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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  9 Kommentare

Nummer Eins der Suchtspiele: Fatale Figuren

Wer den Skylanders die Tür öffnet, hat schon verloren. Gegen die Sucht. Das Geld. Und moralisch sowieso. Ein Schadensbericht mit Offenbarungseid.

Von Nataly Bleuel

Keiner entkommt dem Vorweihnachtsgeschäft und wenn Sie jetzt Erfolgsmeldungen von einer Videospielfirma lesen und dabei auf gefährliche Gedanken kommen, muss ich eine dringende Warnung aussprechen: Lassen Sie keinen Skylander ins Haus, niemals! Doch sich gegen diese Erfindung von Activision Blizzard zur Wehr setzen zu wollen, wäre ein bisschen so, als hätten die New Yorker Regenschirme zum Schutz gegen den Hurricane Sandy aufgespannt.

Wir haben die Skylanders im Haus. Es ist der Irrsinn.

Anfangs dachte ich, die Skylanders, das wäre so was wie Pokémon, Yu-Gi-Oh, Supermario oder Ninjago. Sammelkarten. Oder Plastikfigürchen. Oder, okay, ein Videospiel. Mein großer Sohn hatte sie letztes Weihnachten auf seine Wunschliste geschrieben und Oma und Opa waren froh, ihm eine Freude machen zu können. Wir hätten auch gleich einem Heroindealer die Tür öffnen können. Die Skylanders sind eine perfide Kombination aus fast allem, was meine Söhne süchtig macht. Für sie sind es niedliche kleine Plastikfigürchen. Mit kuriosen Namen wie Spyro, Wrecking Ball oder Voodood. Und mit je einem Chip drin. Die stellt man auf eine diabolisch leuchtende Plattform. In Funknähe zur Spielkonsole vor der Glotze. Und dann wird das Kind quasi zu Voodood, der niedlich vor ihm steht und in die digitale Welt hinein springt, um dort „Abenteuer“ zu erleben. Die bestehen darin, Kristalle zu finden, gegen Feinde zu kämpfen und immer höhere Level zu erreichen.

Als ich mal monierte: „Das klingt ja ganz schön brutal!“, erwiderte mein kleiner Sohn nicht: „Aber die Musik ist vom berühmten Hans Zimmer!“ – sondern: „Dann mach doch die Tür zu!“.

Es gab bislang 32 Skylanders. Natürlich braucht man sie alle, um bis ans Ende des Spiels zu kommen. Eine Figur kostet um die 10 Euro. „Und sie sind doch so süß!“, hauchte der Große neulich ins Telefon und ich sah vor meinem inneren Auge, wie der Opa seinen Gehstock zückte, um sofort zum Mediamarkt zu laufen.

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Aber ich will die Schuld nicht immer auf die Anderen schieben. Hätte ich ein bisschen mehr Werbung auf Youtube geguckt, so wie meine Kinder, dann hätte ich bemerkt, dass nun rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft eine neue Invasionsarmee von Skylanders auf die Erde geschickt wird.

Der Große kam mit einer guten Note aus der Schule und wollte dafür – O-Ton -: “Skylander kaufen”. Bestehe ich mal nicht auf dem Artikel, dachte ich, bin ich mal lieb: Selten strahlt das Kind so wie wenn man Schrott mit ihm kauft. Und weil ich mich meistens weigere, wird immer nur der Papa angestrahlt. „Also los!“, habe ich gesagt, und dann standen wir im Mediamarkt und mich traf der Schlag. Aus der Keule von Tree Rex. Denn mein gewiefter Sohn hatte mit „Skylander“ das neue Spiel mit einer neuen Generation von Figuren gemeint. Giants heißen sie, sind groß und überhaupt nicht mehr niedlich. Und nun stand ich auch noch vor einem moralischen Dilemma. Die Ware kostete knapp 60 Euro. „Spinnst du?“, rief ich, „du hast mich ja voll verarscht!“. Die anderen Kinder vor dem Skylander-Stapel drehten sich kurz um, mit Mitleid in den Augen. Nicht für mich. Und dann sagte mein Sohn: „Ich kauf das von dem Geld, das ich mit meinem Bruder gespart habe, und du hast gesagt, mit unserem eigenen Geld können wir machen, was wir wollen.“

Leider konnte ich nicht rufen: „Herr Erlinger, übernehmen Sie!“ Da war kein Herr Erlinger. Allein das Dilemma.

Es verschlug mir die Sprache und meine Augen feuerten Blitze wie die von Lightning Rod. Ein Wirbelsturm braute sich im Mediamarkt zusammen, als hätte Warnado ihn beschworen. Ich dachte: Du musst zu deinen Worten stehen, mit seinem eigenen Geld darf er sich jeden Schrott kaufen. Aber ich sagte: „Nur weil es dein eigenes Geld ist, kann ich dir nicht erlauben, Drogen zu kaufen.“ Mein Sohn brach in strömende Tränen aus.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wir gingen zur Kasse.

Seither tobt ein Sturm in unserem Wohnzimmer. Ab und an schließe ich die Tür. Oder verstecke die Konsole.

Dann wurden die Freunde eingeladen. Die kluge Eltern haben, die sich offenbar rechtzeitig informiert haben. Und keine Skylanders ins Haus lassen. Bis auf die dazugehörigen Sammelkarten. Die gibt’s jetzt auch. Meine Kinder haben noch ein paar Ersparnisse übrig.

Und sagen: Sie wünschten sich die Giants einfach zu Weihnachten.

Herr Erlinger?! Und kommen Sie mir bloß nicht mit dem Weihnachtsmann!

Foto: Activision Blizzard

 

 

 

 

Kommentare

  • Fridobert Görlitz

    Gott sei es gedankt daß ich inzwischen 68 Jahre alt bin, die Tochter mit 30 noch nicht verheiratet ist und damit auch keine Enkel mit diesen Dingern drohen können.
    Wir hatten damals TRIX oder besser noch Märklin und keine Konsolen mit Zubehör.
    Wie haben wir das nur auch so bis hier her geschafft ?

  • Peter Steiner

    Interessant BlizzAct hat jetzt also ein World of Warcraft für die kleinen, noch nie davon gehört, aber das Geschäftsmodell überzeugt^^

    Ne aber ernsthaft man kann sich dem Laden auch nicht entziehen, denn wenn sie was machen, dann hat es Suchtfaktor. Das weiss ich jetzt seit 14 Jahren, nur waren bisher die Kinder ja halbwegs davor sicher solange sie keinen PC hatten. Blizzard war immerschon der größte Heroindealer unter den Spieleherstellern, aber sie haben auch einfach den besten Stoff!

  • Randnotiz

    Immer wieder, am liebsten vor Weihnachten oder vor den Jahreszeugnissen, liest man in allen Medien von all den Dingen, die Eltern so auf den Keks gehen. Hier sind es Plastikmutanten, da ist es die morgendliche Garderobe und dort ist es der scheinbar allgegenwärtige Schul”stress”.
    Wir haben vier Töchter im Alter von 10, 12, 14 und 16 Jahren. Somit sind wir wohl eigentlich prädestiniert für alle Arten von Problemen.
    Aber seltsamerweise haben wir niemals, wirklich niemals, auch nur annähernd zu einem der ständig “propagierten” Probleme zustimmend nicken können.
    Unsere Kinder verlangen keine iPads, keine iPods, keine iPhones, keine Markenklamotten, keine Plastikschei… (s.o.), keine Lippenstifte, keine Kondome, keine Pille und sie unterliegen auch sonst keinem pubertären Wahn (abgesehen von Wänden voller Poster). Sie haben keinen Fernseher in ihren Zimmern und auch keinen PC. Es gibt ganz ohne Probleme nur einen Laptop für alle (meiner ist tabu). Keine von ihnen hat ein Fratzenbuch-Profil. Sie entscheiden nicht, was wir essen, selten, wie wir unsere Freizeit gestalten, nicht, wohin wir in den Urlaub fahren. Alle vier sind Einser-Schülerinnen ohne gemobbt zu werden. Alle sind höflich zu Besuchern, Eltern, Lehrern, Nachbarn und Fremden ohne sich anzubiedern.
    Das einzige, was wir ihnen bieten, ist ein Pferd (eins für alle), zwei Hunde, zwei Katzen, ein Musikinstrument (eins für jede), viel Zeit (meine Frau ist Hausfrau, ich arbeite (meist) zu Hause), Aufmerksamkeit, Liebe und offene Ohren.
    Die Mädels sind echte Racker, sie hauen sich mit den Jungs (aus Nachbarschaft und Schule), sie klettern auf Bäume, kommen mit aufgeschürften Knien nach Hause und werden vom Frühling bis zum Herbst eigentlich nur zu den Mahlzeiten und zur Bettzeit gesehen. Sie helfen gern im Garten und können mit allen Arten von Werkzeug (Bohrmaschine, Hammer, Motorsäge, Rasenmäher) umgehen. Sie fassen ohne Igittigitt Frösche, Schnecken und Spinnen an, ohne sie zu töten. Sie kennen alles, was kreucht und fleucht, mit Namen. Sie sind respektvoll vor Mensch und Natur (Widerspruch in sich, ich weiß). Der Landwirt aus unserer Nachbarschaft hat ihnen gesagt: “Wer Fleisch essen will, muss es sich auch “erarbeiten” können”. Daraufhin hat er mit ihnen ein Huhn geschlachtet und zubereitet. Seitdem sind die beiden Großen Halb-Vegetarier. Eier, Fisch, Milch und Käse essen sie weiterhin.
    Sie sind ungeimpft, sie trinken Rohmilch und sind trotzdem gesund wie ein Apfel aus unserem Garten.
    Alle vier betreiben ein ehrenamtliches Engagement.
    Vor drei Jahren grassierten im Nachbardorf die Röteln. Auf Anraten des Arztes unseres Vertrauens haben wir sie hingeschickt sich anzustecken. Nach zwei Wochen war´s überstanden.
    Lieber Dr. Sommer: Was zum Teufel machen wir falsch?

  • Simone

    Hmm…ich kann zwar verstehen, dass Eltern sowas wahnsinnig machen kann…aber der Junge tut mir echt ein bisschen Leid…
    solang es noch gute Noten gibt, würd ich mal sagen ist der Drogen-Vergleich doch ziemlich weit hergeholt…
    Es hatte doch jeder irgendeine Art Spielzeug oder Teil in der Kindheit, dass aus Elternsicht so gar keinen Sinn macht und vollkommen überteuert ist…
    Und ich denk auch, dass selbst Eltern oft Geld für Kram rauswerfen, der weder sinnvoll, noch erschwinglich ist (Zigaretten, Wein, teure Uhren, überteuerter neuer Wintermantel).
    Und zum Lernen des Umgangs mit Geld gehört halt auch, dass man sich Schrott kauft und das Geld dann halt mal für andere Sachen fehlt. Liegt natürlich dann an den Eltern hart zu bleiben und nicht doch Geld bei Bedarf nachzuschieben.

    Übrigens bin ich Nintendo und PC-Spielen aufgewachsen. Mit Abi und Uniabschluss hat’s trotzdem geklappt…

  • Dr. Sommer

    Liebe Randnotitz,

    was sie hier beschreiben ist, um nicht zu übertreiben, ERSCHRECKEND!
    es ist eine frage der zeit bis ihre vier tickenden zeitbomben auf unsere gesellschaft losgehen und dort ein fiasko anrichten werden.
    um jetzt schon dagegen zu wirken empfehle ich dringend, zumindest mit der älteren, einen joint zu bauen und zu rauchen. FINGER WEG VOM ALKOHOL! die gewaltbereitschaft gegenüber jungs ist resultat ihres persönichen mittlerweile 16 jährigen “box-plays” im eigenen hause.
    hier sollten sie dringend mit ihrer herrscherin in verhandlung treten und hilfe bei einer der RTL problembewältigungsserien suchen. namen sind der redaktion leider nicht bekannt. ansonsten kann man ihnen nur viel glück wünschen, die hintergründe des tabu-laptops sind hier klar zwischen den zeilen zu erahnen.

    mit freundlichen grüßen

    dr. sammer a.D.

  • Martin

    Respekt, Herr Randnotiz, Sie sind ja ein toller Hecht. Wo kann man Ihnen huldigen? Gibt es eine Kapelle, o.ä.?

  • Jerome

    Ihr übertreibt es echt übel Skylander = Drogen ne geht es noch neee
    Wir haben keine Skylander im haus aber sie sind eine sehr gute Erfindung.
    Ihr habt sie niemehr aLe sorry aber is so! Wie kann man zum Sohn sagen
    Ich kaufe dir keine Drogen ja klar keine DROGEN aber Skylander
    Echt boah man ich würde mich schämen der arme Sohn

  • Anonymous

    Skylanders ist eine reine Abzocke.

    Jedes VIdeospiel kann süchtig machen auch Call of Duty usw.
    Auch Fernsehkonsum macht krank http://www.youtube.com/watch?v=gnhWy98uTrw.
    Man siehts am Beispiel einer Studie , dass je mehr Konsum konsumiert wird, dadurch unsere junge Generation immer mehr verblöden in der Schule Amerika zb ist weit unten mit der BIldung, da einfach viel zu viel konsumiert wird, dass ist ein erfolgreiches Konzept nur die Gewinne zählen nur das Produkt zählt, wenn jemand das hat muss ich das auch haben um mitzuhalten heutzutage gibt es einfach viel zu viel, da ist es richtig schwierig zu entscheiden, was ich überhaupt noch haben will es macht nicht glücklich, während andere MEnschen schaffen ohne Nahrung zu lachen haben wir hier nur hass.

    Heutzutage ist das Hobby Videospiele an erster Stelle, es darf aber nicht die überhand einens Lebens übernehmen.

  • Er

    Ich finde es absolut lächerlich…
    “Da hätte ich gleich einen Hero Dealer die Tür öffnen können”. Spätestens da sollte jedem bewusst sein dass dieser Beitrag absoluter Schwachsinn ist…