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Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  6 Kommentare

Senator Mellencamp?

Mit einer Internet-Kampagne soll John Mellencamp dazu bewegt werden, für den vakanten Senatssitz seines Heimatstaats Indiana zu kandidieren. Absurdes Polit-Theater? Oder könnte der bodenständige Rocker tatsächlich den Sprung nach Washington schaffen?

Von Johannes Waechter

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Zusammen mit Willie Nelson (rechts) organisiert John Mellencamp seit vielen Jahren das Festival Farm Aid, mit dessen Erlösen amerikanische Bauern unterstützt werden.

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In den USA läuft seit einigen Tagen eine Kampagne, mit der John Mellencamp zum Politiker gemacht werden soll. Fans des Karohemden-Rockers haben sich auf Facebook zusammengeschlossen und fordern, er solle im Herbst für den Senatssitz in seinem Heimatstaat Indiana kandidieren. Der bisherige Amtsinhaber, der Demokrat Evan Bayh, hat Anfang der Woche überraschend angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Nun befürchten viele, der Sitz könne den Republikanern in die Hände fallen.

Mellencamp hat sich noch nicht zum Ansinnen seiner Fans geäußert; dennoch wird die Idee bereits intensiv diskutiert. Gegen seine Kandidatur spräche natürlich der Mangel an politischer Erfahrung, allerdings ist Mellencamp durchaus ein meinungsstarker und recht progressiver Teilnehmer am politischen Geschehen. In den Achtzigern kritisierte er Ronald Reagan, und nach 2003 trat er als entschiedener Gegner der Irak-Kriegs an die Öffentlichkeit. Viele seiner Songs handeln vom  Los des kleinen Mannes, und in Indiana, wo er bis heute wohnt, ist er ausgesprochen populär. Kurz: Die Idee, ihn zur Kandidatur zu bewegen, lässt sich nicht von vornherein als Irrsinn abtun.

John Nichols von The Nation gefällt die Idee jedenfalls: “In fact, he might be just enough of an outlier to energize base votes and to make independent voters look again at the Democratic column.” Auch Brent Budowsky ist dafür: “This is a truly inspired idea”, schreibt er bei The Hill. “John Mellencamp would make an outstanding and even brilliant United States senator and represents exactly the spirit and soul the Democratic Party should stand for.”

Weniger begeistert ist Patrick Goldstein von der LA Times. “I can’t say that I’m especially enthusiastic about the party turning to showbiz non-pros in its desperate search for a viable candidate.” Viele Kommentatoren glauben, die Republikaner würden sich insgeheim bereits die Hände reiben, da ein unerfahrener und – für amerikanische Verhältnisse – relativ linker Kandidat leicht zu schlagen sei.

Ich persönlich hielt die ganze Kampagne zuerst für reichlich bizarr, muss inzwischen aber sagen, dass es dem US-Senat wohl tatsächlich gut täte, von einem Außenseiter wie Mellencamp aufgemischt zu werden. (Was er dort ausrichten könnte, wäre eine andere Frage.) Mellencamp ist bekennender Fan von Woody Guthrie – dessen Geist und Weltsicht wird in der von den Interessen der Reichen und Großkonzerne dominierten US-Politik dringend gebraucht.

Dass Mellencamp dann keine Platten mehr machen könnte, wäre zu verschmerzen, oder? Seine Musik hat mich nie sonderlich interessiert, allerdings sei hier nicht verschwiegen, dass mir Marc Ribot im Oktober von einer “fantastischen Session” erzählt hat, die er mit John Mellencamp in den Sun Studios in Memphis gespielt habe, unter Ägide des Produzenten T-Bone Burnett. Diese Platte sollte wohl noch erscheinen, dann kann Mellencamps Polit-Karriere beginnen.

Fotos: AP

Kommentare

  • Steve Bürger

    “Seine Musik hat mich nie sonderlich interessiert…” Wahnsinn! Schön, dass der Autor hier musikjournalistisch blank zieht! Wahrscheinlich hat er nur ´Jack and Diane´ gehört.
    Mellencamp kann in einem Atemzug mit Neil Young und Bruce Springsteen genannt werden. Schon mal in seine aktuelle Platte reingehört???

  • Johannes Waechter

    @ Steve Bürger
    Die aktuelle Platte kenne ich nicht, aber die Sachen, die ich von Mellencamp kenne, finde ich gerade eben nicht so gut wie Neil Young oder Springsteen. (Möglicherweise hat er sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, das wäre mir dann entgangen.) Aber das ist auch nicht der Punkt, da es in dem Text nicht um Mellencamps Musik geht, sondern um seine (unerklärten) politischen Ambitionen. Ich finde, so einen Text darf man schreiben, ohne sich vorher durch sein Gesamtwerk zu hören. Oder etwa nicht? Was sagt der beleidigte Fan?

  • phunky

    Mellencamps Musik ist absolut Middle of the Road. Das war bei dem Rockzeugs in den 80ern so und jetzt ist es halt MoR-Folk. Wer’s braucht, wer’s mag… Mellencamp in eine Reihe mit Neil Young zu setzen ist unangebracht, wenn nicht sogar unverschämt. Weder was die Vielfalt der Musik, noch was die Bedeutung für die Rockmusik angeht, ist Mellencamp mit Young vergleichbar. Selbst der Springsteen-Vergleich hinkt auf allen Beinen.

  • Ich

    Reichlich bizarr: es geht lediglich um eventuelle Ambitionen. Die zudem von Mr. Mellencamp (formerly known as Mr. Cougar) zurecht nicht kommentiert werden. Und um seine Popularität, die versucht wird zu instrumentalisieren. Mitnichten um seine Musik.

  • werner

    Herr Waechter betreibt einen Musik-Blog und schreibt einen Artikel über John Mellencamp und kennt die letzte Platte von Ihm nicht???? Sehr peinlich und auch ein schweres Versäumnis denn ist ist die beste Scheibe seiner Karriere (übrigens von T-Bone Burnett produziert) und bestimmt mit ein Grund gewesen weshalb Bob Dylan ihn mit auf Tour nahm im vergangenem Sommer!

  • Friise

    Ich bin Fan von Mellencamp, Young und Springsteen und man sollte keinen Wettbewerb starten, wer „der Beste“ ist. Am ehesten kann man ihn wohl mit John Fogerty vergleichen. Was man Mellencamp aber hoch anrechnen muss ist, dass er sich bereits vor Beginn des Irakkrieges vehement gegen einen solchen Kriegseinsatz ausgesprochen hat, als andere sich noch sehr bedeckt hielten. Daraufhin wurde er aufs Übelste beschimpft, was soweit ging, dass auf seiner Homepage jemand ins Gästebuch schrieb, er wüsste nicht, wen er mehr hassen sollte, Mellencamp oder Sadam. Ich hoffe, er lässt sich nicht auf dieses politische Abenteuer ein. Jemand wie der bodenständige Mellencamp gilt in den USA bereits als radikaler Linker. Daher hätte er keine Chance.