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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  2 Kommentare

Nummer Eins des Gesangs: Das Falsett

Obwohl er mit hoher Stimme singt, wird Asaf Avidan rauf und runter gespielt. Zeichen für einen Epochenwandel?

Von Nataly Bleuel

Wir sind musikalisch gerade auf einem guten Weg, er führt in den Barock, zumindest zu seinen Schönheiten. Im Barock schätzte man das Spiel mit Gegensätzen: Männer sangen mit hohen Stimmen und Frauen mit tiefen. Lange Zeit war das bei uns nicht sonderlich beliebt, Männer hatten nicht zuzuhören und Frauen nicht einzuparken – Frauen mit tiefen Stimmen wurden nur an Verhandlungstischen ernst genommen und Männer mit hohen wurden, so die Sage, mal kastriert, hatten aber auf jeden Fall schwul zu sein.

Und mal ehrlich: Phillipe Jaroussky, Barry Gibb, Jimmy Sommerville, Asaf Avidan – haben Sie nicht für schwul gehalten? Ich kann aus meinem aufgeschlossenen Bekanntenkreis etliche Fälle nennen, von Menschen, die auf den Gesang mit der männlichen Kopfstimme japsen: “Was ist denn das? Singt da ein Mann oder eine Frau? – Klingt ja eklig.”

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Warum die Menschen das Dazwischen so verstört, ahne ich nur (es verunsichert sie) – aber dass es so ist, finde ich außerordentlich bedauerlich. Denn Ambivalenzen und Paradoxien machen das Leben doch viel interessanter. Und schöner. Doch es gibt Hoffnung. Asaf Avidan ist mit der von dem Berliner DJ Wankelmut weichgespülten Form seines wunderschönen Reckoning Songs seit Wochen auf Platz 1 der Hitlisten und Countertenöre wie Valer Barna-Sabadus, Andreas Scholl oder Philippe Jaroussky beleben den Klassikmarkt.

Der Israeli Avidan ist übrigens weder schwul noch kastriert. Man singt nicht aus Liebe zu Männern automatisch hoch und keiner muss dafür seine Manneskraft opfern. Hoch singen kann theoretisch jeder, es ist eine Technik, bei der sich der Resonanzraum des Gesangs von der Brust zum Kopf verlagert. Bei der Kopfstimme, hat Jaroussky mal erklärt, “ist der Kopf der Klangkörper: Die Stimme vibriert im Mund, in der Nase, in den Nebenhöhlen”.  Nur wenige beherrschen diese Technik mit so überwältigender Schönheit wie Philippe Jaroussky. Aber so gut wie Covuke die Falsett-Version von Lenas „Satellite“, könnte man es schon hinkriegen. Mit ein bisschen Übung. Und die bekommen – aber nur!! – Frauen bei dieser grundsolide wirkenden Gesangslehrerin. Und Männer, Schwule und Frauen, die auf schnucklige Typen  stehen, bei Leo Aberer. Warum der obenrum nackt ist, wenn er singt, erschließt sich mir nicht so ganz. Weshalb er sich den Finger in den Gaumen steckt, schon. Barock wirkt es auf jeden Fall.

 

Kommentare

  • minos

    Ein Epochenwandel? Gerade zu ignorant: Iron Maiden gibt es seit 1975; Judas Priest mit Rob Halford ebensolange. Und mittlerweile IST Falsett bei männlichen Sängern gerade zu etabliert: wei Hammerfall; Dragonforce, Sonata Arctica, Edguy, uvm. beweisen.

  • Jan

    Das ist keine Musik, dass ist einfach nur abartig!