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Das Musikblog von Johannes Waechter

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Yusuf im Interview: “Ich wäre Taxifahrer geworden”

Von Johannes Waechter

Es war eine ungewöhnliche Tour, zu der Yusuf eingeladen hatte. Vier Journalisten durften mit ihm im alten VW-Bus durch London fahren. Hinten saßen ein Franzose, ein Holländer und ein Australier, vorne saß ich, das Aufnahmegerät haltend. Wir alle fragten quer durcheinander, so dass ein Gesprächsfluss nur schwerlich entstehen konnte, aber Yusuf ließ sich davon nicht irritieren, antwortete bereitwillig auf alle Fragen und steuerte dazu noch mit großer Gelassenheit seinen Wagen durch den Londoner Feierabend-Verkehr.

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Dazu lief sein neues Album Roadsinger (To Warm You Through The Night) (Universal Music) im Autoradio, ein Werk, das den Faden, den Cat Stevens in den Siebzigern liegengelassen hatte, auf sehr überzeugende Weise wieder aufnimmt. Also, Motor starten, Gang rein, Gas geben – los geht’s!

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Ist das eine der Schulen, die Sie gegründet haben?

Ja. Die Schulen sind eine teure, aber sehr sinnvolle Angelegenheit. Die Ziele sind sehr lohnend. Wir betreiben drei Schulen, eine Grundschule und zwei weiterführende Schulen. An einer ist meine Frau Direktorin. Sie ist stärker als ich, sorgt dafür, dass dort alles ordentlich zugeht. Sie kann sehr streng sein.

Stimmt es, dass Ihr Sohn Sie wieder zur Popmusik gebracht hat?

Mein Sohn hat mich dazu gebracht, wieder das zu tun, was ich ganz gut kann. Musik bringt die Menschen zusammen und hilft ihnen, Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn es dir schlecht geht, kann Musik dir helfen, weiterzumachen. Als junger Mann hat Musik mir die Möglichkeit gegeben, im Leben voranzukommen. Mein Sohn hat das alles nicht bedacht, er hat einfach eine Gitarre mit nach Hause gebracht. Ich habe auf ihr gespielt – und gemerkt, dass es keine besonder gute Gitarre war. Doch ich hatte sofort wieder eine Verbindung zu dem Instrument. Also habe ich mir eine neue, bessere gekauft.

Haben Sie je bedauert, Ihre alten Gitarren verkauft zu haben?

Nein, das Leben geht weiter. Ich habe heute wahrscheinlich bessere Gitarren als je zuvor.

Schade, dass Sie so lange keine Musik gemacht haben.

Alle Dinge haben ihre Zeit und jedes Vornehmen unter dem Himmel seine Stunde. So sieht es aus. Man kann nichts erzwingen, und man kann die Inspiration nicht einfach anknipsen. Ich glaube, viele Fans mögen es, wenn Künstler in einem bestimmten Moment besonder inspiriert sind. Wenn Sie dann aber zu Popstars werden und beginnen, sich zu wiederholen, wird das Ganze schnell langweilig. Ich habe also genau das Richtige getan, weil ich zu jenem Zeitpunkt aus dem Musikgeschäft ausgestiegen bin, als Barry White und Donna Summer ankamen. Das war kein gutes Umfeld für meine Art von Musik.

Kompliment für ihren Fahrstil! Es macht großen Spaß, mit Ihnen durch London zu fahren.

Wenn ich nicht mit der Musik angefangen hätte, wäre ich, glaube ich, Taxifahrer geworden. Das war meine zweite Wahl.

Wie hat Sie die Wirtschaftskrise beeinflusst?

Nicht besonders, außer durch den gesunkenen Wert des Pfundes. Ich brauche nicht viel Geld, um glücklich zu sein. In der Krise steckt auch eine Botschaft. Im Islam liegt der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg und einer prosperierenden Gesellschaft im Verzicht auf Zinsen.

Das ist das Gegenteil von dem, was wir erlebt haben.

Ja, ich weiß. Viele islamische Banken kommen sehr stabil durch die Krise, weil sie nicht mit gefährlichen Papieren handeln und riskante Spekulationen durchführen. Wenn dieses Verhalten weiter verbreitet gewesen wäre – weniger Schlimmes wäre passiert. Ein Teil der Lösung liegt darin, keine Zinsen mehr zu verlangen. Aber die Welt wird nicht von Altruisten regiert, sondern von Leuten die eine Menge Geld machen wollen.

Sie haben vorhin die Bibel zitiert. Wie verhält sich das Christentum zum Islam?

Ich konnte anfangs kaum glauben, dass der Islam im Zentrum all der Religionen steht, die ich jahrelang studiert habe. Der Islam gibt allem Klarheit und hat für mich zum Beispiel die Verbindung zwischen Judentum und Christentum hergestellt. In der Nachbarschaft einer der Schulen bauen wir ein Zentrum, das dem Propheten Abraham gewidmet ist, dem gemeinsamen Ahnherr der drei Religionen.

Gab es Menschen, die aus religiösen Gründen Ihre Rückkehr ins Musikgeschäft kritisiert haben?

Ich war sehr vorsichtig, habe mich lange von der Musik ferngehalten. Aber ich habe diese Frage studiert und herausgefunden, dass Musik im Koran nicht erwähnt wird. Es ist also eine Frage der Interpretation. Von mancher Form von Musik sollte man sich wahrscheinlich fernhalten, aber es gibt viel Musik, die uns hilft und uns Freuden ermöglicht, welche wir allein über das Gehör erfahren können. Uns sind die fünf Sinne gegeben worden, deshalb kann man sie auch nutzen, aber auf ausgeglichene, sinnvolle Weise.

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Was für ein Auto fahren Sie?

Einen Mercedes! Aber dieser VW-Bus ist so ein nettes kleines Auto. Es symbolisiert die Ära von Frieden, Liebe, Romatik und großer Hoffnung. Deshalb ist auf der Seite ein großer “Peace Train”. An diesem Punkt in der Weltgeschichte erinnert das uns an die Werte, für die wir damals gekämpft und gesungen haben. Dass das nun mit dem Erscheinen einer Figur wie Obama zusammenfällt, finde ich recht interessant.

Glauben Sie, dass Obama die Versöhnung zwischen dem Orient und der westlichen Welt voranbringen wird?

Es ist großartig, dass ein Mann wie er nun an diesem Platz ist. Ohne George Bush wäre er nie dorthin gelangt. Es ist ein seltsames Paradox: Dem guten Typen mus ein schlechter vorausgehen. Aber Obama muss eine schwere Last schultern. Die Erwartungen sind sehr hoch.

Können Sie sich vorstellen, wieder ein Popstar zu werden?

Nein, nein – sehen Sie meine grauen Haare? Das wird nicht passieren. Aber ich bin jetzt in einer Position, in der ich meine in jahrelangen Studien erworbenen Kenntnisse, meine Lebensgeschichte nutzen kann, um einige Dinge zu erklären. Zum Beispiel über den Islam, dessen Kern ich glücklicherweise gefunden habe, ehe die Bomben losgingen.

Wird die Welt geläutert aus der Wirtschaftskrise hervorgehen?

Ob die Welt sich im großen Stil ändert, muss man Gott überlassen. Aber wenn jeder etwas mehr auf seine Mitmenschen achtet, ändert das auch die Welt.

Inwieweit können Sie als Sänger das Geschehen beeinflussen?

Wenigstens kann ich die Atmosphäre etwas angenehmer machen. Manchmal ist das alles, was man tun kann. Ich wurde gefragt, ob ich politisch aktiv werden möchte, aber ich habe abgelehnt – ich hasse Politik. Dennoch sind heute die Politiker die einzigen Menschen, die wirklich etwas bewirken können. Aber ich möchte da bestimmt nicht mitmischen.

Der Sound Ihrer neuen Platte ist an den Sound der erfolgreichen Singer-Songwriter-Alben angelehnt, die in den Siebzigern in L.A. produziert wurden.

Ich saß im Flugzeug und habe diese Playlist mit alten Songs aus den Siebzigern gefunden: Joni Mitchell, Carole King, Jackson Browne, James Taylor. Warum bin ich da nicht drauf, habe ich mich gefragt! Dieser Sound hat mich inspiriert.

Waren Sie damals nicht mit Carole King liiert?

Nein!

Dann war es Carly Simon?

Ja, Carly Simon!

Heute weiß man, welchen Ausschweifungen sich die Musikszene von L.A. in den Siebzigern hingegeben hat.

Ich habe immer darauf geachtet, nicht vom L. A. vibe aufgesaugt zu werden. Ich spürte schon damals, das hier ist dem Untergang geweiht, und habe mich an biblische Warnungen erinnert. Ich hatte immer Angst, dass das große Erdbeben kommt, wenn ich aus dem Flugzeug steige.

Wie würden Sie Ihre Musik jetzt beschreiben?

Vorher war sie unruhiger, leidenschaftlicher. Jetzt ist sie vielleicht etwas gesetzter, aber ich bin immer noch ein Reisender. Ich weiß aber jetzt, wo einige Orte sind.

“Still On The Road to Find Out”?

Stillstand ist gefährlich: Wir sind da, um uns zu bewegen. Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: Der Mensch hat zwei Beine. Das ist sehr tief. Es bedeutet, der Mensch muss reisen, suchen, jagen, seine Heimat finden. Aber obwohl man viele Straßen beschreitet, legt man doch nur einen einzigen Weg zurück, nämlich den, den man sich aussucht.

Kommentare

  • MS

    Schade, dass im Magazin kein aktuelles Foto von Yusuf zu sehen ist. Auf den Fotos in diesem Artikel kann man wenigstens erahnen wie der Mann heute aussieht.

  • MS

    Zudem finde ich es schade, dass die meisten Antworten, welche er in Bezug auf den Islam gegeben hat, nur auf der webseite zu finden sind.

  • MM

    Mich würde interresieren, ob er vorhat den Bus irgendwann wieder zu verkaufen

  • Michael Braun

    Schöner Bericht, gut gemacht, hat mich sehr gefreut. besser hätte ich noch ein aktuelles Foto im Magazin gefunden………
    aber dann hätte ich wohl nicht diese Internet – Seite angeklickt.