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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  1 Kommentar

Nummer Eins im Advent: Der kleinste Weihnachtsbaum der Welt, an dem ein Kettensägenmassaker angerichtet wird

Manche Menschen bleiben im Advent am liebsten zuhause. Weil sie nicht schon wieder in einen Weihnachtsmarkt geraten wollen.

Von Nataly Bleuel

Jippie, es weihnachtet wieder sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen, in Vorgärten, hinter Fensterscheiben sieht man es blitzen, dass einem schummrig wird. Und landauf landab, wo sich in Städten und Gemeinden öffentliche Plätze auftun, auf denen sich Buden zaubern und Bäume aufrichten lassen, siedeln sich wieder Weihnachtsmärkte an wie wuchernde Schwammpilze.

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Das war mal anders, noch vor einigen Jahren. Wenn man im Norden des Landes landete, wollte es einem einfach nicht adventös ums Herz werden, denn fast nirgends gab es einen Christkindlmarkt. Und man begann sich nach dem vom Münchener Marienplatz zu sehnen. Obwohl er vor Ort nur furchtbar war, kommerziell und klaustrophob. In Berlin wollten sie einem sogar schnöde Jahrmärkte mit Achterbahnen und Teufelskarussel als „Weihnachtsmarkt“ unterjubeln.

Das hat sich geändert. Überall. In Berlin gibt es jetzt auf nahezu jedem öffentlichen Platz einen Weihnachtsmarkt, wie in Affing, Peine und Zwönitz auch. Als sie das letzte Mal gezählt wurden, waren es 2.500 Märkte in Deutschland, und das ist auch schon wieder elf Jahre her, als die deutschen Schausteller und Marktkaufleute mal eine Weihnachtsmarktforschung gemacht haben.

Mit den Märkten lässt sich eine Menge Geld machen, zwei, drei Milliarden Euro Umsatz schätzt man. Am besten verdienen die Glühweinverkäufer, circa 50.000 Euro macht ein Stand die Saison. Am schlechtesten verdienen die Leute hinter den Ständen, manchmal bis runter zu 1 Euro 30 die Stunde. Viele Kommunen haben die Organisation der Märkte an Privatunternehmer vergeben, und profitieren dennoch: an die 30 Euro lässt ein Mensch für den Besuch eines Marktes springen, auch für die umliegenden Geschäfte und Verkehrsmittel.

Der Weihnachtsmarkt erscheint den Gemeinden offenbar als Werbung der Superlative: Es gibt nicht einfach nur den „ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands“ sondern:  den „ersten Unter-Tage-Weihnachtsmarkt Deutschlands“, die „größte Lebend-Tierkrippe Europas“, die „größte Kerze der Welt“, die „größte mit der Kettensäge geschnitzte Krippe“ und den „weihnachtlichsten Weihnachtsmarkt“. Und ein Weihnachtsmarkt-Quiz  zu all den sich hinter den Superlativen verbergenden Orten. Und eine Facebook-Umfrage zum schönsten Weihnachtsmarkt 2012 (an der Spitze momentan: Goslar und Monschau, auf dem letzten Platz: Montreux – bieten Sie mit!).

Es ließe sich in der Liste der Weihnachtsmarkt-Rekorde aber vielleicht auch ein Funken für einen erfreulichen Gegentrend erkennen: die Schrumpfung des Weihnachtsmarktswahnsinns – am Vorbild des kleinsten Weihnachtsbaums der Welt.

Der kleinste Weihnachtsbaum der Welt ist eine 14 Millimeter kurze Kunstfichte aus dem Modellbahnzubehör. Die Christbaumkugeln haben einen Durchmesser von einem Millimeter und das goldene Ding auf der Weihnachtsbaumspitze hat einen Maßstab von 1:500. Leider ließ sich das goldene Ding nur von wenigen Betrachtern mit bloßem Auge als Posaunen blasender Engel erkennen. Daran wird gearbeitet.

Wo der kleinste Weihnachtsbaum der Welt steht, wird hier nicht verraten. Ist ein Advents-Quiz. Und jetzt suchen Sie den mal bitte auf den Weihnachtsmärkten in Ihrer Umgebung. Belohnung: eine Reise zum kleinsten Ostermarkt der Welt.

Foto: dpa

Kommentare

  • ekim

    Mein Lieblingswort der Adventszeit: Mistgsindlmarkt. Ich hab so einen Markt direkt vor der Haustür. Besinnlich ist dort gar nix.