Amos Lee und sein erfreulicher Minusrekord
Der Songwriter Amos Lee hat es mit seinem neuen Album Mission Bell bis an die Spitze der Billboard-Charts geschafft. Viele Platten verkaufen musste er dafür allerdings nicht.
Von Johannes WaechterErstaunliches spielt sich gerade in den US-Charts ab. Seit letzter Woche steht Amos Lee auf Platz eins der Billboard 200. Lee ist ein Songwriter mit Country-Einschlag aus Philadelphia, bisher war er nur Eingeweihten bekannt. Auf Platz zwei folgt Iron And Wine, das Projekt von Sam Beam, einem zauselbärtigen Americana-Helden aus Austin (der zufälligerweise sogar einen Gastauftritt auf der Platte von Amos Lee hat). Auf Platz sechs stehen Mumford & Sons, auf Platz zehn die Decemberists, eine Folkrock-Band aus Portland. Haben Americana-Künstler also ab sofort als die neuen Topseller der US-Musikbranche zu gelten?
Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Rolling Stone weist auf einen kuriosen Umstand hin: Noch nie ist ein Künstler mit so wenig verkauften Platten auf Platz eins der Billboard-Charts gelangt wie Amos Lee: 40.000 Exemplare von Mission Bell reichten für den Platz an der Sonne. Damit unterbot Lee den bisherigen Negativrekord, den Cake erst vor zwei Wochen aufgestellt hatten, noch mal um 4000 Exemplare. Nun ist der Januar generell ein umsatzschwacher Monat, dennoch dürften anhand solch bescheidener Zahlen bei den Plattenfirmen wieder mal die Alarmglocken läuten.
Interessant finde ich nun, dass Songschreiber wie Lee und Beam noch vergleichsweise gut mit der Krise umgehen können. Offensichtlich gelingt es Künstlern, die über ihre Songs mit den Hörern kommunizieren, viel touren und über mehrere Platten hinweg ein Gesamtwerk aufbauen, durchaus noch, ihr Publikum zum Kauf eines Albums zu motivieren. Während der Mainstream-Sound oft als ziemlich wertlos empfunden wird, fühlen die Fans bei Künstlern wie Amos Lee anscheinend noch die Verpflichtung, ihn durch Kauf der Platte ganz konkret materiell zu unterstützen. So hat sich Mission Bell in der ersten Woche mehr als doppelt so oft verkauft wie Lees Vorgängeralbum Last Day At The Lodge.
Nicht unwichtig außerdem: Mission Bell ist einfach ein gutes Album. Lee hat die Platte in Tucson, Arizona aufgenommen, Joey Burns von Calexico hat sie produziert, und so wehen gelegentlich Elemente von Calexicos typischem Wüstensound durch Lees Songs, wie wenn im Opener “El Camino” gegen Ende eine traurige Mariachi-Trompete ertönt. Auch die Gäste Lucinda Williams und Willie Nelson verbreiten auf die ihnen eigene Art das Gefühl von melancholischer Weite und glühendem Wüstensand.
Lee ist jedoch kein Mann ohne Rückgrat, der nach ein paar Tagen in Tucson umgehend zum Wüstensohn geworden wäre. Ebenso stark wie der Einfluss von Calexico ist auf Mission Bell auch der Einfluss von Bruce Springsteen zu hören, zum Beispiel auf der Single “Windows Are Rolled Down”, die im bossigen Breitwandformat das Autofahren zelebriert.
Ein weiteres Vorbild ist Bill Withers, dessen alter Drummer James Gadson auf Mission Bell mitspielt. In dieser Interviewpassage über Withers’ Doppelalbum Live At Carnegie Hall spricht Lee ausführlich darüber, wie ihn der große Soulmann geprägt hat: “Sometimes when you hear recordings and those kinds of works, they get inside of you and they excavate. There’s this kind of movement inside of you and I don’t know if it’s in the heart or the head but it excavates a part of you that now has to be filled. So now it’s your duty to fill that space. It does that for you and you can choose whatever you want to put in there. In my case, I just kept on writing songs and tried to become a better writer. And I still am. That space that those works hollowed, I’ll never be able to fill. But it’s knowing that that space is there now and having a commitment to filling it.”
Fotos: Harper Smith
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16 Uhr 04
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11 Uhr 48
Moin Johannes,
Country?!? Naja, egal. Finde die Platte auch nicht schlecht. Aber nicht so gut wie die davor. Dafür besser als die beiden Langweiler wiederum davor. Die neue Iron & Wine gefällt mir persönlich allerdings deutlich besser.
13 Uhr 28
Dass das Biz sich ändert, ist wohl klar. Je nachdem müssen sich gewisse Labels jedoch überhaupt keine Sorgen machen, denn sie profitieren vom long tail, von der Auffächerung der Geschmäcker, der Diversifizierung der Quellen. Reich wird damit keiner mehr. Aber wer braucht noch mehr divenhafte Rockstars und feiste Labelbosse? Qualität hat mit dem Internet endlich ihr Medium gefunden. Embrace it.
13 Uhr 36
Mumford & Sons stehen mit Sigh No More tatsächlich immer noch auf dem sechsten Platz? Komisch, was so eine Deluxe-Version alles ausmachen kann…
Das neue Album von den Decemberists gefällt mir aber auch wieder richtig gut, in die ersten beiden Plätze muss ich noch reinhören.
22 Uhr 47
Das wurde auch allerhöchste Zeit, dass sich auch Qualität mit gewisser Zeitlosigkeit gegen diesen ganzen Mainstream-Scheiss durchsetzt, diese Art man Mucke kann man doch nur downloaden, zum Sammeln und Kaufen hat diese Musik einen ganzen anderen Anreiz, vielleicht schaffen es Calexico oder vielleicht John Hiatt mal wieder in die Charts, ein gutes Zeichen!
11 Uhr 24
Hallo Phunky, lange nicht gesehen. Viele Grüße!
12 Uhr 03
Alle denken immer nur an sich, nur ich nicht, ich denke an sie.