Nummer Eins der Woche 13 Kommentare
Der Autor Nummer Eins
Der laut Forbes-Magazin bestbezahlte Schriftsteller der Welt ist: James Patterson. Und dessen Arbeitsweise ist seltsam.
Von Max ScharniggBevor hier wieder die Kommentar-Katapulte auf mich gerichtet werden, gestehe ich lieber gleich: Ich habe noch nie ein Buch von James Patterson gelesen. Er hat ganz ohne mein Geld im letzten Jahr 70 Millionen Dollar und damit den Gipfel der Schriftstellergehälter angehäuft. Der Platz da oben sei ihm sehr gegönnt – die Aussicht auf Stephenie Meyer und ihre Vampirheinis ist bestimmt gut. Ich habe, wenn ich es mir recht überlege, auch noch nie eine Besprechung seiner Bücher gelesen, obwohl ich nichts lieber lese als amtliche Rezensionen. Das Einzige, was ich von James Patterson weiß, ist: Er lässt ein ganzes Team von Autoren für sich schreiben. Das hat mir ein Lektor neulich erzählt und dabei gar nicht die Augen verdreht sondern anerkennend mit der Zunge geknallt. Anders würde es auch gar nicht gehen, schließlich habe sich Patterson verpflichtet bis Ende 2012 noch 17 neue Bücher zu verfassen, bzw. unter seinem Namen dem Handel zu übergeben. 100 Millionen Dollar erhält er dafür.
Also in noch 28 Monaten 17 Bücher, das sind sechseinhalb Wochen pro neues Buch, das kann einer alleine mit seinen zwei Durchschnittshänden gar nicht schaffen. Noch dazu sind diese Bücher ja nicht die dümmsten dünnsten. Aber wenn die Nachfrage da ist, muss eben geliefert werden, das ist bei Feinstrumpfhosen, Deutschlandfähnchen und Thrillern das Gleiche. Alles eine Frage der Arbeitskräfte. Die ewigen Pattersonschen Thriller-Fortsetzungen müssen also zwangsweise das Produkt eines Kollektives sein, eines Autoren-Fließbandes.
Eine belletristische Fabrik stelle ich mir so vor, dass dort einer an seiner Werkbank immer nur die Liebesszenen schreibt, dann das Manuskript auf einem Wagen an denjenigen mit dem Händchen für spannungsgeladene Flugzeugszenen gefahren wird und später kommt der, der Pflanzengifte und stimmungsvolle Fensteraussichten studiert hat und so weiter. Das Ganze überwacht ein strenger Chef vom Dienst, der zwischen den Schreibtischen auf und ab wuselt und Kommandos gibt wie: „Buch24, jetzt langsam mal zum zweiten Mord kommen! Und Buch37, euer Plot kommt gerade dem Plot von Buch7 ziemlich nahe, bitte neue Handlungsstränge aus dem Schrank holen!“
Dafür hat dieser Chef vom Dienst natürlich seine Thrillerpfeife. Am Schluss einer neuen Buchproduktion kommt dann Herr Patterson leibhaftig in einem Golfwägelchen angepattert und lässt sich das Manuskript vorlesen, schiebt hier und da noch geniale Absätze ein, wirft eine Hauptfigur raus und kürzt an den entscheidenden Stellen. Dann generiert ein kleiner roter Zufallsautomat noch einen griffigen Titel aus Versatzstücken wie Eiskalt, Mitternacht, Hölle und Tod – fertig
Bevor die Nachtschicht erscheint, werden die Abfälle auf einen Haufen gefegt: Halbe Sätze, Tippfehler, Dialoge mit leichten Mängeln, bisschen Sprachdreck auf der Heizung. Aus diesem Industrieabfall wird dann noch mal ein Heftchen für den Bahnhofskiosk gepresst. Sehr effizient.
Ich nehme an, bei den meisten anderen Kandidaten auf dieser Forbes-Liste wird ähnlich gearbeitet. Das ist auch gar nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört. TV-Seriendrehbücher oder Mickey-Maus-Hefte werden schließlich schon immer auf diese Weise produziert und haben uns auch unterhalten. Ungewohnt ist nur, dass ein Roman eigentlich doch immer so eine Art Zwiegespräch suggeriert. Schlägt man die erste Seite auf und liest, sitzt man doch in trauter Innigkeit mit dem Autor da und lässt sich von ihm seine Geschichte erzählen.
Im Falle von Herrn Patterson ist es nur noch eine Geschichte.
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07 Uhr 52
So wird es wohl sein! Ich habe einmal den Fehler gemacht und im Urlaub ein Buch von Herrn Vielschreiber Patterson gekauft… Das Buch war so grottenschlecht, dass ich es kurzerhand entsorgt habe! Verstehe nicht, wieso der so gekauft wird und immer wieder in den Bestseller-Listen erscheint. Grisham oder Dan Brown sind dagegen wahre Anwärter auf den Literaturnobelpreis!
08 Uhr 23
pfffffft
wie aufregend
schon alexandre dumas hat die meisten seiner werke in einer schreibfabrik in zusammenarbeit mit anderen autoren erstellt
08 Uhr 43
Wie befürchtet: Die kommentatorische Retourkutsche:
Was genau soll das hier?
Ich könnte diesen Artikel hier verstehen, wenn das neueste Patterson-Buch ein Reinfall wäre oder miese Kritiken bekommen hat. Aber jemanden für seine Arbeitsweise zu kritisieren, deren Ergebnis man nicht kennt, halte ich für gewagt.
Wenn sich ein Künstler viele Gastmusiker ins Studio holt, heißt es in Kritiken entweder “Viele Köche verderben den Brei, das Album hat keinen roten Faden” oder “Kein Track ist wie der andere. Nie war die Bandbreite so groß.”. Aber entscheiden kann man das immer erst nachdem man das Album gehört hat. Ich verstehe die Romantik, die hinter dem “Zwiegespräch-Image” steht, aber wer darauf hofft, eine Geschichte zu lesen, mit der der Autor jahrelang gekämpft und sich abgerungen hat, sollte vielleicht weder Patterson, noch King, noch die Bücher dieser Vampirtante lesen.
09 Uhr 50
@alieserl…wer grisham oder brown für den literaturnobelpreis vorschlägt hat meiner meinung nach keine ahnung von guten büchern und vorallem von guten autoren…das, was der herr brown vom stapel lässt, könnte jeder schreiben…aber er schreibt nunmal bücher für menschen, die sonst nicht lesen (das diese die bücher gut finden, kann ich mir vorstellen)
patterson muss man an sich nicht unbedingt gelesen haben, der beste ist auch er nicht…aber deutlich besser als dan brown
10 Uhr 30
was für ein bild, denn seine bücher werden ja sicherlich nur von menschen gekauft die mit ihren ungelesenen bücher einfach ihre bücherregale füllen……..kafkaesk ……ich hab nur eines teilweise gelesen, unsäglich, nicht mal fliessbandlevel.
11 Uhr 12
Geschmaecker sind nun mal verschieden … auch was die Literatur anbetrifft …. wieso muss man hier seine Mitmenschen die J.Patterson moegen / nicht moegen durch den Dreck ziehen?
Einbisschen Respekt fuer den Nachbarn waere angebracht.
Wie langweilig waere die Welt wenn alle das gleiche moegen wuerden.
12 Uhr 10
Ich finde den Artikel hoechst amuesant und ich denke das ist was der Autor erreichen wollte. Keine ernsthafte Kritik sondern eine simple Beschreibung der Arbeitsweise eines ueberaus erfolgreichen Autors. Gewuerzt mit einer Prise Humor und Ironie. Gelungen, finde ich.
12 Uhr 21
allein schon für den titel “thrillerpfeife” ein ganz dickes kompliment! wunderbarer text, habe von patterson noch nichts gelesen. aber irgendwie juckt es mich jetzt in den fingern.
13 Uhr 16
Ich habe ab und zu einen Patterson im USA-Urlaub gelesen. Einige wenige seiner Bücher finde ich sehr spannend, die meisten aber eher lauwarm. Da kenne auch ich weitaus bessere Krimi-Autoren (z.B. Dennis Lehane). Ansonsten stimme ich Nadine zu: es wäre langweilig, wenn alle denselben Geschmack hätten.
14 Uhr 33
@nesaia Wer keine Ahnung von Ironie hat, hat meiner Meinung nach keine Ahnung von Sprache im allgemeinen und damit wohl auch keine Ahnung von guten Büchern oder drücken wir es etwas präziser aus, von Literatur im speziellen.
Ansonsten ein guter Artikel über die von einem ideelen Standpunkt gesehen eckelhaften aber in Realität wohl allzuoft vorkommenden Umtriebe in der ‘Kunstproduktion’.
15 Uhr 01
Ich freue mich über jeden Autoren (oder jede Autorengruppe), der die Menschen zum Lesen bringen, egal, ob er Patterson, Meyer, Rowling oder sonstwie heißt. Auch Shakespeare hat im Autorenkollektiv geschrieben und wurde von seinen Zeitgenossen als “leichte Kunst” abgetan – heute ist er ein Klassiker. Lest einfach, was Ihr wollt – Hauptsache, Ihr lest!!! Denn selbst wenn es so ein nichtssagender Artikel wie der obige ist: Immerhin bringt er uns dazu, miteinander zu kommunizieren!
13 Uhr 20
Thrillerpfeife is ein mordsmäßiges Wortspiel!
21 Uhr 22
[...] Scharnigg Der Autor Nummer Eins Ziemlich merkwürdiges, aber überaus erfolgreiches Geschäftsmodell des Bestsellerautors James [...]