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Fluchtachterl

Österreichblog von Wolfgang Luef

Fluchtachterl  2 Kommentare

So schlagen wir Lena nie

Österreich wünscht sich beim Eurovision-Song Contest ein Musik-Cordoba gegen Lena Meyer-Landrut. Daraus wird wohl nichts.

Von Wolfgang Luef

Das Wichtigste vorweg: Der Deutsche ist aus dem Rennen. Es wäre ja auch einigermaßen absurd gewesen, wenn ausgerechnet ein Piefke Österreich beim Eurovision-Songcontest in Düsseldorf vertreten hätte. Aber die Vorstellung, dass Österreich Lena sozusagen mit den eigenen Waffen schlägt, war irgendwie auch charmant. Und manche haben den Deutsch-Amerikaner Freddy Sahin-Scholl schon als Favoriten für die österreichische Vorentscheidung gesehen. Eine Boulevardzeitung fantasierte gar einem möglichen „Musik-Cordoba“, das Sahin-Scholl ermöglichen sollte. (Cordoba ist eine Stadt in Argentinien, vor allem aber in Österreich ein Chiffre für einen Triumph über die Deutschen, also quasi das Gegenteil von Königgrätz - dazu ein andernmal mehr.) Nun ist der Sänger, bekannt aus der Dieter-Bohlen-Show „Das Supertalent“, aber schon in der Vorentscheidung gescheitert. Er hat es nicht unter jene Top 10 geschafft, die Ende Februar in Fernsehshows gegeneinander antreten sollen. Das Publikum wählte ihn gar nur auf Platz 24. Bei der Fachjury schaffte er zwar den vierten Platz, aber das reichte nicht mehr, um in die Top 10 zu kommen. Für das Musik-Cordoba muss also ein anderer sorgen.

Ein Österreicher. Und da beginnt das Problem. Denn Österreich und der Songcontest – das ist eine eher traurige Geschichte. Das Positive zuerst: 1966 gewann Udo Jürgens mit Merci Cheri den Wettbewerb und wird seitdem als nationales Heiligtum verehrt. Danach kam nicht mehr viel. Den besten Plattz der vergangenen zwanzig Jahre holte 2003 ausgerechnet der krawallige Kabarettist Alf Poier (legendär seine Jacke mit der Aufschrift “Hier könnte Ihre Werbung stehen”). Er wurde sechster, und zwei Jahre später tat der Österreichische Rundfunk was er konnte, damit der unberechenbare Clown nicht nochmals auf die große Bühne durfte, um Österreich mit der wohl irgendwie ironisch gemeinten fremdenfeindlichen Ballade „Good Old Europe is dying“ vollends zu blamieren. Die Kapelle, die statt ihm nach Kiew durfte, erreichte Platz 20. Von 25. Und das war noch längst nicht die schlechteste Platzierung der vergangenen Jahre.

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Seit 2007 hat der Österreichische Rundfunk schließlich ganz auf eine Teilnahme verzichtet: zu teuer sei das Ganze, es bestünde zu wenig Aussicht auf Erfolg, und die Veranstaltung verkomme zu einem Skurrilitätenkabinett. Doch seit Lena im vergangenen Jahr in Oslo triumphierte, hat sich auch in Österreich die Wahrnehmung ein bisschen verschoben. Man will jetzt wieder dabei sein. Zeigen, dass man das auch kann. Sogar Thomas Schreiber, der Unterhaltungskoordinator der ARD, hat erst kürzlich in einem Interview gesagt: „Österreich sucht gezielt nach einem Kandidaten, der gegen Lena antritt.“

Das stimmt wohl – siehe Musik-Cordoba. Doch wenn man sich die zehn Sieger des Votings im Österreichischen Vorentscheid (Titel: „Guten Morgen Düsseldorf“) ansieht, kann man ernsthaft ins Zweifeln kommen. Am Musikgeschmack der Österreicher. An jenem der Jury. An der ganzen Idee, dort wieder mitzumachen. Hier nur  einige Kostproben:

Alkbottle mit “Wir san do ned zum Spaß”. (Platz 4 beim Publikum, Gesamtplatzierung: 6)

http://www.youtube.com/watch?v=cbZlKJ0MXtA&feature=player_embedded

Trackshittaz mit “Oida Taunz!”. (Platz 2 beim Publikum, Gesamtplatzierung 4) Das enthält zwar schöne österreichische Dialektbegriffe wie “kraumpat” (etwa: grobschlächtig, hässlich), “Quetschn” (Akkordeon) und “Fetzn” (nicht übersetzbar). Leider versteht man das schon in Deutschland nicht, ganz zu schweigen vom Rest Europas.

Leo Aberer & Patricia Kaiser “There Will Never Be Another You” (Platz 1 beim Publikum. Gesamtplatzierung: 5)

Und schließlich, auf Platz 1 der Gesamtwertung, Klimmstein feat. Joe Sumner mit “Paris, Paris”, das mit einer Mischung aus Englisch und Wiener Dialekt aufwartet.

(Foto auf der Startseite: Trackshittaz, Robert Maybach)

Kommentare

  • clemente

    Freue mich, dass Österreich wieder dabei ist. Um Lena zu schlagen, sollten folgende 10 Erfolgsfaktoren beachtet werden.

    http://www.youtube.com/watch?v=UpTdq3POaKs

  • mayarosa

    Habe deinen Blog gerade entdeckt, sehr nett! Als Exil – Österreicherin (18 Jahre bald in Berlin) bekomm ich wenig mit von der Heimat!
    Das sind ja furchtbarste Musikbeiträge! Ich hoffe ehrlich das man damit nicht in die Endplatzierung kommt. Das wäre wieder mal ein Grund meine Herkunft zu verschweigen und nicht sprechen dürfen, damit man nicht identifiziert werden kann!
    Liebe Grüße mayarosa