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Das Musikblog von Johannes Waechter

SZ-Diskothek  3 Kommentare

Gilles Peterson: Zurück nach Havanna

Neues von Gilles Peterson: Der Star-DJ verweilt musikalisch weiter auf Kuba und hat sein "Havana Cultura"-Album, das im letzten Herbst erschien, nun den Remixern zum Fraß vorgeworfen. Etliche prominente Beatheads schnappten zu.

Von Johannes Waechter

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Im vergangenen Herbst habe ich hier recht ausführlich über das Havana Cultura-Projekt von Gilles Peterson berichtet. Der englische DJ hatte auf Kuba eine CD mit jungen Musikern aufgenommen: Künstler wie Roberto Fonseca, Danay und Ogguere kreuzten Rumba und Rap und räumten mit dem Irrglauben auf, dass die Musikszene von Havanna von alten Männern dominiert wird, die auf Zigarrenstummeln herumkauen und die Hits ihrer Jugend reproduzieren.

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In Paris hatte ich damals ein tolles Konzert mit einigen dieser Künstler gesehen, außerdem konnte ich mit Gilles Peterson ausführlich über seine Kuba-Reise – und seine legendäre Plattensammlung – sprechen. Nun geht das Projekt in die nächste Phase. Vor einigen Tagen ist Havana Cultura: Remixed (Brownswood/Rough Trade) erschienen: auch wieder eine Doppel-CD, auf der einen sind zwölf Remixe zu finden, auf der anderen ein durchlaufender Mix mit Material aus den Havana-Cultura-Sessions.

Gilles Peterson hat seine Beziehungen spielen lassen und einige hochkarätige Remixer gewonnen: 4Hero veredeln das Donald-Byrd-Cover “Think Twice”, Rainer Trüby verjazzt “Afrodisia”, auch Little Louie Vega, MJ Cole und Mocky sind dabei und zeigen sich der rhythmischen Komplexität der kubanischen Musik gewachsen; einzig Techno-Legende Carl Cox unterlegt das ihm zugeteilte Stück mit einem recht stupiden Bum-Bum-Beat. (Mehr über Carl Cox in diesem interessanten Gilles-Peterson-Interview.)

Dies sagt Peterson selbst über das neue Album: “For me it was just a natural progression to rework those live studio jams and take them to the club domain with this new Remixed album. For example, I felt that Louie Vega could elevate the Afro groove of ‘Roforofo Fight’ to new heights, and he did not disappointment me. Together, a handful of maestros – 4Hero, Rainer Trüby, MJ Cole and Carl Cox – alongside the cream of the Cuban electronic scene – Wichy de Vedado and Doble Filo – makes for an intriguing blend of the traditional and the contemporary and only serves to underscore and celebrate just how far Cuban music today has, and continues to, evolve.”

Peterson wird bei seinen Bemühungen um die kubanische Musik von einem Getränkekonzern unterstützt, der eine der bekanntesten Rum-Marken der Insel vertreibt. “So eine Platte kann man heute nicht mehr allein mit den Verkaufserlösen verdienen”, hat mir Peterson im Herbst gesagt. “Dafür braucht man Sponsoren.” Manche mögen solch ein Sponsoring anrüchig finden, ich denke, entscheidend ist die Perspektive der beteiligten Musiker. Und die sind Gilles Peterson dankbar, dass er sie der Weltöffentlichkeit präsentiert und nach Kräften für die junge kubanische Musik wirbt.

Gilles Peterson, Roberto Fonseca und die Havana-Cultura-Band touren im Sommer durch Europa. Leider kommen sie nicht nach Deutschland, dafür aber zum Beispiel nach Wien (30. Juni) und Roskilde (2. Juli). Neuigkeiten von Havana Cultura Deutschland gibt’s auch auf einer speziell eingerichteten Facebook-Seite.

Fotos: Youri Lenquette

Kommentare

  • Matthias Gutjahr

    Havana Cultura wird auch auf Gilles’ Worldwide Festival im südfranzösischen Sète zu hören sein – ich freue mich schon riesig drauf. Und werde sicher auch drüber bloggen ;)

    Die Sache mit dem Sponsoring ist schon ok. Jedes x-beliebige Festival in Deutschland ist doch von Anfang bis Ende mit Werbung aka Sponsoring zugekleistert. Also warum nicht auch für Platten bzw. solche Projekte?

  • 16.06.: Das Ende, der Anfang und Ozzy Osbournes Erbgut : ByteFM Magazin

    [...] SZ Magazin beschäftigt sich derweil mit dem englischen DJ und BBC-Moderator Gilles Peterson. Peterson sorgt [...]

  • Luis Orsini

    Gilles Peterson hat uns klar gemacht, dass Charts bei weitem nicht dem entsprechen, was WIR hören wollen!
    Hier ein interessanter Artikel darüber:

    http://www.theeuropean.de/ibrahim-evsan/3702-analoge-versus-digitale-musik