Anzeige

Fluchtachterl

Österreichblog von Wolfgang Luef

Fluchtachterl  3 Kommentare

Ein Denkmal für Jörg

Museum, Brücke, Gedächtniskapelle: Seit Jörg Haiders Tod hat man in Kärnten allerhand Huldigungen für ihn veranstaltet. Nun wollen ihm seine Parteifreunde ein Denkmal setzen. Und ein skurriler Konflikt geht in die nächste Runde.

Von Wolfgang Luef

Die Fans von Jörg Haider haben noch nicht genug. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass der umstrittene Politiker (Foto:Reuters) mit seinem VW Phaeton in den Tod fuhr, und seitdem hat man in Kärnten allerhand Huldigungen für ihn veranstaltet: Da gibt es die nach ihm benannte Jörg-Haider-Brücke über die Drau, die zu seinen Ehren aufgestellte Jörg-Haider-Kapelle an seinem Unglücksort (mit eigens gebautem Parkplatz), es gab Gedenkwanderungen in den Wallfahrtsort Mariazell, und eine monatelang laufende Ausstellung zu seinen Ehren in einem ehemaligen Nazi-Stollen. Zu der kamen zwar nicht, wie erwartet, 70.000 Menschen sondern nur 11.500, doch seine Verehrer und Nachfolger verkaufen sie dennoch konsequent als großen Erfolg.

Anzeige

Es ist ein  skurriler Konflikt, der sich durch alle Haider-Gedenk-Debatten der letzten zwei Jahre zieht: Da sind die einen, für die kein schlechtes Wort über den Toten gesagt werden darf, die ihn fast messianisch zum Kärntner Heiligen verklären. Und dann gibt es jene, die Jörg Haider als krawalligen, immer wieder ausländerfeindlichen, latent antisemitischen Populisten in Erinnerung haben, der keinen Tabubruch scheut. Außerhalb Kärntens stellt die zweite Fraktion die Mehrheit.

Haider-Ausstellung im ehemaligen Nazi-Stollen: Seine Ehefrau und ein Parteifreund betrachten sein Schaukelpferd (Foto:Reuters)

Das Jörg-Haider-Gedenk-Marterl am Ort seines Unfalls (Foto: K. Riegel)

Der jüngste Schauplatz dieses Streits ist die kleine Gemeinde Gurk in Kärnten, die – nach dem Willen der Landesregierung – mit einem Jörg-Haider-Denkmal ausgestattet werden soll. „Verbindende Hände“ heißt das Kunstwerk eines anonymen Urhebers. Bislang war das Teil in Klagenfurt zu sehen – vor eben jenem  unterirdischen „Bergbaumuseum“, in dem auch Haiders Huldigungs-Ausstellung gezeigt wurde.

Es besteht aus zwei hohen Granitblöcken, zwischen denen sich insgesamt 16 Hände aus Kupfer gegenseitig schütteln, als „Symbol für die Toleranz und Menschlichkeit“, die Haider ausgezeichnet hätte, sagen seine Verehrer. (Hier einige Bilder davon.) Das Denkmal soll direkt vor dem weithin bekannten Gurker Dom aufgestellt werden, und damit ganz in der Nähe des Grabes der Kärntner Schutzheiligen Hemma von Gurk. Am Tag vor Haiders Geburtstag, dem 25. Januar, soll das Monument feierlich eröffnet werden. Im vergangenen Jahr hat der Landeshauptmann Gerhard Dörfler zu diesem Datum die Jörg-Haider-Brücke eingeweiht. Der zweite große Befürworter des Hände-Denkmals heißt Siegfried Kampl, er ist Bürgermeister von Gurk und ist in seiner politischen Karriere nicht nur durch merkwürdige Äußerungen über Wehrmachtsdeserteure („zum Teil Kameradenmörder“) aufgefallen, sondern ist auch auf dem wohl berühmtesten Foto Jörg Haiders zu sehen – auf jenem Parteitag des Jahres 1986, auf dem sich Haider an die Parteispitze der FPÖ putschte. Kampl ist der linke Schulterträger.

Einen sehr leisen, diplomatischen Protest gegen das Gurker Denkmal hat der zuständige Bischof Alois Schwarz angebracht: Der Blick auf den Dom möge doch bitte möglichst frei bleiben, sagte er, und zweifelte daran, dass Haider selbst diese Art der Huldigung gewollt hätte. Mehr brauchten die Vertreter der Regierung nicht: Angesichts solcher Wortmeldungen sei es doch kein Wunder, dass so viele Kärntner aus der Kirche austreten würden. Und als Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner (mittlerweile in einer anderen Partei als die meisten anderen Haider-Nachfolger) anmerkte, dass die Landeshauptstadt Klagenfurt für so ein Denkmal vielleicht besser geeignet sei, richtete man ihr aus, sie solle nicht „herumphilosophieren“, sondern lieber leise sein.

Die bedeutendste Frage in diesem Konflikt ist am Mittwoch in einer Presseaussendung gestellt worden: Haben wir denn keine anderen Sorgen? Es sind nicht die Gegner des Haider-Denkmals, die sie stellen, sondern seine Verehrer aus der Partei FPK (eine Abspaltung des BZÖ, das wiederum eine Abspaltung der FPÖ ist), die partout nicht verstehen wollen, wie sich jemand an diesem Denkmal an derart exaltierter Stelle stören kann. Das Teil werde eingeweiht, ein paar Zeitungskommentatoren würden wie immer spötteln, dann werde wieder Ruhe einkehren. Bis zum nächsten 25. Januar.

Kommentare

  • Chr. Sandhofer

    Der Verfasser hat sich mit dem Artikel aber wenig Mühe für einen sachlich fundierten Beitrag gemacht. Die Länge dessen wertet die Qualität des Beitrages nachweisbar noch lange nicht auf.

  • G. Spliedt

    Zu glauben ist es ja nicht, dass dieser rechtsextreme, populistische Polit-Ganove, der sich ja so geschmackssicher besoffen zu Tode gerast hat über solch eine große Fan-Gemeinde in Kärnten verfügt. Als Christ sollte man um Vergebung für diese geistig verwirrten Menschen beten und hoffen, dass ihnen irgendwann die Erkenntnis kommt wen sie da “ehren”. Passend und stilvoll finde ich die Haider-Ausstellung im Nazi-Stollen, dass hätte sich kein Satiriker besser einfallen lassen können. Respekt.

  • F. Eichhorn

    Psychodelisch.

    Die reichsdeutsche Guttenberg-Verehrung hat vergleichsweise reichlich Luft nach oben.