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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Cornelius Pollmer

Nummer Eins der Woche  63 Kommentare

Nummer Eins der Reue

Am Ende ihres Lebens haben Menschen der Schwester Bronnie Ware erzählt, was sie gerne anders gemacht hätten.  Über unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit.

Von Cornelius Pollmer

Es ist schwer, diese Welt zu verlassen, und es wird einem auch schwer gemacht. Sterben war nie schön, aber es war mal weniger kompliziert. Manches, das lebensverlängernd genannt wird, verlängert doch nur das Sterben. Und statt nach dem Leben auch noch sein Sterben zu optimieren, kann der Mensch wenigstens im Tod sich selbst genug sein – um über das Glück und die Versäumnisse seines Lebens nachzudenken.

Bronnie Ware hat viele Jahre als Krankenschwester in der Palliativmedizin und -pflege gearbeitet. Sie kümmerte sich um Patienten, die sich entschieden hatten, zuhause zu sterben. Bronnie Ware begleitete sie in den letzten Wochen ihres Lebens, manchmal waren es drei, manchmal zwölf. Sie sagt, Menschen wüchsen enorm, wenn sie sich mit ihrem eigenen Tod beschäftigten. Und sie hat auch Gemeinsamkeiten ausgemacht in dem, was Menschen bereuen, wenn sie auf dem Sterbebett liegen und die letzte große Revue passieren lassen. Fünf unerfüllbare Wünsche an die Vergangenheit hat sie besonders häufig gehört:

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1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten.

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen.

4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.

5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.

Man könnte jetzt sagen: wie banal das alles ist, esoterische Sommerakademie, Glücksratgeberliteratur.

Man kann aber auch: Bronnie Wares Quintett ernst nehmen, dann erklären sich einem die Häufigkeiten. Man liest die Wünsche, nickt innerlich. Ein Mal, zwei Mal, wenn es schlecht läuft: häufiger. Das könnte in ein paar gute Vorsätze münden, jene aus der Silvesternacht haben sich Mitte Januar ja in aller Regel erledigt. Aber dann verließe einen doch irgendwann wieder der Mut – mehr Arbeit, weniger Gefühle, mehr Erwartungen.

Also: Vielleicht schon mal zu fragen anfangen, wenn man der Wiege noch näher als der Bahre ist.

Ich wünschte, ich…

… und?

Kommentare

  • pollmer-fan

    laaaaangweilig!

  • utr

    Ziemlich banal das Ganze, wenn das die GANZE Essenz aus vieler Leute Leben ist…
    Hier gibt´s richtige Tipps fürs Lebensmanagement:

    http://www.praxilogie.de/

    LG

  • G.Ast

    Es ist erstaunlich, dass sich das große Bedauern primär auf die eigene Befindlichkeit bezieht. Großes Bereuen zum eigenen Verhalten gegenüber Mitmenschen und dessen Auswirkungen bei diesen findet in der Stunde der Wahrheit doch nicht statt? Seltsam.

  • Arnulf Meisenkothen

    Egel ob Politik, Wirtschaft oder Medien: alle rundherum sind darauf bedacht, dass die Menschen möglichst wenig nachdenken, dafür aber maximal konsumieren und widerspruchslos Abgaben und Steuern zahlen.
    Die Auswüchse sind Sendungen wie “Dschungelcamp”, die perverse Berichterstattung mancher Medienund eine Politikergeneration, die alles daran setzt, dass die Menschen Zusammenhänge möglichst nicht kapieren.
    Obwohl der Tod an sich keine Überraschung ist, wird das Thema nach der gleichen Struktur ausgeblendet, anstatt aus seiner Unvermeidlichkeit rechtzeitig Lehren zu ziehen.

  • Ralf Loos

    Großartiger Artikel – herzlichen Dank !

    Zum ersten Wunsch möchte ich hinzufügen, daß diejenigen die nicht getreu ihrer selbst leben, dadurch oftmals ihre Seele verkaufen … glücklich und zufrieden kann man so nicht werden.

  • sps

    das ist dich mal eine schöne und nützliche vermischte nachricht. sowas muss auf seite 1 ins blatt. mehr muss man dazu nicht sagen. bravo!

  • DAMerrick

    Menschen vergessen so gern das sie sterblich sind. Das ist nicht schlimm. Schlimm ist das sie glauben das Karriere und Image wichtiger sind als eigene Zufriedenheit.

    Wer Spaß daran hat zu arbeiten soll das auch tun.
    Doch die Priorität der eigenen Zufriedeneit zu unterschätzen führt zu einer inneren Leere die einem natürlich erst dann bewusst wird wenn man merkt was man hätte noch alles machen können.

    Gilt übrigens nicht nur für den Moment des Sterbens, auch schon vorher, nach einer Trennung, nach dem Verlust eines Menschen/Haustieres, nach dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem Verlust eines Körperteils…

    You are not living, if you can’t feel alive.

  • Edda

    Ich wünschte, ich hätte nicht immer so viel Angst vor der Welt gehabt.

  • Joachim Schwarz

    Tagsüber arbeiten, abends fernsehen. Wenn wundert’s daß am Ende Leere und Enttäuschung stehen?

    Man läßt sich gerne führen (oder besser gängeln) anstatt Verantwortung zu übernehmen. Dann haben die anderen den schwarzen Peter – am Ende fehlt es dann.

    Man verpasst einfache Gelegenheiten, Emotionen zu zeigen und auf andere zuzugehen. Und dann ist man leer, enttäuscht und allein.

    Wer als junger Mensch nachdenkt, gilt als verschlossen und eigenartig. Wer unsere Werte hinterfragt – das heißt nicht sie abzulehnen – erntet meist nur Kopfschütteln.

    Wer als junger Mensch Verantwortung übernimmt und dann auch dafür geradestehen muß, gilt als dumm.

    Ich kann verstehen, warum Menschen am Ende ihres Lebens enttäuscht sind.

    Schuld sind sie aber selbst, auch wenn es schwer ist Entscheidungen für sich durchzusetzen. Aber wie kann man für andere entscheiden und Verantwortung übernehmen, wenn man das nicht einmal für sich selbst kann?

    Mein Mitleid für die Enttäuschten unserer Gesellschaft hält sich in Grenzen.

  • konstantin thumm

    wie wahr, wie oft ertappen wir uns dabei insgeheim dies oder jenes machen zu wollen! Lasst uns aufstehen und losgehen.
    Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen.

  • Friederich

    Ein kurzer, aber wertvoller Artikel, der zum Nachdenken anregt. Da ich bei Punkt 3 versagt habe, kann ich heute schon sagen, dass bei mir irgendwann Tränen fließen werden, wenn es soweit ist, Abschied zu nehmen. Danke für den Beitrag……..

  • Oscar

    Intuitiv scheine ich mich seit Jahrzehnten damit zu beschäftigen und scheine es so gemacht zu haben, dass ich jeden Wunsch mit “Ja, habe ich” beantworten kann.
    Allerdings bedarf es dabei ja täglicher Arbeit an und mit sich selber, was viele scheuen. Auch mir sind Tod der ersten Frau, ökonomischer Kollaps und Krankheit nicht erspart geblieben. Aber, ich habe da eine gewisse unreligiöse Schicksalsergebenheit entwickelt und eine Freude am Augenblick. Übrigens, das “Kölsche Grundgesetz” hilft einem dabei.
    Für meine Totenfeier habe ich meine Frau gebeten, doch Monty Python’s Lied “Always look on the bright side of life” plus deutscher Übersetzung zu gebrauchen, damit die Feiernden was zu lachen haben.

  • Valamof

    Es gibt nichts wertvolleres im Leben als Ratschläge, die man von erfahrenen Menschen mit auf den Weg ins Leben gegeben bekommt. Denn ein Leben ist nicht genug um alle diese Erfahrungen selbst machen zu dürfen.
    Dadurch, dass der Tod so unsichtbar in der Gesellschaft gemacht wird (Die ganze Abwicklung einer Trauerfeier wird zumeist von einer Firma übernommen, die dieses Ereignis so fern wie möglich von der Gemeinschaft hält) neigt man dazu ihn komplett zu vergessen. Die Tatsache, dass die Zeit, die man zum Leben zur Verfügung hat begrenzt ist, ist uns nicht so bewusst. Man verschiebt ständig das Leben auf einen späteren Zeitpunkt und zieht es vor nur zu existieren. Ohne zu wissen, ob der Zeitpunkt überhaupt kommen wird. Denn man realisiert nicht, dass mit jedem Tag der vergeht, ein Stück von uns, ein Stück von dieser begrenzten Zeit mit sich nimmt.
    Um so dankbar ist man wenn man diese Zeilen liest, denn obwohl es alltägliche Dinge sind, die sich man selbst vornimmt, so bekommt man eine ganz andere Ermutigung doch zu leben und lieber jetzt als morgen. Das Leben ist ein Geschenk Gottes, mit einem Geschenk möchte man meistens doch Freude bereiten oder?

  • Andreas Bähren

    Das ist klasse und traurig zugleich.

    Ein Segen, bereits einmal “innerlich” fast gestorben zu sein, und diese Wünsche für das weitere Leben wie eine Fackel vor sich her zu tragen.

  • titliest

    Ich wünschte…

    ich hätte diesen Artikel nicht gelesen…

  • R@Z€

    Vielleicht ist das auch einfach ein Gefühl von: habe ich gelebt oder war ich lediglich Matrixianer?

    Was habe ich bewegt, außer den eigenen Kontostand?

    Wie bleibe ich bei Familie und Freunden lebhaft in Erinnerung? Durch Aufzeigen von Alternativen und durch Veränderungswillen oder war ich doch nur der treue Fußballfan und Wochenend-Skatspieler…

    Konnte ich in den Köpfen meines Lebensumfeldes Gedanken säen… für eine bessere Welt…

    Und was für eine Welt habe ich überhaupt meinen eigenen Kindern überlassen, was hab ich ihnen mit auf den Weg gegeben,… es vielleicht besser zu machen?

  • Axel Voigt

    ja, danke, das hilft :-)
    wie übrigens auch die Rede von Steve Jobs an der Stanford University von vor ein paar Jahren, überall im Netz zu finden, da gehts auch genau darum.

  • morawetz

    Der kleine Artikel macht Mut, bewusster zu leben – neudeutsch: “achtsam” zu sein. Sich bewusst gegen das schnelle, gehetzte Leben zu stellen… entschleunigen auf 70% was bisher jeden Tag an Terminen, Kontakten, Emails, Anrufen, Besprechungen ansteht braucht Mut – noch viel mehr Mut und Entscheidungskraft dann dabei auf Dauer zu bleiben – im heutigen Leben ist es so schwer NEIN zu sagen und damit eher deutlich JA zu sagen zu mehr persönlicher Lebensqualität mit mehr emotionalem Reichtum bis zum Ende seines Lebens. Man darf sich nur nicht zu spät dafür entscheiden…

  • Michael Puschmann

    würde es facebook. sharen

  • Knautschke

    Ich habe gerade vom Tod eines 49 Jahre alten Bekannten erfahren. Nun lese ich diese ebenso einfachen wie intelligenten Wünsche. Wahrscheinlich würde ein großer Teil aller Menschen diese als die ihren unterschreiben. Die tägliche Umsetzung scheitert allerdings an den “Notwendigkeiten” des täglichen Wahnsinns. Dieser hat mittlerweile Ausmaße angenommen, die den Blick auf die wirklichen Bedürfnisse völlig verdrängen. Burnout und Depressionen sind die Folgen.
    Ich wünsche mir mehr Einsicht…..

  • iris fischer

    ja, bewußt ist das gewiss vielen. nur wissen die wenigsten, wie sie es für sich tatsächlich dauerhaft und erfüllend umsetzen können. viele menschen sind neben den anforderungen durch ihr umfeld auch durch das leben, das sie sich geschaffen haben oder das sich für sie aktuell ergeben hat, eingeschränkt und sehen sich mit notwendigkeiten konfrontiert, die sie nicht aufheben können. dazu kommen noch die inneren antreiber, was “man sollte, müsste, eigentlich schon längst…”… für viele ein eigener teufelskreis. aus diesen spiralen raus zu kommen, gelingt meist nur durch hohe achtsamkeit, konsequenz und disziplin, was ein oft mühevoller langer weg ist. leichter wirds mit externer unterstützung – 3 bis 5 coachingstunden bei einem profi über ein halbes jahr oder jahr verteilt sind höchst wirksam ;-) .

  • Nadine Menger

    Ich wünschte, es würde öfter Artikel wie diesen geben. Danke dafür.

  • carsten

    Das ist nichts Neues. Das Original stammt von Bronnie Ware.
    http://www.inspirationandchai.com/Regrets-of-the-Dying.html

  • Horst Kostal

    Das sollte Pflichtliteratur für Manager und Politiker sein.

  • tsitsinotis

    Wunderbar! Viel Mut! Es lebe die Autonomie=Übereinstimmung von Gefühlen und Bedürfnissen.

  • ClaudiaBerlin

    Danke für diesen Beitrag! Durch ihn hab ich den Bericht der Krankenschwester gefunden und ihn ein wenig ausführlicher “verbloggt” – er ist es nämlich wert!

    * Was wir am Ende des Lebens bereuen
    http://www.kunst-des-alterns.de/2012/01/was-wir-am-ende-des-lebens-bereuen/

  • Thorsten Rüth

    Ich wünschte, mein Leben wäre vorbei; dieses Leben in dieser Welt voller Zwänge, die regieren und bestimmen und zu wissen glauben, was die Essenz des Lebens ausmacht. Ein Baum weiß mehr darüber als die gesamte Kollektivintelligenz der menschlichen Rasse…

  • Ich

    Ich würde mein Leben leben können ohne auf die Gefühle anderer achten zu müssen

  • Ruben

    Ein schöner Artikel aber wir Menschen machen uns allgemein viel zu viele Gedanken über die Vergangenheit. Das was in der Vergangenheit passiert ist, prägt uns natürlich in jeder Sekunde in der wir leben aber wir können die Vergangenheit nicht ändern und daher stellen sich solche Fragen für mich nicht.

  • Markus Schröter

    Für mich sind die “Fünf unerfüllbare Wünsche” gerade die Themen mit denen ich mich im gerade Hier und Jetzt beschäftige. Weil ich keine Lust habe später oder am Sterbebett irgendetwas bereue. Ich weiß nicht ob es mir gelingt aber ich versuche mein Leben so zu leben wie es mir gefällt. Die “Fünf unerfüllbaren Wünsche” geben mir die Bestätigung und die Kraft daran weiter zu arbeiten.

  • Gerd Bach

    Das Ranking der letzten Worte beweist nur einmal mehr, dass wir über weite Strecken unseres Lebens vor allem gelebt werden und den Zwängen der jeweiligen Situationen unterliegen, in denen wir uns befinden. Daraus wirklich auszubrechen, schaffen nur die wenigsten von uns.

    Was uns wie magnetisch in diesen Abhängigkeiten hält, ist zunächst unser Wesen und seine spezielle Prägung sowie der Druck der Verhältnisse, aber zuletzt auch die Vorteile, die Anpassung nun mal hat.

    Wirklich frei zu sein in seinem Willen und seinen Entscheidungen, ist ein Wunsch, der in uns allen schlummert, aber kaum je im Leben zu erfüllen ist. Insofern erstaunt mich nicht, dass man ihn auf dem Sterbebett noch einmal aufscheinen lassen möchte.

  • Ruth Engel

    Etwas zum nachdenken. LG Clemens

  • Juliane

    Es ist als würde man in einer käfigartigen Kugel sitzen, den Berg runter gestoßen werden und dann kann man nicht mehr aufhören zu rollen. Und dann am Ende schaut man zurück, vorn der Fels an dem man zerschellt und denkt nur noch: “Schei…”

    Ist doch quatsch, man ist mündig und man kann sich jederzeit entscheiden. Man muss nur so stark sein, sich selbst unabhängig von äußeren Vorgaben zu machen. Und das ist wirklich schwer.

  • Der Unwissende

    Tja,

    In unserer von Kapitalismus geprägten und Familie vernachlässigenden “deutschen” Welt ist das alles nicht mehr so wichtig…

    Geld
    Reichtum anhäufen
    auf der Karriereleiter aufsteigen

    Alles natürlich nach der neu-deutschen industriellen Maxime “sich selbst verwirklichen” steht gegensätzlich den 5 Aussagen in diesem schönen Artikel.

    Aber auf dem Sterbebett versteht der letzte Competitioner, Immobilienbesitz kann man nicht mitnehmen ins Jenseits.

  • Alex

    Ich wünschte, ich…

    hätte diesen Artikel nicht gelesen. Dann hätte ich jetzt 5 Minuten etwas Sinnvolles machen können und nicht meine Zeit mit einem belanglosen und schlecht geschriebenen Artikel verschwendet. Außerdem hätte ich dann nicht weitere 5 Minuten mit dem Verfassen eines eben solchen Kommentars zu eben jenem Artikel verplempert.

    … und?
    That´s it.

    sl Alex

  • Svenja-and-the-City

    Nr. eins, drei und fünf habe ich geschafft, aber zwei und vier werfe ich mir selbst auch vor. Bei mir ist es keinesfalls so, dass gute Vorsätze sich schon Mitte Januar erledigt haben. Ich mache Pläne, die ich auch umsetze. Und wenn die Träume doch einmal größer waren, als die Realität, dann nehme ich meine Ziele eben ins nächste Jahr mit hinüber.
    Schade, dass ihr kein Feld zur Verlinkung meines Blogs habt.

  • Anonyme Frau

    Vielen Dank für diesen Artikel! Mir sind beim Lesen wirklich fast die Tränen gekommen. Wurde mir doch gerade bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin alkoholkrank, seit fast einem Jahr trocken. Seit meinem Entschluss, der Sucht zu entkommen, mache ich eine Psychotherapie, zuerst klinisch, jetzt ambulant. In dieser Therapie wurden und werden mir und meinen Mitpatienten immer und immer wieder die Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir zu einem zufriedenen Leben gelangen können, ohne auf Suchtmittel zurückgreifen zu müssen. Genau diese wie im Artikel richtig bezeichneten “banalen” Dinge sich nicht nur als Ziele zu setzen, sondern sie im alltäglichen Leben konsequent umzusetzen, machen nicht nur zufrieden, sondern auch glücklich. Mehr an sich denken, Dinge tun, die einem Freude bereiten, schöne Momente bewusst genießen, die Arbeit mal ruhen lassen, Menschen treffen, die man wirklich mag, etc. Man muss diese Verhaltensweisen so lange trainieren, bis sie so selbstverständlich sind, dass sie zur eigenen Persönlichkeit gehören, dass nahe stehende Menschen diese Veränderung spüren und akzeptieren (müssen!). Können Partner, Familienangehörige, Freunde diese Verhaltensveränderung nicht akzeptieren, muss man sich von ihnen trennen. So einfach ist das.

    Eines noch: Die Krankenschwester Bronnie Ware “sagt, Menschen wüchsen enorm, wenn sie sich mit ihrem eigenen Tod beschäftigten”. Das kann ich nur bestätigen. Als langjähriger alkoholkranker Mensch sieht man sich irgendwann dem eigenen frühzeitigen (!)Tod gegenüber. Man weiß, dass man bald sterben wird. Kriegt man dann im allerletzten Moment die Kurve und kann sich von der Sucht befreien, entwickelt man eine enorme Kraft, weil man sich für das Leben entschieden hat.
    Ich glaube, man kann diese wunderbare innere Gelassenheit erreichen, so dass man am Ende des Lebens sagen kann: Ich bereue nichts!

  • Konrad Schuster

    Danke für diesen guten Beitrag!
    Nr. 4:” Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.”
    In dieser Aussage ist auch bei mir eine erhebliche Schwachstelle. Die Umstände, aber auch der Reifungsgrad spielen da eine große Rolle.

  • Richter Azdak

    utr schrieb: “Ziemlich banal das Ganze, wenn das die GANZE Essenz aus vieler Leute Leben ist…
    Hier gibt´s richtige Tipps fürs Lebensmanagement:
    http://www.praxilogie.de/
    LG”
    Was soll man dazu sagen? Schon das Wort “Lebensmanagement” widert mich an! Und traurig, denn: Die Essenz hinter diesen augenscheinlich banalen Sätzen ist alles andere als banal!

  • Herbert Nau

    Ein interessantes Thema – und Wünsche, die im Leben ganz sicher realisierbar sind. Das setzt voraus, dass der Mensch – ab wann auch immer und je früher, um so besser – sich der Endlichkeit seines Lebens bewußt wird und die Verantwortung für seine Lebenszeit wahrnimmt. Vielleicht führt das zu der Erkenntnis, dass das Materielle nicht der wesentliche Aspekt des Lebens ist und Werte eher über Beziehungen entstehen.

    Auch wenn das vielleicht “altertümlich” klingt: Alfred Adler (Schüler von Sigmund Freud) hat den Sinn des Lebens so benannt: Hingabe an die Gemeinschaft in Form von nützlichen Beitragsleistungen einerseits und Selbstvervollkommnung des Individuums andererseits.

  • frank haala

    Ein schöner Artikel. Nichts neues, aber mal wieder die Bestätigung, dass diejenigen wirklich mutig sind, die sich “sich selbst verpflichtet” fühlen und so handeln. Dann klappts mir der Nächstenliebe wie von allein.

    Herzliche Grüße,
    Frank

  • Martin

    Wie einfach doch die Wahrheit sein kann oder dass was wirklich wichtig ist !
    Als mein Vater vor einem Jahr starb und mein Bruder an Krebs erkrankte, kamen auch mir diese Gedanken !
    Diejenigen unter uns die solche Dinge abtun mit Worten wie: “Langweilig” usw. werden ebenfalls irgenwann einmal dort ankommen und dann würde ich gerne Ihre Worte und Gedanken wissen !
    Es werden mit Gewissheit die gleichen sein.

  • Diana

    Wenn jeder in sich tief hineinschaut oder in sich reinhört, wird er, diese Reuepunkte abhaken können. Wir sind gefangen von den gesellschaftlichen Pflichten und die Werbung steuert unser Verhalten. Wir sind garnicht so selbst wie wir immer scheinen. Wir handeln nicht immer nach unserem eigenen Gewissen sondern versuchen meistens viel mehr die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir sind bequem und wir gehen meistens Konflikten aus dem Weg, weil wir keine Zeit mehr haben uns mit diesen auseinanderzusetzten geschweige denn auch nur kurz darüber nachzudenken. Wir leben in einer Zeit in der es sich mehr um Geld dreht als sonst wann. Es gibt mehr Überfluss an Gütern, Materialien und vielem Anderen, dass wir garnicht fähig sind richtig zu entscheiden. Ich wette, dass jeder der dem Tode nahe steht sein leben nochmal reflektiert, denn spästens dann fallen alle anderen gesellschaftlichen Fesseln ab. Was gibt es dann noch? Keine Regeln die gelten, keine Wünsche zu erfüllen, keine Verpflichtungen, keine Erwartungen zu erfüllen, denn jeder weiß du wirst sterben. Was bleibt sind die Gedanken und die werden sich auf das beziehen was man letztendlich nur noch hat: sich selbst und die Vergangenheit. Ich glaube kaum dass sich jemand in der letzten Stunde damit beschäftigen wird, wie wohl der Tod ablaufen wird, zumindest nicht zum Großteil. Und wer bitte kann dann schon sagen (wohl eine Minderheit, ich schließe es nicht völlig aus) ich habe alles gut gemacht und alles perfekt und würde alles genauso wieder machen.

    Und das alles ist nicht schlecht, dass wir der gesellschaft nachgehen, dass wir manche Dinge nicht erkennen, dass wir fehler im leben machen. Schlecht ist nur wenn wir es nie in Erwägung ziehen würden, dass wir manchmal auch schlecht sein können und das wir manchmal auch den falschen Weg gehen können.

    Das macht uns menschlich.

  • Barbara

    ich wünsche mir all das jeden Tag. und dann macht man doch immer das gleiche.
    Wieso sollte es also am letzten Lebenstag genauso sein…nur da bekommt das alles auf einmal mehr Gewicht.
    Wir müssen einfach aufwachen und uns schon viel früher ernsthaft klar werden, dass wir halt nunmal nur dieses eine Leben haben (zumindest in dieser Art und Weise..wer weiss das schon) und wie heisst es schon “life is not a dress rehearsal”. Ich denke da jeden Tag daran. Und schaffe es trotzdem nicht, so zu leben wie ich es mir insgeheim wünsche.

  • F.X.Richter

    Manchmal kollidieren Wunsch 1 und Wunsch 4. Ich bin in den 70er Jahren einem indischen Yogi gefolgt und habe nach und nach viele Freunde und schließlich auch die Verwandten verloren. Ich habe aber viel bessere Freunde und Wahlverwandte gefunden. “Die Welt ist meine Familie.”

  • Malila

    Ich wünsche, ich könnte so oft wie möglich jedes gegenwärtige Glück begreifen. Dann gibt es am Ende sicher nicht so viele “hätte, hätte” zu beklagen.

  • Catha

    Es hat mein morgen verändert… Ich habe an das wesentliche des lebens gedacht und den link und meine gefühle im facebook mit meinen freunden geteilt!
    Danke :-)

  • Do what you love, and do it often. « Happy Schnitzel

    [...] Wohlfühlarbeitspensum? Und wenn ja, wo genau liegt das bei dir? Im SZ-Magazin gibt es gerade einen Artikel über die letzten Wünsche, die Menschen einer Krankenschwester anvertrauen, die sie in den letzten Wochen vor ihrem Tod [...]