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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  2 Kommentare

Nummer Eins der Auszeichnungen: der Nobelpreis.

In manchen Branchen ist es heute nicht mehr möglich, keinen Preis zu gewinnen. Über eine traurige Inflation.

Von Cornelius Pollmer

Eine Auszeichnung heißt Auszeichnung, weil damit etwas oder jemand prämiert, gewürdigt, hervorgehoben werden soll. Wo etwas hervorgehoben werden kann, da muss es eine irgendwie graue Masse geben, deren Teil das Hervorgehobene ist und von der es abgehoben wird. Es gibt also einen Unter- oder Hintergrund, den das Hervorgehobene braucht, damit es sichtbar leuchten kann. Ein Hervorgehobener leuchtet um so stärker, je größer die Grundgesamtheit potenzieller Preisträger ist, und je geringer die Zahl der tatsächlich Ausgezeichneten.

Kinder spielen manchmal dieses Spiel: Sie denken sich irgendwelche Quatschdisziplinen aus, die nur sie kennen und werden dann darin Weltmeister. Im Kopfstand möglichst schnell “Der Mond ist aufgegangen” singen, zum Beispiel. Darin kann man ziemlich gut Weltmeister werden, wenn man der Einzige ist, der es überhaupt versucht.

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In der Wirklichkeit dieser Welt sind schon alle möglichen Mondpreise aufgegangen. In der DDR gab es die Philipp-Müller-Medaille, eine Auszeichnung der Freien Deutschen Jugend. Sie wurde FDJ-Mitgliedern verliehen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Volkswahlen “hervorragende” Leistungen gezeigt hatten. In der BRD gibt es mehr Schriftstellerpreise als es herausragende Schriftsteller geben kann. Selbst wenn man als Autor wählerisch ist und nur mit einem Preis ausgezeichnet werden möchte, der, sagen wir, nach den Brüdern Grimm benannt ist, hat man die Wahl. Es gibt den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau, den Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin und den Brüder-Grimm-Preis der Philipps-Universität Marburg. Herzlichen Glückwunsch allen Preisträgern.

Marburg selbst übrigens erhält natürlich auch Preise. In diesem Jahr wurde das Marburger Bündnis für Familie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als “Bündnis des Monats Januar” ausgezeichnet. Die Stadtbücherei Marburg erhielt den “Hessischen Bibliothekspreis 2012″.

Apropos Stadtbücherei: Viele Journalisten glauben ja, sie wären Schriftsteller, und das stimmt zumindest insofern, als dass sie sich vor Preisen noch weniger retten können als wirkliche Literaten. Wenn man sich nur häufig und wahllos genug bewirbt, ist es als Journalist praktisch nicht möglich, keinen Preis zu gewinnen*. Beim Deutschen Fernsehpreis wurde in diesem Jahr die ARD in der unfassbaren Kategorie “Bestes Frühstücksfernsehen” ausgezeichnet. Nominiert waren alle Frühstücksfernsehformate, die es gibt. Es sind ja nur vier. Es gab auch mal einen Preis über die Berichterstattung zum Thema “Vorzeitiger Samenerguss”. Der vorläufige Höhepunkt, einer Karriere.

Bei den Preisen im Supermarkt müssen wir noch ein bisschen auf die Inflation warten, bei Preisen im Sinne von Auszeichnungen gibt es sie schon. Im Spiegelkabinett der Eitelkeiten, in dem hin und her ausgezeichnet wird, bleibt kaum ein Preis wertstabil. Unumstritten als Preis aller Preise ist eigentlich nur der nach Alfred Nobel benannte, der in dieser Woche in den bekannten Kategorien verliehen wird.

An der Vergabe der Nobelpreise lässt sich noch immer ganz gut der Zustand der Welt ablesen. Wenn Physiker geehrt werden, die irgendwas mit Quanten oder Universum machen, was kein Mensch versteht, dann haben die Dinge noch ihre Ordnung. Insofern scheint – Stand heute, Oktober 2012 – die Welt noch irgendwie in den Fugen zu sein.

Eine Dystopie, eine Warnung an zukünftige Generationen: Wenn folgende Nachricht eines Tages Wirklichkeit wird, seid ihr verloren, wirklich.

“Der Literaturnobelpreis geht an Menowin Fröhlich für seine gefühlvollen Texte auf dem Erfolgsalbum “Waiting for Christmas”. Den Nobelpreis für Physik teilen sich Wiegald Bohning und Joachim Bublath für ihren im Zweiten Deutschen Forschungsfernsehen geführten Nachweis, dass man verschlossene Konservendosen auf einem Gasherd zum Platzen bringen kann. In der Kategorie Medizin erhält die Auszeichnung Lemmy Kilmister für einen Blutalkoholwert von 7. Heiner Geißler wird für seine Rolle als Schlichter der Friedensnobelpreis zuerkannt. Geißler hatte in einem dreimonatigen Verfahren den Streit zwischen den Stadtbüchereien Marburg (Hessen) und Lauterbach (Hessen) um die Auszeichnung mit dem Bibliothekspreis 2012 (Hessen) beilegen können.”

*Ach so, eines noch: Ich habe 2005 die Duden Open gewonnen, einen Wettbewerb für junge Journalisten – quod erat demonstrandum.

Kommentare

  • Egal

    Und wo ist nun der Unterschied, ob man Heiner Geißler oder der EU den Friedensnobelpreis gibt?

  • Ute Regit

    Oh bitte nicht dieser ” HASSO” alias MENOWIN !!

    DER TYP GEHT GAR NICHT !!!!!!!!!!!!!!!