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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  2 Kommentare

Die Nummer Eins der Bestattungsarten: die Mehrzwecktruhe

Der Tod ist selten Grund zur Freude - doch bei den "Bestattungs-Awards 2012" gab es viele glückliche Sieger. Wir präsentieren die Gewinner: vom "Friedhof des Jahres" bis zum erstaunlich vielseitigen "Sarg des Jahres".

Von Boris Herrmann

Arbeit zahlt sich vielleicht nicht immer aus in Deutschland. Ausgezeichnet wird sie aber trotzdem mit wachsendem Eifer. Es gibt inzwischen einen deutschen Call-Center-Award, einen Outsourcing-Award und diverse Tierfutterhersteller-Awards. Nicht zu vergessen sind ferner der renommierte Crystal-Cabin-Award für die komfortabelsten Flugzeugsitz-Systeme sowie die Wahl zur Wäscherei des Jahres. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Der Mensch kann zu Lebzeiten praktisch keinen Finger mehr krümmen, ohne Gefahr zu laufen, dafür einen Branchenpreis zu erhalten. Und wenn vor diesem Hintergrund tatsächlich noch ein neuer Award erfunden wird, dann verdient das eigentlich schon wieder den nächsten Award. Zugegeben, die Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge (GBV) genießt hier einen klaren Wettbewerbsvorteil. Der noch junge GBV-Award bezieht sich nämlich nicht auf das Leben im engeren Sinne, sondern auf das Leben danach. Und da sind durchaus noch Branchenpreis-Nischen frei.

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(Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.bestattungen.de)

Die Bestattungs-Awards 2012 haben gerade einige Überraschungen zu Tage gefördert. Der malerische Münchner Waldfriedhof belegte in seiner Kategorie nur den zweiten Platz, obwohl er angeblich “einen Lebensraum” für 104 Vogelarten und 17 Säugetierarten bietet. Der Friedhof des Jahres steht trotzdem in Hamburg-Ohlsdorf. Er beherbergt allein 1,4 Millionen Exemplare der Säugetierart Homo sapiens, die allerdings alle tot sind. (Die vollständige Urteilsbegründung findet sich unter www.bestattungen.de).

Das kubische Design-Gefäß “Abendgold” machte bei den Urnen das Rennen.

In der Preisklasse “Schönster Sarg” siegte dagegen ein überaus schlichtes Modell aus geöltem Lärchenfurnier. In der Laudatio heißt es: “Der Tod soll nicht dunkel und belastend wirken, sondern als ein Schritt in eine neue Zeit angesehen werden.” Das klingt einleuchtend. Aber muss die letzte Truhe deshalb aussehen wie ein umgekipptes Ikea-Regal?

 

Wenn man die Jury beim Wort nimmt, und das sollte man ganz gewiss, denn ihr gehörte neben der Präsidentin der Europäischen Totentanz-Vereinigung auch der Mainzer Kardinal Karl Lehmann an, wenn man dieser ausgezeichnet besetzten Jury also Glauben schenkt, dann liegt in der optischen Nähe zum Leichtbau-Möbel sogar sie die Zukunft der Begräbniskunst. Die Juroren suchten Deutschlands Supersarg vor allem deshalb aus, “weil er bereits zu Lebzeiten als Schrank genutzt werden kann”.

 

Die Idee ist ebenso simpel wie einleuchtend: Socken raus, Opa rein, fertig ist Leichen-Laube. Der Trend geht mithin auch in jenseitigen Lifestyle-Fragen zur Zweitverwertung. Und wer beim Kauf des ersten Kinderzimmers darauf achtet, dass er auch noch im hohen Alter mit Bauchansatz in die Kommode passt, der kann theoretisch bis zum jüngsten Tag mit einer einzigen Mehrzweckkiste auskommen.

 

Neulich hat eine polnische Diebesbande im brandenburgischen Hoppegarten einen Leichenwagen mit zwölf gefüllten Särgen gestohlen. Die Polizei war zunächst davon ausgegangen, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Jetzt erhärtet sich der Verdacht, dass hier die sogenannte Billy-Regal-Mafia am Werk war.

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