sein neuestes Projekt vor: eine Doppel-CD mit jungen kubanischen Musikern wie Ogguere, Danay und Kumar, die darauf brennen,  aus dem Schatten des Buena Vista Social Club herauszutreten. Verdient hätten sie's!

Von Johannes Waechter

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Danay und Roberto Fonseca im Egrem-Studio in Havanna.

Ich bin gerade in Paris, wo ich gestern ein tolles Konzert erlebt habe. Gilles Peterson hat im Elysee Montmartre sein Projekt Havana Cultura präsentiert. Seit vielen Jahren reist der englische DJ und Beathunter um die Welt und sucht in Brasilien oder in vielen afrikanischen Ländern nach neuen und vergessenen Grooves; etliche exzellente Sampler sind dabei entstanden. Nun war er in Kuba. Ergebnis der Reise: Die Doppel-CD Gilles Peterson Presents: Havana Cultura – New Cuba Sound mit jungen kubanischen Musikern.

Gestern nachmittag habe ich länger mit Peterson geredet. (Das ausführliche Interview werde ich nächste Woche posten.) Mir hat immer seine stilistische Offenheit imponiert. Die meisten DJs legen sich irgendwann auf einen Stil fest, und auch Peterson hätte beim Jazz, Soul und Funk bleiben können, der ihn Ende der Achtziger berühmt gemacht hat. Stattdessen hat er sich ausgiebig mit Musik aus Afrika und Südamerika beschäftigt, ohne seinen Kontakt zur hippen europäischen Club-Avantgarde zu verlieren. Ziemlich einzigartig, wie ich finde.

Dabei hat der Mann schon unglaublich viel gesehen und gehört. Die Talentdichte in Kuba, so erzählte er mir gestern, sei jedoch auch für ihn überraschend gewesen. Mit Hilfe des kubanischen Musikers Roberto Fonseca hat er Sessions in den legendären Egrem-Studios in Havanna veranstaltet, wo auch das Erfolgsalbum Buena Vista Social Club entstand. “Wir haben über ein Dutzend junge Musiker eingeladen. Alle sind großartig, aber leider in Europa völlig unbekannt. Ich hoffe, das ändern zu können.”

Der Mega-Erfolg von Buena Vista Social Club hat sich für die Szene in Havanna als zwiespältiges Ereignis erwiesen. Zwar freut man sich, dass kubanische Musik nun wieder in aller Munde ist. Doch entstand dabei der Eindruck, dass auf der Karibik-Insel allein Greise im Alter von Fidel Castro musizieren. Für die Jungen ist es schwer, sich Gehör zu verschaffen.

Vor dem Konzert hatte ich Gelegenheit, mit den Stars des Abends zu reden: dem Rapper Kumar, dem HipHop-Duo Ogguere (Foto unten) und der Sängerin Danay. “Wir respektieren Buena Vista Social Club, das sind unsere Väter, unsere Tradition”, sagte Danay. Aber bei allem Respekt versuchen diese jungen Künstler, die Musik der Vorväter zu aktualisieren, oft über Zugabe von HipHop. Danays Vorbilder sind New Yorker Rapper wie Mos Def und Talib Kweli, und Edrey vom Duo Ogguere erklärte, wie man auf Kuba mittels großer Antennen den modernen Rap- und R&B-Sound einfängt, den amerikanische Radiostationen aus Florida rüber in Fidels Reich senden.

Die junge kubanische Musiker-Generation brennt darauf, so war mein Eindruck, sich international Gehör zu verschaffen. Ohne die Fürsprache von Gilles Peterson und das Sponsoring einer bekannten Rum-Marke, die die Initiative Havana Cultura ins Leben gerufen hat, wäre es jedoch ausgesprochen schwierig für diese Musiker, aus ihrem armen Land hinauszukommen.

Gestern in Paris haben sie jedenfalls ihre Chance ergriffen und hervorragende Shows gespielt. Zuerst der Rapper Kumar, der seine Beats mit Rumba und Son anreichert; danach Ogguere und Danay, die mit einer neunköpfigen Band auftraten. Ihre Show war für mich eine perfekte Verbindung von Tradition und Moderne: Während die Perkussionisten und Bläser ackerten, wechselten Edrey, sein Partner Ulises und Danay übergangslos zwischen Rumba und Rap hin und her, und einen Song widmeten sie, als ultimativen Beweis ihrer Hipness, sogar dem verstorbenen HipHop-Produzenten J Dilla. Das Pariser Publikum sprang begeistert auf und ab, und am Rande stand Gilles Peterson und lächelte still in sich hinein.

Mehr Infos zum Projekt und den Künstlern auf www.havana-cultura.com

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Fotos: Youri Lenquette

Kommentare

  • Jurema

    Kurze Frage: warum kann man die Artikel hier (noch) nicht auf Facebook etc. teilen? Ich finde das sehr schade.

  • Johannes Waechter

    @ Jurema
    Ja, das geht momentan noch nicht – sorry. Wird aber irgendwann kommen, sobald ich mich darum kümmern kann. Viele Grüße!

  • Elisabeth

    Ach, wir kümmern uns schon seit Jahren darum, dass junge Bands aus Cuba in Europa auf Tournée gehen dürfen!

    Wir engagieren allerdings keine Bands aus Havanna: die haben nämlich sehr viel mehr Chancen als solche aus der Oriente. Und Santiago de Cuba ist sowieso die Wiege aller cubanischen Rhythmen, wobei “Fusion” heutzutage auch dort kein Fremdwort ist. Im 2010 kommen wiederum 2 Bands, auch nach Süd-Deutschland, wie nach Reutlingen z.B.

  • phunky

    Tach auch,

    war der Buena Vista Social Club denn jemals geöffnet? Im Grunde ist das doch ein klassischer Hype um den Wenders Film herum gewesen, oder habe ich das falsch wahrgenommen? Naja, ich hab damals auch ein paar Platten davon gekauft, aber auch schon seit Jahren nicht mehr gehört.

    Was mir aber Dank dieses Artikels wieder einfiel, ist ein Doppelalbum Namens Havana Mood. Die erste CD ist eine traditionelle Son/Bolero Scheibe. Eingespielt vom Septeto Nacional. An der zweiten hat sich dann Chefesoteriker Bill Laswell versucht. Die trägt den Untertitel “Rhum & Bass” und macht aus traditionellen Rythmen ganz feine Clubsounds, die überwiegend sehr “dubbig” daherkommen. Das Album ist mittlerweile 10 Jahre alt und wohl vergriffen. Aber bei dem großen Online-Kaufhaus aus zweiter Hand erhältlich. Der Obst-Händler hat’s nicht ;-) Ich legte es nach Lektüre des Artikels gleich mal ein, und ja, es ist schön.

    Ansonsten denke ich, dass im deutschen popkulturellen Bewusstsein Mittel-/und Südamerika leider kaum präsent ist. Da gibt es so viele großartige Sachen, die nicht Shakira oder Aguilera heißen… Teilweise auch europäischen Bands, die tolles Zeug in dieser Richtung machen. Außer Manu Chao ist da doch kaum jemand ernsthaft bekannt geworden.

    Ein paar die mir da spontan einfielen und es verdient hätten: Amparanoia, Los Delinquentes, El Gran Silencio, Sergent Garcia, Canteca de Macao, Muchachito Bombo Infierno, Ska Cubano, Gecko Turner, ganz besonders auch Karamelo Santo und natürlich all die anderen ;-)

  • Johannes Waechter

    @ Phunky
    Danke für den Kommentar! Interessant, dass Dir gleich diese Platte von Bill Laswell eingefallen ist. Die hat nämlich Gilles Peterson im Gespräch mit mir auch erwähnt, als Inspiration für sein eigenes Projekt. Im Interview ist es nicht drin, da ich es nicht auf Band hatte. Außerdem hat er in diesem Zusammenhang auch noch Platten von Kip Hanrahan erwähnt, die dieser mit kubanischen Musikern aufgenommen habe. Kenne ich leider nicht. Du?
    An den Buena Vista Social Club habe ich andere Erinnerungen. Die Platte ist damals ja auf World Circuit erschienen, einem ganz kleinen Label, und sie war schon erfolgreich, lange bevor der Wenders-Film in die Kinos kam. Das ist ja alles schon ein bisschen her und an den zeitlichen Ablauf erinnere ich mich nicht mehr genau, aber BVSC ist für mich das Paradebeispiel einer Platte, die in erster Linie aufgrund der eindrücklichen Musik zum Hit wurde, ganz ohne Hype und Promo.

  • phunky

    Moin Johannes,

    dass mir Havana Mood als erstes einfiel hat einfach damit zu tun, dass mit diesem Album (und mit Clandestino von Manu Chao) meine Interesse an lateinamerikanischen Rythmen (ich verallgemeinere mal unzulässig…) richtig begann. Ich hab’s damals zum ersten Mal auf der Kanareninsel La Palma kennen gelernt, wo es in einer lauschigen Bar lief. Nach einem kleinen Verhör des Barkeepers hab ich’s dann noch am gleichen Tag vor Ort gekauft.

    Seit dem sind ungefähr 200 CDs näheren oder entfernteren Ursprungs in mein Regal gewandert. Allerdings nur sehr wenig aus Kuba, den Löwenanteil macht “Mestizo Music” aus.
    Die angesprochenen Sachen von Kip Hanrahan kenne ich leider nicht. Aber mal merken…

    Btw.: Kennst du als Dylan-Fan die Version von Subterranean Homesick Blues (Tristezas del Blues Nostalgico y Subterraneo) von Gecko Turner? Von den vielen vielen Versionen dieses Songs ist das doch wohl mal die lässigste. Ansonsten mal reinhören, ist beim Obst-Händler möglich. Das Album heißt “Guapapasea!”.

  • Cemil

    @Phunky,

    deine Musikempfehlungen kann ich nur unterstützen, allerdings muss dazu gesagt werden, dass das ganze stark in Richtung “Fusion/ Mestizo” geht. Bands wie z.B. Canteca de Macao (nettes Wortspiel übrigens) haben sicherlich auch ein paar Salsa Rhythmen drin, andere Einflüsse insbesondere Flamenco überwiegen aber deutlich.
    Die jungen Wilden der neuen cubanischen Son und Salsa Schule (hab ich noch nicht gehört) sind wirklich vielversprechend. Dafür muss man doch aber nicht die alten Schätze von Board schmeißen… es gibt so viel mehr als das ausgelutschte Buena Vista Social Club.
    Sehr empfehlenswert sind z.B. auch die in den 50iger und 60iger Jahren in Cuba verbreiteten “Descarga- Band”, ein sehr authentischer Sound und eine nette Symbiose aus Jazz und Salsa.
    Old is Gold!!!

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  • daniel deißner

    ich finde es eine bodenlose frechheit das gute sänger in kuba von einem verückten durch geknallten staatschef unterdrückt werden in der musik und in der meinungsfreiheit.fidel castro wie der ideot heißt hat nur auf kosten der bürger nutzen gezocken selber hat er nicht im leben errreicht.das waren sehr sehr große sänger ibrahim ferrer compy segundo.sich dann noch der kretik zu stellen weil sie ein auftritt in den staaten hatten ist in mein augen lächerlich.selber mal hin stellen und singen.ich danke heute noch ry coder das er sowas auf die beine gestellt hat.das ist einmalig soviel gute sänger lebend noch zu treffen und was draus zu machen.danke für das verständniss aber es ist nun mal meine meinung.wer kritik anbringen will soll sich über den castro beschweren der den staat nach wie vor unterdrückt.