Anzeige

PromiLeaks

Life is a beach. Der ironische Seitenblick auf Stars und Sternchen

PromiLeaks  5 Kommentare

Kind, Star, Wrack

Jodie Foster wünscht sich für Kristen Stewart und andere ehemalige Kinderstars einen schalldichten Panikraum.

Von Michaela Haas


Jodie Foster nimmt Kristen Stewart in Schutz – hier im Jahr 2002 im Film “Panic Room”.

Fünfstellige Summen jeden Monat für Nagellack und Hairstylisten, Designer-Roben im Bonsai-Format und Red Bull vor Bühnenauftritten – manche Eltern lassen fast nichts unversucht, um ihre fünfjährigen Knirpse zum nächsten Hollywood-Starlet zu machen. Die amerikanische Reality Show „Toddlers und Tiaras“ beleuchtet jede Woche die unglaublichen Anstrengungen von ehrgeizigen Tigermüttern (und Vätern), ihre mehr oder minder begabten Kinder so reich und berühmt werden zu lassen wie Jodie Foster, Kristen Stewart oder Drew Barrymore.

Auch die wurden von ihren Eltern schon im zarten Vorschulalter auf die Bühne geschubst, aber sie gehören zu den wenigen, die es geschafft haben, ihre Kinderkarrieren in langfristige Erfolge umzuwandeln. Barrymore war sechs Jahre alt, als sie von E.T. in den Starkosmos katapultiert wurde. Sie gab später zu, den frühen Ruhm mit Alkohol und Drogen bewältigt zu haben, aber nach einigen Aufenthalten in Entzugskliniken startete sie eine neue Karriere als ernstzunehmende Schauspielerin, Produzentin und Regisseurin. Vielleicht noch Kirsten Dunst und Leonardo diCaprio, aber recht viel mehr Namen von vorzeigbaren ehemaligen Kinderstars mit Bodenhaftung fallen mir dann schon nicht mehr ein.

Die Länge der Schlangen vor den Casting-Agenturen für Kinderstars in Hollywood scheint umgekehrt proportional zu der Zahl derer, die es geschafft haben, aus ihrem knuddligen Aussehen langfristig Kapital zu schlagen und das Mini-Ego im Rampenlicht nicht auf Maxi-Grösse explodieren zu lassen. Macaulay Culkin, der ehemals niedliche „Home Alone“-Star, wurde gerade derart ausgemergelt abgelichtet, daß der National Enquirer ihn für einen Heroin-Junkie hielt. Daniel Radcliffe hat vor kurzem gestanden, die Harry Potter-Dreharbeiten nur mit hartem Alkohol durchgestanden zu haben. Lindsay Lohan, die ihre Modelkarriere als Dreijährige begann, wurde inzwischen öfter verhaftet als jeder andere Disney-Star: wegen Trunkenheit am Steuer, Diebstahl, Drogenmissbrauch. Und Miley Cyrus, Britney Spears und Demi Lovato machen regelmässig Schlagzeilen mit ihren bizarren Eskapaden und Haarschnitten.

Es ist immer dasselbe: Sie waren niedlich, als sie klein waren. Aber wer will schon die Wirrungen der Pubertät unter den Argus-Augen der Öffentlichkeit durchstehen? Der alte Fankreis nimmt es ihnen übel, wenn sie erwachsen werden, und die Erwachsenen nehmen die ehemaligen Teenie-Stars nicht ernst. “Seit ich 15 bin, weiß ich, was Leute erwarten, wenn sie mich treffen”, sagte Daniel Radcliffe der Los Angeles Times. “Oh, er war ein Kinderstar. Er ist bestimmt ein Albtraum. Ich versuche mit aller Macht, dieses Image sofort zu widerlegen.”

Wie Lindsay Lohan begann Jodie Foster ihre Karriere mit drei Jahren. Damit kommt sie nun, so rechnet sie in einem wütenden offenen Brief in The Daily Beast vor, auf 46 Jahre unter öffentlicher Beobachtung. „Ich kann mich nicht an eine Kindheit ohne öffentliche Beobachtung erinnern“, schreibt sie, und wundert sich, wenn völlig Fremde auf sie zukommen und sie fragen, wie sie es geschafft hat, so normal zu bleiben. “Ich lüge dann meistens und sage, ’Bin wohl einfach langweilig.’ Die Wahrheit ist, daß ich mein eigenes Überlebenstraining entwickeln musste, wie ein merkwürdiger radioaktiver Mutant. Ich habe meine eigenen Regeln entworfen, um die starrenden Blicke zu kontrollieren. Ich habe meine Karriere nach Kriterien gestaltet, die mir und meiner Familie ein Maximum an persönlicher Würde bewahren. Und ja, ich habe mich in neurotischer Weise an den Gladiatorensport der Celebrity Culture angepasst, an die Grausamkeit eines Lebens als wandelnde Zielscheibe.“

Im Jahr 2001 verbrachte Jodie Foster fast fünf Monate mit der damals 11 Jahre alten Kristen Stewart in einem Kabuff, nur wenig größer als ein Kleiderschrank. Foster spielte Stewarts Mutter, und die beiden verkrochen sich für den Film in einem schalldichten Panikraum, um sich vor skrupellosen Einbrechern zu schützen. Foster beobachtete die junge Kollegin damals beim ausgelassenen Rumtoben, beim Ausblasen ihrer Geburtstagskerzen, beim Tanzen. „Ich habe dieses Kind damals sehr liebgewonnen,“ schreibt Foster. In ihrem Brief vergleicht Foster die junge Kristen Stewart von damals und heute: „Schnitt: Gegenwart. Eine wunderschöne junge Frau stiefelt den Gehsteig entlang, den Kopf gesenkt, die Hände zu Fäusten geballt. Sie geht schnell, versucht den riesigen Männern auszuweichen, die ihre Kameras in ihr Gesicht stoßen. ‘Kristen, wie geht es dir?’, ‘Kris, lächle!’, ‘Hey, hast du sie erwischt?’- ‘Ich hab sie erwischt!’ Die junge Frau weint nicht. Fuck no. Sie schaut nicht auf. Sie hat dazu gelernt. Sie hat ihren Kopf gesenkt, ihre Sonnenbrille auf, Fäuste in der Tasche. Sprich nicht. Schau nicht. Weine nicht.“

Anzeige

Fosters Rat: „Es wird vorübergehen. Der öffentliche Horror wird abebben. Und ja, man wird verändert. Du vertraust weniger. Du berechnest deine Schritte. Du überlebst. Hoffentlich verlierst du währenddessen nicht deine Fähigkeit, deine Arme wieder in die Luft zu werfen und dich ausgelassen zu drehen. Das ist das ultimative Fuck you und schliesslich die schönste Überlebenstechnik der Welt. Lass dir das nicht von denen wegnehmen.”

Außerdem beklagt Foster, dass wir uns keine Gedanken machen „über die Kindheiten, die wir zerstören.“ Und sie geht noch einen Schritt weiter: “Aber als ich jung war, konnte man immer nach einer Karriere als Star greifen und sich trotzdem ein authentisches privates Leben bewahren. Man musste nur lernen, auf Tauchstation zu gehen, wenn die Luft vergiftet war und durch einen Strohhalm zu atmen. Aber wenigstens konnte ich sagen, daß ich an meiner eigenen Ausbeutung nicht teilnehmen werde. Das geht heute nicht mehr. Wenn ich eine junge Schauspielerin wäre, die ihre Karriere im Zeitalter von Social Media beginnt, die regelmässig zur Jagdsaison blasen, würde ich das überleben?”
Heute, sagt Foster, “würde ich aufgeben, bevor ich angefangen habe. Wenn ich in dieser Medienkultur aufwachsen müsste, glaube ich nicht, daß ich das emotional überleben würde.“

Vielleicht bräuchten wir tatsächlich auch im richtigen Leben einen Panikraum für die Kinderstars: schalldicht, fensterlos und absolut einbruchssicher. Und mit Jodie Foster als Wächterin.

Foto: AP

Kommentare

  • Ulrike

    Sie haben vergessen Ron Howard zu erwaehnen. Von den ehemaligen Kinderstars, die es “geschafft” haben ist er doch hier in den USA der bekannteste. Vielleicht vergisst man ihn so leicht, weil sein Leben doch ziemlich skandalfrei verlaeuft. Aber er ist schon ein richtiges amerikanisches Hollywood Urgestein. Und als Kind schon ein richtiger Star, ich bin auch damals “mit ihm” aufgewachsen.

  • Madhu

    Moment mal, die Dame ist ne Ehebrecherin. Ich find’s richtig, dass die Empörung entsprechend ist. Die Reaktion auf den Seitensprung hat nichts mit Kinderstar zu tun, sondern mit dem übertrieben keimfreien Image von Stewart/Pattinson.

  • ava

    Alle die so auf Kristen rumreiten sind einfach nur naiv oder völlig verlogen. Es wird leider so oft fremdgegangen, aber dann öffentlich jemanden so runterzumachen, ist einfach nur schwach, wahrscheinlich sind das dann eh diejenigen, die schon längst mehrmals im geheimen fremdgegangen sind…. Zudem ist immer noch der Typ ein Ehebrecher und nicht sie. Er ist Vater von 2 Kindern und nicht sie. aber es ist immer noch leichter, die frauen anzuklagen anstatt die männer, da ist es wohl akzeptierter…. Überlegt einfach mal ein bisschen, dann wieder rummotzen.

  • Madhu

    Dass Sie es für normal halten fremdzugehen, lässt tief blicken … Selbstverständlich hat sie eine Ehe gebrochen. Von verheirateten Männern, besonders Vätern, hat man die Finger zu lassen. Punkt. Selbstredend ist der Mann genauso zu verurteilen. Ich habe auch nur auf die Kolumne bzw. Frau Fosters Verteidigung der Stewart reagiert, weil es dumm ist, alles auf das Kinderstarphänomen zu schieben. Die Lady ist kein Kind mehr … quod erat demonstrandum.

  • Maestria

    @Madhu: Wieso sehen Sie den Zusammenhang zwischen der Kindheit, die nicht normal war, und dem Verhalten als junger Erwachsenen nicht? Glauben Sie nicht, dass ein Aufwachsen als Kinderstar Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung hat?
    Ein junges Mädchen Anfang zwanzig derart zu beschimpfen, “sie habe die Finger von verheirateten Vätern” zu lassen lässt ebenfalls “tief blicken”, nämlich in Ihre Moralvorstellungen – der arme, verführte – und doch so viel erwachsenere, reifere – Mann und Familienvater! Ich bin kein Fan von der Stewart, aber so eine Einstellung regt mich auf!