Weird Al Yankovic: “Ich bin auf Craigslist, Baby”
Von Johannes WaechterHurra, es gibt Neuigkeiten von Weird Al Yankovic! Sein neuer Song “Craigslist” ist als Video veröffentlicht worden und seit letzter Woche als Download erhältlich. Ausnahmsweise parodiert Weird Al weder Michael Jackson noch irgendwelche Gangsta-Rapper; diesmal hat er sich die Doors vorgenommen. “Craigslist” erinnert etwas an “When The Music Is Over” und den Instrumentalteil von”Light My Fire”; vor allem die Orgel dabei klingt frappierend nach den Original-Doors. In der Tat wird sie von Ray Manzarek persönlich gespielt, der hier mehr Humor an den Tag legt, als man vielleicht vermutet hätte. Weird Al hat sich dazu, stilecht wie immer, in eine Jim-Morrison-artige Lederhose gezwängt, mit dem tiefen Heulton des Eidechsen-Königs besingt er diverse unvorteilhafte Craigslist-Transaktionen. (“Tausche Schubkarre und gebrauchten Sombrero gegen getunten Sportwagen.”)
Was haben die Doors mit dem Internet-Zeitalter zu tun? Ich habe zehn Minuten über diese Frage nachgedacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: nichts. Doch liegt die Genialität von Weird Al Yankovic gerade darin, scheinbar unpassende Dinge zusammenzufügen und daraus Komik entstehen zu lassen. Hinzu kommt, dass “Craigslist”, wie viele seiner Nummern, musikalisch sehr fein gearbeitet ist und ein so großes Verständnis des Originalsongs offenbart, dass die Parodie gleichbedeutend mit einer Ehrung ist.
Auch textlich offenbart sich im scheinbaren Klamauk so manch tieferer Sinn. Eine Stärke von Weird Als Songs sind seit Jahrzehnten die detaillierten Situationsbeschreibungen; in diesen szenischen Vignetten wird die US-Wirklichkeit auf eine Weise lebendig, die man beim Gros der aktuellen Pop-Kollegen leider vermisst. Zum Beispiel folgende Stelle aus dem Mittelteil von “Craigslist”, über einen Konflikt im Coffee-Shop: “An open letter to the snotty barista / At the Coffee Bean on San Vicente Boulevard / I know there were 20 people behind me in line / But I was on a cell phone call with my mother / Didn’t you see me hold up my index finger? / That means I’ll order my soy decaf hazelnut latte in just a couple minutes”.
In ungleich größerem Maße gilt das natürlich für das eigentliche Thema des Liedes. Seit fast zehn Jahren verändert das Internet unser Leben – wo sind die Lieder, die diese Umwälzungen beschreiben? Tausende Songs entstanden, als Kommunikationstechniken wie Telefon, Radio und Fernsehen eingeführt wurden, doch ans Internet scheint sich kaum jemand heranzutrauen. Außer eben Weird Al Yankovic, der Jahre vor “Craigslist” mit seiner üblichen Verve bereits “Ebay” bündig umriss (zu einer Melodie von den Backstreet Boys):
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
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