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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Bob Dylan im Interview: “Die Stones sind am Ende”

Von Johannes Waechter

dylan_o2Hier ist Teil vier des großen Interviews, das der US-Journalist Bill Flanagan mit Bob Dylan geführt hat. Die ersten beiden Teile sind auf Dylans Homepage zu finden, die deutsche Version von Teil drei erschien vergangene Woche hier in meinem Blog, exklusiv für Deutschland und mit ausführlichen Kommentaren Dylans zum amerikanischen Bürgerkrieg und zu Barack Obama. Bob Dylans neues Album Together Through Life erscheint am 24. April bei Sony Music.

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Um auf das Thema Politik zurückzukommen – was halten Sie, der Sie aus Minnesota stammen, von Jesse Ventura?

Er hat ein paar gute Sachen gemacht oder es versucht. Ich bin ihm nie begegnet. Alles, was ich über den Gouverneur weiß, ist, dass er Rolling Stones-Fan ist.

Ihre alte Truppe?

Gelegentlich höre ich mal von Keith, aber das war’s dann auch.

Was denken Sie über die Stones?

Was ich über sie denke? Sie sind so ziemlich am Ende, oder?

Letztes Jahr hatten sie eine riesige Tournee. Das nennen Sie am Ende?

Oh ja, Sie meinen Steel Wheels. Ich sage ja nicht, dass sie nicht weiter am Ball sind, aber sie brauchen Bill. Ohne ihn sind sie eine Funkband. Die echten Rolling Stones werden sie erst dann sein, wenn sie Bill zurückholen.

Bob, Sie sind in den Achtzigern stecken geblieben.

Ich weiß. Ich versuche auszubrechen.

Meinen Sie wirklich, dass die Stones am Ende sind?

Natürlich nicht. Sie sind noch lange nicht am Ende. Die Rolling Stones sind definitiv die größte Rock’n'Roll-Band der Welt und werden es immer sein. Auch die letzte. Alles, was nach ihnen kam, Metal, Rap, Punk, New Wave, Pop-Rock, einfach alles, lässt sich auf die Rolling Stones zurückführen. Sie waren die ersten und letzten und niemand hat es jemals besser gemacht.

“This Dream Of You” hat diesen wunderbaren Touch von “South Of The Border”, aber zugleich höre ich da Elemente von Sam Cooke raus, von den Coasters, Brill Building and Phil Spector. Waren diese Platten aus den Fünfzigern und Sechzigern wichtig für Sie? Haben Sie versucht, etwas von dieser Stimmung in “This Dream Of You” einzufangen?

Diese Platten aus den Fünfzigern und Sechzigern waren definitiv wichtig. Das könnte das letzte große Zeitalter echter Musik gewesen sein. Seither oder vielleicht seit den Siebzigern spielen alle nur noch auf Computern. Sam Cooke, die Coasters, Phil Spector, das war alles großartige Musik, aber sie ist nicht so richtig in mein Bewusstsein gedrungen. Damals hörte ich Son House, Leadbelly, die Carter Family, Memphis Minnie und romantische Todesballaden. Was das Songwriting betrifft, wollte ich Lieder schreiben wie Woody Guthrie und Robert Johnson. Zeitlos und ewig. Nur ein paar dieser Radio-Balladen haben bis heute Bestand und bei den meisten hat Doc Pomus mitgemischt. “Spanish Harlem”, “Save The Last Dance For Me”, “Little Sister” … ein paar andere. Das waren fantastische Songs. Doc hatte Soul. Wenn Sie sagen würden, dass in “This Dream Of You” etwas von ihm mitschwingt, würde ich das als Kompliment auffassen.

Obwohl es in vielen der Songs auf dem Album um Liebe geht, ist es auch voll von Schmerz – manchmal beides im selben Lied. In “Beyond Here Lies Nothing”“ gibt es ein unterschwelliges Gefühl der Vorahnung. Sie bewegen sich auf „boulevards of broken cars“. Sie lieben „as long as love will last“. Ist der Schmerz ein unvermeidlicher Teil des Liebens?

Oh ja, in meinen Songs ist er das. Schmerz, Sex, Mord, Familie – das reicht weit zurück. Güte. Ehrgefühl. Nächstenliebe. Das muss man alles zusammenbringen. Das sollte man kennen.

Um noch einmal auf “This Dream Of You” zurückzukommen: Da singt jemand “how long can I stay in this nowhere café?” Wo ist dieses Café?

Es klingt, als sei es südlich der Grenze oder zumindest nah an der Grenze.

Sie verraten es nicht?

Nein, es geht nicht darum, dass ich es nicht verrate. Aber wenn Sie diese Art von Gedanken und Gefühlen haben, wissen Sie, wo der Typ ist. Er ist genau da, wo Sie sind. Wenn Sie diese Gedanken und Gefühle nicht haben, dann gibt es ihn nicht.

Die Figur in dem Lied erinnert mich sehr an den Mann in dem Song “Across The Borderline”.

Ich verstehe, was Sie meinen, aber es ist keine Figur wie in einem Buch oder Film. Er ist kein Busfahrer. Er fährt keinen Gabelstapler. Er ist kein Serienmörder. Ich bin es, der das singt, ganz schlicht und einfach. Wir sollten Sänger und Performer nicht mit Schauspielern verwechseln. Schauspieler sagen, “Meine Rolle dies, meine Rolle jenes”. Reine Kraftverschwendung. Wen interessiert denn die Rolle? Leg einfach und los und spiele! Du musst es mir nicht erklären.

Kann ein Sänger seinen Song nicht auch aufführen?

Doch, sicher, viele machen das. Aber je mehr man spielt, desto weiter entfernt man sich von der Wahrheit. Und viele dieser Sänger vergessen nach einer Weile, wer sie sind. Wenn man oft genug “I’m a lineman for the county” singt, fängt man irgendwann an, die Masten hoch zu flitzen.

Von welchem Schauspieler könnten Sie es sich vorstellen, dass er “This Dream Of You” singt?

Meine Güte, weiß ich nicht, James Cagney, Mickey Rooney.

Wie wäre es mit Humphrey Bogart?

Ja, sicher, er auch. Lustig, die Sache mit den Schauspielern und wie man sie mit ihren Rollen identifiziert. Jedes Mal, wenn ich Val Kilmer treffe, kann ich nicht anders und sage: “Hey, Johnny Ringo – du siehst aus, als sei gerade jemand über dein Grab gelaufen.” Val sagt dann immer: “Bob, ich bin nicht Johnny Ringo. Das ist nur eine Rolle, die ich mal in einem Film gespielt habe.” Vielleicht hat er Recht, vielleicht nicht. Ich glaube nicht, aber er sagt es auf eine so ehrliche Art und Weise. Man muss einfach glauben, dass er glaubt, dass er Recht hat.

Glauben Sie, dass Schauspieler es wirklich ehrlich meinen sollten?

Ganz und gar nicht. Bei Mae West war es nicht so. Sie war, wer sie war, nur auf der Leinwand. Genau wie Jimmy Stewart und Burt Lancaster.

Und Johnny Weissmüller.

Ja, und Lon Chaney.

Könnte das heißen, dass Alec Guinness Hitler ist?

Ja, sicher, ein Teil von ihm. Aber natürlich ist er nicht Hitler. Und auch sonst niemand ist Hitler. Hitler war Hitler.

Erinnern Sie sich an Bilder von Hitler aus den Zeiten, als Sie ein Kind waren?

Nein, nicht von damals. Er starb, als ich vier oder fünf war. Ich habe das nie richtig verstanden.

Was haben Sie nie richtig verstanden?

Wie man einen gescheiterten Landschaftsmaler nimmt und ihn zu einem fanatischen Verrückten macht, der Millionen von Menschen kontrolliert. Das muss man erstmal hinkriegen. Ich meine, die Mächte, die ihn erschufen, müssen ungeheuer gewesen sein.

Nun, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Weimarer Republik waren ziemlich anders als die heutigen.

Ja, sicher, im Rückblick versteht man, dass jemand die Kontrolle übernehmen würde. Dennoch ist es ziemlich verblüffend. Warum gerade er? Man konnte erkennen, dass der Mann die totale Promenadenmischung war. Keine wie auch immer gearteten arischen Eigenschaften. Man könnte seine Abstammung nicht erraten. Braunes Haar, braune Augen, käsiger Teint, keine besonders auffällige Statur, Hitlerbart, Regenmantel, Reiterpeitsche, die ganze Ausstattung. Er wusste etwas. Er wusste, dass die Menschen nicht denken. Schauen Sie sich die Gesichter der Millionen an, die ihn anbeteten, und Sie sehen, dass er ihnen Liebe eingehaucht hat. Es ist beängstigend und traurig. Die Fackel des gesprochenen Wortes. Sie waren froh, im überall hin zu folgen, in unbedingter Treue. Dann hat er allerdings die Friedhöfe mit ihnen gefüllt.

Da muss man an die Szenen aus Leni Riefenstahls Triumph des Willens denken, in denen Hitler zu den Massen spricht.

Ja, da ist es klar wie der helle Tag.

Übersetzung: Loel Zwecker

Kommentare

  • Markus

    Absolut schlechtes Interview. Völlig zusammenhanglose Aneinanderreihung von Sätzen, die verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchen und von der Redaktion gerne als zugegebenermaßen wirksamen Aufmerksamkeitsmagneten verwendet wurden. Das macht das Interview aber nicht interessanter.

  • Herbert Buchbinder

    Hi Bob, you’re the most importent of all the along the watchtower .

    cheers

  • Captain Globo

    Nein, das ist ein sehr erhellendes Interview -
    Dylan in all seiner Widersprüchlichkeit und doch
    auch Klarheit (über Hitler).
    Der einstige Bilderstürmer wird zum Bewahrer
    der amerikanischen Populärmusik – ohne sich
    korrumpieren zu lassen wie Elvis Presley in Las Vegas.
    “Leg einfach und los und spiele! Du musst es mir nicht erklären.”
    Dylan bringt es auf den Punkt

  • Niels

    Ich kann mich dem Kommentar von Markus nur anschließen!

  • Andreas

    ..grossartiges Interview, vor allem der Teil ueber Hitler und die Deutschen, habe selten so viele treffendes in so wenigen Zeilen gelesen, die Deutschen: sie haben nicht gedacht, grossartig.

  • Kirkd

    Wie sang Dylan einst: the first one now, will later be last, ’cause the times they’re a changing.

    Ich denke, dass Herr Dylan diese Erfahrung musikalisch durchmachen muss.

  • hanswurst

    es ist doch nur der ausschnitt eines interviews.und den finde ich simple, aber sehr gut.

  • Stonesfan

    So so, die Steel Wheels Tour der Stones war also letztes Jahr.
    Kann nur bedeuten das der gute Bob wirklich hängen geblieben ist (die Tour war ´89) oder dieser Teil des Interviews ist schlichtweg 19 Jahre alt.

  • Matt

    stonesfan, er scherzt doch nur …

  • PeniovinE

    Thanks much for this. It is really imformative stuff.
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