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	<title>Nummer Eins der Woche</title>
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	<description>Von Nataly Bleuel und Boris Herrmann</description>
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		<title>Nummer Eins der Bequemlichkeit: Betreutes Freizeitverhalten</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jun 2013 11:29:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer auch immer bei Facebook für die personalisierten Werbeangebote zuständig ist, die Abteilung für personalisierte Werbeangebote, der Zufall oder doch die NSA, ich würde wirklich gerne mal mit der zuständigen Stelle sprechen. Und sagen: Du Niete! Angeblich soll diese Reklame genau auf die Bedürfnisse des potenziellen Kunden zugeschnitten sein. Da hätte ich im Prinzip nichts [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer auch immer bei Facebook für die personalisierten Werbeangebote zuständig ist, die Abteilung für personalisierte Werbeangebote, der Zufall oder doch die NSA, ich würde wirklich gerne mal mit der zuständigen Stelle sprechen. Und sagen: Du Niete!</p>
<p>Angeblich soll diese Reklame genau auf die Bedürfnisse des potenziellen Kunden zugeschnitten sein. Da hätte ich im Prinzip nichts dagegen. Werbung, die mich vielleicht interessieren könnte ist mir allemal lieber als Werbung, die mich auf gar keinen Fall interessiert. Die Sportschau schafft es zum Beispiel ziemlich gut, genau auf mich zugeschnittene Werbung zu bringen. Da kommen Spots für Bier und Grillgut. Das interessiert mich. Ein bisschen jedenfalls. Facebook liegt mit seiner Werbung auf fast schon rührende Weise daneben. Ich glaube, ich verrate nicht zuviel über mein Privatleben, wenn ich sage: Ich habe noch nie an einem Schlamm-Wettrennen teilgenommen. Ich plane auch nicht, es zu tun. Weder stehe ich auf Ausdauerläufe, noch lege ich mich gerne mit dicken, halbnackten Männern in den Matsch. Und ich brauche deshalb auch nicht jeden Tag eine Werbe-Einladung für <em>Tough Mudder</em>, dem mit Abstand mitteilungsbedürftigsten Event der Schlamm-Wettrenn-Branche.</p>
<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/06/Mudder.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3655" alt="Mudder" src="/blogs/nummereins/files/2013/06/Mudder.jpg" width="500" height="586" /></a></p>
<p>Ich brauche auch nicht: Werbung für das<em> Trading Modul +500</em> an, mit dem ich unter anderem Rohstoffe handeln soll. Ich brauche ferner keinen Bauchspeck-Berater (jedenfalls bilde ich mir das ein) und keine Single-Börsen. Die meiste Werbung erreicht mich im Moment von der Firma <em>Modomoto</em>, die mir auf mich zugeschnittene Bekleidungspakete anpreist. Ich soll da einen Online-Fragenbogen ausfüllen und kurz mit meiner persönlichen „Style-Beraterin“ telefonieren. Und dann werden mir genau jene Hemden, Hosen und Gürtelschnallen zugeschickt, von denen ich angeblich schon immer geträumt habe. <em>Curated Shopping</em> heißt das, betreutes Einkaufen. Die Facebook-Schnüffelabteilung von Modomoto hat offenbar herausgefunden, dass ich ein Mann bin. Und weil wir Männer so gerne Klischees erfüllen, geht dieses Unternehmen jetzt davon aus, dass ich shoppen als „stressig, zeitraubend und alles andere als effektiv“ empfinde. Soso.</p>
<p>Um ehrlich zu sein, ich gehe ganz gerne mal in einen Laden und ziehe eine Hose probeweise an, bevor ich sie kaufe. Das empfinde ich alles andere als uneffektiv. Sicher, man kann beim betreuten Kleiderhandel alles kostenlos zurückschicken, was nicht passt. Aber dann muss man sich bei der Post am Schalter anstellen. Das empfinde ich als stressig und zeitraubend. Im Zuge einer kurzen, aber effektiven Internetrecherche habe ich festgestellt, dass es inzwischen eine ganze Menge solcher Curated-Shopping-Firmen gibt. Man kann sich da auch Beispielklamotten ansehen. Man sieht vor allem: Caro-Hemd mit Caro-Schal und grauem Merino-Pulli. Inzwischen bin ich mir relativ sicher, dass Matthias Sammer Stammkunde bei einem dieser Unternehmen ist. Dem Manager eines Triple-Gewinners mag man vielleicht nachsehen, wenn er keine Zeit mehr hat, sich seine Caro-Hemden selbst auszusuchen. Wir Normalsterbliche aber, die nicht Gefahr laufen, in absehbarer Zeit ein Triple zu gewinnen, müssen uns schon mal die Frage stellen: Was soll der Unsinn? Warum glauben eigentlich immer mehr Firmen, sie wüssten besser als wir selbst, was uns gefällt? Wahrscheinlich weil wir zu bequem geworden sind, um auf einen eigenen Geschmack zu bestehen.</p>
<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/06/Bildschirmfoto-2013-06-17-um-13.29.57.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3663" alt="Bildschirmfoto-2013-06-17-um-13.29.57" src="/blogs/nummereins/files/2013/06/Bildschirmfoto-2013-06-17-um-13.29.57.jpg" width="500" height="230" /></a></p>
<p>In den vergangenen Jahren ist eine komplette Freizeit-Betreuungsindustrie entstanden. Neulich hat mir eine Bekannte von einer Start-Up-Firma erzählt, die personalisierte Balkonpflanzen-Arrangements nach Hause liefert. Weil es offenbar genug Leute gibt, die nicht wissen, welche Blumen sie schön finden. Es gibt Weinpakete für Weinliebhaber, die vergessen haben, welchen Wein sie lieben. Und Gemüsekisten für Vegetarier, die Gemüsemärkte meiden. In den USA heiratet schon lange niemand mehr, ohne eine Hochzeits-Betreuungsagentur. Und hier geht es auch langsam los. Wir joggen mit einer beratenden Jogging-App. Und hören die Musik, die uns unser Online-Musikportal empfiehlt. Es soll auch Menschen geben, die ihr Social-Media-Profil von einem Dienstleister pflegen lassen, während sie in Urlaub fahren. Wenn nicht alles täuscht, sind wir auf dem besten Weg zurück in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Wer sich zufällig mal in die Oranienburger Straße in Berlin verirrt, der stellt mit großer Bestürzung fest, dass mittlerweile viele Spaßtouristen sogar zu faul sind, um sich selbstständig einen hinter die Binde zu kippen. Da ziehen dann nachts die organisierten Pub Crawls durch die Kneipen, mit lauter Verrückten, die sich beim Saufen betreuen lassen.</p>
<p>Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber scheinbar kann man es nicht oft genug betonen: Die schönsten Partys sind immer noch die, die man selbst verbockt hat.</p>
<p>[werbung]</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nummer Eins der Woche: Die Verkaufe</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jun 2013 13:16:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nataly Bleuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die meisten dürften Schwellenangst verspüren, wenn sie vor einer sauteuren Luxus-Boutique stehen. Ich leide eher an einem umgekehrten Schwellensyndrom. Ich bekomme jedes Mal Schweißausbrüche, wenn ich in einen Fast-Food-Laden rein soll. Gar nicht mal, weil ich da besonders missionarisch oder militant wäre. Ich würde meinen Kindern schon auch mal einen Burger mit Pommes kaufen. Wenn [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/06/Mac1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3625" alt="Mac1" src="/blogs/nummereins/files/2013/06/Mac1.jpg" width="500" height="305" /></a></p>
<p>Die meisten dürften Schwellenangst verspüren, wenn sie vor einer sauteuren Luxus-Boutique stehen. Ich leide eher an einem umgekehrten Schwellensyndrom. Ich bekomme jedes Mal Schweißausbrüche, wenn ich in einen Fast-Food-Laden rein soll. Gar nicht mal, weil ich da besonders missionarisch oder militant wäre. Ich würde meinen Kindern schon auch mal einen Burger mit Pommes kaufen. Wenn ich nicht so Schiss davor hätte.</p>
<p>Lachen Sie ruhig. Haben schon viele getan.</p>
<p>Als ich das erste Mal in einen Drive-In fuhr, stieg ich am Bezahlschalter aus und suchte die Speisekarte. Wirklich wahr. Und als ich sie nicht fand, und die Schlange von Autos hinter meinem sah, und all die prustenden Gesichter, wurde ich irre panisch und stammelte einfach nur: Cola. Cola, bitte. Öh, medium? Gibt’s auch small? Nee, ohne Eis. Und dazu? Nix dazu. Und wo krieg ich das dann?</p>
<p>Echt jetzt. Und da war ich schon sehr erwachsen.</p>
<p>Genauso nervös werde ich, wenn ich mich in die Schlange vor der Theke einordnen soll. Ich kenne mich mit den Burgern nicht aus. Mit den Größen. Mit den Varianten. Mit den Verpackungehn. Es ist, als würde ich in den Schlund einer Maschine gesogen. Und gäbe jegliche Hirnaktivität auf.</p>
<p>Bis vor ein paar Tagen dachte ich, ich wäre das einzige Wesen auf der Welt, das so reagiert. Jetzt bin ich aber am Zweifeln.</p>
<p>Es kursieren da gerade ein paar Werbefilme von McDonalds &#8211; ich spreche den Namen jetzt mal offensiv und direkt aus. Es kommt grad eh keiner drum rum. Und ja, ich finde das auch blöd, denen hier noch mal mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Und ja, damit haben sie ihr Ziel erreicht. Das sagt auch meine Freundin, die ist ein alter Hase in der Werbung: Ob der Trailer dem Image der Schauspieler schadet, die sich dafür her gegeben haben. Und ob ein paar Fans jetzt enttäuscht sind von Jürgen Vogel, Christian Ulmen oder Alexandra Maria Lara. Völlig wurscht. Die Masse macht’s. Nur darum geht&#8217;s.</p>
<p>Die Spots sind gut, witzig gemacht. Auch wenn ich drei Mal schauen musste, um sie zu verstehen. Weil ich das 1+1-Prinzip in Person von denkenden und handelnden Menschen, also Schauspielern, Moderatorinnen oder Sängerinnnen&#8230; einfach nicht kapiert habe. Es ist so: Jürgen Vogel spielt beispielsweise einen Veggie-Burger, Moritz Bleibtreu einen Cheeseburger und Alexandra Maria Lara spielt eine Coke light, die ihren Auftritt als Coke light probt, weil sie dafür werben will, dass man in diesen Laden rein läuft und kauft. Man kriegt eine Alexandra Maria Lara für einen Euro plus einen Moritz Bleibtreu für einen Euro. So zu sagen.</p>
<p>Und das ist so mega-abstrus, dass ich es irgendwie lustig fand &#8211; aber einfach nicht gerafft habe. Erstens weil mein Hirn in dieser Hinsicht nicht funktioniert. Zweitens weil Essen gar nicht so billig sein kann. Drittens weil es abgrundtief abartig ist, so zu tun, als könnte man für den Preis anständig konsumieren, also ohne irgendjemandem zu schaden. Und viertens: Schon klar, dass Bleibtreu, Vogel und Lara nicht für einen Euro zu haben sind, für eine Kampagne von McDonalds. Und dass man schon drüber reden darf (man muss das nicht gleich zum Shitstorm erheben), ob das vorbildlich ist. Und warum Vogel, Bleibtreu und Cro es überhaupt für nötig befinden, ihre Konten mit Werbung aufzubessern? Rätselhaft.</p>
<p>Aber vielleicht, und das ist meine wohlwollende Vermutung, sind sie auch nur Opfer des gleichen Syndroms wie ich. Wenn die Hirnaktivität schlagartig runter gefahren wird, sobald man über diese Schwelle tritt. Ich hab da einen Tipp aus langjähriger Erfahrung: einfach einen Bogen drum rum machen.</p>
<p><em>Foto: Reuters</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Nummer Eins der Sommerkrankheiten: Das Festivalfieber</title>
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		<pubDate>Tue, 28 May 2013 16:14:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe gerade gelesen, das Ringfieber sei wieder ausgebrochen. Das klingt nicht gut. Das klingt wie etwas, das sich James Cook auf einer seiner Südseereisen eingefangen haben könnte. Hakenwurmbefall, Amöbenruhr, Ringfieber &#8211; seit wir Europäer nicht mehr durch unentdeckte Welten segeln, um Inseln zu benennen, Atolle zu vermessen und Eingeborene zu unterwerfen, haben derlei Übel [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/05/69F68D9C-27A8-4019-83E5-094DB07681BB.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3597" alt="69F68D9C-27A8-4019-83E5-094DB07681BB" src="/blogs/nummereins/files/2013/05/69F68D9C-27A8-4019-83E5-094DB07681BB.jpg" width="500" height="213" /></a></p>
<p>Ich habe gerade gelesen, das Ringfieber sei wieder ausgebrochen. Das klingt nicht gut. Das klingt wie etwas, das sich James Cook auf einer seiner Südseereisen eingefangen haben könnte. Hakenwurmbefall, Amöbenruhr, Ringfieber &#8211; seit wir Europäer nicht mehr durch unentdeckte Welten segeln, um Inseln zu benennen, Atolle zu vermessen und Eingeborene zu unterwerfen, haben derlei Übel etwas von ihrem alltäglichen Schrecken eingebüßt. Man ahnt trotzdem, dass es nicht unbedingt die Laune hebt, wenn man sich mit so etwas ansteckt.</p>
<p>Ringfieber – für manche  klingt das natürlich auch nach Bayreuth. Nach 16 Stunden Wagner. Und wenn jetzt einer meint, das sei immer noch angenehmer als jede Tropenkrankheit, dann ist wahrscheinlich der Zeitpunkt erreicht, an dem ich gestehen sollte: Ich habe mir den Ring des Nibelungen zwar neulich in Form einer sperrigen CD-Box zugelegt, aber noch nie angehört. Hebe ich mir für später auf. Wenn der Tag kommt, an dem ich keine E-Gitarren mehr vertrage.</p>
<p>Ich las über das Ringfieber im Zusammenhang mit dem sogenannten Parkfieber. Die Hochphase beider Fieberarten wird in diesem Jahr auf das Wochenende vom 7. bis 9. Juni prognostiziert. Laut Experten werden davon rund 150000 Menschen in Deutschland betroffen sein. Rock am Ring findet wie immer am Nürburgring in der Eifel statt, Rock im Park im Volkspark Dutzendteich bei Nürnberg. Das Magazin „Festival-Guide“ meint: „Monsterfettes Rockspektakel!“</p>
<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/05/66031AF1-9CFC-4A0D-86F2-E77BE72F98B5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3599" alt="66031AF1-9CFC-4A0D-86F2-E77BE72F98B5" src="/blogs/nummereins/files/2013/05/66031AF1-9CFC-4A0D-86F2-E77BE72F98B5.jpg" width="500" height="329" /></a></p>
<p>Wer noch nie mit dem Rock-am-Ringfieber oder mit einem anderen Musikfestival-Fieber infiziert war, muss sich das in etwa so vorstellen: Man teilt sich ein Dixiklo mit etwa 20000 Menschen. Man plant, sich drei Tage nicht zu waschen, und wenn man einmal das Waschbecken gesehen hat, das man mit 20000 Menschen teilen soll, weiß man auch wieso. Man stellt ferner irgendwo auf einem matschigen Acker ein Zelt auf, und beschließt, zwei Nächte lange unter keinen Umständen darin zu schlafen. Wenn man zwischenzeitlich doch mal für fünf Minuten einnickt, dann kommen garantiert ein paar nette Betrunkene vorbei und grölen „Drei Tage wach!!!“. Das Tagewerk besteht darin, von einer Bühne zur nächsten, von einem Kurzauftritt zum nächsten zu hetzen, bis man etwa 17 halbe Konzerte angesammelt hat. Dazwischen trinkt man abgestandenes Bier aus Plastikbechern und isst angebrannte Reispfannengerichte aus Kekstellern. Kann es etwas Schöneres geben?</p>
<p>Nun ja, um ehrlich zu sein, schon. Aber es ist allemal interessant, zu sehen, wie schnell sich der zivilisierte Mensch wieder an die Lebensbedingungen der Bronzezeit anpasst, wenn er zwei Tage auf solch einer Open-Air-Veranstaltung verbringt.</p>
<p>Jetzt beginnt also „Frischluft-Saison“, wie die Fachpresse mitteilt. Mehrere hundert solcher Festivals finden angeblich in den kommenden Wochen und Monaten auf deutschen Ackerböden, an deutschen Seeufern, in deutschen Stadtparks statt.  Sie tragen so schöne Namen wie Open Ohr, Oben Air, Krach am Bach, Rocken am Brocken, Deichbrand, Omas Teich oder Ruhr in Love, wobei letzteres nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der gefürchteten Amöbenruhr stehen muss. Jedenfalls nicht am ersten Tag.</p>
<p>Der Sänger Tom Angelripper von der Musikgruppe Sodom berichtet im mir vorliegenden „Festival-Guide“ von einer Begebenheit, die sich einmal beim Wacken zutrug, dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt in der Schleswig-Holsteinischen Provinz. Angelripper spielte mit Sodom im Anschluss an die Nudistinnen-Band Rockbitch. „Alles auf der Bühne war vollgepisst“, beklagt sich Angelripper, der in seiner Karriere als Knüppel-Metaller gewiss schon über so manche Schweinerei hinweggesehen hat.</p>
<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/05/D100E7E5-91F5-4523-885C-CCE0DF27EB71.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3601" alt="D100E7E5-91F5-4523-885C-CCE0DF27EB71" src="/blogs/nummereins/files/2013/05/D100E7E5-91F5-4523-885C-CCE0DF27EB71.jpg" width="500" height="451" /></a></p>
<p>Muss man Spießer sein, um sich lieber ein ganz normales Rockkonzert in einem ganz normalen Konzertsaal anzuschauen? Vor einigen Tagen wohnte ich in Berlin einem Auftritt der alten Grunge-Veteranen Mudhoney bei. Da war es auch schön laut und schmutzig, aber danach bin ich glücklich nach Hause gewankt und niemand hatte derweil meinen Campingkocher geklaut oder auf meine Isomatte uriniert. Hat schon was für sich. Andererseits will ich mir natürlich auch nicht nachsagen lassen, ich sei ein Ringfieber-Verächter. Vielleicht höre ich demnächst doch mal bei diesem Wagner rein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Fotos: dpa)</p>
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		<title>Die Nummer Eins im Mai: Freibadespaß</title>
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		<pubDate>Thu, 23 May 2013 07:06:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nataly Bleuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Besondere am Beruf des Reporters ist, dass man Dinge tut, auf die man eigentlich gerne verzichten würde. Zwischen die Fronten von Homs geraten, Menschen auf Müllhalden besuchen, sich durch Kilometer von Akten lesen, Chirurgen bei der Operation von Brandopfern zuschauen – und ins Freibad gehen. Wäre ich nicht Reporterin, ich wäre niemals baden gegangen. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/05/Frei2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3577" alt="Frei2" src="/blogs/nummereins/files/2013/05/Frei2.jpg" width="500" height="305" /></a></p>
<p>Das Besondere am Beruf des Reporters ist, dass man Dinge tut, auf die man eigentlich gerne verzichten würde. Zwischen die Fronten von Homs geraten, Menschen auf Müllhalden besuchen, sich durch Kilometer von Akten lesen, Chirurgen bei der Operation von Brandopfern zuschauen – und ins Freibad gehen. Wäre ich nicht Reporterin, ich wäre niemals baden gegangen. Nicht im Mai und schon gar nicht ins Freibad. Als ich meinen Sohn und seinen Freund die Badehosen einpacken hieß, jubilierten sie nicht. Sondern blickten mich erschrocken an. Als hätte ich ihnen befohlen, Waffen zu schultern. Nicht dass sie nicht gern ins Freibad gingen. Es erschien ihnen nur eigentümlich: 1. Es ist erst Mai. 2. Es ist nicht knallheiß. 3. Irgendwas stimmt nicht mit der Alten. In zehn Jahren Leben waren wir in unserer Stadt genau einmal im Hallenbad, und in eines der Freibäder gehe ich nur, wenn man außerhalb des Freibads an Hitzetod zu krepieren droht und es nicht mehr rechtzeitig an einen See schafft. Jetzt ist aber November im Mai, wie man gerade <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10201228879222455&amp;set=a.3110797807316.159894.1185480057&amp;type=1&amp;ref=nf">von Facebook</a> erfährt.</p>
<p>Vermutlich bin ich nicht die einzige freibadfeindliche Reporterin auf dieser Welt. So wäre zu erklären, warum man im Sommerloch immer Schauergeschichten aus unseren Freibädern zu hören bekommt. Über das Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg wurden beispielsweise derart hardcoremäßige Geschichten kolportiert – von sich kloppenden Gangs, Drogen hinter jedem Busch und ethnischen Säuberungen –, dass man als Unfreiwilliger die Kalaschnikow in die Badetasche packen möchte. Würde man am Eingang nicht auf Waffen abgetastet. &#8220;Das Prinzi&#8221; ist jetzt so berühmt, dass Touristen ehrfurchtsvoll darauf deuten.</p>
<p>Freibäder haben einen miserablen Ruf. Noch ärger steht es nur um Hallenbäder. Die von armen Städten nicht mehr beheizt oder gleich geschlossen werden müssen. Was vermutlich eine der Ursachen ist, weshalb immer weniger Kinder schwimmen lernen. Heute können nur noch sieben von zehn Kindern schwimmen, nicht mehr wie früher neun. Und auch meine Kinder haben je einen Winter lang gejammert, weil sie mit der Klasse wieder ins kalte Schwimmbad sollten. Glücklicherweise haben sie trotzdem schwimmen gelernt. (Im Meer.)</p>
<p>Und eigentlich haben auch Freibäder was für sich: politisch gesehen. Denn das Freibad ist – neben der U-Bahn – vielleicht der letzte Ort demokratischer Gleichzeitigkeit. Wo sonst liegen Snobs wie ich, die an ihrer mitgebrachten Rohkost nagen, einen Nachmittag lang neben Prolls, die sich so viel Pommes, Knacker, Chips und Drops rein schieben wie wir in vier Wochen nicht. Wir glotzen uns dann immer fasziniert an, von Handtuchinsel zu Handtuchinsel. Als wären wir aneinander vorbei ziehende Planeten. Aber in ein und derselben Ursuppe.</p>
<p>Insofern fand ich den Freibad-Auftrag interessant und dachte: Beschreibst du eben das Freibad als öffentliche Konfliktzone. Ansonsten sind meine Vorlieben ganz simpel: Ich liebe die Natur und möchte sie meinen kleinen Kindern nahe bringen. Und finde, Freibäder sind was für Jugendliche. Am Tag, bevor das Knutschen beginnt, den ersten Sommer lang. So, jetzt müsste unsere Freibad-Aktion dramaturgisch genug Fallhöhe bekommen haben: Freibad ist gleich Front.</p>
<p>Wir also mutig da hin. An einem mittelwarmen Maientag. Freibad gerade mal eröffnet. Und eben dies ist das Wundervolle am Reporterdasein – oder ganz einfach daran, Dinge zu tun, für die man sonst zu bequem oder zu dämlich wäre: Man lernt die Welt von einer anderen Seite kennen. Nicht die Müllhalde, keine Schwerverletzten. Sondern: fette Wiese, mit Gänseblümchen statt mit knackernagenden Walrössern übersät; gerechter Sand; gähnend leere Mülleimer; Kirschblüten, die wie Schnee durch die Luft schweben, fast hört man ihr Flattern. Das Freibad ist sogar ein See, mitten in der Stadt. Und das Wasser einwandfrei – wie 88 Prozent aller Gewässer in Deutschland, das hat gerade <a href="http://www.eea.europa.eu/themes/water/status-and-monitoring/state-of-bathing-water/state/state-of-bathing-water">eine Studie</a> bescheinigt. Wir sind fast allein und tauchen fast als Erste bis zum Solar Plexus ins Wasser hinein. Die schönsten Orte sind die antizyklischen. Man muss sich nur raus wagen. Am besten gleich nochmal, am Samstag abend, wenn alle Welt vor der Glotze klebt, um das Champions-League-Finale zu sehen. Wir haben schon mal unsere Handtücher platziert.</p>
<p><em>Foto: Nataly Bleuel</em></p>
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		<title>Die Nummer Eins der undankbaren Jobs: Zeitungsreporter</title>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 08:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Geahnt hatte ich es schon länger. Jetzt habe ich es endlich schriftlich: Ich bin das ärmste Schwein der Welt. Ich arbeite bei einer Zeitung. Sicher, es gibt noch andere ärmste Schweine. Alle meine Kollegen gehören zum Beispiel dazu. Ich bin, wenn man so will, auf einer ärmsten Schweinefarm beschäftigt. Aber das macht die Sache ja [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/05/zeitung.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3535" alt="zeitung" src="/blogs/nummereins/files/2013/05/zeitung.jpg" width="500" height="362" /></a></p>
<p>Geahnt hatte ich es schon länger. Jetzt habe ich es endlich schriftlich: Ich bin das ärmste Schwein der Welt.</p>
<p>Ich arbeite bei einer Zeitung.</p>
<p>Sicher, es gibt noch andere ärmste Schweine. Alle meine Kollegen gehören zum Beispiel dazu. Ich bin, wenn man so will, auf einer ärmsten Schweinefarm beschäftigt. Aber das macht die Sache ja nicht besser. Zum Trost treffe ich mich nach Feierabend manchmal mit befreundeten Journalisten von anderen ärmsten Schweinefarmen, um ein Bier zu trinken. Dann reden wir zunächst über die Schweinewelt im Allgemeinen, später über Aspekte der Schweinewelt im Besonderen und schließlich über die neusten Fußballergebnisse.</p>
<p>Unter den Programmpunkten eins und zwei ging es dieser Tage um eine Studie des Netzwerks &#8220;<a href="http://www.careercast.com/jobs-rated/best-worst-jobs-2013" target="_blank">CareerCast</a>&#8221; aus Amerika. Darin wurde ein Ranking der besten und schlechtesten Berufe der Welt erstellt. Auf dem ersten Platz landete: Versicherungsmathematiker. Letzter wurde: Zeitungsreporter.</p>
<p>Jemand von CareerCast teilte mit, der Job des Zeitungsreporters habe in den vergangenen fünf Jahren dramatisch an Anziehungskraft verloren. &#8220;Das hat mit dem großen Stress, dem Zeitdruck und der schlechten Bezahlung zu tun.&#8221; Das mit dem Zeitdruck ist wirklich ein Problem. Gegen 17 Uhr, wenn der Versicherungsmathematiker erst so richtig in die Gänge kommt, müssen wir Reporter schon wieder nach Hause, weil die Zeitung angedruckt wird.</p>
<p>Auch die ständige Anforderung, unter allen Bedingungen eine Story zu bekommen, wirke sich nachteilig auf das Gemüt des Journalisten aus, stellten die Wissenschaftler fest. Jetzt kann man natürlich einwenden: Wenn man versucht, eine Studie unter allen Bedingungen in die Zeitung zu bekommen, ist es nicht die schlechteste Idee, die Journalisten auf den letzten Platz zu setzen. Die berichten dann wenigstens darüber. Wären, nur so als Beispiel, die Holzfäller Letzter geworden, dann hätten sie ihr Leid einer alten Eiche da draußen im Mischwald klagen können. Ansonsten hätte von der Studie aber niemand etwas erfahren. Und gewiss hätten es nicht einmal die Eichen richtig verstanden, weil die Kettensägen der Holzfäller immer so laut sind.</p>
<p>Die Holzfäller sind Vorletzter geworden. Das verdunkelt die Zukunftsperspektiven meiner Zunft zusätzlich. Wenn es irgendwann keine Holzfäller mehr gibt, kann auch kein Papier mehr hergestellt werden. Dann gibt es bald auch keine Zeitungsreporter mehr.</p>
<p>Dann schreiben wir eben alle im Internet, sagen die Berufsoptimisten. Dabei muss man gar kein Versicherungsmathematiker sein, um zu ahnen, dass dem eine Fehlkalkulation zugrunde liegt. Die meisten Online-Kolumnisten leben derzeit davon, genüsslich über die alten Holzmedien zu lästern. Die könnten dann auch einpacken, wenn das Holzhandwerk zugrunde ginge.</p>
<p>Holzfäller und Journalisten aller Couleur sollten jetzt zusammenhalten. Vielleicht müssten wir uns auch mit den Bohrinselarbeitern, den Schauspielern sowie den Soldaten ohne Offiziersrang verbünden, die auf der Liste der 200 besten Jobs die Plätze 196 bis 198 belegen. Wenn die Bohrleute kein Öl mehr fördern, um das sich die Soldaten dann streiten können, dann gehen uns Zeitungsleuten wahrscheinlich irgendwann die Reportagethemen aus. Das wiederum wäre fatal für die Holzfäller. Nur gemeinsam, indem wir uns gegenseitig die Zukunftsperspektiven zuschustern, haben wir eine Chance, uns an den Tellerwäschern (Platz 187) den Disk-Jockeys (179) oder den Müllmännern (160) vorbei zu schieben. Bleibt die Frage, was wir in unserer Interessengruppe mit den Schauspielern anfangen sollen? Darauf gibt es keine schlüssige Antwort, aber irgendjemand muss ja den letzten Platz im Job-Ranking besetzen &#8211; und wenn es am Ende George Clooney trifft.</p>
<p>Wahrscheinlich sitzt Clooney genau so wie ich manchmal mit den Kollegen bei einem Feierabendbier zusammen und dann träumen alle davon, sie hätten etwas Ordentliches gelernt und wären Versicherungsmathematiker geworden. Mathe war schließlich schon in der Schule das Schönste (neben Nachsitzen und Vokabeltests). Außerdem hat man später dann ganz tolle Möglichkeiten, sich auf Krankenversicherungsmathematik, Rentenversicherungsmathematik oder Hausratsversicherungsmathematik zu spezialisieren. Versicherungsmathematiker sind Manager des Risikos. Ihre Jobs sind sicher, solange es Unsicherheiten in dieser Welt gibt. Das kann dem Vernehmen nach noch ein paar Jahre dauern.</p>
<p>Ich bin mir jetzt zum Beispiel auch nicht mehr ganz so sicher. Anlässlich des sogenannten &#8220;Tages der Arbeit&#8221;, der ja vor allem daran zu erkennen ist, dass fast niemand arbeitet, weder die Hausratsversicherungsmathematiker noch die Holzfäller,  fühlen sich wieder zahllose Menschen der Tradition verpflichtet, etwas Mai-Artiges zu unternehmen. Sie gehen hinaus, um sich gegenseitig Steine an den Kopf zu schmeißen oder mit dem Rad ziellos im Mischwald herumzufahren. Wir Zeitungsreporter sitzen dagegen gemütlich in unserer Redaktionsstube, am nächsten Tag muss ja eine Zeitung erscheinen, um dort über die armen Menschen zu schreiben, die Steine werfen oder im Wald herumradeln müssen. Das sind dann so Tage, an denen ich plötzlich ins Grübeln gerate, ob ich wirklich zu den ärmsten Schweinen der Welt gehöre.</p>
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		<title>Nummer Eins der Warenästhetik: Der Ballastbeutel</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 13:10:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nataly Bleuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwer hat mal behauptet, die It-Bag wurde erfunden, um die kapitalistische Warenproduktion am Laufen zu halten. Mithin die Gewinnmaximimierung. War es Marx? War es Wolfgang Fritz Haug? Egal, jedenfalls ist es natürlich totaler Quatsch. Die It-Bag wurde erfunden, um uns Frauen zu knechten. Das ist mir gestern klar geworden. Ich komme zum Yoga, es hängt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwer hat mal behauptet, die It-Bag wurde erfunden, um die kapitalistische Warenproduktion am Laufen zu halten. Mithin die Gewinnmaximimierung. War es Marx? War es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Warenästhetik">Wolfgang Fritz Haug</a>? Egal, jedenfalls ist es natürlich totaler Quatsch. Die It-Bag wurde erfunden, um uns Frauen zu knechten. Das ist mir gestern klar geworden.</p>
<p>Ich komme zum Yoga, es hängt mir die Matte samt Handtüchern in einer Riesentasche quer überm Rücken und ragt rechts und links, sagen wir, je 25 Zentimeter heraus. Von vorn könnte man meinen: Ein Weib mit einer Flinte. Oder: Diese Frau trägt schwer am Kreuz. Doch was sagt der Yoga-Lehrer: „Oh, neue Tasche?!“</p>
<p>In einem Mediävistik-Seminar hat mal eine Referentin behauptet, dass <a href="http://www.shoepassion.de/schuhwissen/mittelalter">Stöckelschuhe im Mittelalter</a> erfunden wurden. Man schnallte sich Holz-Trippen unter die Füße, damit beim Waten durch den Batz auf den Straßen das Leder nicht versaute. Und die Stelzen für die Frauen seien besonders hoch gewesen. Damit sie nicht davon laufen konnten. So wie man sie später in Korsettagen schnürte, damit sie bei jeder Gefühlswallung sofort in Ohnmacht fielen.</p>
<p>Ja gut, ich habe zu Zeiten studiert, als man noch die Kritik der Warenästhetik las und radikale feministische Ansichten hatte. Das prägt. Manche sogar ein Leben lang. Also denk&#8217; ich, gestern beim Yoga: Ach so! Die It-Bag wurde gar nicht erfunden, damit auch Paparazzi mit kurzen Objektiven aus weiter Entfernung erkennen: Da läuft die <a href="http://www.jadicted.com/2013/04/04/alexander-wang-welcome-back-it-bag/">It-Bag mit Ashley Olsen</a> durch die Gegend. Die It-Bag ist gar kein Status-Symbol! Die It-Bag ist auch gar nicht praktisch, weil so groß, dass man damit all seine Millionen in Offshore-Paradiese schleppen kann, plus Badehandtuch.</p>
<p>Nein! Die It-Bag ist dafür da, uns Frauen an der Leine zu halten. An der Leine das Kapitals. Und der Unfreiheit. Oder haben Sie schon mal versucht, mit Ihrer <a href="http://static1.businessinsider.com/image/506b43e1ecad042c42000004-2940-4536/chanel-hula-hoop-bag.jpg?maxX=915&amp;maxY=1410">Hula-Hoop-Tasche von Karl von Chanel</a> locker flockig zu türmen?</p>
<p>Doch es sind Anzeichen von Emanzipation zu erkennen:</p>
<p>1. Wir haben die Wahl: Es gibt mittlerweile nicht mehr nur eine, sondern mehrere <a href="http://www.fashionologie.com/Best-Bags-Spring-2013-Pictures-29027168">It-Bags pro Saison</a>.</p>
<p>2. Einige It-Bags sind jetzt so klein, dass sie nicht mehr den Eindruck erwecken, da stelze ein Ballastbeutel mit Beinen über das Pflaster der Großstadt oder den Sand von Saint-Barthes.</p>
<p>3. Es gibt immer mehr <a href="http://www.manrepeller.com/2013/03/where-do-it-bags-go-to-die.html">Tüten</a>. Und sogar welche <a href="http://www.toxel.com/wp-content/uploads/2009/04/bagads14.jpg">zum Festhalten</a>.</p>
<p>4. In dem angeblich coolsten aller Clubs der Welt, im Berghain, sieht man seit geraumer Zeit Frauen mit Stoffbeuteln über dem Arm. Sogar Kylie Minogue trägt einen. Okay, von Yves Saint Laurent für 180 Euro.</p>
<p>Aber immerhin. Es wird. Wir kriegen ja jetzt, also bald, vielleicht 2040, eine Frauen-Quote. Für Frauen in Positionen, in denen man sich It-Bags leisten kann. Nur eine Sache irritiert mich: Warum tragen all die It-Girls mit den Jutebeuteln einen Dutt auf dem Kopf? Sind sie geklont? Fern gesteuert? Und von wem: dem Patriarchat oder dem Turbo-Kapitalismus?</p>
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		<title>Die Nummer Eins der Geschmacklosigkeit: Die Tomate</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Apr 2013 13:40:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Den Roten, auch von dieser Stelle, herzlichen Glückwunsch zur deutschen Meisterschaft! Der Sieg ist vielleicht nicht überraschend, aber dafür überraschend deutlich. So weit wie jetzt hat der Rekordmeister die Konkurrenz schon lange nicht mehr distanziert. Hier also die frisch veröffentlichte  Abschlusstabelle der zurückliegenden Gemüsesaison. Laut der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft in Bonn kaufte jeder deutsche Haushalt im Schnitt: [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/04/598ACA6F-DA17-4630-8B87-775800729337.jpg"><img title="598ACA6F-DA17-4630-8B87-775800729337" alt="" src="/blogs/nummereins/files/2013/04/598ACA6F-DA17-4630-8B87-775800729337.jpg" width="500" height="333" /></a></p>
<p>Den Roten, auch von dieser Stelle, herzlichen Glückwunsch zur deutschen Meisterschaft! Der Sieg ist vielleicht nicht überraschend, aber dafür überraschend deutlich. So weit wie jetzt hat der Rekordmeister die Konkurrenz schon lange nicht mehr distanziert. Hier also die frisch veröffentlichte  Abschlusstabelle der zurückliegenden Gemüsesaison.</p>
<p>Laut der <a href="http://www.ami-informiert.de/" target="_blank">Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft</a> in Bonn kaufte jeder deutsche Haushalt im Schnitt:</p>
<p>1.   Tomaten: 11,3 kg</p>
<p>2.   Karotten: 8,4 kg</p>
<p>3.   Zwiebeln: 7,3 kg</p>
<p>4.   Salatgurken: 7,1 kg</p>
<p>5.   Paprika: 5,6 kg</p>
<p>6.   Eisbergsalat: 3 kg (die Plastikfolie nicht mitgerechnet)</p>
<p>Platz 7 teilen sich Blumenkohl und Spargel mit jeweils 2,3 kg (sie müssen vermutlich in die Relegation). Für den Lauch (1,6 kg) und die Zucchini (1,4) wird es dagegen schwer, die Lizenz zur nächsten Erstligasaison zu erhalten.</p>
<p>2011 gewann übrigens: die Tomate. 2010 ebenfalls. Genau so wie in allen anderen Jahren seit 2000. Seither ist der Pro-Kopf -Verbrauch um rund 600 Gramm gestiegen. Wir leben im Jahrtausend der Tomaten-Dominanz. Der FC Bayern München, seines Zeichens Rekordmeister im Fußball, ist verglichen mit diesem Gemüse ein kleiner Fisch.</p>
<p>Warum die Deutschen so viele Tomaten essen, erschließt sich wohl nur denjenigen, die noch nie eine probiert haben. Eine Karotte kann kräftig, süßlich, nussig, erdig, zartbitter oder muffig schmecken. Hierzulande handelsübliche Tomaten schmecken dagegen immer gleich (die besser schmeckenden alten Sorten sind mengenmäßig zu vernachlässigen). Ich will nicht sagen, dass sie nach nichts schmecken. Denn das wäre übertrieben. Sie schmecken nach absolut, definitiv wirklich überhaupt gar nichts.</p>
<p>Die allseits beliebte Ernährungsindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten keine Mühen gescheut, der Tomate die letzte Spur Tomatenhaftigkeit auszutreiben. Sie züchtete pralle, rote Kugeln, eine schöner als die andere. Und unkompliziert für Transport und Geldbeutel. Den Deutschen schmeckt es jedenfalls, wenn es neutral schmeckt. 11,3 Kilogramm Wasserbällchen pro Haushalt muss man erst einmal schaffen.</p>
<p>Deutschland scheint aber nicht nur voller Tomatenesser zu sein, sondern auch voller Tomatenexperten, Tomatenlobbyisten und Tomatenfans. Wer der Erfolgsspur dieser Gemüsefrucht (sie entsteht aus der Blüte und wird deshalb von einigen Fachmännern den Obstsorten zugeteilt, während andere Tomaten-Koryphäen argumentieren, sie gehöre, obschon sie Frucht und Samen beinhalte, als Nachtschattengewächs, das weder Baum noch Strauch sei, eben doch zum Gemüse), wer also dieser Erfolgsspur auch nur für einen Moment ins Internet folgt, der wird schnell feststellen: Es gibt inzwischen mehr Tomaten-Foren als Piraten-Wähler. Vor allem ist dort die Stimmung besser. Man liest spannende Abenteuer von der „weitgereisten Aztekenfrucht“, erfährt viel Wissenswertes über „die rote Vitamin-Bombe“ und stößt gelegentlich gar auf Wildromantisches im Zusammenhang mit dem sogenannten „Liebesapfel“. Etwa das hier: „Rote Nägel und Nudeln mit Tomatensauce – dann wird jeder Sommerflirt ein Erfolg!“</p>
<p>Wer keinen Internetanschluss hat und trotzdem glücklich werden will, der kann auch 0201-8945889-0 wählen. Das ist der Anschluss vom „Informationsbüro Tomate“, das übrigens nur rein zufällig in Essen sitzt. Dort nimmt eine wirklich sehr nette junge Dame den Hörer ab und verweist zunächst einmal, alle Tomateninformationen betreffend, auf die hauseigene Webseite <a href="www.my-tomato.info" target="_blank">www.my-tomato.info</a>.</p>
<p>Jetzt weiß ich endlich, wie naiv es war, die Tomate auf das gängige Klischee zu reduzieren, sie sei vor allem ein Nahrungsmittel. Denn: „Die MyTomato-Community ist Kernstück der Erlebniswelt rund um die Tomate.“ Es gibt in dieser Welt Tomaten-Fitness-Tests, Tomaten-Flash-Mobs, Tomaten-Radtouren, Tomaten-Stadtläufe. Und wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der FC Bayern seine Kunstlederbälle durch Fleischtomaten ersetzt.</p>
<p>Die wirklich sehr nette Tomatenfrau sagt, das „Infomationsbüro Tomate“ sei eine von der EU geförderte Initiative, um den Verzehr von Tomaten spürbar zu fördern. Aber ist das denn notwendig? Die Möhrchen und Zwiebelchen können doch ohnehin nicht mithalten! „Wir schauen nur auf uns“, wendet die Tomatenfrau ein. Die Bevölkerung gehe langfristig zurück. Der Absatz solle trotzdem stabil bleiben. Immer weniger Deutschen müssen also auf Geheiß der EU immer mehr Wasserbällchen essen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wofür sich Europa so alles engagiert.</p>
<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/04/B79E3248-5B67-43EE-B66D-7DCC953BD3DC.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-3491" title="Tomatenparadies am Neusiedlersee" alt="" src="/blogs/nummereins/files/2013/04/B79E3248-5B67-43EE-B66D-7DCC953BD3DC-1024x768.jpg" width="1024" height="768" /></a></p>
<p>Gibt es auch ein Informationsbüro Salatgurke? Und wenn nicht, erklärt das vielleicht, weshalb die Gurke im Vergleich zu den Vorjahren im Gemüse-Ranking von drei auf vier abrutschte? Sind Tränen geflossen, als die Zwiebel an ihr vorbeizog?  Und wer kümmert sich bei der EU eigentlich um die Kartoffel-Kultur?</p>
<p>Jeder Deutsche verspeist durchschnittlich knapp 60 Kilo Kartoffeln pro Jahr. In den Gemüse-Charts tauchen die aber nicht auf. Es sollte niemanden wundern, wenn sich das demnächst zu einem großen Potato-Leaks-Skandal auswächst. Die Tomaten-Lobby in Essen gibt sich an dieser Stelle leider schweigsam wie Wurzelgemüse. Die unparteiische Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft in Bonn teilt auf Anfrage immerhin mit: „Kartoffen werden extra erfasst. Das war schon immer so.“</p>
<p>In der alternativen Gemüse-Meisterschaft, in der nur die Kartoffel mitspielt, hat übrigens auch in der zurückliegenden Kartoffel-Saison wieder die Kartoffel gewonnen.</p>
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		<title>Nummer Eins der Lebensgefahren: Ostern</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 10:01:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nataly Bleuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Frohe Ostern und gute Fahrt! (Foto: dpa) Vor einem Jahr, am 29. März 2012, habe ich zum letzten Mal in unserem Auto gesessen. Dann kam es unter die Räder. Auf dem Weg in die Osterferien. Und mit ihm meine Familie. Das Auto hatte einen Totalschaden und mein Kind auch, an seinen sieben Schädelbrüchen wäre es [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/03/Stau1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3467" src="/blogs/nummereins/files/2013/03/Stau1.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a><em>Frohe Ostern und gute Fahrt! (Foto: dpa)</em></p>
<p>Vor einem Jahr, am 29. März 2012, habe ich zum letzten Mal in unserem Auto gesessen. Dann kam es unter die Räder. Auf dem Weg in die Osterferien. Und mit ihm meine Familie. Das Auto hatte einen Totalschaden und mein Kind auch, an seinen sieben Schädelbrüchen wäre es beinahe gestorben. Seither haben wir kein Auto mehr.</p>
<p>Es gibt, das habe ich beobachtet, zwei Sorten von Menschen: für die einen ist das Auto „Freiheit“, für die anderen Ballast. Dass ich schon immer zur zweiten Gruppe tendierte, erkennt man nicht nur an den Anführungszeichen. Sondern auch daran, dass ich mich jetzt ohne Auto befreit fühle. Erleichtert, erlöst.</p>
<p>Wenn man zwei kleine Kinder bekommt, glaubt man, ohne Auto könne man das alles nicht wuppen. Die Kinder kriegen auch noch zwei Gefährte, die so groß sind, dass man glaubt, unbedingt ein Auto zu brauchen, das einen sehr großen Kofferraum hat und überhaupt: „groß genug“ ist. Im Verhältnis zu Autos, die Familien früher gefahren sind. Manchmal fragte ich mich: Wie haben die Menschen das früher geschafft, in den Urlaub zu fahren, mit zwei Kindern und Buggys und Gepäck? Meine Eltern zum Beispiel, die ihren Renault 16 für ein stattliches Gefährt hielten. Auf das wir heute hinunter spucken würden. Aus unseren PlayBigs &#8211; im Vergleich zu PlayMobils. Aber ich hatte mich daran gewöhnt. Und wenn das Auto mal streikte, wurde ich panisch. Weil&#8230; das geht doch nicht: mit Kindern in die U-Bahn, was ist mit den Einkäufen und wie kommen wir mit all dem Gepäck in die Osterferien?</p>
<p>Es geht. Ganz einfach. Wir leben mitten in der Stadt. In unserem Kiez kann man alles einkaufen. Große Dinge lassen wir uns liefern. Manchmal fahren wir Taxi. Und ich habe &#8211; zu meiner eigenen Überraschung &#8211; kapiert: Ein Bus fährt sogar in das Bergdorf, in dem wir Urlaub machen. Und: Die Fahrten dauern noch nicht mal länger als mit dem Auto. Nur dass es keinen Stau gibt. Zeit zum Lesen. Und ein wunderbares Gefühl von Sicherheit. Das ich nie hatte, wenn ich meine beiden Kinder auf ihren Rücksitzen angegurtet hatte und los fuhr, um über die Autobahn zu brettern, möglichst schnell, damit wir es hinter uns haben.</p>
<p>In unserem Viertel gibt es zwei Car-Sharing-Posten und in der ganzen Stadt Tausch-Autos. Der Gedanke an diese Option hat uns den durch den Schock gedämpften Entzug erleichtert. Vor allem meinem Freund, der zur ersten Kategorie von Menschen gehört: Sein Vater ist Auto-Bauer und glaubt, ein Mensch ohne Auto sei wie ein Fisch ohne Flossen. Den Clou kann ich mir nicht verkneifen: Mein Freund fährt jetzt Fahrrad. Und wir sind nicht mal Mitglieder eines Auto-Tauschrings geworden.</p>
<p>[werbung]</p>
<p>Was ich sagen will: Es lässt sich auch ohne Auto leben. Als Familie. Und sogar sehr gut. Das wollte ich schon lange aufschreiben. Nur es mochte keiner drucken. Ich bin kein ambitionierter Verschwörungstheoretiker. Aber all die Magazine, für die ich schreibe, leben von Anzeigen. Und wenn es die von &#8220;familienfreundlichen&#8221; Autoherstellern sind. Die Sicherheit versprechen. Und mittlerweile das Auto auch als Social Medium positionieren, zum Tausch, Auto 2.0.</p>
<p>Am Ostersonntag vor einem Jahr stand mein Kind nach vier Tagen Koma und zehn Tagen Bett zum ersten Mal auf und lief von der Intensivstation über den Flur zum Kreißsaal. Meine Freundin bezeichnete diesen Gang als eine <a href="http://www.reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Reporterpreis_2012/Reader%20freie.pdf">wunderbare Auferstehung</a>. An jenen Gang denke ich in diesen Tagen natürlich besonders häufig, und an unsere letzte Fahrt. Auch weil mich die Staumelder-App, die ich immer noch auf meinem Handy habe wie ein memento mori, daran erinnert: dass der Karfreitag einer der Tage mit den meisten und längsten Staus auf den Autobahnen ist. Dieses Jahr fällt der Karfreitag auf den 29. März.</p>
<p>Das Auto mit meiner Familie drin stand als letztes im Stau. Da raste einer hinein. Dessen Auto war noch größer und stärker als unseres.</p>
<p>Ich wünsche allen eine gute Fahrt, kommen Sie gesund an Ihr Ziel – und vielleicht treffen wir uns mal in Bahn, Bus oder Tram.</p>
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		<title>Nummer Eins der Publikums-Gunst: Hitler als Witzfigur</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 13:17:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nataly Bleuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Timur Vermes schrieb den Überraschungserfolg &#8220;Er ist wieder da&#8221;. (Foto: Miss Behaviour) Seit Monaten steht eine Hitler-Satire weit oben in den Bestsellerlisten und das ist natürlich toll: dass die Deutschen Gefallen am Lachen finden. An Ironie und Satire. Wie immer und überall lässt sich über Humor nicht streiten. Der eine hat ihn, der andere nicht, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/blogs/nummereins/files/2013/03/Vermes1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3457" src="/blogs/nummereins/files/2013/03/Vermes1.jpg" alt="" width="500" height="305" /></a><em>Timur Vermes schrieb den Überraschungserfolg &#8220;Er ist wieder da&#8221;. (Foto: Miss Behaviour)</em></p>
<p>Seit Monaten steht eine Hitler-Satire weit oben in den Bestsellerlisten und das ist natürlich toll: dass die Deutschen Gefallen am Lachen finden. An Ironie und Satire. Wie immer und überall lässt sich über Humor nicht streiten. Der eine hat ihn, der andere nicht, selten haben zwei den gleichen, wenn er überhaupt als solcher verstanden wird.</p>
<p>Wie Hitler im Berlin des Jahres 2012 erwacht, das hat Timur Vermes in <em>Er ist wieder da</em> sehr ausgiebig zusammen fabuliert. Und mit großem Erfolg. 400.000 Mal hat sich as Buch mittlerweile verkauft. Das Hörbuch mit der hitlernden Stimme von Christoph Maria Herbst steht immer noch auf Platz 1 der Hörbuch- Listen. Und gerade wird der Text in 28 Sprachen übersetzt. Das ist gar nicht so einfach. Nicht weil der Text lang ist und über weite Strecken im hitlerschen Jargon verschwurbelt und etwas selbstverliebt und auf den Witz hin nicht immer à point. Sondern auch, weil sich für Übersetzer typische Schwierigkeiten auftun: Wie übersetzt man Ironie in eine andere Sprache, besonders wenn sie durch Wortspiele entsteht, also durch Mehrdeutigkeiten? Und wie übersetzt man Jargons, in diesem Fall: Kreuzberger Jugendjargon, aber auch die Begriffe der Nazis?</p>
<p>Claus Sprick kennt sich mit diesen Problemen aus, er ist Richter und Übersetzer und Sinn für Humor hat er auch, nicht nur, weil er Asterix ins Rheinische übertragen hat. Er hat auch das Treffen der Übersetzer mit ihrem deutschen Autor geleitet, im Übersetzer-Kollegium in Straelen. Da waren vor Timur Vermes schon Günter Grass, Eugen Ruge oder Juli Zeh, um mit ihren Übersetzern heikle Stellen zu besprechen. Und die Hitler-Parodie, sagt Sprick, sei besonders heikel, denn: „Wenn die Satire in den Übersetzungen nicht deutlich wird, dann kann das unserem Ansehen im Ausland schaden.“ Also ging die Runde Seite für Seite des Textes durch, auf der Suche nach Übersetzungs-Problemen.</p>
<p>Hitler sitzt vor seinem Fernseh-Auftritt in der Maske und es fällt der Satz: „Haben Sie da nicht ein bisschen dick aufgetragen?“ Dieses ambivalente Bild, sagt Sprick, lasse sich überraschenderweise in fast alle Sprachen übertragen. Schwieriger: Hitler ist auf dem Oktoberfest und es wird ihm ein Dirndl-Dékolletée hingehalten „wie ein Klingelbeutel“. Den gibt es in der chinesischen Kirche nicht, weil es die Kirche da ja traditionell nicht gibt und also auch nicht das Ding, das dem Mann da hingehalten wird. Als ob die Frauen, die ein Dirndl ausfüllen, gern hätten, dass man da einen Obolus rein wirft, auf dass die Glocken klingeln. Aber egal, auch wenn das Bild ein bisschen na ja ist: Im Chinesischen <em>Er ist wieder da</em> muss ein anderes gefunden werden. Gleiches gilt für den „Volksgenossen“ im Italienischen. Der Genosse &#8220;del popolo&#8221; hat da einen kommunistischen Anklang. Noch immer. Nicht wie im Deutschen, wo der sozialistische Kamerad von den Nazis verunglimpft wurde. Also haben sie einen „Blutsgenossen“ im Italienischen aus ihm gemacht, sagt Sprick. Und auch für viele andere Begriffe aus jener verheerenden Zeit vor 70 Jahren. Wie beispielsweise die „Fliegenden Festungen“ (damals: Bomber der US-Luftwaffe) oder den „Pimpf“ (heute: „Alter, yo“). Für diese heiklen Feinheiten nutzten die Übersetzer ein für sie zusammen gestelltes Glossar gebräuchlicher Wörter des NS-Deutschen. Das leider offiziell vergriffen ist.</p>
<p>Über all solche Verständnis- und Übersetzungprobleme ließe sich weiter debattieren. Und auch über den Fakt, dass wir 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs manche seiner Begriffe oft selbst nicht mehr kennen und verstehen. Aber dennoch großen Spaß an Hitler-Satiren haben. Und dann sendet das deutsche Fernsehen einen Film über den Krieg Hitlers und der Deutschen. Und das ist so entsetzlich, so grausam und gut dargestellt, dass man denkt: Vielleicht sollte man das mit dem Spaß an Hitler doch relativieren. So fern ist die &#8220;Er-ist-wieder-da&#8221;-Witzfigur von dem, was sie verursacht hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Nummer eins der Fußballkneipen: die Zockerbude</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 13:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Boris Herrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Aha, jetzt gibt es also auch schon Türsteher vor Fußballkneipen. „Is‘ voll“, sagt der große Dicke vor einem Etablissement namens „Fairplay Saloon“. Und er sagt es in einem Tonfall, der ahnen lässt: Selbst wenn sich da drinnen eventuell doch noch ein kleines Stehplätzchen finden würde, Argumente helfen DIR hier draußen vor der Tür bestimmt nicht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aha, jetzt gibt es also auch schon Türsteher vor Fußballkneipen. „Is‘ voll“, sagt der große Dicke vor einem Etablissement namens „Fairplay Saloon“. Und er sagt es in einem Tonfall, der ahnen lässt: Selbst wenn sich da drinnen eventuell doch noch ein kleines Stehplätzchen finden würde, Argumente helfen DIR hier draußen vor der Tür bestimmt nicht weiter.</p>
<p>Nächste Kneipe, ähnliches Problem. Dabei sind wir an diesem Abend in München unterwegs, und es spielt doch nur Dortmund! Diesmal ist gar kein Portier nötig, um uns mitzuteilen, dass wir nicht erwünscht sind. Diesmal werden wir von den Gästen rausgeschmissen, die vor uns da waren. „Ihr Kasper wollt aber nicht hier stehen bleiben, oder? Also hier ist wirklich ganz schlecht.“</p>
<p>Angeblich schrumpft ja die Bevölkerung in Deutschland. Wenn man aber all jene sucht, die noch da sind, dann muss man wohl dienstags, wenn Champions League läuft, eine dieser Bars mit Sky-Anschluss aufsuchen. Dienstags abends geht es in München-Schwabing so zu wie in Berlin-Kreuzberg, in Köln-Ehrenfeld oder im Hamburger Schanzenviertel. Vor den Großleinwänden der Republik tobt mittlerweile ein knallharter Verdrängungskampf. Wenn man sich, sagen wir, für die Übertragung der Partie Borussia Dortmund gegen Schachtjor Donezk interessiert, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man kommt mindestens eine Stunde vor dem Anpfiff und markiert seinen Platz wie ein Mallorca-Urlauber. Oder man wartet bis am Tag darauf Paris gegen Valencia kickt. Das kommt im ZDF. Da kann man dann ohne Manndeckung zu Hause vor dem Fernseher einschlafen.</p>
<p>Öffentlich Fußball gucken wird dagegen mehr und mehr zum Ärgernis. Am schlimmsten ist es eigentlich dann, wenn es ausnahmsweise doch gelingt, die strenge Türpolitik der Fußballkneipen zu überwinden. Seit es im Netz die schlauen Taktik-Seiten wie <em>spielverlagerung.de</em> gibt, sitzen in den Kneipen leider sehr viele Taktik-Schlaumeier, die 90 Minuten ungefragt referieren, weshalb die gewohnte Fluidität des FC Barcelona im Spiel gegen Milan aufgrund der leicht zu übergebenden situativen Manndeckungen des Gegners und dessen flexibler 4-5-1 Taktik gar keine Chance hatte, gewohnt fluide zu sein.</p>
<p>Und rauchen darf man auch nicht mehr.</p>
<p>Wir sind aus der Not heraus bei „Wetten 3000“ gelandet. Ich war eigentlich nie so der Zocker. Jetzt hoffe ich, dass ich es nicht werde. Die Sache ist nämlich die, dass man nirgendwo besser und bequemer ein Champions-League-Spiel verfolgen kann als in diesen düsteren, zugequalmten Zockerbuden.</p>
<p>Bei „Wetten 3000“ gibt es zwar kein Bier, dafür kostet die Apfelschorle nur einen Euro. Platz ist auch reichlich. Und himmlische Fußballruhe. An diesem Abend sind außer uns nur fünf Gäste da, von denen vier kein einziges Wort sagen werden. Wir entscheiden uns für eine Polstergruppe, von der aus man drei Bildschirme mit Dortmund gegen Donezk sowie zwei weitere mit ManU gegen Real einsehen kann. Und dann sind da noch ja vier weitere Screens mit den Quoten der zweiten englischen Liga. Die sind eigentlich am interessantesten.</p>
<p>Der fünfte Mann (der, der sprechen kann) sagt: „Wenn jetzt Huddersfield noch zwei Buden macht, dann gibt’s richtig Asche.“</p>
<p>Das mit den Wettkursen ist ziemlich komplex. Aber soviel versteht auch der Laie: Ein Sieg von Huddersfield gegen Middlesborough bringt eine Quote von 70 zu 1. Es läuft gerade die 83 Minute, Middlesborough führt 1:0. Ist das die Chance des Lebens? Oder zumindest eine gute Gelegenheit für eine neue Einbauküche? Soll man mitgehen? Seine Zukunft in die Hände der Sturmreihe von Huddersfield legen? Und vor allem: Sind die Verteidiger von Middlesborough überhaupt bestechlich?</p>
<p>Der fünfte Mann (der, der sprechen kann) sagt: „Und wenn dann noch Leicester trifft, dann gibt’s erst recht Asche.“</p>
<p>Wir entscheiden uns, darauf zu wetten, dass in Dortmund kein Tor mehr fällt. Ganz sichere Kiste. In Dortmund bricht gleich die Nachspielzeit an.</p>
<p>Huddersfield hat sein Spiel dann natürlich noch umgebogen. Und auch Leicester hat noch getroffen. Der fünfte Mann geht mit 25 000 Euro nach Hause.</p>
<p>Unser Dortmund-Tipp bringt 14,50 Euro. Für zehn Euro Einsatz. Abzüglich der beiden Apfelschorle und der fälligen Wettsteuer von 48 Cent, bleiben immerhin noch 2,02 Euro von diesem wunderbaren Champions-League-Abend übrig.</p>
<p>Wann hätte man je etwas Vergleichbares in einer herkömmlichen Fußballkneipe erlebt?</p>
<p>Dank des übersichtlichen Getränkeangebots ist man am nächsten Tag nicht verkatert und irgendwie ist es auch ein verdammt gutes Gefühl, dass jetzt eines dieser üblen Wett-Syndikate in Südostasien um 2,02 Euro ärmer ist.</p>
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