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Leonard Cohen: Der heilige Schein des inneren Friedens

Von Johannes Waechter

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Vorgestern Bob Dylan, gestern Neil Young, heute Leonard Cohen – mein Blog beherrschen gerade die alten Säcke. Nächste Woche, keine Angst, werde ich wieder über Musiker schreiben, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben, aber diese Woche musste das einfach sein, nicht zuletzt deshalb, weil Leonard Cohens Doppel-Album bzw. DVD Live in London in höchstem Maße wunderbar ist: Vom ersten Moment an lauscht man dem Großmeister der vergeblichen Sinnsuche mit andächtiger Ergriffenheit.

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Cohen war zuletzt im Jahr 1994 auf Tour. Danach hatte er sich für etliche Jahre in ein Zen-Kloster zurückgezogen, nur um irgendwann festzustellen, dass ihn seine Managerin um rund fünf Millionen Dollar gebracht hatte – seine gesamten Alters-Rücklagen. Zwar hat er schon vor dieser bösen Tat wieder Platten veröffentlicht, doch scheint seine letztjährige Tour auch finanzielle Gründe gehabt zu habe. Die Gleichnishaftigkeit dieses Zusammenhangs – aus dem Schlechten erwächst das Gute – dürfte dem geläuterten Pessimisten, als der sich Cohen seit einigen Jahren präsentiert, gefallen haben.

Denn Cohen wurde bei seiner Tour überall auf eine Art bejubelt, die ihn überrascht und zutiefst berührt zu haben scheint. So war es in der Münchner Olympiahalle, so war es, ausweislich der DVD Live in London, auch am 17. Juli 2008 in der dortigen O2-Arena. Fast schon ungläubig blickt der 73-jährige Greis ins frenetisch jubelnde Publikum, bedankt sich, zieht den Hut, verstummt irgendwann lächelnd.

Die Ekstase des Publikums ist berechtigt: Cohen präsentiert sich in Hochform. Das liegt auch daran, dass er einer jener seltenen Künstler ist, der erst nach Jahrzehnten seinen eigenen Stil gefunden hat. Auf den frühen Alben waren die Songs zwar großartig, aber seine Stimme klang dünn und die musikalische Begleitung aufgepropft.

Das änderte sich erst mit seinem Meisterwerk I’m Your Man (1988) und der Entdeckung des Synthie-Sounds. Seitdem bezieht Cohens Musik aus dem Wechselspiel zwischen seiner grabestiefen, dennoch warmen Stimme und der künstlichen Oberfläche des Sounds einen eigentümlichen Reiz. Erst in diesem Stilbruch fand er einen Stil, der ihm die volle musikalische Entfaltung ermöglichte.

So ist schon die Musik auf diesem Album in höchstem Maße brillant: Cohens neunköpfige Band spielt makellos, federnd, virtuos – aber überaus kontrolliert, im Dienste des Meisters und seiner Songs. Und was für Songs das sind! Mir fallen wenige Künstler ein, die ein Konzert mit einer ähnlich starken Trilogie wie “Dance Me To The End Of Love”, “The Future” und “Ain’t No Cure For Love” eröffnen könnten. Ein Klassiker folgt auf den nächsten, und auch die alten Lieder wie “Suzanne” und “Bird On The Wire” klingen im neuen Sound frisch und lebendig.

So zieht Cohen hier in gewissem Sinne die Summe seiner Karriere, und zwar auf dann doch recht überraschende Weise: Nach Jahrzehnten des Haderns, der Depression und Suche ist er zur Ruhe gekommen, und seine Musik erblüht im heiligen Schein des inneren Friedens.

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