Anzeige

SZ-Diskothek

Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  15 Kommentare

Die sieben größten Pop-Flops des Jahres 2009

Was ist dieses Jahr schief gegangen im Pop? Welche Stars haben enttäuscht, Ärger gemacht oder gar gelangweilt? Hier sind meine sieben Pop-Flops des Jahres – mit Michael Jackson, U2, den Beatles und Amy Winehouse.

Von Johannes Waechter

Das Jahresende ist die Zeit der Listen. Aber leider bietet die Popmusik nicht immer nur Anlass zur Freude; oft genug ruft sie Befremden, Ärger und Enttäuschung hervor. Bevor ich nächste Woche meine Pop-Highlights poste, kommen deshalb hier meine sieben Pop-Flops des Jahres. Wie immer natürlich streng subjektiv und mit keinerlei Anspruch auf Ausgewogenheit.

Anzeige

1. Michael Jacksons neuer alter Song “This Is It”

Selten ist ein einzelner Song umfassender beworben worden. “When I say this it, it really means this is it”, sagte der damals noch lebendige Michael Jackson im März, als er seine Londoner Konzertreihe ankündigte. Seitdem hatte diese Wendung Konjunktur, nach Jacksons Tod war sie endgültig in aller Munde. Am 12. Oktober erschien endlich der Song “This Is It” – und sorgte für, gelinde gesagt, große Verwunderung: Diese läppische Ballade ohne erkennbaren Groove sollte Michael Jacksons Vermächtnis sein? Als dann auch noch herauskam, dass der Song keineswegs neu, sondern von Jackson vor fünfundzwanzig Jahren zusammen mit Paul Anka verfasst worden war, war die Blamage perfekt.

2. Die Krallenbühne von U2

u2_claw

Am 30. Juni begann in Barcelona die Welttournee von U2, dort wurde auch ihre neue Bühne enthüllt, die den Namen “The Claw” trägt, die Kralle. Mich erinnert das Teil an ein zehnfach vergrößertes Schrottgebilde aus der Mad-Max-Kulisse, aber gut, das ist Geschmackssache. Nicht von der Hand zu weisen ist aber die Kritik von Klimaschützern an der U2-Gigantomanie. 120 Lastwagen sind nötig, um die Kralle von Stadion zu Stadion zu karren, und es wurde ausgerechnet, dass die U2-Tour für bis zu 65000 Tonnen CO2 verantwortlich sein wird. So schnell lässt sich der vermeintliche Weltenretter Bono als Heuchler entlarven.

3. Das Computerspiel “The Beatles Rock Band”

Ich habe es ausprobiert. Ich setzte mich auf den Hocker, wählte “Twist And Shout” und klopfte auf dem billigen Plastik-Schlagzeug herum, das Ringos Kit simulieren soll. Irgendwann war der Song zu Ende und eine Zahl zeigte an, wie “gut” ich gespielt hatte. Man schimpfe mich altmodisch, aber ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was dieser Mist eigentlich soll. Ich finde, es gibt kaum etwas schöneres, als sich die Musik der Beatles anzuhören, und auch das Erlernen eines Musikinstruments halte ich für ausgesprochen wertvoll. Das Computerspiel “The Beatles Rock Band” hat aber mit beidem nichts zu tun, sondern ist Zeitverschwendung, bei der man wenig über die Beatles lernt und gar nichts übers Musikmachen. Da hilft es auch nichts, dass die Animationen recht schön sind.

4. Die Rap-Karriere von Joaquin Phoenix

Vor einem Jahr verkündete Joaquin Phoenix, seine Filmkarriere an den Nagel hängen zu wollen; von nun an sei er Rapper! Im Frühjahr hatte er, inzwischen mit einem imposanten Gesichtsgewächs ausgestattet, tatsächlich einige erste Auftritte: In einem Club in Miami gab er ein Stück zum besten und schlägerte sich danach mit einem Mann aus dem Publikum (siehe oben). Phoenix’ Ausflug in die HipHop-Welt war so bizarr, dass viele vermuteten, es handele sich um einen Borat-artigen Stunt, den er irgendwann auflösen werde. Seine Antwort: “This is not a joke. Might I be ridiculous? Might my career in music be laughable? Yeah, that’s possible, but that’s certainly not my intention.” Seit Mitte des Jahres hat man kaum noch etwas vom Rapper Joaquin Phoenix gehört, und auch aus der Kollaboration mit P. Diddy ist bisher nichts geworden.

5. Das Musikprogramm zum Mauerfall-Jubiläum

Am Abend des 9. November versammelten sich am Brandenburger Tor etliche hunderttausend Menschen sowie eine große Anzahl von Staatsgästen. Was diese Menschen zu sehen bekamen, bewies, dass die Deutschen auch 50 Jahre nach Elvis noch kein produktives Verhältnis zur Popmusik haben. Ein musikalischer Tiefpunkt jagte den nächsten: Paul van Dyks schnulziger Wendesong “We Are One”, Jon Bon Jovis deplatzierter Auftritt, Placido Domingos gequälte Coverversion der “Berliner Luft”. Am schlimmsten jedoch: Adoro, eine Gruppe von fünf jungen Opernsängern, covern Westernhagens “Freiheit”. Als ich das sah, bekam ich Angst vor der Berliner Republik.

6. Die neue Belanglosigkeit des Robbie Williams

robbie_williams1

Es ist gar nicht mal so, dass ich das neuen Album von Robbie Williams wahnsinnig schlecht finden würde. Aber obwohl es kommerziell einigermaßen erfolgreich ist, hat Reality Killed The Video Star für mich eine tragische Anmutung. Da bricht ein Weltstar auf dem Höhepunkt seines Ruhms zu neuen Ufern auf, sucht sich einen neuen Ideengeber, zieht in ein fremdes Land. Nichts klappt, und so macht er ein paar Jahre später einfach dort weiter, wo er eigentlich nicht weitermachen wollte, produziert mit denselben Leuten wie früher einen müden Abklatsch jenes Sounds, mit dem er einst erfolgreich war. Und muss dabei auch noch die ganze Zeit gute Miene machen.

7. Das Bühnencomeback von Amy Winehouse in St. Lucia

Amy Winehouse hat dieses Jahr gar nicht viel gemacht. Insofern hätte im Prinzip auch nicht viel schiefgehen können. Aber so einfach ist es dann leider doch nicht bei unser aller Lieblings-Diva. Nach mehrmonatiger Pause stand sie Anfang Mai endlich wieder auf einer Bühne, und zwar beim Jazz-Festival auf der Karibik-Insel St. Lucia. Doch das Comeback stand unter keinem guten Stern. Winehouse machte einen gelangweilten, leicht desorientierten Eindruck und sang an ihrer Band vorbei. Dann brach auch noch sintflutartiger Regen los, und das Konzert war nach wenigen Stücken vorüber. Mensch, Amy!

Fotos: AP, Getty (2)

Demnächst an dieser Stelle: meine sieben intensivsten Pop-Momente des Jahres 2009.

Was ist Dein Song des Jahrzehnts? Mach mit bei der großen Nullerjahre-Abstimmung auf jetzt.de!

Kommentare

  • phunky

    Ich habe das neue Album von Robby Williams gehört und finde es sehr wohl schlecht. In meinen Ohren dokumentiert er die Belanglosigkeit aktuellen Kommerzpops, wie es sonst wohl nur Mariah Carey in der Lage ist zu tun. Deren aktuelles Album kenne ich allerdings nicht und ich hoffe es bleibt dabei. Das gilt besonders für ihre Interpretation der unsäglichen Foreigner-Schnulze, deren Namen ich mich nicht auszusprechen getraue ;-)

  • Johannes Waechter

    @ Phunky
    Mariah Carey stand auch auf meiner Liste. Allerdings weniger wegen ihrer Musik, sondern weil sie dieses Jahr einen Trend gesetzt hat, der uns in den nächsten Jahren bestimmt noch viel Ärger bereiten wird: Sie hat das Booklet ihrer CD mit Anzeigen zupflastern lassen. Passt übrigens auch zum Thema “lieblose Gestaltung von CD-Booklets”, bei dem wir vorhin schon waren.

  • phunky

    Moin Johannes,

    Das ist schäbig. Aber Mariah ist sich halt für nichts zu schade. Die Dame ist für mich ein echtes Phänomen. Gelegentlich haut sie mal ein Album raus, vermutlich im Liegestuhl aufgenommen, mit nem Gin Tonic in der Hand. Im Studio dann noch den pompösen Kitsch drauf und die Leute kaufen es. Hätte die wenigstens das Talent das eine Whitney Houston hatte (obwohl es sich in ihrem Werk auch nur bedingt wiederspiegelt), bevor sie sich dem Suff hingab, aber nein, nicht mal das. Ich kann es mir nicht erklären.

    Apropos Talent und apropos Suff. Amy ist natürlich auch wirklich tragisch. Besonders tragisch ist dabei auch, dass sie im falschen Jahrzehnt lebt. Ich nehme mal an Marianne Faithful oder Janis Joplin haben sich auch nicht immer so glorreich präsentiert. Aber die hatten den Vorteil, dass nicht jeder eine Kamera hatte und es Youtube noch nicht gab. Außerdem waren plastische Operationen noch nicht so populär…

  • zappzarapp

    Yo,
    dümmlicher Kommentar zur U2-Kralle.
    Dass so eine riesige Tour Energie verbraucht, bis der Arzt kommt, muss man nicht erst entlarven. Das weiss man, wenn man nicht komplett pleplem ist. Mit ein wenig Recherche hätte man auch rausfinden können, dass die Band sehr fix auf die Anschuldigungen reagiert hat und Maßnahmen ergriffen worden sind, den CO2-Verbrauch der Veranstaltungen zu reduzieren.
    Aber für Recherche haben die Berichterstatter, Redakteure wollen wir sie lieber nicht nennen, heutzutage ja keine Zeit mehr. Wie der Autor die Kralle findet, interessiert im Übrigen keine Sau.

  • wk

    Freiheit von fünf Tenören – das ist ja der Gipfel der Unerträglichkeit….

    Du meine Güte!

  • amoro

    adoro – das ist ja noch schlimmer als man es sich vor dem anklicken vorstellt. und u2-bashing, das pferd ist so tot, also so end.tot, dass man sich fragt, welche leiche da noch draufrumreiten muss. fadenschein, ick hör dir.. die kralle, na klar.

  • hermesgeil

    @ zappzarapp
    …was heißt hier “Berichterstatter”? Ist doch nur ein Blogger. Und dieses Wort spricht man aus, indem man mit dicken Backen zum “B” ansetzt und für das folgende “L” die Zunge weit nach vorne rollt. Das “O”+ “GGER” ergeben den passenden Rest von alleine. Dadurch bedingt das Wort eine Bewegungsabfolge, die sich auch ergibt, wenn man sich spontan übergeben muß. Der Inhalt der meisten Auswürfe dieser Selbsternannten ähnelt verdächtig den bunten Pfützen ringsum jener berüchtigten DIXI-Buden.
    Ergo ließe sich noch viel mehr CO2 mühelos einsparen, wenn man den überflüssigen 99% der Blogger einfach den Stecker zieht.
    Nebenbei: sollten Aliens uns tatsächlich im Vorfeld einer Erkundung aushorchen, stehen die Chancen ziemlich schlecht, daß sie sich anschließend bemerkbar machen – bei dem TV-/ Handy-/ und PC-verursachten Müll, den sie abkriegen. Man stelle sich mal vor: ein in den Tiefen des Weltraums zufällig eingefangener Beitrag zB eines Hugo Egon Balder auf dem Bildschirm einer fremden, friedlich gesinnten “Enterprise” wird dechiffriert. Bei den Aliens kommt doch unmittelbar der Stoffwechsel zum Erliegen.

  • Lili

    Bzgl. Robbie Williams muss ich dir leider Recht geben. Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich würd mich eigentlich seit 1998 als Fan bezeichnen und finde ihn heute in Interviews auch viel sympatischer als früher, aber das neue Album hat mich doch ziemlich enttäuscht und das aus eben dem Grund, den du hier nennst. Nachdem ich die Songs auf youtube gehört habe hab ich’s mir nicht gekauft. Sollte er doch irgendwann mal wieder mutiger werden und nicht nur den wirtschaftlichen Interessen seiner selbst und seiner Hintermänner nachgeben, bin ich wohl wieder dabei, aber bis dahin war’s das.

  • twen

    Mannohmann, es scheint doch noch einige U2 Fans zu geben. Diese werden uns wohl oder übel noch 40 Jahre erhalten bleiben. Diese Brüder des schlechten Geschmacks sind gewiss auch durch Umfrageergebnisse dafür verantwortlich, dass wir auf Bayern 3, SWR 3 etc. immer wieder denselben 80er Jahre-Synthesizer-Müll a la Last Christmas von George Michael, Boy George und so´n Shit hören. Sie finden schlechten Geschmack toll und bestimmen den Zeitgeist. Schlaft endlich ein, Ihr U2-Zombies. Ihr schreckt ja nicht mal davor zurück, harmlose Blogger oder Reporter oder was auch immer vollzukotzen für einen Bono, der nur bei Charityveranstaltungen mitmacht, um noch unter den Stars sein zu dürfen. Ihr, die in den 80er Jahren mal Twens wart seid furchtlos. Aber ihr seid auch geschmacklos und das tut weh!

  • Frank

    8. Pop-Peinlichkeit (um an eine alte Diskussion mit Rekordbeteiligung anzuknüpfen): Klaus Meine singt im Duett mit dem spanischen Opernsänger Carreras : NAWASWOHL??? Winds of….. (Diese Woche im TV, reingezappt, konnte wegen Schockstarre nicht mehr rauszappen)

  • Rüdiger Grothues

    @Frank
    Das ist lustig – und die eingetretene ZAPPSTARRE (das Wort sieht aus wie diese berühmt-berüchtigte Rubrik „Von Abba bis Zappa“) lässt sich gut nachvollziehen.
    Dabei wollte Carreras sicher wieder etwas Gutes tun, und so gab es blutarme Musik im Kampf gegen Leukämie.
    Gruß von
    Rüdiger

  • zarah

    (muhahaha, hermesgeil, ich hab selten so gelacht… danke, du hast meinen tag gerettet!! :-))

    bei beatles rockband muss ich energisch widersprechen. klar ist es besser ein echtes instrument zu lernen – und die rockband / guitar hero reihen sind mit sowas nun wirklich nicht zu vergleichen – nichts desto trotz macht es einfach unglaublich spaß “while my guitar gently weeps” endlich im expert modus zu 100% geschafft zu haben. ;-) mit dem netten nebeneffekt während des spiels auch noch gute musik zu hören.
    eventuell einfach mal gitarre statt schlagzeug probieren?

  • Matt

    U2 die musikalischen U-boot fahrer leben beinahe ausschließlich nur noch vom (absolut berechtigten!!) Erfolg des Joshua Tree Albums.Alles was danach kam ist mittelmäßig.Weswegen neueres Material ja auch “dauernd” eigentlich nie gespielt wird.Dafür zum zigtausendsten mal “innn the näiiime offf loooff”Und ein echter U2 fan verträgt KEINE Kritik an SEINER Band.Sei sie auch noch so berechtigt.Es wäre als convertiert uns Bendedikt zum Islam…

    G.M. “Last x-mas” Was ist daran weihnachtlich?? Wer den Text entziffern kann weiß Er schickt seine Alte in die Wüste:
    letztes Jahr schenkte ich Dir mein Herz…aber DU….deswegen ist ne Andere dran also ZUPF DI!!
    Da pfeif ich mir lieber jetzt
    “Fairytale of New York” von den Pouges rein.
    Frohe Weihnachten
    Matt

  • Pendlerblog

    “while my guitar gently weeps” im “expert modus” zu 100 % schaffen – dass Pop eine kommerzielle Veranstaltung war, ist und immer bleiben wird, ist mir schon klar. Aber mit J.W. wird mir immer unbegreiflich bleiben, wie man so schöne Musik, in der zudem so viel Herzblut steckt (und in diesem speziellen Song steckt auch noch so eine spezielle Geschichte rund um die wichtigste Band der Welt) auf ein Mitmach-Computerspiel reduzieren kann. Man sehe sich an, wie Ringo und Paul bei der Präsentation des Teils herumalberten – es war ihnen sichtlich peinlich. Aber da Pop eine kommerzielle Veranstaltung ist…

  • CPO

    Mal Hand aufs Herz,
    Bono kann seine Rolle als Unicef Botschafter musikalisch gar nicht mehr übertreffen.
    Ist doch schön zu sehen, dass der Mann eine neue und diesmal sinnvolle Herausforderung gefunden hat.
    Und alle U2 Fans die jetzt im Regen stehen, hier ein heißer Tipp wem man als nächstes nacheifern kann!

    http://www.u-quadrat.de/leistungen/kvp_kaizen.html
    http://www.u-quadrat.de/leistungen/einkauf_exzellenz.html