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Nummer Eins der Woche

Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann

Nummer Eins der Woche  12 Kommentare

Nummer Eins des Jahres: Der meistgeklaute Film

Die Top 10 der am häufigsten aus dem Netz geladenen Kinofilme 2012 zeigt: Brave Bürger und jugendliche Freaks leben in verschiedenen Welten. Nur bei Partys stoßen sie aufeinander.

Von Nataly Bleuel

Wir wohnen in einem beschaulichen Viertel mit vielen Kindern und wenig Turbulenzen, mitten in der Stadt, die die ganze Welt für die Party-Metropole des Universums hält. Nur wir nicht. Bei uns ist es schön ruhig und wir entwickeln immer tiefer sinkende Toleranzschwellen. Wir haben was gegen „die Schwaben“, gegen „die Touristen“ und gegen „Party machende Austauschstudenten“. Bei uns im Viertel haben sogar viele was gegen „den Fettgeruch vom Inder“ und „den Lärm aus der Bar“. Obwohl sie da, so behaupten sie, eigentlich gern essen und trinken gingen. Wenn sie keine Kinder hätten. Und nicht so tief gesunken wären, in ihr Biedermeier-Sofa.

Kürzlich hat unten im Haus „der Jugendliche“ eine Party gefeiert. Den Jugendlichen kennt jeder – es gibt hier (noch) nicht viele von der Spezies. Es fing leise an, es wurde lauter. Der Hof ist eng, er hallt. Oben im Haus sah man die Nachbarn an ihren Fenstern stehen und runter glotzen. Ab und zu knallte eines demonstrativ. Einer aus dem Dachgeschoss rief einem aus dem vierten Stock zu: „Wenn das mal keine Facebook-Party wird!“ Der balferte zurück, leicht hysterischer Tremolo: „Oder Project X!!!“

Szene aus “Project X” – die Filmparty kurz vor der großen Eskalation. (Foto: Verleih)

Ich muss gestehen, unter einer Facebook-Party kann ich mir nur was vorstellen, weil ich sie aus den Nachrichten kenne: unser beschaulicher Hinterhof – voll mit Party machenden Austauschstudenten. Aber „Project X“? – Nie gehört. Dabei ist das angeblich der most pirated movie des letzten Jahres. Leider kann man im Deutschen nicht „piratisiert“ sagen, man könnte es „raubkopiert“ nennen und schon befände man sich in äußerst heiklen Gewässern, in denen Kriege toben, und dieser Blog wäre im Nu gekapert, denn ich würde mich als altmodische Urheberrechts-Spießerin outen. Doch das ist hier glücklicherweise nicht das Thema, das Thema ist: Die Party des Jahres. Davon handelt „Project X“: drei jugendliche Spießer wollen cool sein und dann entwickelt sich ihre Party in Papas Villa zum Inferno. Angeblich hat der Film einige Jugendliche inspiriert, zu Partys, die völlig außer Kontrolle gerieten, in einem Ausmaß, das wir uns hier in unserem Viertel, mitten in der Party-Megalopole der Welt, gar nicht ausmalen können. Mit tausenden von Gästen, hunderttausend Dollar Schäden am Elternhaus und sogar Toten. Vielleicht piratisieren sich die Leute den Film ja aus dem Netz wie eine Art geheime Bastelanleitung.

Für eine Party. In unserem Hinterhof.

Wie gut, dass die wenigsten von uns je was von „Project X“ gehört hatten. Wir hätten bestimmt sofort die Polizei gerufen. Im legalen Kino aber lief der Film lang nicht so gut. Und, ich gestehe, selbst die zweit- und drittplatzierten Filme habe ich nicht gesehen. Obwohl ich mich, wie die meisten meiner Nachbarn, durchaus als Cineastin bezeichnen würde; wir haben sogar ein Filmtheater im Viertel. Aber: „Mission Impossible“ mit nur 200.000 weniger Downloads als „Project X“, nämlich: achteinhalb Millionen, gefolgt von „The Dark Knight Rises“.

Ganz ehrlich: Von den „Top 10 most pirated movies in 2012“ kenne ich einen einzigen. Platz 9: „Ice Age – voll verschoben“. Hab ich mit meinen Kindern gesehen. Auf Video.

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Kommentare

  • reto muggler

    Ööh… ????

  • ???

    und was genau ist jetzt der sinn/die aussage dieses artikels?

  • Max

    Gott sei Dank ist für diesen Mist kein Baum gestorben!
    Klar nur judendliche Freaks laden Filme illegal herunter.
    Welche Aussage steckte denn bitte in Person X kennt aus einer Liste von 10 Filmen nur einen, ausser er oder sie kennt 9 Filme nicht?
    Und was hat das alles damit zu tun, dass brave Bürger und Freaks in verschiedenen Welten leben?

  • Susanne

    Hab die Aussage des Artikels ehrlich gesagt auch nicht verstanden.

  • Seiltenzer

    Es ist tatsächlich bemerkenswert, was für ein inhaltsleerer Schwachsinn hier veröffentlicht wird. Ein Text ohne irgendeinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen Überschrift und den einzelnen Text-Abschnitten.
    Was hat der Wohnort der Autorin mit der Party, mit dem Film den sie nicht kennt, mit dem herunterladen des Films und schlussendlich mit dem Film den sie mit ihren Kindern (was haben die eigentlich damit zu tun?) schaut zu tun?
    Ich will auch so einen Job!

  • paff

    Partymetropole der Welt? Also New York, oder ;-)

  • Helene2

    Eine hübscher Seitenhieb auf die Gentrefizierung unserer Viertel, die in Wahrheit eine Verspießerung derselben ist. Versteht, siehe Kommentare oben, offenbar aber nicht jeder Hinterhof-Gaffer und Filmekopierer. Gar nicht auszudenken, wenn all die Kinder dieser Leute in acht Jahren Jugendliche sein werden und die Designerküchen ihrer Eltern x Parties zerlegen… Wird es TOte geben?

  • Schrom

    Ich versteh den Sinn des Textes nicht…
    Bin ich jetzt ein Freak weil ich Project X gesehen hab?
    Bin ich jetzt ein vom Mainstream verseuchter Pseudocineast weil ich mich Hollywoodstreifen nicht verwehre um statt dessen ausschließlich Lars von Trier Werke ansehe um meine hochgeschätzte Meinung in meiner Vegetarierkochgruppe zum Besten zu geben?

    Ich schaue gern und oft Filme und habe auch neun der zehn Filme auf dieser Liste gesehen die meisten auch im Kino aber ich nehme mir nicht raus den einen den ich nicht gesehen habe in irgend einer Form zu bewerten bzw. dessen Publikum zu verurteilen.
    Im Übrigen ist Ice Age 4 ein einziger Bumm-Peng-Klamauk Film… es ist Schade was aus der Reihe gemacht wurde und damit einer der schlechtesten Blockbuster des Jahres… aber noch vor Twilight!

    Das man mit Batman und the Avengers nicht viel Anfangen kann wenn man mit diesem Superheldending nicht warm wird versteh ich ja… Aber “Der Diktator” ist ein Film voll von schwarzem Humor mit genialer Abschlussrede und “Verblendung” sollte dem “Cineasten” vielleicht doch zumindest ein Begriff sein denn diesen Film (inkl. der zwei Fortsetzungen) gab es schon 2009 in einer wirklich sehenswerten Fernshefilmfassung aus Schweden.

    Ich kann ja nachvollziehen, dass man mit den Jahren höhere Ansprüche an Filme setzt und sich dann auch Sachen aussucht, die man früher nie angesehen hätte (zum Teil weil man sie nicht verstehen konnte). Aber herablassend darüber zu schreiben was Leute sich im Internet laden find ich dann schon etwas arm. Meistens sind es nämlich Jugendliche die diese Filme ziehn weil sie sich anhand ihres Taschengeldes keine 5 DVDs und 3 Kinobesuche leisten können… die Legalität bei dem ganzen steht da auf einem anderen Blatt.

  • Lisa1975

    Liebe Nataly, vielen Dank für Ihren Bemühungen als Autorin, aber Ihre Erfüllung sollten Sie doch besser in Ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter suchen.

  • eva

    Hallo? Die Rubrik heisst: Nummer 1 der Woche, das war die Nummer 1 des Jahres, alles völlig schlüssig, habe mich beim Lesen des Textes jedenfalls sehr amüsiert.

  • Maja

    Schön, dass es meine Mama gibt, die regelmäßig kommunale Kinos aufsuchst, so weiß ich – die ich selber dank kleinem Baby seit Eeeewigkeiten nicht mehr im Kino sein konnte – dass es weit mehr Filme zu entdecken gibt zwischen Project X oder The Avengers und Filmen von Lars von Trier. Was ich damit sagen will? Keine Ahnung.
    Ich konnte aber auch prächtig schmunzeln, während ich diesen Artikel las – in meiner Wohnung in einem exzellentem Paradebeispiel für gentrifizierte Partyviertel (wer Ausdrucksfehler findet, darf sie behalten) – und musste mir mal wieder in Erinnerung rufen, dass ich vor zwei Jahren noch auf ähnlichen Parties war, wie die, die mir heutzutage ab und an den Schlaf und die Nerven rauben.
    Ah, jetzt weiß ich auch wieder, was ich sagen wollte – danke für den tollen, selbstironischen Artikel.

  • Alex

    Ehm…an die ersten typen die hier Kommentare niedergelassen haben, seid ihr Geistlich behindert?
    Ich frage aus reinem Interresse…haha.

    Sehr schöner Artikel.