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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Cornelius Pollmer

Nummer Eins der Woche  4 Kommentare

Manuel Neuer: Die Nummer Eins kriegt aufs Maul

Warum ausgerechnet Fans ihre Helden schlagen

Von Max Fellmann

Von Fußball verstehe ich nicht viel, aber dass die Schalke-Fans sauer sind auf Manuel Neuer, die Nummer Eins unter Deutschlands Torhütern, das habe ich mitgekriegt. Der Mann will den Verein wechseln, das verzeihen sie ihm nicht, gerade ihm, der sein Leben lang selbst ein beinharter Schalke-Anhänger war. Ein besonders wütender Fan hat Neuer am Wochenende eine Ohrfeige verpasst – obwohl Fans wie Spieler eigentlich gerade zusammen den Pokalsieg des Vereins feierten.

Enttäuschte Fans sind gefährlich. Nicht nur im Sport, auch in der Popmusik, im Film, in allen Bereichen, in denen Menschen mit einer gewissen Leidenschaft das Tun anderer verfolgen. Wann immer ein echter Fan miterleben muss, dass sein Held, sein Idol, sein Vorbild sich anders verhält, als er sich das vorgestellt hat, wird’s brenzlig, denn das Wort Fan kommt von Fanatiker, und bei Fanatikern können große Gefühle (Verehrung) jederzeit in große Gefühle (Hass) umschlagen.

Als Bob Dylan, gerade 70 Jahre alt geworden, in den sechziger Jahren das erste Mal mit E-Gitarre auftrat, gab es Fans, die ihn am liebsten gelyncht hätten, weil er ihrer Meinung nach die Ideale der Folkmusik beleidigte. Als die Sängerinnen der Country-Band Dixie Chicks sich kritisch über George W. Bush äußerten, wünschte ihnen halb Amerika die Pest an den Hals. John Lennon wurde von einem Mann erschossen, der sich durchaus als Lennon-Fan bezeichnete, das Elend war nur, dass er praktisch all seine persönlichen Probleme auf den Popstar projezierte. Und dann gibt es natürlich noch die Stalker, meistens Männer, die einer Schauspielerin oder Sängerin nachstellen, jeden ihrer Schritte verfolgen oder in Rage geraten, wenn die Angebetete plötzlich heiratet.

Überall enttäuschte Liebende. Ja, der gekränkte Fan hat was von einer Figur des klassischen Dramas. Aber es geht noch um mehr, es geht um die kleinen, traurigen Träume, die sterben, wenn der Star sich anders verhält als erhofft. Denn oft ist er ja nichts anderes als der imaginierte Held einer Fantasiewelt, die sich sein Fan zurechtbastelt. Der Ersatz für eigenes Leben: Beim Star ist alles größer, schöner, stimmiger. Er sieht besser aus oder singt besser oder verhindert Tore besser. Kurz, er steht für eine bessere Welt. Und wenn da ein wichtiges Detail verrutscht, dann gerät für den Fan die ganze Illusion ins Wanken. Als würde jemand im Puppenhaus eines Kindes ein paar Figuren austauschen.

Die Frage ist: Kann man dem enttäuschten Kind wirklich böse sein? Oder muss man eigentlich vor allem Mitleid haben? Manuel Neuer hat sich schon entschieden: Er sagte in einem Interview, dass er die Sache mit der Ohrfeige nicht weiter verfolgen will.

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