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	<title>SZ-Diskothek</title>
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	<description>Das Musikblog von Johannes Waechter</description>
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		<title>Prinz Pi im Interview: &#8220;Indierock ist dumm&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/4151/prinz-pi-im-interview-indierock-ist-dumm/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Apr 2013 13:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Blumfeld]]></category>
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		<category><![CDATA[HipHop]]></category>
		<category><![CDATA[Indierock]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<category><![CDATA[Tocotronic]]></category>

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		<description><![CDATA[
Prinz Pi, an Deinem neuen Album Kompass Ohne Norden (Keine Liebe Records/Groove Attack) imponiert mir besonders die Themenvielfalt: Es geht um Globalisierung, Erwachsenwerden, Mobbing, Depression, Identitätsfindung – alles wichtige Fragen, die zur Zeit aber meinem Empfinden nach nur relativ selten in Popsongs auftauchen. Warum traust Du Dich da ran?
Ich will mit meiner Musik etwas Wertvolles erschaffen. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2013/04/Pi1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4155" alt="Pi1" src="/blogs/musikblog/files/2013/04/Pi1.jpg" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong><a href="/blogs/musikblog/3003/prinz-pi-erklart-den-krieg/" target="_blank">Prinz Pi</a>, an Deinem neuen Album <em>Kompass Ohne Norden</em> (Keine Liebe Records/Groove Attack) imponiert mir besonders die Themenvielfalt: Es geht um Globalisierung, Erwachsenwerden, Mobbing, Depression, Identitätsfindung – alles wichtige Fragen, die zur Zeit aber meinem Empfinden nach nur relativ selten in Popsongs auftauchen. Warum traust Du Dich da ran?</strong></p>
<p>Ich will mit meiner Musik etwas Wertvolles erschaffen. Das kann man definieren, wie man will, aber für mich hat Musik, die solche Themen bearbeitet, einen gewissen Wert.</p>
<p><strong>Ich frage mich immer, warum solche Themen so selten im Indierock vorkommen, der sich ja oft progressiv und nachdenklich gibt.</strong></p>
<p>Indierock ist dumm! Was die singen, ist oft einfach Quatsch.</p>
<p><strong>Wie meinst Du das?</strong></p>
<p>Die verstecken sich hinter ihren Formulierungen. Bands wie Tocotronic oder Blumfeld finde ich richtig doof. Nicht schlimm dumm, aber definitv auch nicht so schlau wie sie tun. Trotzdem wird das in der Spex dann als gehaltvolle, tiefe Musik verhandelt. Dabei gibt es meiner Meinung nach einen großen Bedarf nach klugen Texten. Für mich ist der beste Song einer, der wie ein Walt-Disney-Film funktioniert: Du erreichst die ganz jungen Hörer auf einer Ebene, die sie verstehen, aber auch ältere Hörer finden darin Zeilen, die sie ausdeuten können.</p>
<p><strong>Wer sind Deine Vorbilder als Texter?</strong></p>
<p>Zum Beispiel Bob Dylan. Ich mochte seine Texte tatsächlich immer mehr als die Musik. Seine Songs gefallen mir oft besser, wenn sie jemand anders singt.</p>
<p><strong>Dylan taucht im Titelsong Deines Albums auf, in der Textzeile „Bob Dylan gab mir einst einen Kompass ohne Norden“. Die Anspielung habe ich nicht verstanden, erklärst Du sie mir?</strong></p>
<p>Das bezieht sich auch nicht auf eine konkrete Textstelle, obwohl mir neulich ein Journalist erzählt hat, dass Dylan in einem neueren Song wohl tatsächlich so etwas singt wie „my compass is broken“. Mir ging es bei der Zeile vor allem um Orientierungslosigkeit. Es gab eine Zeit, wo ich in den Songtexten meiner Idole nach Orientierung gesucht habe. Bei Dylan habe ich allerdings keine gefunden, nur zusätzliche Verwirrung.</p>
<p>[werbung]</p>
<p><strong>In mehreren Songs des Albums beschreibst Du die Zeit nach dem Abi und die ersten Schritte ins Erwachsenenleben. Diese Zeit liegt bei mir schon 25 Jahre zurück, deshalb war ich überrascht, wie sehr mich Deine Beschreibung berührt hat.</strong></p>
<p>Das könnte auch daran liegen, dass diese Songs Wurzeln in den Achtzigern haben, was dann eher Deine Zeit gewesen zu sein scheint. Bei &#8220;Frühstücksclub der toten Dichter&#8221; beziehe ich mich auf die Rollenbilder aus dem Film <em>Breakfast Club</em>: der Freak, die Schönheit, der Jock und so weiter. Diese Rollenbilder haben immer noch Gültigkeit, nur sind sie jetzt medial anders aufgeladen. Damals war die Cheerleaderin cool, heute ist es das Mädchen mit den vielen Followern bei Instagram und dem eigenen Modeblog.</p>
<p><strong>In dem Lied geht es auch um Mobbing und darum, dass man sich nicht alles gefallen lassen soll.</strong></p>
<p>Das bezieht sich auf ein Schlüsselerlebnis, das ich hatte. Ich war in Berlin auf einem sogenannten Elitegymnasium und dort der totale Einzelgänger. Lange war es so, dass ich irgendwie dazugehören wollte. Doch dann kam über Nacht der Punkt, wo es nicht mehr cool war, zu einer Gruppe zu gehören, weil jeder sein eigenes Ding machen wollte. Auf einmal waren die vormaligen Verlierer die neuen Gewinner.</p>
<p><strong>Im Song &#8220;Moderne Zeiten&#8221; stellst Du den Retrotrend als Hindernis auf dem Weg ins Erwachsenenleben dar.</strong></p>
<p>Für mich ist dieser Retrotrend das Produkt der typisch deutschen Zukunftsangst. Seit dem Ende der Ära Kohl wird gepredigt, dass es mit der deutschen Wirtschaft den Bach runtergeht. Am Horizont dräut immer nur Unheil, es herrscht permanente Alarmstimmung und den Jugendlichen wird prophezeit, dass sie keinen Ausbildungsplatz und Arbeitsplatz bekommen. Weil die Leute so große Angst haben vor der Zukunft, flüchten sie mittels Retrotrend in eine Vergangenheit, wo noch alles schön und heimelig war.</p>
<p><strong>Letztlich lebt man aber doch in der Gegenwart. Welche Rolle kann die Popmusik heute spielen? Kann Sie weiterhin Hilfestellung bei der Beantwortung der großen Lebensfragen geben?</strong></p>
<p>Ich glaube, dass Musik nach wie vor die beste Stütze für junge Leute ist. In dem Song &#8220;100x&#8221; spreche ich über die Zeit, wo man jung ist und einen Song einfach unendlich oft am Tag hören kann, weil man sich so sehr mit ihm verbindet. Das gibt es nach wie vor, das wird es auch immer geben. Diese große Kraft liegt nur in der Musik und vielleicht noch in manchen Büchern. Vielleicht jetzt sogar mehr in der Musik, weil anscheinend weniger gelesen wird.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=LyeIlNdUtbc">http://www.youtube.com/watch?v=LyeIlNdUtbc</a></p>
<p><strong>Hörst Du von Deinen Fans, dass Deine Musik bei ihnen so eine Wirkung entfaltet?</strong></p>
<p>Ja, das ist der Tenor des Feedbacks, das ich bekomme. Die Leute sagen: Deine Musik hat mich geleitet, sie hat mir an dem und dem Punkt im Leben geholfen. Darüber bin ich sehr glücklich. Wer kann das schon sagen, außer vielleicht einem plastischen Chirurg, dass das, was man macht, so einen positiven Effekt auf das Leben anderer hat.</p>
<p><strong>Der Song „Säulen der Gesellschaft“ besteht aus Kurzbeschreibungen verschiedener Charaktere vom Tagesschausprecher bis zum Nazi, die einen Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft darstellen. Was war der Hintergedanke?</strong></p>
<p>Der Song hat ein literarisches Vorbild, nämlich den letzten Roman von Houllebecq, <em>Karte und Gebiet.</em> Da geht es um einen Maler, der mit einer Serie von Porträts berühmt wird. Das wollte ich auch machen: Stereotype herausgreifen, die dann aber so zeichnen, dass man es nicht bei einer eindimensionalen Beschreibung belässt, so dass sich der Hörer vielleicht bei seinen Vorurteilen ertappt fühlt.</p>
<p><strong>Ebenso literarisch aufgehängt ist der Song „Rost“, in dem es um industrielle Transformationsprozesse im Zeichen der Globalisierung geht.</strong></p>
<p>Der hat auch eine literarische Vorlage, nämlich Feridun Zaimoglus Roman <em>Ruß</em>, eine Kriminalgeschichte, die im Ruhrgebiet spielt. Weil ich diesen Roman so toll fand, heißt mein Song &#8220;Rost&#8221;; zumindest alliterativ ist es also eine Hommage an sein Buch. Ich habe mir dann aber auch alten Zechen angeguckt und viel weiteres Material gelesen, zum Beispiel diverse Unternehmensbiographien und den Roman <em>Johann Holtrop</em> von Rainald Goetz.</p>
<p><strong>Da könnte man befürchten, dass es total schwer und verkopft ist.</strong></p>
<p>Ich habe voll Angst, dass es das ist!</p>
<p><strong>Wie kommt es eigentlich, dass Du schon so viele Alben gemacht hast? In Deiner Diskografie finden sich über ein Dutzend Alben, dazu unzählige Tapes und Sampler-Beiträge.</strong></p>
<p>Ach, da war auch viel Mist dabei. Aber irgendwie muss es auch so sein. Der amerikanische Rapper Macklemore, den ich sehr schätze, sagt in einem Song, dass die großen Maler groß geworden sind, weil sie einfach viel gemalt haben. Ich denke, das gilt auch für die Musik: zu fünf Prozent ist es Talent, zu fünf Prozent Glück, zu 90 Prozent Fleiß.</p>
<p><strong>Anfang der Nullerjahre <strong>warst Du schon beim inzwischen legendären Label Royal Bunker</strong>, als die Konkurrenz bei Aggro Berlin mit Sido große Erfolge feierte.</strong></p>
<p>Ja, das war furchtbar. Die Dominanz der Dummen. In Deutschland gibt es sehr viele Musikhörer, die sich für platte Sachen begeistern: Rammsteim, Unheilig, Xavier Naidoo. Was die machen sind Schwarz-Weiß-Gemälde, die an Plattheit und Pathos kaum zu übertreffen sind. Leute, die schöne Bilder malen, gibt es auch, aber die sind halt dann nicht so erfolgreich.</p>
<p><strong>Wer sind für Dich die Lichtblicke im deutschen HipHop?</strong></p>
<p>Mein persönlicher Held kommt aus Wien und heißt Kamp. Das ist für mich der ungekrönte König. Der hat so einen Charme in seiner Lyrik, so eine Wucht und Ehrlichkeit. Aber danach hört es dann schon wieder auf.</p>
<p><strong>Was ich schon immer wissen wollte: Wieso hast du dich Prinz Porno genannt? Der Name ist schließlich recht missverständlich.</strong></p>
<p>Ich hatte auf der Schule Altgriechisch. Und „pornos“ heißt ja dreckig. Mit 15, 16 habe ich Graffitti gemacht und Prinz Porno war mein Graffitti-Name. Das fand ich sehr passend, weil die Graffitti-Kultur etwas dreckiges ist, das irgendwo hingeschmiert wird. Allerdings dachtn später viele, ich mache frauenverachtende Musik &#8211; was ja auch nicht so weit hergeholt ist bei dem Namen. Deshalb habe ich mich in Prinz Pi umbenannt. Pi ist auch ein griechischer Buchstabe, zugleich die Kreiszahl, eine sehr mysteriöse Zahl mit unendlich vielen Nachkommastellen. So wie ich unendlich viele Alben machen werde.</p>
<p><em>Foto: Cem Guenes</em></p>
<p><em>Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit, um so häufig in meinem Blog zu posten wie früher. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
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		<title>Willie Nelson im Interview: &#8220;Ich würde meinen Geburtstag gern vergessen&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/4121/willie-nelson-im-interview-ich-wuerde-meinen-geburtstag-gern-vergessen/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 09:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<description><![CDATA[Muss man zu Willie Nelson noch etwas sagen? Ohne Zweifel gehört der Texaner zu den großen musikalischen Ikonen unserer Zeit. Rapper, Kiffer und Hipster verehren ihn genauso wie amerikanische Patrioten und Waffennarren &#8211; kaum ein zweiter Star dürfte über eine derart breite Fanbase verfügen. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass seine großen musikalischen Leistungen nicht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Muss man zu Willie Nelson noch etwas sagen? Ohne Zweifel gehört der Texaner zu den großen musikalischen Ikonen unserer Zeit. Rapper, Kiffer und Hipster verehren ihn genauso wie amerikanische Patrioten und Waffennarren &#8211; kaum ein zweiter Star dürfte über eine derart breite Fanbase verfügen. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass seine großen musikalischen Leistungen nicht fern in der Vergangenheit liegen, sondern dass er seinem umfangreichen Werk von rund hundert Alben laufend weitere Facetten hinzufügt.</p>
<p>In den Sechzigern schrieb er, damals noch als Teil der Nashville-Szene, Klassiker wie &#8220;Night Life&#8221; und &#8220;Funny How Time Slips Away&#8221;, in den Siebzigern revolutionierte er mit der Outlaw-Bewegung die Countrymusik, seit seiner LP <em>Stardust</em> von 1978 hat er auch als einer der großen Interpreten des &#8220;Great American Songbook&#8221; zu gelten; inzwischen singt kaum jemand Balladen und Torch Songs mit so viel Gefühl und unverwechselbarem Stil wie Nelson und sein Country-Kollege Merle Haggard. Auf Nelsons letztem Album <em>Heroes</em>, das im vergangenen Jahr erschien, fand sich noch eine Kollaboration mit Snoop Dogg, auf seinem neuen Album <em>Let&#8217;s Face The Music And Dance</em> (Sony Music) widmet er sich nun wieder dem klassischen Songmaterial. Das Album ist gerade erschienen, für Fans dürfte von Interesse sein, dass die musikalische Begleitung von seiner Family-Band kommt, mit der er seit rund vierzig Jahren auf Tour ist. Nach einem ersten Gespräch mit <a href="/blogs/musikblog/2311/willie-nelson-im-interview-ich-spiele-um-zu-leben/" target="_blank">Willie Nelson</a> vor drei Jahren hatte ich nun erneut Gelegenheit, mit ihm zu telefonieren.</p>
<p><a href="/blogs/musikblog/files/2013/04/Willie5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4123" alt="Willie5" src="/blogs/musikblog/files/2013/04/Willie5.jpg" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Willie Nelson, am 30. April werden Sie 80 Jahre alt. Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?</strong></p>
<p>Das ist ein ganz normaler Arbeitstag für mich. Ich spiele ein Konzert in Florida.</p>
<p><strong>Es gibt also keine große Party?</strong></p>
<p>Nein, ich habe schon immer versucht, mich um Geburtstagspartys herumzudrücken. Ich freue mich zwar, dass ich noch da bin, aber ich mag es nicht besonders, an diesem Tag so im Mittelpunkt zu stehen. Ich würde meinen Geburtstag gern vergessen – leider erinnern sich alle anderen daran.</p>
<p><strong>Was ist das schönste Geburtstagsgeschenk, dass Sie je bekommen haben?</strong></p>
<p>Oh, das sind wohl die Dinge, die meine Kinder für mich gebastelt haben, als sie klein waren. Das waren meine schönsten Geschenke.</p>
<p><strong>Bald nach Ihrem Geburtstag steht eine weitere Feier an: Das Berklee College of Music verleiht Ihnen die Ehrendoktorwürde.</strong></p>
<p>Ja, das ist wirklich eine große Ehre.</p>
<p><strong>Waren Sie eigentlich selbst mal auf der Uni?</strong></p>
<p>Nach meiner Zeit bei der Air Force konnte ich Mitte der Fünfziger mit meinem G.I. Bill an der Baylor Universität in Waco, Texas, studieren. Aber dann ging mir das Geld aus und ich begann, meinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen. Eigentlich wollte ich Anwalt werden, inzwischen bin ich ganz froh, dass ich Gitarrist geworden bin. Da hat man mehr Spaß, denke ich.</p>
<p><strong>Trotz Ihres hohen Alters nehmen Sie weiter neue Platten auf und spielen ein Konzert nach dem anderen.</strong></p>
<p>Ja, wir arbeiten ziemlich regelmäßig. Heute abend spielen wir in Cedar Falls, Iowa, gerade sitze ich in meinem Tourbus und bin auf dem Weg dorthin. Ich denke mir immer, nächstes Jahr trittst du ein bisschen kürzer. Aber bisher habe ich es nicht gemacht. Die Leute kommen zu meinen Konzerten, die Band spielt weiterhin gut, ich singe immer noch ziemlich gut und spiele okay Gitarre – alles läuft, es gibt also keinen wirklichen Grund aufzuhören. Aber der Tag wird irgendwann kommen, das ist klar.</p>
<p><strong>Gerade ist Ihr neues Album <em>Let’s Face The Music And Dance</em> erschienen, auf dem Sie wieder zahlreiche Pop- und Countryklassiker covern. Was ist für Sie das verbindende Element dieser Songs?</strong></p>
<p>Auch wenn es etwas simpel klingen mag: dass es fantastische Songs sind. Der Titelsong &#8220;Let’s Face The Music And Dance&#8221; stammt von Irving Berlin, der auch &#8220;Blue Skies&#8221;, &#8220;God Bless America&#8221; und &#8220;Alexander’s Ragtime Band&#8221; geschrieben hat, also einige der besten Songs aller Zeiten. So etwas singe ich immer gerne.</p>
<p><strong>Haben Sie den Song schon lange im Repertoire?</strong></p>
<p>Nein, den habe ich erst jetzt gelernt. Ein Freund hat gemeint, dass der Song gut zu mir passen würde, also habe ich mir <a href="/blogs/musikblog/3943/diana-krall-im-interview-ich-bin-vor-ehrfurcht-erstarrt/" target="_blank">Diana Kralls</a> und Frank Sinatras Versionen angehört. Dann haben meine Schwester Bobbie und ich angefangen, am Arrangement zu arbeiten – hier im Bus, mit Gitarre und Keyboard. Wir haben ziemlich lange herumprobiert, bevor wir meinten, dass wir unsere Version aufnehmen können. Andere Songs auf dem Album, wie zum Beispiel Spade Cooleys &#8220;Shame On You&#8221;, singe ich schon lange.</p>
<p><strong>Besonders gut gefällt mir, dass endlich mal wieder Ihre Tourband auf einem Ihrer Alben zu hören ist. Wie würden Sie beschreiben, was an dieser Band speziell ist?</strong></p>
<p>Ich bin da etwas voreingenommen, aber ich finde, dass ich die beste Gruppe von Musikern habe, die je zusammengekommen ist. Das ist nicht unbedingt mein Verdienst, weil meine Schwester und ich einfach schon immer zusammen Musik machen. Dazu kommen noch Mickey Raphael an der Mundharmonika, Paul English und Billy English an den Drums und Percussions, und Kevin Smith, unser neuer Bassist. Das ist einfach ein guter Sound, der nicht zu anstrengend ist.</p>
<p><strong>An Mickey Raphael fasziniert mich nicht nur sein Mundharmonika-Spiel, sondern auch die Tatsache, dass er immer noch wie ein junger Mann aussieht, obwohl er schon über 60 ist.</strong></p>
<p>Ja, er ist ziemlich gut in Form. Wenn man Mundharmonika spielt, braucht man ziemlich viel Puste. So bleibt man automatisch in Form. Außerdem fährt Mickey ziemlich viel auf seinem Fahrrad herum.</p>
<p><strong>Sie auch? Vor ein paar Wochen waren Sie mit Lance Armstrong essen.</strong></p>
<p>Nein, Radfahren ist nicht mein Ding. Aber Lance und ich spielen gelegentlich Golf zusammen.</p>
<p><strong>Es heißt, Ihr nächstes Album sei auch schon fast fertig.</strong></p>
<p>Ja. Darauf singe ich Duette mit verschiedenen Sängerinnen. In ein paar Tagen gibt es noch eine Aufnahmesession in Nashville, aber das meiste haben wir schon im Kasten. Ich singe auf dem Album mit einigen wirklichen tollen Künstlerinnen zusammen: Barbra Streisand, <a href="/blogs/musikblog/1943/rosanne-cash-im-interview-mein-vater-war-wie-picasso/" target="_blank">Rosanne Cash</a>, Dolly Parton, Allison Krauss, Sheryl Crow, <a href="/blogs/musikblog/3570/die-secret-sisters-im-interview-wir-wollen-die-alte-musik-bewahren/" target="_blank">The Secret Sisters</a>. Meine Tochter Paula ist auch mit dabei, außerdem eine 17-jährige Sängerin aus Maui, Lily Meola, die ganz großartig ist.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=bq_8QMIncDs">http://www.youtube.com/watch?v=bq_8QMIncDs</a></p>
<p><strong>Ich bin ein –</strong></p>
<p>Und natürlich <a href="/blogs/musikblog/1635/norah-jones-im-interview-willie-nelsons-joints-sind-unglaublich-stark/" target="_blank">Norah Jones</a>, die hätte ich fast vergessen. Norah muss auch dabei sein!</p>
<p><strong>Ich bin ein großer Fan der Duo-Alben mit Gospelmusik, die Sie und Ihre Schwester aufgenommen haben. Aber es gibt wahrscheinlich keine Pläne, sowas nochmal zu machen?</strong></p>
<p>Das würde ich nicht sagen. Wir haben immer noch das Studio, in dem wir diese Alben aufgenommen haben, ihr Klavier steht noch dort. Vielleicht werden wir tatsächlich nochmal ein solches Album machen.</p>
<p><strong>Sie haben sich kürzlich zum Streit um die Schwulen-Ehe geäußert. Was hat Sie veranlasst, sich in dieser Debatte zu Wort zu melden?</strong></p>
<p>Mich hat jemand nach meiner Meinung gefragt. Und dieser Punkt ist für mich einfach sonnenklar. Ich habe mein ganzes Leben mit Schwulen und Heteros zu tun gehabt, ich komme mit allen gut aus, und ich denke, so sollten wir alle das handhaben.</p>
<p><strong>Seltsam, dass das trotzdem so ein großer Streit in den USA ist.</strong></p>
<p>Wir müssen halt immer über etwas streiten.</p>
<p>[werbung]</p>
<p><strong>Ein anderes großes Thema dieser Tage ist die Veschärfung des Waffenrechts. Wie stehen Sie dazu?</strong></p>
<p>Am besten wäre es, wenn keiner eine Schusswaffe hätte. Aber wenn Sie eine haben, will ich natürlich auch eine haben. Wenn Sie eine Panzerfaust haben, besorge ich mir eine Drohne. Ich will genauso gut bewaffnet sein wie Sie, wo auch immer das hinführt. Eine Welt ohne Waffen ist leider nicht realistisch.</p>
<p><strong>Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Ich habe vor ein paar Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Haben Sie einen Rat für mich?</strong></p>
<p>Haben Sie Spaß mit der Gitarre und spielen Sie das, was Sie hören. Das ist das einzige, was ich Ihnen sagen kann.</p>
<p><strong>Ist es von Vorteil, so wie Sie jahrzehntelang dieselbe Gitarre zu spielen?</strong></p>
<p>Ich liebe einfach den Sound meiner Gitarre. Ich spiele Sie seit 1969 und werde Sie für den Rest meiner Zeit spielen. Ich habe noch ein paar andere Gitarren, aber diese Martin Classical Guitar, die hat einfach den Sound, den ich gesucht hatte. Ich bin ein großer Fan von Django Reinhardt, meine Gitarre erinnert mich vom Ton her ein kleines bisschen an Djangos Gitarre. Ich mag sie sehr und spiele sie jede Nacht.</p>
<p><em>Fotos: Sony Music</em></p>
<p><em>Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit, um so häufig in meinem Blog zu posten wie früher. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=vqJJsCEQGxc">http://www.youtube.com/watch?v=vqJJsCEQGxc</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=dEm04nN9k9w">http://www.youtube.com/watch?v=dEm04nN9k9w</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Matthew E. White im Interview: &#8220;Ich will mit meiner eigenen Stimme sprechen&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/4103/matthew-e-white-im-interview-ich-will-mit-meiner-eigenen-stimme-sprechen/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Apr 2013 11:21:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Matthew White, als erstes fallen an Ihrem Debütalbum Big Inner (Domino) der ausgefeilte Sound und die komplexen Arrangements auf. Fast scheint es, als sei Ihnen der Sound wichtiger als die Songs.
Ja, da ist was dran. Ich habe die Platte weniger gemacht, um meine tollen Songs zu präsentieren, obwohl ich natürlich schon gute Songs haben wollte. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2013/04/Matt2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4107" alt="Matt2" src="/blogs/musikblog/files/2013/04/Matt2.jpg" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Matthew White, als erstes fallen an Ihrem Debütalbum <em>Big Inner</em> (Domino) der ausgefeilte Sound und die komplexen Arrangements auf. Fast scheint es, als sei Ihnen der Sound wichtiger als die Songs.</strong></p>
<p>Ja, da ist was dran. Ich habe die Platte weniger gemacht, um meine tollen Songs zu präsentieren, obwohl ich natürlich schon gute Songs haben wollte. Mein Ziel war, Songs zu schreiben, in denen meine Arrangement-Ideen aufblühen können. Arrangements, Sound-Ideen, die Kombination verschiedener Texturen – das ist das, was mich am meisten interessiert.</p>
<p><strong>Eine der großen Leistungen des Albums besteht für mich darin, dass der Sound zwar von Soul, Country und brasilianischer Musik inspiriert ist, zugleich aber neu und modern wirkt.</strong></p>
<p>Die Musik, die ich liebe, gibt es bereits. Die Herausforderung besteht für mich darin, sie zu studieren und zu internalisieren, aber dennoch mit meiner eigenen Stimme zu sprechen. Das war natürlich schon immer Thema in der Kunst; jeder lernt von denen, die vor ihm da waren. An der heutigen Situation ist allerdings speziell, dass man mittels Internet extrem leicht an die Musik der Vergangenheit herankommt. Ich denke viel darüber nach, wie sich dieser Umstand in der Musik meiner Generation niederschlagen wird.</p>
<p><strong>Meine These wäre, dass es heutzutage schwieriger ist als früher, seine eigene Stimme zu finden.</strong></p>
<p>Vielleicht. Aber vielleicht dramatisieren wir auch den Einfluss des Internets. Wenn ich Musik mache, setze ich mich ans Klavier und versuche, einen Song zu schreiben – genau wie die Musiker früherer Generationen.</p>
<p><strong>Ein klarer Unterschied besteht allerdings darin, dass es heute viel leichter ist, Musik aufzunehmen.</strong></p>
<p>Ja, da hat man heute viel mehr Optionen. Das war teilweise auch schon in den Sechzigern so, aber damals musste man es sich erarbeiten. Heute hat man diese Optionen schon am Beginn seiner Karriere. Mich hat neulich einer gefragt, ob ich gerne mal in einem berühmten Studio wie Abbey Road aufnehmen wolle. Meine Antwort: Jetzt noch nicht, ich könnte diese Möglichkeiten noch gar nicht richtig nutzen. Wenn man sich zu weit ins Wasser vorwagt, ertrinkt man.</p>
<p><strong>Wer sind denn nun die Arrangeure und Produzenten, die Sie beeinflusst haben?</strong></p>
<p>Als ich die Streicher-Arrangements beschreiben musste, habe ich gesagt, sie sollten eine Kombination aus drei verschiedenen Einflüssen sein: Impressions zur Zeit ihres Albums <em>Young Mod’s Forgotten Story</em>, das Ray-Charles-Album <em>Modern Sounds In Country &amp; Western Music</em> und brasilianische Tropicalía-Musik. Allen Toussaint ein sehr wichtiger Mann für mich, außerdem liebe ich die späte Motown-Ära mit <em>What’s Going On</em> als Höhepunkt. Ich höre aber auch viel Brian Wilson, obwohl der Gesang bei mir eigentlich nicht so einen Stellenwert hat.</p>
<p>[werbung]</p>
<p><strong>Interessant, dass Sie Marvin Gaye erwähnen – dessen Einfluss habe ich auf Ihrem Album in den gedoppelten Gesangsspuren gehört.</strong></p>
<p>Wobei ich mich nie mit Marvin Gaye vergleichen würde! Bei mir war es eher so, dass ich kein erfahrener Sänger bin und deshalb meinen Gesang durch die Dopplung etwas unterstreichen wollte. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, das war ein glücklicher Zufall.</p>
<p><strong>In drei Songs ihres Albums haben Sie andere Kompositionen eingearbeitet, zum Beispiel einen Song des obskuren Bluessängers Washington Phillips.</strong></p>
<p>Washington Phillips hat ja ein ungewöhnliches Saiteninstrument gespielt, über das sich heute niemand mehr wirklich im klaren ist. Der engelsgleiche Klang seiner Aufnahmen zieht mich magisch an. Der Song „Gone Away“ entstand, nachdem meine vierjährige Kusine bei einem Autounfall starb. Als ich davon gehört habe, habe ich sofort an diesen Washington-Phillips-Song gedacht und seinen Text mit eigenen Ideen zusammengebracht. Es war mein Versuch, mit diesem schlimmen Ereignis fertig zu werden.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=OZXS4tnmI_0">http://www.youtube.com/watch?v=OZXS4tnmI_0</a></p>
<p><strong>Auf die Gefahr hin, etwas <em>nerdy</em> zu wirken: Besonders gut hat mir auf Ihrer Platte auch das rhythmische Händeklatschen gefallen.</strong></p>
<p>Da fällt mir ein Zitat von Steve Cropper ein, das ich neulich gelesen habe. Bei Stax haben sie anscheinend viel darüber nachgedacht, warum die Motown-Platten so erfogreich waren, und einer der Gründe, den sie laut Cropper gefunden haben, war der, dass man bei den Motown-Hits so gerne mitsingen wollte. Der Rhythmus sei so nett gewesen. Darüber denke ich viel nach: Was sind die Elemente, die ein Lied angenehm und erfeulich machen? Auch der Handclap auf &#8220;Brazos&#8221; macht Spaß und fühlt sich einfach gut an.</p>
<p><strong>Wenn Sie jetzt nach Deutschland kommen, haben Sie wahrscheinlich nicht Ihren Chor und die Streicher dabei.</strong></p>
<p>Nein.</p>
<p><strong>Was können wir erwarten?</strong></p>
<p>Wir sind zu sechst auf der Bühne und spielen die Songs des Albums, aber ein bisschen lauter, schneller, intensiver. Wenn es sich auf der Bühne genauso anhört wie auf Platte, macht man etwas falsch, das mag ich gar nicht.</p>
<p><strong>Vor einem halben Jahr kannte Sie außerhalb von Richmond niemand, nun ist Ihr Album überall auf der Welt in den Musikzeitschriften gelobt worden. Wenn Sie an die vergangenen Monate zurückdenken – was ist das tollste, das Ihnen in dieser Zeit passiert ist?</strong></p>
<p>Die Tatsache, dass ich um die Welt fliege und dort Leute treffe, die sich meine Musik anhören und für meine Songs interessieren. Neulich haben mich meine Eltern gefragt, was ich im April mache – da bin ich in Europa auf Tour, habe ich gesagt. Für viele Musiker ist das normal, für mich ist es ein großes Ding. Vor kurzem habe ich noch Gitarrenunterricht gegeben. Ich habe zehn jahre lang Kindern beigebracht, wie sie ein G-Akkord spielen. Und jetzt spiele ich ausverkaufte Konzerte in Deutschland. Abgefahren!</p>
<p><em>Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit, um so häufig in meinem Blog zu posten wie früher. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
<p><em>15.04. – München &#8211; Strom</em><br />
<em> 17.04. – Berlin &#8211; Privatclub</em><br />
<em> 18.04. – Hamburg &#8211; Knust</em><br />
<em> 19.04. – Köln &#8211; Gebäude 9</em></p>
<p>Foto: Domino/Sara Padgett</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=9FxG5KeqYxo">http://www.youtube.com/watch?v=9FxG5KeqYxo</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>The Avett Brothers im Interview: &#8220;Roots-Musik liegt uns im Blut&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Mar 2013 11:47:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Avett Brothers]]></category>
		<category><![CDATA[Bluegrass]]></category>
		<category><![CDATA[Blues]]></category>
		<category><![CDATA[Country]]></category>
		<category><![CDATA[Doc Watson]]></category>
		<category><![CDATA[Folk]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Rick Rubin]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Waits]]></category>

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		<description><![CDATA[Bob Crawford, Scott Avett und Seth Avett sind zusammen die Avett Brothers.
Seth Avett, bevor Sie und Ihr Bruder Anfang der Nullerjahre die Avett Brothers gründeten, haben Sie beide in Indierock-Bands gespielt. Wieso haben Sie den Indierock an den Nagel gehängt und sind zur Roots-Musik gewechselt?
Scott und ich sind auf dem Land aufgewachsen und ich denke, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2013/03/Avett2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4083" alt="" src="/blogs/musikblog/files/2013/03/Avett2.jpg" width="500" height="305" /></a><em>Bob Crawford, Scott Avett und Seth Avett sind zusammen die Avett Brothers.</em></p>
<p><strong>Seth Avett, bevor Sie und Ihr Bruder Anfang der Nullerjahre die Avett Brothers gründeten, haben Sie beide in Indierock-Bands gespielt. Wieso haben Sie den Indierock an den Nagel gehängt und sind zur Roots-Musik gewechselt?</strong></p>
<p>Scott und ich sind auf dem Land aufgewachsen und ich denke, dagegen wollten wir rebellieren. Wir stammen aus North Carolina – und wollten Musik machen, die sich nach New York oder Kalifornien anhört. Als Scott 18 war und ich 14, konnten wir die Tatsache aber nicht mehr ignorieren, dass uns die Roots-Musik auf gewisse Weise im Blut liegt und Teil unserer Stimme ist. Wir erkannten, wie viel Spaß es uns macht, uns mit akustischen Gitarren hinzusetzen und zusammen zu singen. Hinzu kam, dass wir beide keine Lust mehr hatten, Verstärkertürme und Drumsets rumzuschleppen.</p>
<p><strong>In North Carolina ist die Country- und Bluegrass-Kultur weiterhin sehr lebendig, oder?</strong></p>
<p>Ja, auf jeden Fall. Bluegrass ist dort Teil der musikalischen Tradition – und des Alltags. Die Schule, auf der ich war, veranstaltet zum Beispiel jedes Jahr auf ihrem Sportplatz eine Fiddlers Convention mit einem kleinen Wettbewerb für junge Musiker. Das ist nicht hip oder cool, sondern ganz normal.</p>
<p><strong>Ich war vor einigen Jahren beim <a href="/blogs/musikblog/526/peter-rowan-und-die-mauern-der-zeit/" target="_blank">MerleFest</a> &#8230;</strong></p>
<p>Wirklich? Wow!</p>
<p><strong>&#8230; und selbst ganz überrascht, wie normal es in North Carolina und Umgebung anscheinend ist, Bluegrass-Mandoline oder ein ähnliches Instrument zu lernen. Das MerleFest, das muss man vielleicht dazu sagen, ist ein Festival für akustische Roots-Musik, ins Leben gerufen von Folk-Legende Doc Watson.</strong></p>
<p><a href="http://merlefest.org/" target="_blank">MerleFest</a> ist das beste Beweis dafür, wie stark die traditionelle Musik bei uns verwurzelt ist. Ich war mit 13 Jahren übrigens mal bei Doc Watson zu Hause, das war tatsächlich ein Wendepunkt in meinem Leben; bald darauf begannen Scott und ich, uns eingehender mit akustischer Musik zu beschäftigen. Seitdem waren wir jedes Jahr beim MerleFest, dieses Jahr treten wir selbst dort auf.</p>
<p><strong>Was ist bei diesem Besuch genau passiert? Hat <a href="/blogs/musikblog/535/knorrig-virtuos-legendar-doc-watson/" target="_blank">Doc Watson</a> Ihnen den Kopf getätschelt und gesagt, „Übe fleißig weiter, mein Sohn“?</strong></p>
<p>Ich saß bei ihm im Wohnzimmer und habe etwas auf der Gitarre vorgespielt. Im Gitarrenunterricht hatte ich ein Stück von ihm gelernt, „Doc’s Tune“. Obwohl ich es nicht besonders gut konnte, hat er mich gelobt und ermutigt. Am selben Abend waren wir mit seinem Enkel, meinem Vater und einem gemeinsamen Freund bei einem Konzert von Doc. Ich habe seinen Gitarrenkoffer getragen und danach beim T-Shirt-verkauf geholfen. Das war eine wirklich einprägsame Erfahrung für mich.</p>
<p><strong>War Ihnen damals klar, dass Doc Watson nicht nur ein Typ aus der Nachbarschaft ist, sondern ein weltweit geachteter Meister?</strong></p>
<p>Nicht wirklich. Mein Vater hatte ein Platte von ihm, ich wusste also, dass er nicht ganz unbekannt war. Aber als Kind konnte ich die Tragweite der Situation nicht ermessen – und das war gut so, sonst wäre ich bestimmt total nervös geworden.</p>
<p><strong>Gab es außer Doc Watson noch andere Musiker, die Sie und Ihren Bruder beim Weg in die Roots-Musik begleitet haben?</strong></p>
<p>Ich hatte eine intensive Piedmont-Blues-Phase. Blind Boy Fuller war sehr wichtig für mich, er kam aus Durham, das ist nur ein paar Stunden entfernt von uns. Später haben wir Charlie Poole entdeckt, auch er kam aus derselben Gegend wie wir.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=j37xdQFJ-Ng">http://www.youtube.com/watch?v=j37xdQFJ-Ng</a></p>
<p><strong>Nun machen die Avett Brothers aber keine Retro-Musik. In Ihrem Sound kann man auch Spuren von Rock und Punk hören.</strong></p>
<p>Scott und ich stehen auf Typen, die ihren eigenen Weg gehen, so wie Tom Waits. Den wollte man zu Beginn seiner Karriere in die Schublade des Gossen-Troubadours stecken, aber er hat sich da rausgekämpft und sein Ding durchgezogen. So etwas imponiert uns. Auch wir wollen der Richtung folgen, die der Song uns vorgibt und es nicht in irgendeine Schublade stecken lassen. Außerdem lieben wir nicht nur akustische Musik, sondern auch HipHop, Metal, Rock’n’Roll, Blues und Jazz.</p>
<p><strong>Ihre Musik klingt frischer, jünger als vieles andere im Americana-Bereich. Wie geht das?</strong></p>
<p>Hm. Vielleicht liegt es daran, dass wir unsere eigene Stimme gefunden haben. Wenn man das geschafft hat, klingt man als Künstler immer frisch. Wenn man aber faul wird und sich auf den Errungenschaften der Vergangenheit ausruht, hört sich die Musik bald langweilig an. Außerdem sind Scott und ich ein gutes Team. Wenn der eine nicht mehr weiter weiß, hat der andere meist eine Idee, wie es weitergehen könnte.</p>
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<p><strong>Ihr Durchbruch kam 2009 mit dem von Rick Rubin produzierten Album <em>I And Love And You</em>. Ich stelle es mir ziemlich unwirklich vor, wenn sich plötzlich so ein berühmter Produzent bei einem meldet.</strong></p>
<p>Zu der Zeit waren wir bereits mit mehreren großen Labels in Kontakt. Rick hat uns zu sich nach Hause eingeladen, und so saßen wir eines Tages auf seiner Terasse in Malibu, redeten über unser letztes Album, unsere Vorstellungen von der Zukunft – er meinte, dass er unsere Musik sehr schätzen und gerne mit uns zusammenarbeiten würde. Es dauerte dann allerdings noch anderthalb Jahre, bis der Deal unterschriftsreif war. Inzwischen sind wir eng mit ihm befreundet.</p>
<p><strong>Rubin hat auch Ihr neues Album <em>The Carpenter</em> produziert. Wie ist er denn so im Studio?</strong></p>
<p>Er führt dich, aber ohne dich allzu aufdringlich in eine bestimmte Richtung zu schieben. Wenn wir den Faden verlieren, greift er ein und schlägt vor, wie man weitermachen könnte. Er ist ein ruhiger, sehr geduldiger Produzent, der dir und deiner Musik viel Raum gibt.</p>
<p><strong>Ein Markenzeichen der Avett Brothers: Viele Ihrer Songs sind sehr persönlich.</strong></p>
<p>Unsere ersten Platten hat kaum jemand gehört, deshalb war es eigentlich egal, welche Geheimnisse wir enthüllt haben. Heute hören sich viele Fans unsere Songs sehr genau an, nehmen sie regelrecht auseinander. Wir wollen trotzdem ehrlich bleiben, denn auch die Musik, die wir lieben, zeichnet sich dadurch aus, dass Verletzlichkeit und ehrliche Gefühle offenbart werden. Die Gefahr dabei ist, dass Ehrlichkeit schnell manieriert wirken kann.</p>
<p><strong>Ein weiteres Markenzeichen ist Ihr Harmoniegesang. Kommt das ganz natürlich, oder feilen Sie und Ihr Bruder lange an den Harmonieparts herum?</strong></p>
<p>Beides. Wir müssen uns keine Mühe geben, dass sich die Textur unserer Stimmen ergänzt, dafür singen wir schon zu lange zusammen. Aber wir geben uns große Mühe, die Töne zu treffen und uns schöne Melodien auszudenken, da sind wir alles andere als perfekt.</p>
<p><strong>Überhaupt scheinen Sie und Ihr Bruder sich ziemlich gut zu verstehen. Gab es trotzdem einmal einen großen Streit zwischen Ihnen?</strong></p>
<p><em>(Lacht.)</em> Scott, er möchte wissen, worüber wir uns gestritten haben. <em>(Scott murmelt etwas im Hintergrund.)</em> Stimmt, das war krass, ein wirklich memorabler Streit. Es geschah bei den Aufnahmen für unser Album <em>Four Thieves Gone</em>. Dafür haben wir uns zweieinhalb Wochen in ein abgelegenes Haus in den Bergen zurückgezogen. Gegen Ende dieser Zeit bekam Scott einen Koller. Er musste einfach raus, obwohl wir noch nicht fertig waren. Ich weiß noch, wie ich am Schlagzeug saß und einen Drumtrack aufnahm, während Scott plötzlich neben mir anfing, irgendwelche Sachen zusammenzupacken und mit lautem Türenknallen nach draußen zu bringen. Ich habe ihn höflich darauf hingewiesen, dass ich hier gerade etwas aufnehmen würde – daraus entwickelte sich ein herrlicher Streit. Aber meist verstehen wir uns gut.</p>
<p><em>Das Album &#8220;The Carpenter&#8221; ist im vergangenen Herbst erschienen. Die nächsten Konzerte der Band:</em></p>
<p><em>8. März &#8211; München, Muffathalle</em></p>
<p><em>9. März &#8211; Zürich, Kaufleuten</em></p>
<p><em>11. März &#8211; Bürgerhaus Stollwerk, Köln</em></p>
<p><em><strong>In eigener Sache:</strong> Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit, um so häufig in meinem Blog zu posten wie früher. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=3HEuzzCnJj0">http://www.youtube.com/watch?v=3HEuzzCnJj0</a></p>
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		<item>
		<title>Richard Thompson im Interview: &#8220;Ich war zu nett zu den alten Damen&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/4055/richard-thompson-im-interview-ich-war-zu-nett-zu-den-alten-damen/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 16:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Fairport Convention]]></category>
		<category><![CDATA[Folk]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Mumford & Sons]]></category>
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		<category><![CDATA[Richard Thompson]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Plant]]></category>
		<category><![CDATA[The Band]]></category>
		<category><![CDATA[The Byrds]]></category>
		<category><![CDATA[The Lovin’ Spoonful]]></category>
		<category><![CDATA[Woody Guthrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Richard Thompson ist der lebende Beweis dafür, wie ungerecht das Musikgeschäft ist. Eigentlich müsste er ein Star in der Liga von Eric Clapton sein, tatsächlich hatte er aber nie nennenswerten kommerziellen Erfolg. Dabei war schon der Beginn seiner Karriere spektakulär: Mit Fairport Convention nahm er zwischen 1968 und 1970 fünf Alben auf, die für mich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Richard Thompson ist der lebende Beweis dafür, wie ungerecht das Musikgeschäft ist. Eigentlich müsste er ein Star in der Liga von Eric Clapton sein, tatsächlich hatte er aber nie nennenswerten kommerziellen Erfolg. Dabei war schon der Beginn seiner Karriere spektakulär: Mit Fairport Convention nahm er zwischen 1968 und 1970 fünf Alben auf, die für mich zu den besten Platten der Rock-Ära gehören. Der offensichtliche Grund dafür ist die hier erstmalig vollzogene Verbindung von englischer Folkmusik und Rock, doch auch unabhängig davon überzeugen Fairport Convention als tolle Songschreiber, Sänger und Instrumentalisten; erstaulich auch, wie eigenständig der damals kaum 20-jährige Thompson die Gitarre spielte: In seinem Stil verband er Steve Cropper und Django Reinhardt mit den Jigs und Reels traditioneller englischer Tanzmusik.</p>
<p>Nach der Trennung von Fairport Convention nahm er in den Siebzigern mit seiner Frau Linda mindestens zwei Meisterwerke auf – <em>I Want To See The Bright Lights Tonight</em> und <em>Pour Down Like Silver</em> –, seit Anfang der Achtziger ist er als Solokünstler unterwegs und veröffentlicht regelmäßig Platten von hoher Qualität. Dass er Humor hat, bewies er 2003 mit dem Album <em>1000 Years Of Popular Music</em>, das einen Bogen vom mittelalterlichen Minnegesang zu Britney Spears schlug. Nun ist sein neues, sehr dynamisches Album <em>Electric</em> erschienen, was mir die Möglichkeit gab, mit diesem außergewöhnlichen Künstler zu telefonieren.</p>
<p><a href="/blogs/musikblog/files/2013/02/RT1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-4057" src="/blogs/musikblog/files/2013/02/RT1.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Richard Thompson, mit Ihrer ersten Band Fairport Convention wurden Sie Ende der Sechziger dafür bekannt, englische Folkmusik mit Rock zu verbinden. Wie sind Sie auf die alten englischen Folksongs gestoßen, die Sie damals gespielt haben?</strong></p>
<p>Einige hatten wir in der Schule gelernt, viele stammten auch aus dem <em>Penguin Book Of English Folk Songs</em>, einem Standardwerk, zusammengestellt von A.L. Lloyd. Zu dieser Zeit war traditionelle englische Musik allerdings total uncool. Dass wir plötzlich sagten, diese Songs sind unsere Wurzeln, die müssen wir in die Gegenwart bringen und mit Rockmusik verbinden, war ein ungewöhnlicher Schritt.</p>
<p><strong>Was hat Sie an der alten Musik fasziniert?</strong></p>
<p>Das ist sehr kraftvolle Musik, die aus vielerlei Gründen in Vergessenheit geraten war war. Wir hielten es einfach für wichtig, unser Publikum mit dieser Musik bekannt zu machen. Das war unser Anliegen.</p>
<p><strong>In Amerika hatte das Folkrevival zu diesem Zeitpunkt schon stattgefunden.</strong></p>
<p>Ja, Leute wie Pete Seeger und Woody Guthrie hatten viele Amerikaner mit den traditionellen Lieder aus den US-Südstaaten bekannt gemacht hatten. Ebenso wichtig für uns waren aber The Band, die vorgemacht haben, wie man Rockmusik mit Country und Folk verbinden kann. Mit Fairport Convention reagierten wir eher auf Gruppen wie The Band, The Byrds und The Lovin’ Spoonful.</p>
<p><strong>Viele Folkmusiker schauen auf die Popmusik herab und lassen nur die alten Lieder gelten. Wie halten Sie das?</strong></p>
<p>Stimmt, in der traditionellen Musik gibt es viele Snobs – wobei wir die vielleicht auch brauchen, um einen bestimmten künstlerischen Ansatz zu bewahren. Ich persönlich halte aber diese ganze Diskussion für fehlgeleitet: Was einen Folksong reizvoll macht, sind doch dieselben Qualitäten, die auch einen guten Popsong auszeichnen: ein guter Refrain, eine interessante Geschichte.</p>
<p><strong>Die alten Songs erzählen oft ausgesprochen packende Begebenheiten.</strong></p>
<p>Sehe ich genauso. Auf dem Fairport-Album <em>Liege &amp; Lief</em> haben wir uns erstmals an traditionelle Balladen gewagt: Songs mit großen Geschichten und starken Bildern.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=uK_7AqH1VGQ">http://www.youtube.com/watch?v=uK_7AqH1VGQ</a></p>
<p><strong><em>Liege &amp; Lief</em> erschien Ende 1969. Außerdem kamen in diesem Jahr noch zwei weitere Fairport-Alben heraus. Wie haben Sie das geschafft?</strong></p>
<p>Ich kann es auch nicht erklären. Wir müssen viel Energie gehabt haben. Nach unseren Auftritten irgendwo in England sind wir zurück nach London gefahren und nachts noch ein paar Stunden ins Studio gegangen. Jede Woche haben wir ein bisschen aufgenommen, so entstanden nach und nach diese Platten.</p>
<p><strong>Inzwischen brauchen Bands Jahre für ein neues Album.</strong></p>
<p>Alle folgen demselben Zyklus: schreiben, aufnehmen, auf Tour gehen. Es dauert zwei Jahre, bis du da durch bist. Diese Routine gab es damals nicht. Wir haben 1969 ständig live gespielt, aber wir waren nicht auf Tour, um ein bestimmtes Album zu promoten. Wir sind einfach jede Woche zwei bis dreimal irgendwo aufgetreten. Die Platten kamen heraus und wurden rezensiert, fertig. Es gab noch nicht diesen großen Promo-Aufriss, den man heute machen muss.</p>
<p><strong>Bemerkenswert an den alten Fairport-Platten ist außerdem ihr toller Sound.</strong></p>
<p>Wir hatten einen großartigen Toningenieur, John Wood. Er hat ziemlich naturalistische Aufnahmen gemacht, ohne Effekte oder sowas. Ich denke, das ist einer der Gründe, warum sie heute immer noch so gut klingen.</p>
<p><strong>Ende der Sechziger war die Londoner Popszene ausgesprochen vital. Was für einen Status hatten Fairport Convention?</strong></p>
<p>Wir galten einfach als Folkies. Die Musikszene in London war damals so vielfältig, dass man eigentlich alles machen konnte, vom schrägen Folk der Incredible Sting Band bis zum Polit-Punk der Social Deviants; selbst jemand wie Duster Bennett mit seiner One-Man-Blues-Band war akzeptiert. Wenn man damals in einen Club ging, konnte es gut sein, dass man sechs Bands sah, die alle völlig unterschiedliche Musik machten. Keiner wurde ausgeschlossen.</p>
<p><strong>Stimmt es eigentlich, dass Sie in den Siebzigern die Musik an den Nagel hängten und einen Antiquitätenladen eröffneten?</strong></p>
<p>Ja, das stimmt. Ende der Siebziger waren viele Künstler meiner Generation auf einmal nicht mehr gefragt und es schien mir klug zu sein, eine Zeitlang aus dem Musikgeschäft auszusteigen. Ich hatte allerdings kein besonderes Talent für die Antiquitäten-Branche. Ich war viel zu nett zu den alten Damen. Mir fehlte die Rücksichtslosigkeit, die man braucht, um in diesem Geschäft wirklich erfolgreich zu sein.</p>
<p><strong>Als ich von dieser Episode erfuhr, hat das mein Weltbild nachhaltig durcheinandergebracht. Die Platten, die Sie in den Siebzigern mit Ihrer Frau Linda machten, sind so fantastisch – da nahm ich natürlich an, dass Sie damals ein Star waren.</strong></p>
<p>In den frühen Siebzigern war es in Ordnung, aber die Jahre zwischen 1975 und 1980 waren eher mager für Leute wie mich. Punk hat die Musikszene ziemlich verändert, die ältere Generation war abgemeldet, bis auf Künstler wie David Bowie oder Roxy Music. Ich galt als alter Hippie, der die Zeichen der Zeit verschlafen hat.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=HqViJyweNV0">http://www.youtube.com/watch?v=HqViJyweNV0</a></p>
<p><strong>Was war denn der kommerzielle Höhepunkt ihrer Karriere?</strong></p>
<p>Auf den warte ich bis heute. Meine meistverkaufte Platte ist <em>Rumor &amp; Sigh</em> von 1991. Aber für Plattenfirmen war ich eigentlich immer irrelevant, meine bescheidenen Verkäufe fielen nie wirklich ins Gewicht.</p>
<p><strong>Das Musikgeschäft hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr verändert. Zum guten oder zum schlechten?</strong></p>
<p>Schwierig zu sagen. Die meisten Musiker hatten es noch nie leicht, im Business zu bestehen. Ich denke allerdings, vor allem Newcomer haben es heute schwerer, weil es weniger Orte gibt, an denen man auftreten kann, und weniger Plattenfirmen, die neue Künstler unterstützen. Vieles an den alten Plattenfirmen war schlecht, aber immerhin hatten sie genug Geld, um Newcomer einige Jahre lang zu finanzieren. Dieses System hat einigermaßen gut funktioniert und dazu geführt, dass viele talentierte Musiker Platten herausbringen konnten. Inzwischen ist das Hauptproblem der meisten Musiker doch, ihre Hörer zu erreichen. Jeder hat eine Webseite, jeder hat irgendwas bei Youtube hochgeladen – aber wie bringst du die Leute dazu, ausgerechnet deine Sachen anzuschauen? Hinzu kommt, dass kaum jemand noch gewillt ist, für Platten Geld auszugeben. Die einzige Einkommensquelle für die meisten Musiker sind heute die Konzerte und der T-Shirt-Verkauf.</p>
<p><strong>Eine weitere gravierende Veränderung: Heute kann man sich im Internet problemlos mit dem Werk noch des obskursten Bluesmusiker vertraut machen. Was für einen Einfluss hat die totale Verfügbarkeit vergangener Stile auf junge Musiker von heute?</strong></p>
<p>Für uns war die Musik früher sehr kostbar. Man hat sein Geld gespart, eine LP gekauft – und die dann auch einige hundert Mal gehört. Weil man nur noch zwei andere hatte. Deshalb ist man sehr tief eingestiegen und hat sich unglaublich über musikalische Entdeckungen gefreut – eine neue Platte zu hören, konnte ein weltbewegendes Ereignis sein. Ich denke, heute braucht man vor allem einen guten Geschmack. Wenn alles verfügbar ist, muss man sehr genau auswählen, was man eigentlich hören will. Denn ehe man sich’s versieht, hat man irgendeinen Mist gelernt.</p>
<p><strong>Ihr neues Album <em>Electric</em> entstand in Nashville, im Studio von Buddy Miller. Wie kam es dazu?</strong></p>
<p>Mir haben die Platten gefallen, die er mit Robert Plants Band of Joy gemacht hat, mit Shawn Colvin und Solomon Burke. Die Aufnahmen finden bei ihm zu Hause statt, das gibt dem ganzen eine intime Stimmung.</p>
<p><strong>Wird das ja nun der kommerzielle Höhepunkt, auf den Sie so lange warten?!</strong></p>
<p>Tja. Ich fürchte, mit Alben kann man heute nicht mehr viel erreichen. Aber ich bin altmodisch, ich mag dieses Format einfach. Ich mag, wie eine Reihe von Songs zueinander in Beziehung steht. Ich lese auch lieber einen Gedichtband als ein einzelnes Gedicht. Selbst wenn ich meine Alben superbillig bei mir zu Hause aufnehmen müsste, würde ich es weiterhin tun.</p>
<p><strong>Vielleicht steht die Folkmusik aber doch vor einem kommerziellen Aufschwung, immerhin haben Mumford &amp; Sons gerade einen Grammy gewonnen. </strong></p>
<p>Großartig! Phänomenal! Ich freue mich sehr, dass sich jüngere Leute für traditionelle Stile interessieren und damit so ein großes Publikum erreichen. Ich hoffe, es kommen noch mehr Bands wie die Mumfords!</p>
<p><em>Richard Thompsons neues Album &#8220;Electric&#8221; ist bei Proper Records erschienen. Foto: Ron Sleznak</em></p>
<p><em><strong>In eigener Sache:</strong> Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit, um so häufig in meinem Blog zu posten wie früher. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=HMw90ZJTg1Q">http://www.youtube.com/watch?v=HMw90ZJTg1Q</a></p>
<p>[werbung]</p>
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		<title>Merle Haggard: Ein Lob der Midlife-Crisis</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/3975/merle-haggard-ein-lob-der-midlife-crisis/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Dec 2012 16:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Country]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Sinatra]]></category>
		<category><![CDATA[Merle Haggard]]></category>
		<category><![CDATA[Willie Nelson]]></category>

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		<description><![CDATA[So sieht Merle Haggard heute aus: Trotz diverser Krankheiten tritt er immer noch regelmäßig auf. (Foto: Gandulf Hennig)
Dass Merle Haggard ein bewegtes Leben geführt hat, sieht man auch daran, dass er nicht nur eine, sondern zwei Autobiographien veröffentlichte: Sing Me Back Home (1981) und My House Of Memories (1999). Beide sind ausgesprochen lesenswert, vor allem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/12/Merle12a.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3993" src="/blogs/musikblog/files/2012/12/Merle12a.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a><em>So sieht Merle Haggard heute aus: Trotz diverser Krankheiten tritt er immer noch regelmäßig auf. (Foto: Gandulf Hennig)</em></p>
<p>Dass Merle Haggard ein bewegtes Leben geführt hat, sieht man auch daran, dass er nicht nur eine, sondern zwei Autobiographien veröffentlichte: <em>Sing Me Back Home</em> (1981) und <em>My House Of Memories</em> (1999). Beide sind ausgesprochen lesenswert, vor allem wegen der ehrlichen Schilderung seiner wilden Jugend und des Gefängnisaufenthalts in San Quentin. Besonders gut hat mir immer auch der Epilog seines ersten Buches gefallen, in dem er einen Tag im Juli 1980 beschreibt. Nach einer Reihe von Konzerten in Reno ist er auf dem Weg nach Austin, um bei Willie Nelsons 4th of July-Picknick aufzutreten. Seine Band, die Strangers, sitzt mit ihm im Flugzeug, seine ganze Crew ist dabei. Doch Merle, damals 43 Jahre alt, schreibt: &#8220;I wish to hell I didn&#8217;t feel so alone. I&#8217;m surrounded by my band family – but with all due respect to their good company, I don&#8217;t know when I&#8217;ve ever felt so lonely.&#8221;</p>
<p>Vor kurzem ist bei Bear Family die Vier-CD-Box <em>The Troubadour</em> erschienen, die Haggards komplettes Oeuvre aus den Jahren 1976 bis 1981 enthält, damals veröffentlicht bei der Plattenfirma MCA. Obwohl Haggard auch davor und danach großartige Alben gemacht hat – sein neuestes, <em>Working In Tennessee</em>, erschien erst vor wenigen Monaten – sind seine MCA-Jahre mit den Alben <em>Serving 190 Proof</em>, <em>Back To The Barrooms</em> und <em>Rainbow Stew</em> doch meine persönliche Lieblingsphase aus seiner Karriere. Warum er damals so aufdrehte? Es hat viel mit jener Einsamkeit zu tun, von der oben die Rede war.</p>
<p>Als Haggard 1976 zu MCA wechselte, war er einer der erfolgreichsten Countrystars, mit einer Serie von 24 Nummer-eins-Hits. In den Sechzigern hatten er in Songs wie &#8220;The Fugitive&#8221;, &#8220;Branded Man&#8221; und &#8220;Life In Prison&#8221; über innere Rastlosigkeit gesungen, doch wer nun glaubte, der Erfolg habe ihn sanfter gemacht, sah sich getäuscht. Auf den MCA-Alben steigerte er sich eher nochmal, und lieferte etliche Songs mit einer nahezu nihilistischen Weltsicht ab. Am deutlichsten wird das in &#8220;Kicking Out The Footlights&#8221;, dem Opener des Albums <em>Serving 190 Proof</em>: &#8220;I live the kinda life most men only dream of / I make my livin&#8217; writin&#8217; songs and singin&#8217; them / But I&#8217;m forty-one years old and I ain&#8217;t got no place to go when it&#8217;s over / So I hide my age and make the stage and / Try to kick the footlights out again.&#8221;</p>
<p>Vor zwei Jahren habe ich mit dem Regisseur <a href="/blogs/musikblog/2490/merle-haggard-der-ewige-fremde/" target="_blank">Gandulf Hennig</a> gesprochen, der den tollen Dokumentarfilm <em>Merle Haggard – Learning To Live With Myself</em> gedreht hatte. Hennig über Haggards MCA-Jahre: &#8220;Für seine stärkste Zeit halte ich die späten Siebziger und frühen Achtziger. Da ist er auf dem Gipfel seines Erfolgs, aber in einer schweren Midlife-Crisis.&#8221; In den Autobiographien und im dicken, von Dave Samuelson verfassten Begleitbuch der Bear-Family-Box erfährt man einiges über die Ursachen dieser Midlife-Crisis: Eheprobleme spielen eine Rolle, und die Drogen haben auch nicht unbedingt geholfen. Letzten Endes dürften das aber Randerscheinungen gewesen sein: Man muss sich Merle Haggard wohl als einen von den Ereignissen seiner Jugend schwer traumatisierten Menschen vorstellen, der bis heute nicht wirklich seinen Frieden gefunden hat.</p>
<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/12/Merle12c.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3995" src="/blogs/musikblog/files/2012/12/Merle12c.jpg" alt="" width="500" height="374" /></a></p>
<p>Nun macht aber nicht jeder, der in einer Midlife-Crisis steckt, gute Musik. Bei Haggard war in diesem Fall ausschlaggebend, dass er durch den Plattenfirmen-Wechsel in Kontakt mit dem Produzenten Jimmy Bowen kam. Bowen hatte in den Sechzigern Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. produziert, in den Siebzigern kam er nach Nashville und revolutionierte die Art, wie dort Platten gemacht wurden. Haggards Alben <em>Serving 190 Proof</em> und <em>Back To The Barrooms</em> (teilweise und ganz von Bowen produziert) hören sich dann auch ganz anders an als seine älteren Capitol-Sachen: die Drums sind lauter, knackiger, die Instrumente wurden beim Stereo-Mix luftiger in den Raum gestellt, und Haggards Stimme wurde von Bowen noch besser aufgenommen als früher von Ken Nelson; erst ab jetzt merkt man, wie einzigartig sein energetisches, aber zugleich zerbrechliches und gefühlvolles Organ eigentlich ist. Besonders zum Tragen kommt das neue Konzept bei den langsamen Nummern: Die Ausdruckskraft von Balladen wie &#8220;Driftwood&#8221;, &#8220;Our Paths May Never Cross&#8221; und &#8220;Misery And Gin&#8221; ist überwältigend, und es ist kaum verwunderlich, dass sich Haggard in den Achtzigern eher als Balladensänger profilierte.</p>
<p>Ein besonderes Highlight der Box ist schließlich das Live-Album <em>Rainbow Stew</em>, 1981 in Anaheim aufgenommen. Hier kann man hören, wie Haggard seinen neuen Studiosound für seine Band adaptiert und wie dadurch auf einmal auch ältere Songs wie &#8220;I&#8217;m A Lonesome Fugitive&#8221; und &#8220;Sing Me Back Home&#8221; noch besser klingen also vorher; bei beiden Nummern rastet das Publikum auf eine Weise aus, die auch 30 Jahre später noch mitreißend ist. So besteht mein einziger Kritikpunkt an diesem ansonsten fantastischen Set darin, dass Bear Family nicht noch weitere Tracks von diesem legendären Konzert aufgetrieben hat. Dass es die irgendwo gibt, hoffe ich doch sehr.</p>
<p><em>Hier noch drei Videos vom Konzert, bei dem &#8220;Rainbow Stew&#8221; entstand:</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=trtI5EfV29M">http://www.youtube.com/watch?v=trtI5EfV29M</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=1Qbqyi4eAok">http://www.youtube.com/watch?v=1Qbqyi4eAok</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=jeWY00gTCvo">http://www.youtube.com/watch?v=jeWY00gTCvo</a></p>
<p>[werbung]</p>
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		<title>Diana Krall im Interview: &#8220;Ich bin vor Ehrfurcht erstarrt&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/3943/diana-krall-im-interview-ich-bin-vor-ehrfurcht-erstarrt/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Oct 2012 13:09:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Diana Krall]]></category>
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		<category><![CDATA[Schellack]]></category>
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		<description><![CDATA[
Diana Krall, für Ihr Album Glad Rag Doll haben Sie Songs aus den Zwanzigerjahren eingespielt. Was hat Sie zu dieser Musik hingezogen?
Es ist die erste Musik, die ich als Kind gehört habe. Mein Vater sammelt Schellack-Platten und Grammofone, deshalb lief bei uns zu Hause immer Musik aus den Zwanzigern. Er hat auch eine Sammlung alter [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/10/Diana3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3947" src="/blogs/musikblog/files/2012/10/Diana3.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Diana Krall, für Ihr Album <em>Glad Rag Doll</em> haben Sie Songs aus den Zwanzigerjahren eingespielt. Was hat Sie zu dieser Musik hingezogen?</strong></p>
<p>Es ist die erste Musik, die ich als Kind gehört habe. Mein Vater sammelt Schellack-Platten und Grammofone, deshalb lief bei uns zu Hause immer Musik aus den Zwanzigern. Er hat auch eine Sammlung alter Notenblätter mit diesen schönen, alten Deckblättern. Ich habe diese Songs also immer gekannt, aber nicht viel über sie nachgedacht und wollte sie auch nie öffentlich singen – bis ich jetzt mit T-Bone Burnett den richtigen Produzenten gefunden habe, um sie neu zu interpretieren.</p>
<p><strong>Sie singen nicht die Hits aus den Zwanzigern, sondern eher unbekannte Songs. Wie haben Sie Ihr Material ausgewählt?</strong></p>
<p>Ich hatte eine Knieoperation. Während ich mich davon erholt habe, hatte ich wenig zu tun und habe die ganze Zeit nur Musik gehört. Irgendwie bin ich bin bei den Platten meines Vaters gelandet und habe dann bei Youtube nach Musik aus den Zwanzigern gesucht. Ich habe mir sehr viel angehört, sehr viel gefunden, was mir gefallen hat, und eine Playlist nach der anderen gemacht. Dann habe ich versucht, die Songs zu singen &#8211; manchmal klappt&#8217;s, manchmal nicht.</p>
<p><strong>Wie viele Songs von Ihren Listen haben es letztlich nicht aufs Album geschafft?</strong></p>
<p>Fünftausend? Wahnsinnig viele.</p>
<p><strong>Wenn ich mir Aufnahmen aus den Zwanzigern anhöre, bin ich immer wieder verblüfft, was für einen tollen Sound die damals mit ihrem primitiven Equipment hingekriegt haben.</strong></p>
<p>Ich habe gerade erst eine Platte mit meinem Vater gehört, bei der man merkt, wie der Banjospieler für sein Solo näher ans Mikro kommt und sich dann wieder wegbewegt. Die wussten genau, was sie taten! Und auch der Klang der Schellack-Platten ist schön. Wenn ich mir eine digitale Aufnahme über Kopfhörer anhöre, klingt das für mich immer noch komisch. <em>Glad Rag Doll</em> haben wir komplett analog aufgenommen – für mich gibt es keinen Zweifel, dass das einfach besser klingt.</p>
<p><strong>Haben Sie die Geschichte der Songs und ihrer Komponisten erforscht?</strong></p>
<p>Nein, in sowas bin ich immer ganz schlecht. Wichtig war mir allerdings, dass die Songs nicht aus der Ära von George Gershwin, Cole Porter und Irving Berlin stammen. Ich wollte kein Great American Songbook machen, sondern mich auf die Zeit davor beziehen, die von Entertainern wie Gene Austin, Bing Crosby, Annette Hanshaw oder Rudy Vallée geprägt wurde. Die Songs aus dieser Ära wurden noch nicht für die Leinwand geschrieben, sie wurden in Speakeasys, Bordellen und Wohnzimmern gesungen. Sie sind vor der großen Wirtschaftskrise entstanden, aber viele enthalten bereits eine Ahnung davon, dass da bald etwas schlimmes passieren könnte.</p>
<p>[werbung]</p>
<p><strong>Einige der Songs auf Ihrem Album sind neueren Datums, zum Beispiel „Lonely Avenue“. Sie haben kurz vor seinem Tod selbst noch mit Ray Charles zusammengespielt. Wie war’s?</strong></p>
<p>Ich bin vor Ehrfurcht erstarrt. Er hat mir gesagt, wie ich die Zeile singen soll. Und ich hab’s nicht kapiert. Er war aber sehr nett und hat mir die Stelle vorgesungen – „You don’t know me“. Ich war überwältigt davon, dass der echte Ray Charles mir gerade etwas vorsingt! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich im Lauf meiner Karriere einigen Leuten begegnet bin, die diese Musik erschaffen haben: Ray Brown, Ray Charles, Paul McCartney – das Treffen mit ihm war wahrscheinlich die tollste musikalische Erfahrung, die ich je gemacht habe. Aber es ist ein bisschen seltsam, jetzt darüber zu sprechen, weil mein Leben heute ganz anders aussieht – alles dreht sich um meine Kinder und meine Familie. Vorhin habe ich versucht, Spielzeug aus Lego zusammenzubauen, und bin kläglich gescheitert.</p>
<p><strong>Die großen Pioniere von Jazz, Pop und Blues werden irgendwann alle verstorben sein. Was ist denn Ihrer Meinung nach der schlaueste Weg, um diese Musik inklusive ihrer reichen Vergangenheit am Leben zu erhalten?</strong></p>
<p>Mach es so, wie wir es gemacht haben! Benutze deine Fantasie, interpretiere die alten Lieder neu!</p>
<p><strong>Es gibt ein <a href="http://vimeo.com/49286760">Video</a> mit Ihnen, T-Bone Burnett und Ihrem Ehemann Elvis Costello, in dem Sie behaupten, <em>Glad Rag Doll</em> sei auch von der legendären Girlgroup The Shaggs beeinflusst worden. Das müssen Sie genauer erklären!</strong></p>
<p><em>(Lacht)</em> Nein, das haben Sie falsch verstanden! Ich habe gesagt, dass unser Gitarrist Marc Ribot beeinflusst ist von so verschiedenen Künstlern wie Albert Ayler und den Shaggs. Es ging um Marc, nicht um meine Platte. Der Punkt ist: Jeder Musiker bringt unterschiedliche Ideen und Einflüsse mit, man schmeißt alles in den Topf und schaut, was dabei rauskommt. So bleibt die Sache spannend!</p>
<p><em>&#8220;Glad Rag Doll&#8221; ist bei Verve/Universal erschienen.</em></p>
<p><em><strong>In eigener Sache:</strong> Wer mein Blog regelmäßig liest, wird festgestellt haben, dass ich in den vergangenen Monaten deutlich weniger gepostet habe als früher. Ich bedaure das, habe leider gerade jedoch nicht genug Zeit, um das Blog in der früher üblichen Frequenz weiterzuführen; ganz einstellen werde ich es jedoch nicht. Wer mag, kann mir auf <a href="https://twitter.com/jowaechter">Twitter</a> folgen, wo ich mich regelmäßig zu neuen Platten, Lieblingsbands, musikalischen Enttäuschungen etc. äußere.</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=4cs1BIlglzI">http://www.youtube.com/watch?v=4cs1BIlglzI</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Hy1N5IXyce4">http://www.youtube.com/watch?v=Hy1N5IXyce4</a></p>
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		<title>Patti Smith im Interview: &#8220;Ich bin froh, dass ich noch hier bin&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 11:08:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jimi Hendrix]]></category>
		<category><![CDATA[John Coltrane]]></category>
		<category><![CDATA[New Wave]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Patti Smith]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Rock]]></category>

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		<description><![CDATA[
Patti Smith, ich habe gelesen, dass Sie sich jeden Morgen hinsetzen und als erstes etwas schreiben. Was haben Sie heute geschrieben?
Heute morgen habe ich am Exposé für mein nächstes Buch gearbeitet. Gestern waren es einige Absätze für meinen Krimi.
Stimmt es, dass Sie an einem Detektivroman arbeiten, der in England zur Zeit von Sherlock Holmes spielt?
Ich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/06/Paati1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3927" src="/blogs/musikblog/files/2012/06/Paati1.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Patti Smith, ich habe gelesen, dass Sie sich jeden Morgen hinsetzen und als erstes etwas schreiben. Was haben Sie heute geschrieben?</strong></p>
<p>Heute morgen habe ich am Exposé für mein nächstes Buch gearbeitet. Gestern waren es einige Absätze für meinen Krimi.</p>
<p><strong>Stimmt es, dass Sie an einem Detektivroman arbeiten, der in England zur Zeit von Sherlock Holmes spielt?</strong></p>
<p>Ich arbeite an drei Büchern gleichzeitig. Der Detektivroman hat verschiedene Schauplätze. Ich schreibe außerdem ein Buch, das an meinen Memorienband <em>Just Kids</em> anknüpft. Und einen weiteren Roman. Ich arbeite eigentlich immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte mich nur auf eine Sache konzentrieren, aber so bin ich nicht gestrickt.</p>
<p><strong>Ihre neue Platte <em>Banga</em> klingt auffallend vital. Wie schaffen Sie es, nach all den Jahren immer noch so frisch zu wirken?</strong></p>
<p>Ich denke, das hängt auch wieder mit meiner Arbeitsweise zusammen. Ich mache keine Platten, nur weil ich einen Vertrag mit einer Plattenfirma habe. Ich möchte meinem Publikum mit jeder neuen Platte eine neue Welt präsentieren. Bis ich diese Welt im Gehirn strukturiert und mit meinem Musiker ausgemalt habe, kann ich auch nichts herausbringen. Ich weiß, wie man <em>Horses</em> schreibt, mich hat es noch nie interessiert, etwas zu duplizieren. Was ich mache, muss auch für mich selbst neu und frisch sein. Meine Platten reflektieren immer das, was ich lese, womit ich mich beschäftige, worüber ich mir Gedanken mache.</p>
<p><strong>Was dazu führt, dass auf ihrem Album der Heilige Franz von Assisi auftritt – wahrscheinlich eine Premiere in der Rockmusik!</strong></p>
<p>Das weiß ich nicht, aber ich bin ziemlich sicher, dass noch niemand einen Rocksong über den Renaissancemaler Piero della Francesca gesungen hat. Doch auch das geschah ganz organisch. Ich war in Arrezzo und ganz begeistert von seinem Fresko „Der Traum Konstantins“. Zugleich hatte ich einen Alptraum, in dem Franz von Assisi auftrat. Außerdem habe ich mich mit den Entdeckern beschäftigt, die in die neue Welt gefahren sind. All das habe ich zum Song „Constantine’s Dream“ verbunden. Es kommt immer darauf an, wie man bestimmte Konstellationen wahrnimmt. Manche sehen am Nachthimmel lediglich neun Sterne, aber die alten Römer sahen einen Wagen. So funktioniert das auch bei mir.</p>
<p><strong>Ab Mittwoch sind Sie in Deutschland auf Tour. Wenn Sie Ihre Konzerte heute mit denen in den Siebzigern vergleichen – was hat sich geändert, was ist gleich geblieben?</strong></p>
<p>Links von mir steht immer noch Lenny Kaye, mit dem ich seit 1971 zusammenspiele, hinten sitzt Jay Dee Dougherty am Schlagzeug. Wir benutzen teilweise noch dasselbe Equipment wie in den Siebzigern – Fender Twin Size Amps, alte Fender-Gitarren –, und wir haben immer noch keine Lightshow, keine Loops, keine Backing Tracks. Wir spielen also nicht viel anders wie damals im CBGB’s – außer dass wir uns als Menschen und Musiker weiterentwickelt haben. Wir kennen uns so gut, dass wir besser improvisieren können. Wir haben heute mehr Selbstvertrauen – und graue Haare. Aber mehr ist gleich geblieben als sich verändert hat.</p>
<p><strong>Ist der Rock’n’Roll noch so eine vitale Kunstform wie in den Sechzigern und Siebzigern?</strong></p>
<p>Ich denke, dass der Rock’n’Roll unsere kulturelle Stimme ist und dass unter seinem Mantel immer noch alles möglich ist. Ich hatte das Glück, die großen Pioniere des Rock’n’Roll treffen zu können, als ich jung war, Musiker wie Bo Diddley und Jimi Hendrix. Heute definieren andere Musiker, was den Rock’n’Roll inzwischen ausmacht. Ich bin froh darüber, dass ich die Sechziger und Siebziger mitlerleben konnte, und ich bin froh, dass ich immer noch hier bin.</p>
<p><strong>Kommt der Rock’n’Roll auf MP3 genauso gut rüber wie auf einer Vinyl-Single?</strong></p>
<p>Klanglich funktioniert MP3 nicht so gut. Bei MP3 geht viel von dem verloren, was die Musiker rüberbringen wollten. Aber natürlich müssen neue Generationen selbst entscheiden, wie sie Musik entdecken und konsumieren wollen. Ich für meinen Part bin allerdings etwas altmodisch. Ich habe es sehr genossen, früher ein Album zu kaufen und das dann komplett anzuhören, ein um’s andere Mal. Ich finde es traurig, dass diese Erfahrung verloren geht.</p>
<p><strong>Sie haben zwei erwachsene Kinder. Haben Sie bemerkt, dass die beiden ähnliche Musikerfahrungen gemacht haben wie Sie selbst als Teenager?</strong></p>
<p>Nein, nicht wirklich. Meine Kinder sind beide Musiker, Rockmusik war ihnen immer wichtig. Trotzdem ist das nicht vergleichbar mit der Art, wie ich früher Musik erlebt habe. Eine Platte zu kaufen, war eine besonder Erfahrung. Wenn wir eine Platte wollten, sind wir in den Laden gegangen, haben sie gekauft und dann zu Hause angehört. Und wir hatten natürlich nicht das Geld für 50 oder 100 Platten, sondern nur für ein oder zwei. Das ist heute alles ganz anders.</p>
<p><strong>Haben Sie sich mit Ihren Kindern je über Musik gestritten?</strong></p>
<p>Nein, über Musik braucht man sich nicht zu streiten. Ich weiß allerdings noch, wie eines meiner Kinder mal eine Gruppe namens Boston gehört hat und ich nur sagte, mach das bitte leiser. Auch die Metallica-Phase meines Sohns fand ich ziemlich anstrengend. Aber generell sind sie sehr neugierig und hören sich auch John Coltrane an und andere Musik, die mir wichtig ist. Meine Tochter geht sogar mit mir in die Oper.</p>
<p><strong>Einige Songs von <em>Banga</em> sind bei einer Schiffsreise auf der Costa Concordia entstanden, die sie vor drei Jahren unternommen haben.</strong></p>
<p>Normalerweise ist das nicht meine Welt. Aber ich wollte mit Jean-Luc Godard arbeiten, der dort einen Film drehte, so kam es, dass wir zehn Tage an Bord waren. An zehn Tagen kann man so ein Schiff schon kennenlernen, letztlich war es dann doch recht interessant. Ich schrieb dort den Song &#8220;Senaca&#8221; und einige andere Texte.</p>
<p><strong>Und dann kenterte das Schiff im Januar!</strong></p>
<p>Da war ich extrem schockiert. Menschen verloren ihr Leben, darunter ein kleines Mädchen. Schrecklich! „Seneca“ ist ein Schlaflied für mein Patenkind. Wenn ich den Song höre, denke ich an das kleine Mädchen, das gestorben ist. Ich glaube, sie hieß Dana.</p>
<p><em>Foto: AFP</em></p>
<p><em>Tour-Termine:</em></p>
<p><em>4. Juli – Freiburg</em></p>
<p><em>9. Juli – Bonn</em></p>
<p><em>11. Juli – Berlin</em></p>
<p><em>12. Juli – Dachau</em></p>
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		<item>
		<title>Hank III im Interview: &#8220;Ich musste lange kämpfen&#8221;</title>
		<link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/3905/hank-iii-im-interview-ich-musste-lange-kampfen/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Jun 2012 07:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bluegrass]]></category>
		<category><![CDATA[Country]]></category>
		<category><![CDATA[Dale Watson]]></category>
		<category><![CDATA[David Allen Coe]]></category>
		<category><![CDATA[Death]]></category>
		<category><![CDATA[Hank III]]></category>
		<category><![CDATA[Hank Williams]]></category>
		<category><![CDATA[Holly Williams]]></category>
		<category><![CDATA[Merle Haggard]]></category>
		<category><![CDATA[Metal]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>

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		<description><![CDATA[Der erste Hank schrieb Klassiker wie „Cold, Cold Heart“ und „Jambalaya“ und starb am 1. Januar 1953 mit 29 Jahren auf dem Rücksitz eines himmelblauen Cadillacs. Der zweite Hank schlitterte auf seinem Gesicht die Flanke des Ajax Mountain in Montana hinunter und wurde zum Idol aller Biertrinker und Südstaaten-Rowdys. Und der dritte Hank? Der muss [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste Hank schrieb Klassiker wie „Cold, Cold Heart“ und „Jambalaya“ und starb am 1. Januar 1953 mit 29 Jahren auf dem Rücksitz eines himmelblauen Cadillacs. Der zweite Hank schlitterte auf seinem Gesicht die Flanke des Ajax Mountain in Montana hinunter und wurde zum Idol aller Biertrinker und Südstaaten-Rowdys. Und der dritte Hank? Der muss sehen, wie er mit diesem gewichtigen Erbe klar kommt.</p>
<p>Als Enkel von Hank Williams und Sohn von Hank Williams Jr. wurde Shelton Hank Williams, besser bekannt als Hank III, in eine der bekanntesten amerikanischen Musik-Dynastien hineingeboren. Seinem berühmten Großvater sieht er auffallend ähnlich und wahrscheinlich wäre nichts einfacher für ihn gewesen, als die Nostalgie-Karte zu spielen und die alten Lieder aus dem Familienerbe nachzusingen. Doch wie schon seine Vorfahren ist auch Hank III ein ausgemachter Sturkopf, was sich auch daran zeigt, dass er musikalisch zusammenführt, was vor ihm noch niemand verbunden hat: Country, Metal und Punk.</p>
<p>Seit Mitte der Neunziger hat Hank III hat etliche CDs, Live-Alben und Official Bootlegs in verschiedenen musikalischen Konstellationen veröffentlicht, zum Beispiel mit seiner Hardcore-Band Assjack. Live führt er all die verschiedenen Stile zusammen, seine Shows sind nicht nur wegen ihrer Länge legendär (drei bis vier Stunden), sondern auch wegen ihrer Intensität. Hank III scheint mir einer der großen Individualisten der amerikanischen Musik zu sein, anlässlich seines Konzerts in der <a href="http://www.musikkantine.de/cms/index.php" target="_blank">Kantine Augsburg</a> am 28. Juni hat ich vor kurzem Gelegenheit, mit ihm zu telefonieren.</p>
<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/06/Hank1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3909" src="/blogs/musikblog/files/2012/06/Hank1.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a></p>
<p><strong>Hank, Sie sind dafür bekannt, bei Ihren Konzerten eine ungewöhnliche Mischung aus Countrymusik, Punk und Metal zu spielen. Auch bei Ihrem Auftritt in Augsburg?</strong></p>
<p>Ja, da werde ich meine normale, dreieinhalb bis vierstündige Show spielen. Es geht los mit anderthalb Stunden Countrymusik, dann spielen wir eine halbe Stunde Hellbilly. Nach einer fünfminütigen Umbaupause geht’s weiter mit Doom Rock, Sludge Rock, Heavy Metal, Speed Metal.</p>
<p><strong>Dieses Konzept ist ziemlich einzigartig. Wie sind Sie darauf gekommen?</strong></p>
<p>Mein Großvater Hank Sr. und mein Vater Hank Jr. haben alles aus dem Country-Idiom rausgeholt. Ich musste mir also etwas Neues einfallen lassen, wenn ich auf eigenen Füßen stehen wollte. Im Country-Teil der Show sehen die Leute etwas von meinen Wurzeln, aber ich war auch immer Fan von Rock, Punk und Metal. Es war also eine natürliche Entwicklung, solche Sounds auch in meine Show aufzunehmen. Hank Sr. hat schließlich auch Rock’n’Roll gespielt, bevor es diese Musik überhaupt gab, mein Vater verband in den Siebzigern Country und Southern Rock.</p>
<p><strong>Gibt es denn Ihrer Meinung nach musikalische Gemeinsamkeiten zwischen Country, Punk und Metal?</strong></p>
<p>Ich denke, dass Themen wie Außenseitertum und Entfremdung in allen diesen Musikstilen eine Rolle spielen. Natürlich gibt es Leute, die nur Country oder nur Punk hören wollen und mit dem Rest nichts anfangen können, im Großen und Ganzen ist mein Publikum aber ziemlich aufgeschlossen: Da treffen sich junge Punks und Metal-Fans mit Cowboys und Großmüttern. Es hat eine Weile gedauert, bis ich dieses Publikum erreicht hatte, aber inzwischen ist es fast immer so, dass alle diese Leute bei meinen Konzerten gut miteinander auskommen. Obwohl die ganze Zeit Pogo getanzt wird.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=FgeUJ4QlYjI">http://www.youtube.com/watch?v=FgeUJ4QlYjI</a></p>
<p><strong>Sie hätten es bestimmt leichter gehabt, wenn Sie einfach nur Countrymusik gesungen hätten.</strong></p>
<p>Diese Möglichkeit gab es. In den Neunzigern wollte mich die Plattenfirma Curb in diese Richtung drängen, aber darauf hatte ich keine Lust. Ich musste lange kämpfen, um meine Vorstellungen von meiner Musik auch durchsetzen zu können.</p>
<p><strong>Das erinnert mich etwas an den Werdegang Ihres Vaters, der zu Beginn seiner Karriere ausschließlich die alten Hits von Hank Sr. sang und ebenfalls um seine Unabhängigkeit kämpfen musste.</strong></p>
<p>Da gibt es aber einen Unterschied: Er wurde von seiner Mutter Audrey gezwungen, die Songs seines Vaters zu singen. Hank Jr. hat auch deshalb so lange gebraucht, seinen eigenen Sound zu finden, weil seine Mutter Audrey versucht hat, alles für ihn zu entscheiden. Mich hat nie jemand zu etwas gezwungen. Ich habe schon als Teenager in Punk- und Metalbands gespielt.</p>
<p><strong>Wie nahe standen Sie Ihrem Vater, als Sie aufwuchsen?</strong></p>
<p>Ich bin bei meiner Mutter groß geworden, meinen Vater habe ich nur einmal im Jahr gesehen, für ungefähr eine Woche. Ich bin nicht im Tourbus aufgewachsen, sondern hatte eine ganz normale Kindheit mit Schule, Sport und so weiter.</p>
<p><strong>Hat er Ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, als Sie darüber nachdachten, selbst Musiker zu werden?</strong></p>
<p>Dieser Mann hat mir nur einmal einen Rat gegeben. Das war, als ich ungefähr zwölf war und manchmal zu ihm auf die Bühne kam, um beim Song „Family Tradition“ Schlagzeug zu spielen. Damals hat er dem Publikum gesagt: „When this boy grows up he can tell the world to kiss his ass, just like I did.“</p>
<p><strong>Letztes Jahr hat mir Ihre Halbschwester <a href="/blogs/musikblog/3655/holly-williams-im-interview-hank-williams-war-einer-der-auserwahlten/" target="_blank">Holly Williams</a> erzählt, dass sie erst relativ spät mit der Musik von Hank Sr. in Kontakt gekommen ist. Wie haben Sie das Werk Ihres Großvaters kennengelernt?</strong></p>
<p>Dass mein Großvater wichtig ist, habe ich schon ziemlich früh kapiert. Als kleiner Junge war ich mal in der Grand Ole Opry, da waren Stars wie Roy Acuff und Porter Wagoner recht nett zu mir und haben ein bisschen mit mir geredet. Ich verstand, dass das irgendwie mit meinem Großvater zusammenhing. Die Bedeutung seines Werks habe ich allerdings erst erfasst, als ich mit 17 oder 18 selbst angefangen habe, Songs zu schreiben. Dann versteht man sofort, wie erstaunlich seine Songs sind und wie bemerkenswert es ist, dass er alles in so kurzer Zeit geleistet hat.</p>
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<p><strong>Wie hat er das alles geschafft?</strong></p>
<p>Er war der Hillbilly Shakespeare. Seine Leidenschaft gehörte der Musik. Songs zu schreiben war etwas ganz natürliches für ihn, so wie zu reden.</p>
<p><strong>Könnte solche Musik auch heute noch entstehen?</strong></p>
<p>Der eindringliche Sound der alten Aufnahmen lässt sich heute nicht mehr duplizieren. Aber auch heute gibt es weiterhin tolle Songwriter, die mit ihren Liedern die Leute erreichen. <a href="http://www.officialdavidallancoe.com/" target="_blank">David Allen Coe</a> hat ziemlich viel Mist gebaut und ziemlich viele Leute vor den Kopf gestoßen, aber als Songwriter ist er meiner Meinung nach einer der ganz Großen.</p>
<p><strong>Vor zwei Jahren hatte ich Gelegenheit, Coe live zu sehen. Das war ein sehr beeindruckender Auftritt.</strong></p>
<p>Ich habe eine enges Verhältnis zu ihm. Er ist wahrscheinlich der einzige im Countrygeschäft, der mich versteht und unterstützt. Früher war er sehr verschlossen und unnahbar, in seinen späten Jahren ist er etwas zugänglicher geworden – obwohl ihm die Rechte an seinen ganzen Hits gestohlen worden, davon sieht er keinen Cent mehr. Er war an der Spitze und in der Gosse, aber sein Songwriting ist wirklich superb. Er ist wie ein zweiter Großvater für mich.</p>
<p><strong>Die Songs von Hank Sr. enthalten viele einfache Wahrheiten. Mein Eindruck ist, dass uns diese Art Lieder verloren gegangen ist. Wie sehen Sie das?</strong></p>
<p>Es war eine der großen Leistungen von Hank Sr., harte Themen auf eine Weise zu behandeln, mit der sich wahnsinnig viele Leute identifizieren konnten. Im Bluegrass sind solche Songs auch heute noch verbreitet. Außerdem gibt es Puristen wie <a href="http://www.waynehancock.com/" target="_blank">Wayne &#8220;The Train&#8221; Hancock</a> oder <a href="http://www.theconnextion.com/dalewatson/index.cfm?AC=0" target="_blank">Dale Watson</a>, den ich für den Merle Haggard der jüngeren Generation halte. Aber die muss man mit der Lupe suchen. Im Countrygeschäft ist es den allermeisten egal, worüber sie singen – Hauptsache, sie werden von den Massen akzeptiert wird. Da ist kein Platz für Schönheit, Tiefe und Wahrheit.</p>
<p><strong>Wie hat Ihnen die CD <em>The Lost Notebooks</em> gefallen?</strong></p>
<p>Ich habe sie nicht gehört. Ich will keinen der Künstler runtermachen, die an dem Projekt beteiligt waren, aber ich finde die Idee seltsam, andere Leute Songs weiterschreiben zu lassen, die Hank Sr. nicht beendet hat. Ich hätte es besser gefunden, wenn man das Notizbuch mit den unfertigen Songs in der Country Music Hall Of Fame ausgestellt hätte.</p>
<p><strong>Man hat das Projekt unter anderem damit gerechtfertigt, dass man so die Musik von Hank Williams einer neuen Generation näher bringen könne.</strong></p>
<p>Das ist eine ziemlich lahme Begründung. Ich denke, dass sich die jungen Leute auch ohne so etwas für Hank Williams interessieren. Ich kenne viele Kids auf der ganzen Welt, die genau wissen, wer Hank Sr. war. Ich habe Hank Sr.-Tätowierungen gesehen, Hank-Sr.-Artwork von Taggern und Grafitti-Künstlern. Bis heute erreicht er Leute aus dem gesamten musikalischen Spektrum.</p>
<p><strong>Haben Sie selbst Kinder?</strong></p>
<p>Ich habe einen 20-jährigen Sohn.</p>
<p><strong>Hank IV?</strong></p>
<p>Nein. Mit meinem Sohn war das alles etwas seltsam. Ich stand auf der Bühne und baute gerade mein Equipment auf, als Polizisten erschienen und mir eine Vaterschaftsklage überreichten, inklusive einer Forderung über 65.000 Dollar Unterhaltsnachzahlung. Das war vor 17 Jahren, ich habe damals als Schlagzeuger vielleicht 25 Dollar in der Woche verdient, wenn überhaupt. Die Mutter meines Sohnes dachte, ich sei reich, und hat versucht, mich regelrecht auszupressen. Dabei bin ich alles andere als reich. Vom Hank-Williams-Erbe kriege ich keinen Cent, das geht alles an meinen Vater. Ich habe dann den Vertrag mit Curb Records gemacht, um meinen Sohn finanziell unterstützen zu können. Wegen der Schwierigkeiten mit seiner Mutter war unser Verhältnis aber lange eher distanziert.</p>
<p><strong>Und heute?</strong></p>
<p>Im Lauf der Jahre sind wir uns nähergekommen. Er hat eine Zeitlang bei mir gewohnt, jetzt geht er aufs College. Egal, was er später mal machen will – ich werde ihn auf jeden Fall unterstützen.</p>
<p><strong>Hat er musikalisches Talent?</strong></p>
<p>Vor sechs Monaten war ich mit ihm bei Manuel, dem berühmten Schneider, der schon Anzüge für Hank Sr. und Hank Jr. gemacht hat. Coleman, so heißt mein Sohn, wusste genau was, er wollte: Auf seinem Anzug sind Pfeile, Kakteen und Schlangen zu sehen, viele tolle Details. Falls er sich also entscheidet, Countrymusik zu machen, hat er zumindest schon den passenden Anzug.</p>
<p><em>Hank III spielt am 28. Juni in der Kantine Augsburg.</em></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=vd7sM0iiAUs">http://www.youtube.com/watch?v=vd7sM0iiAUs</a></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=SWtEyLbZcSg">http://www.youtube.com/watch?v=SWtEyLbZcSg</a></p>
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		<title>Red Simpson im Interview: &#8220;Kommt rüber, dann spiele ich für euch&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 18:59:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Waechter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bakersfield]]></category>
		<category><![CDATA[Buck Owens]]></category>
		<category><![CDATA[Country]]></category>
		<category><![CDATA[Dave Dudley]]></category>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Merle Haggard]]></category>
		<category><![CDATA[Red Simpson]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich für Countrymusik interessiert, kommt kaum am Bakersfield-Sound vorbei. In dieser Stadt nördlich von Los Angeles entstand Ende der Fünfziger eine raue, bodenständige Spielart der Countrymusik, die im Gegensatz zu den manchmal etwas seichten Klängen stand, die damals aus Nashville kamen. Einer relativ kleinen Gruppe von Musikern – die bekanntesten sind Buck Owens und Merle Haggard – gelang es, der Countrymusik ihren Stempel aufzudrücken, bevor der originale Bakersfield-Sound nach ein paar Jahren auch schon wieder Geschichte war. Seine Echos sind jedoch im Countryrock von Gram Parsons und Creedence Clearwater Revival zu hören, oder in der Musik jüngerer Countrysänger wie Dwight Yoakam, Jim Lauderdale und Dale Watson.</p>
<p>Die meisten dieser Musiker sind lange tot, wie Buck Owens, oder haben sich künstlerisch weiterentwickelt, wie Merle Haggard. Einen letzten echten Vertreter des Bakersfield-Sound gibt es aber noch: Red Simpson. Wie um allen zu beweisen, dass die alten Zeiten noch nicht vorüber sind, tritt Simpson auch mit 78 Jahren noch jeden Montag in einer Bar in Oildale bei Bakersfield auf und singt seine alten Trucker-Songs. Simpson stand immer im Schatten seiner berühmteren Kollegen und veröffentlichte in den Sechzigern und Siebzigern auch nur ein schmales Gesamtwerk von sieben LPs. Doch er war von Anfang an dabei, kannte sie alle und schrieb mehrere Dutzend Songs, die zu Bakersfield-Klassikern wurden. Bei Bear Family ist nun eine herausragende Fünf-CD-Box mit dem Titel <em>Hello, I’m Red Simpson</em> erschienen, die fast alles enthält, was er je veröffentlicht hat. So hatte ich vor kurzem Gelegenheit, mit diesem vergessenen Helden des Bakersfield-Sounds zu sprechen.</p>
<p><a href="/blogs/musikblog/files/2012/04/Simpson.jpg"><img class="aligncenter" src="/blogs/musikblog/files/2012/04/Simpson.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a><a href="/blogs/musikblog/files/2012/04/Red1.jpg"><br />
</a></p>
<p><strong>Red Simpson, was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal die große Bear-Family-Box gesehen haben?</strong></p>
<p>Ich war sehr bewegt. Ich liebe diese Box.</p>
<p><strong>Weil Ihre Musik nun endlich die Anerkennung bekommt, die sie verdient?</strong></p>
<p>Ja, ein bisschen schon. Scott Bomar, der die Box produziert hat, hat tolle Arbeit geleistet. Der Text über mich, den er für’s Begleitbuch geschrieben hat, ist auch gut geworden. Das meiste davon stimmt sogar.</p>
<p><strong>Sie waren dabei, als der Bakersfield-Sound in den Sechzigern die Countrymusik prägte. Warum wurde damals ausgerechnet in dieser kleinen Stadt nördlich von Los Angeles so einflussreiche Musik gemacht?</strong></p>
<p>Weil in den Dreißigern und Vierzigern viele Menschen aus Staaten wie Texas, Oklahoma und Arkansas nach Bakersfield gekommen waren, um auf den Feldern und in der Ölindustrie zu arbeiten. Diese Neuankömmlinge haben ihre Musik mitgebracht; meine Familie war übrigens auch darunter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es früher in ganz Bakersfield normal war, abends draußen zu sitzen und Musik zu machen. Auf einmal gab es 16 Nachtclubs, in denen Bands gespielt haben. Die ganze Stadt voller Musik.</p>
<p><strong>Was für Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?</strong></p>
<p>Mein Vater hatte zwölf Kinder, ich war der Jüngste. Wir arbeiteten alle auf den Feldern. Ich habe selbst als Junge Baumwolle gepflückt, Kartoffeln und Weintrauben geerntet. Ziemlich harte Arbeit, vor allem im Sommer. Aber das war für uns der einzige Weg, um etwas Geld zu verdienen.</p>
<p><strong>Wie kamen Sie zur Musik?</strong></p>
<p>Mein Vater spielte Banjo, zwei meiner Brüder Gitarre und einige meiner Schwestern sangen die Harmonien. Da war es ganz natürlich, dass ich auch angefangen habe, Musik zu machen.</p>
<p><strong>Die bekanntesten Musiker aus Bakersfield sind Buck Owens und Merle Haggard, aber der Motor der dortigen Countryszene war lange ein heute vergessener Gitarrist namens Bill Woods, richtig?</strong></p>
<p>Ja, Bill hat uns allen sehr geholfen. Ich habe deshalb einen Song über ihn geschrieben: „Bill Woods from Bakersfield“. Als ich mal im Radiosender KLAC aufgetreten bin, kam auch Merle Haggard vorbei, zusammen mit Lewis Talley, Fuzzy, Bonnie, seiner ganzen Band. Kaum hörte er meinen Song über Bill, ist er aufgesprungen und hat gerufen, den Song nehme ich noch diese Woche auf. Er erschien dann auf seinem Album <em>Let Me Tell You About A Song</em>. Sie müssen wissen, dass Bill auch Merle sehr geholfen hat. Ich weiß noch, wie Bill ihm einmal eine Tüte Lebensmittel vorbeigebracht hat, als es bei ihm nicht so lief.</p>
<p><strong>Anfang der Sechziger wurde Buck Owens zum Star. Davon haben auch die anderen Musiker aus Bakersfield profitiert, oder?</strong></p>
<p>Lange, bevor er erfolgreich wurde, hatte ich mit Buck schon in einem Club namens Blackboard gespielt. Er und Bill Woods haben mich auch öfter angerufen, damit ich sie bei Gigs vertrete. Als Bucks Erfolgssträhe begann, brauchte er viele neue Songs für seine Platten. Insgesamt hat er dreißig Songs von mir aufgenommen, angefangen mit „King Of Fools“. Das war natürlich gut für mich, obwohl Buck verlangte, dass man ihm die Hälfte der Verlagsrechte überließ, wenn er einen fremden Song aufnahm.</p>
<p><strong>Stimmt es, dass Buck Owens ihnen Ihren Plattenvertrag bei Capitol Records besorgt hat?</strong></p>
<p>Ja, kann man so sagen. Buck, Cliffie Stone und Ken Nelson haben’s arrangiert, 1965 war das. Ich hatte eigentlich nie daran gedacht, Platten zu machen. Ken hatte dann die Idee, dass ich ein Album mit Trucker-Songs machen sollte. Eigentlich wollte er, dass Merle dieses Album macht, aber Merle hatte keine Lust dazu, das war nicht sein Ding.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=B2QOtzm5tlc">http://www.youtube.com/watch?v=B2QOtzm5tlc</a></p>
<p><strong>Trucker-Songs waren damals im Trend.</strong></p>
<p>Ja. Dave Dudley, Red Sovine und Del Reeves waren ziemlich erfolgreich damit, und bei mir lief’s dann ja auch ganz gut.</p>
<p><strong>Warum wurde ausgerechnet der LKW-Fahrer auf diese Weise glorifiziert?</strong></p>
<p>Ich denke, das hängt damit zusammen, dass die Trucker eine große Zielgruppe waren. Bei ihren Fahrten quer durchs Land haben viele von ihnen immer Countrymusik im Radio gehört. Etliche Radiosender waren auf Trucker spezialisiert, die brauchten entsprechende Musik.</p>
<p><strong>Mussten Sie erstmal bei echten Truckern nachforschen, bevor Sie Ihre ersten Trucker-Songs geschrieben haben?</strong></p>
<p>Nein, das war nicht nötig. Aus Bakersfield kannte ich genug Trucker. Schon Bill Woods hatte mich aufgefordert, ein paar Trucker-Songs zu schreiben, aber er hatte sie nie aufgenommen. Also hatte ich bereits vier Songs parat, als wir mit dem ersten Album begannen.</p>
<p><strong>Wie kamen Ihre Songs wie „Roll Truck Roll“ und „Diesel Smoke, Dangerous Curves“ denn bei den Truckern an?</strong></p>
<p>Sehr gut! Dave Dudley und ich haben viele Shows für Trucker gespielt. Ziemlich oft mussten wir uns vor Trucks stellen und fotografieren lassen. Ich bin auch ein paar mal bei seinem Festival in Wisconsin aufgetreten.</p>
<p><strong>1968 beendete Capitol den Vertrag mit Ihnen, ohne dass ein großer Hit gelungen wäre. Hätte Capitol ihre Platten besser promoten müssen?</strong></p>
<p>Mag sein. Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Immer noch besser, als Baumwolle zu pflücken.</p>
<p><strong>Merle Haggard ist immer noch aktiv, gerade hat er eine neue LP gemacht. Wie würden Sie Ihren alten Weggefährten beschreiben?</strong></p>
<p><em>He’s a good old boy.</em> Ich bin lange in seinem Vorprogramm aufgetreten – es war toll, für ihn zu arbeiten. Einmal war ich in Tucson, da rief mich seine Sekretärin an. Merle möchte nur wissen, wie es dir geht, sagte sie. Bis heute haben wir Kontakt und sprechen gelegentlich. Aber nicht besonders oft, denn er ist ja weiterhin ständig unterwegs.</p>
<p><strong>Sie hingegen wohnen weiterhin in Bakersfield.</strong></p>
<p>Hier bin ich aufgewachsen, hier kenne ich jeden. Die Stadt hat sich sehr verändert, aber mir gefällt’s hier einfach. Seit Jahren spiele ich jeden Montag in einer Bar namens <a href="http://www.troutsblackboard.com/index_files/calendar.htm" target="_blank">Trout’s</a>. Kommt rüber, dann singe ich für euch.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=cAndG1sGKbw">http://www.youtube.com/watch?v=cAndG1sGKbw</a></p>
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