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PromiLeaks

Life is a beach. Der ironische Seitenblick auf Stars und Sternchen

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Die Protest-Promis

Das amerikanische Time Magazine kürt den namenlosen Demonstranten zur »Person des Jahres« und ehrt gleichzeitig die aktivsten Promi-Protestler. Doch nicht jeder Hollywoodstar riskiert dabei so viel wie Sean Penn oder George Clooney - die meisten melden sich lieber von der sicheren Couch zu Wort. Eine Übersicht.

Von Michaela Haas

Martin Sheen bei einer Verhaftung. Foto: AP

Jedes Jahr wählt das amerikanische Time Magazine die wichtigste Person des Jahres. In den letzten Jahren waren es Männer wie der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg oder US-Präsident Barack Obama. In diesem Jahr ist es zur Abwechslung keine namhafte Person, sondern der namenlose Demonstrant. Von Tunesien über Ägypten bis in die New Yorker Wall Street und den Stuttgarter Hauptbahnhof – Demonstranten haben im letzten Jahr die Welt verändert. Laut der Time Analyse sind die meisten Demonstranten jung, gebildet und gehören zur Mittelschicht. Aber das Magazin kürte darüber hinaus die zehn einflussreichsten demonstrierenden Prominenten.

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Mittlerweile gehört es fast zum guten Ton, dass sich Stars mit Protesten für die gute Sache schmücken, aber nur wenige nehmen ihr Anliegen so ernst, dass sie tatsächlich ihr Vermögen, ihre Zeit, ihren Ruf und gelegentlich sogar ihr Leben riskieren.

Der Mega-Paparazzi: George Clooney

Der schönste Gefangene Hollywoods: George Clooney bei seiner Verhaftung im März in Washington. Photo: Reuters

Logisch, dass George Clooney auf Nummer eins der Promi-Protest-Liste landete. Der Hollywoodstar sieht nicht nur am lässigsten aus, wenn er verhaftet wird, sondern betreibt sein Engagement tatsächlich nicht nur fürs Image, sondern mit Verve und kontinuierlichem Einsatz. “Ich habe die Handynummern von einem halben Dutzend sudanesischer Rebellenführer in meinem Handy!”, scherzte er jüngst, als er nach der Glaubwürdigkeit seines Einsatzes gefragt wurde. Schon seit Jahren schmuggelt Clooney mit seinem Vater, Reporter Nick Clooney, Kameras nach Darfur, um die Flüchtlingskrise zu dokumentieren. Gemeinsam mit seinen Hollywood-Freunden Brad Pitt und Matt Damon startete er die gemeinnützige Organisation Not on Our Watch, eine Art Umkehrschub des Paparazzi-Prinzips. “Wenn es Fotografen erlaubt ist, mich, mein Haus und meine Aktivitäten bei jeder Gelegenheit abzulichten, warum können wir dann unsere Kameralinsen nicht auch auf die Massenmörder der Welt richten?”, fragt uns George Clooney. Darfur, Burma und Zimbabwe stehen unter seiner besonderen Beobachtung. Am 16. März diesen Jahres bekam Clooney auch den obersten Ritterschlag als Protest-Promi: Gemeinsam mit seinem 78 Jahre alten Vater wurde er vor der sudanesischen Botschaft verhaftet. Die 100 Dollar Geldstrafe dürften die Clooneys verkraftet haben. “Unser Job ist es jetzt, auf die Sache aufmerksam zu machen”, sagte Clooney, “und dazu gehört es offensichtlich, verhaftet zu werden.”

Das elitärste eine Prozent der Occupy-Wall-Street Bewegung

Occupy Wall Street schwoll im letzten Jahr zu einer solch mächtigen Bewegung an, dass auch Stars mitschwimmen wollten. Dass sich der Filmemacher Michael Moore, CNN-Gründer-Ex-Ehefrau Jane Fonda und Schauspielerin Susan Sarandon den Demonstranten anschlossen, war wenig überraschend.

Ungewöhnlicher war eher ein Blitzbesuch von Rapper Kanye West, der bei seinem Drei-Minuten-Protest gegen das reichste eine Prozent der Bevölkerung ein Shirt für 355 Dollar, 1000 Dollar teure Jeans und mehrere Reihen dicker Goldketten trug. Alec Baldwin bekundete seine Unterstützung, obwohl er einen Teil seiner Millionen mit Werbespots für eine der kritisierten US-Banken verdient, und Yoko Ono zwitscherte Liebesgrüße an die Parkbesetzer über Twitter. Aber nur Hip-Hop-Magnat Russell Simmons war den Time-Redakteuren der zweite Platz auf der Promi-Liste wert. Immerhin hatte er sogar angeboten, den Park auf eigene Kosten zu säubern, wenn sich damit eine gewaltsame Räumung verhindern lasse. Aber soweit, statt in der eigenen Luxusherberge neben den anderen Demonstranten in einem windigen Zelt im Park zu schlafen, ging dann doch keiner der Edel-Demonstranten.

Die Veto-Veteranen

Unübertroffen: Der Bettenfriede von John Lennon und Yoko Ono 1969.

Auf den nächsten Plätzen finden sich zuvorderst alteingesessene Protest-Dinosaurier: Jane Fonda aka Hanoi Jane ist seit einem provozierenden Schwarzweiss-Bild aus dem Vietnamkrieg eine feste Größe der öffentlichen Aufregung und hat sich seither gegen den Irakkrieg, die “israelische Propagandamaschine”, die Diskriminierung von Frauen, die Ausbeutung der amerikanischen Ureinwohner und ein gutes Dutzend weiterer protestwürdiger Konflikte ausgesprochen. Auch Susan Sarandon und Naturschutzfundamentalistin Daryl Hannah schafften es auf die Time-Liste. Immerhin hat sich Hannah mehrmals an Bäume gekettet und regelmässig verhaften lassen. Aber ist den Redakteuren nichts Aktuelleres eingefallen als John Lennon und Yoko Ono auf Platz fünf zu heben? Zugegeben, der Schlafzimmerprotest des Paares ist schwer zu übertreffen, aber 43 Jahre her. Wie wäre es mit Ehrenplätzen für trendigere Edelaktivisten wie James Cameron, Robert Redford oder Leonardo di Caprio?

Die gesetzlose Lucy und Sean Penn zeigen Flagge

Lucy Lawless müsste allein schon wegen ihres genialen Künstlernamens ein Listenplatz gesichert werden. Die Kriegsprinzessin aus der TV-Serie Xena hat einen ganz langweiligen bürgerlichen Namen: Lucille Frances Ryan. Mehrere Verhaftungen bei Greenpeace-Protesten gegen Shell-Ölbohrungen in Neuseeland qualifizieren sie als ernsthafte Aktivistin.

Nicht ganz klar ist, warum Sean Penn abgeschlagen auf Platz zehn landete. Immerhin war der zerknautschte Regisseur, zweifache Oscar-Gewinner und unverbesserliche Weltverbesserer im vergangengen September auf dem Tahrir-Platz mitten in der Menschenmasse. Laut Augenzeugen schwang er eine ägyptische Flagge und forderte Freiheit für Ägypten, während Lindsay Lohan und Konsorten ihre Zustimmung nur per Twitter aus dem krisensicheren Hollywood twitterten. Zu Penns eindrucksvoller Aktivisten-Bilanz gehört auch eine Reise durch den Irak, um über die Kriegsfolgen zu berichten, unermüdliche Hilfe für die Katastrophenopfer in New Orleans und der für einen Prominenten ungewöhnlich ernsthafte und anhaltender Einsatz für die Erdbebenopfer von Haiti – vor Ort. Zwar sieht Penn dabei nicht ganz so elegant aus wie George Clooney, aber bei der Ehrenliste von Aktivisten kann es doch nicht zuerst um den Coolness-Faktor gehen, oder?

Und sollte nicht Martin Sheen einen Ehrenplatz für die meisten Verhaftungen bekommen? Sheen ließ sich mindestens 66 Mal für politischen Protest einbuchten. Die meisten seiner Verhaftungen stammten aus den Achtziger Jahren, als er gegen Ronald Reagans Aufrüstungspläne protestierte. Wenn es einen Academy Award für den meistverhafteten Schauspieler gäbe, müssten die goldenen Handschellen an Sheen gehen.

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