
Vor zwei Wochen wurde Phil Spector nach mehrjährigem Mordprozess zu einer Gefängnisstrafe von 19 Jahren verurteilt, letzte Woche traf er im North Kern State Prison in Delano, Kalifornien ein. Im Gefängnis sind Perücken verboten, und so wurde Spector erstmals ohne eines jener künstlichen Haarteile fotografiert, mit denen er im Prozess für Aufsehen sorgte. Das Ergebnis: gruselig!
Man sollte natürlich nicht zu sehr nach Äußerlichkeiten urteilen, aber beim Betrachten der Bilder von Spector mit und ohne Perücke drängt sich der Verdacht auf, dass hier jemand seine wahre Natur zu verbergen versuchte. Das Gericht kam nach umfangreichen Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass Spector, ein Waffennarr, im Februar 2003 der Schauspielerin Lana Clarkson einen Revolver in den Mund steckte und sie beim Russischen Roulette erschoss. Auf den neuen Fotos sieht er nun tatsächlich wie jemand aus, der zu so etwas fähig ist. (Und wie jemand, der sich die zynische Verteidigung ausdenkt, die Schauspielerin habe sich, von plötzlichen Selbstmordgedanken befallen, den Revolver geschnappt und den Schuss selbst abgeben.)
Fürs Musikgeschäft ist Spectors Gefängnisstrafe kein Verlust; es wäre übrigens auch kein Verlust gewesen, hätte man ihn schon 1965 eingesperrt. Nach seiner großen Zeit Anfang der Sechziger mit den Crystals und den Ronettes produzierte er nämlich im wesentlichen überorchestrierten Schrott. “River Deep Mountain High” – sicherlich die schlechteste Platte von Ike und Tina Turner. Dasselbe gilt für Death Of A Ladies Man und End Of The Century: Im Werk Leonard Cohens und der Ramones stellen diese beiden, von Spector produzierten Alben den jeweiligen Tiefpunkt dar.
Und dass Paul McCartney vor einigen Jahren Let It Be von Spectors Geigen befreite und als Let It Be – Naked noch einmal herausbrachte, kann als finales Urteil über Spectors “wall of sound” angesehen werden. Spontan fällt mir nur eine gelungene Spector-Produktion nach 1965 ein, nämlich John Lennons tolle Single “Instant Karma”. Habe ich etwas übersehen? Findet sich jemand, der Phil Spector verteidigen mag? Dann bitte unter dieser Haarmodenschau:

Fotos: Reuters
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
Sagen Sie
Perfekter Plan
CUS



15 Uhr 06
Danke für diesen politisch unkorrekten Artikel. Ich stimme Ihnen zu. Mich hat besonders die Spector-Produktion von George Harrisons “All Things Must Pass” ein wenig geärgert. Was hätte nicht George Martin alles daraus machen können, ein Juwel für die Ewigkeit.
15 Uhr 36
19 Jahre US Knast sind Strafe genug, Deine Häme kannst Du Dir sparen, es ist ja bekannt dass auch Du eine Peruecke trägst.
17 Uhr 09
@ Wolf
Verdammt, woher weißt Du das?
18 Uhr 25
keine zensur bitte
>>Now I’ve Got a Witness<<
=gelungene Stones-nummer
mit Beteiligung Phil Spector
das war allerdings 64
vielleicht Verfasser dafür zu -
jung
19 Uhr 28
@ Delgano
Sorry, hatte den Kommentar nicht kapiert. Kenne die Nummer tatsächlich nicht, werde sie aber schleunigst anhören.
20 Uhr 23
naja
das ist immer das wenn’s um sachen geht
bei denen man noch nicht so aktiv war
jedenfalls müsste man dann eigentlich
das ganze erste album anhören
um das einzuordnen,-oder?
“The Rolling Stones”
war schliesslich erstes nr.1 album in den charts,+
an >little by little< war p.spector auch beteiligt.
Now I’ve Got a Witness ist eines der wenigen Instrumental’s,
auf der ‘side2′:Can I get a Witness.
war nämlich schon alles ziemlich tricky damals
jaja
22 Uhr 01
Lieber Johannes Waechter,
amüsanter Kommentar. Bei Cohen und den Ramones gebe ich Ihnen recht.
Was allerdings Let It Be angeht, kann man geteilter Meinung sein. McCartney und Spector haben sich noch nie leiden können. Böse Zungen behaupten ja, dass Spector Harrison und Lennon abspenstig gemacht hat und mindestens so schuld an der Auflösung der Beatles ist, wie Yoko Ono. Auf der anderen Seite gibt es auch jene, die sagen, dass sich die Beatles eh aufgelöst hätten und Let It Be ohne Spectors Einsatz nie entstanden wäre. Dann hätte McCartney später auch nicht Let It Be… Naked rausbringen können. Meiner Meinung nach ist Let It Be… Naked in erster Linie eine billige Retour-Kutsche.
That said noch ein Wort zu Spectors Äußerem: Eine Schönheit war er nie, das steht außer Frage. Gerüchtehalber haben ihn die schweren Kopfverletzungen, die er in 1974 bei einem Autounfall davongetragen hat, noch zusätzlich entstellt. Wobei ich jetzt allerdings auf seinem entblößten Riesenhaupt keine größeren Narben entdecken kann.
Nuhja, bei ihm kommen halt Genie (oh ja, durchaus!) und Geisteskrankheit (in gefährlichem Maße) zusammen. Das groteske Aussehen mag diesen Eindruck in der populären Wahrnehmung noch verstärken, hat aber vermutlich nichts damit zu tun.
Ich mag die Wall of Sound. Passt nur nicht überall hin, wo sie angewendet wurde.
02 Uhr 26
Selten so einen schäbigen Artikel gelesen. Jemanden für sein Äußeres, für das er nichts kann, zu verspotten, ist so ziemlich das allerletzte.
Die These, dass sich Phil Spectors “wahre Natur” in seinem Haarausfall widerspiegeln würde, ist so bizarr, dass sich eigentlich jeder weitere Kommentar erübrigt.
14 Uhr 34
die annahme, eine fotografie (zumal ein mug shot) könne die “wahre natur” (was immer das bedeuten soll) eines menschen enthüllen, ist ungefähr so ingeniös wie die annahme, eine schlechte platte an ihrem cover erkennen zu können. wenn jeder mann, der (mit und/oder ohne perücke) scheiße aussieht, jetzt also der nächstbesten schauspielerin die rübe wegbläst, dann haben wir bald wieder theater wie zu shakespeare zeiten – männer mit perücken in strumpfhosen so weit das auge reicht. oder halt! – sitzen die dann nich alle im knast und starren löcher in die (sound)wand…?
17 Uhr 40
@ Mat, Dr. Fleischmütze
Ich gebe Euch Recht, dass man vom Aussehen eines Menschen nicht auf seinen Charakter schließen kann. Dass ich das bei Phil Spector trotzdem getan habe, lag an einem akuten Anfall von extremer Abneigung, ausgelöst durch nochmalige Beschäftigung mit dem Verbrechen, für das Spector nun verurteilt wurde.
12 Uhr 02
Sehr geehrter Herr Waechter,
ich finde es nicht schlimm, dass Sie versuchen einen Zusammenhang zwischen äußerem Erscheinungsbild und moralischem bzw. verbrecherischen Handeln zu ziehen. Denn das Abbild ist nun mal einer der Eindrücke, auf den wir unsere Rückschlüsse basieren. Manchmal haben wir nicht viel mehr und müssen trotzdem schnell handeln. Was mich schockiert ist der Ausspruch, dass Phil Spector schon 1965 eingesperrt gehört hätte, und zwar nicht aus dem Gurnd, dass er dann vielleicht keinen Mord begangen hätte – sondern nur um ihrem Musikgeschmack ein wenig verbaler Würze zu verpassen!
Wieso müssen Sie so hart und ungenau drauf los prügeln? Trauma? Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Musik…
MfG
T. von Welt
12 Uhr 37
@ Thea
Vielen Dank für Ihren Kommentar; aber ich habe nicht geschrieben, dass Spector “schon 1965 eingesperrt gehört hätte”. In meinem Text steht, es wäre fürs Musikgeschäft “kein Verlust gewesen, hätte man ihn schon 1965 eingesperrt”. Das ist ein Unterschied! Nun können Sie trotzdem den Ton des kurzen Textes kritisieren. Es stimmt, dass er stellenweise etwas ruppig formuliert ist, das lag an den Berichten über die Tat, die ich gelesen habe, bevor ich anfing zu schreiben.
01 Uhr 09
Also, ich finde “The Long and Winding Road” mit Chor und Orchester immer noch genial. Egal, was Paul McCartney dazu sagt.
08 Uhr 26
Man soll Leute nicht nach Ihrem Aussehen beurteilen? Wer sagt das? Schaut Euch mal Politiker, Banker, Wirtschafts-bosse genau an. Wenn Ihr nicht seht, was ich sehe …
Spector war menschlich immer ein Arschloch. Für Mord kommt man halt in den Knast, das hätte er wissen müssen. Aber, wie immer, dachte er halt, für mich gelten andere Gesetze.
13 Uhr 44
Spector, Arschloch oder nicht, war eines der Genies der Pop-Geschichte. Er hat erkannt, dass man immer schauen muss, was die Schwarzen machen und war einer, der schwarze Musiker immer gefördert hat und weil die eben besser sind als ihre weißen Nachmacher, konnte er mit ihnen in den 60ern die ganzen Hits landen. Er ist ein Pionier der Musikproduktion. Hat technische Möglichkeiten vorausgeahnt und war zu recht auch ein Idol vom Meister der Mehrspur Produktionsweise Brian Wilson. Das, was wir heute mit 64 Spuren für einen Song im Computer machen können, haben diese Leute damals schon ausprobiert. Spectors spätere Versuche mit Beatles und Ramones usw. zählen für mich nicht.
Von Miles Davis wird auch gesagt, dass der Polizist, der ihn damals in seinem Ferrari anhielt und fragte, ob er seines Meisters Auto gestohlen hätte, irgendwann auf mysteriöse Weise verschwunden ist!!!
Mich interessiert diese ganze Mörderstoy nicht. Ein Künstler ist nicht immer eine Vorbildsfigur, siehe auch Kindesmisshandler Otto Mühl, der trotzdem geniale Kunst geschaffen hat.
16 Uhr 44
Also, Herr Waechter,
lese diesen Perücken- und Glatzenunfug ja jetzt erst!
Alles, wirklich alles, “von” Phil Spector, was ich hier in den 6oern auftreiben konnte, habe ich mir gegriffen und nach Hause geschleppt. Fragen Sie besser nicht, wie das bei d e m Taschengeld ging.
Hätte ich natürlich gewusst, dass Phil Spector eine Perücke trägt …