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Tod der Barbie-Puppe!

Lady Gagas „Körper-Revolution“ frisst ihre Kritiker.

Von Michaela Haas


Lady Gagas Unterwäsche-Foto auf ihrer Website mit der Unterzeile “Kämpfe mit Bulimie und Magersucht seit ich 15 bin.”

Jenn wiegt gute 125 Kilo. Niki Lea hat einen Silberstumpf statt eines Unterschenkels. Über Cins Rücken zieht sich einen Narbe, die fast so lang ist wie ihre Wirbelsäule. Sie alle wären jahrelang lieber tausend Tode gestorben, als ihre Körper leicht bekleidet zu zeigen, aber nun sind sie Lady Gagas Aufruf gefolgt, Unterwäsche-Fotos von sich auf Lady Gagas Website littlemonsters.com zu laden. Sie wollen zeigen, was man in der Öffentlichkeit fast nie sieht: Körper mit Narben, Wunden, Schwabbelbäuchen, Cellulitis. Ganz normale Menschen eben.

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Lady Gaga hat zur “Körperrevolution 2013″ aufgerufen und Tausende Fans folgen ihr. Wehe den Kritikern, die ihr letzte Woche nach einem Konzert in Amsterdam vorwarfen, Lady Gaga sei fett, weil sie einige Kilo mehr als sonst in ihre Netzstrümpfe quetschte. “Ich liebe Pasta und Pizza,” gestand Gaga bei einem Radio-Interview, “ich bin ein italienisches Mädchen in New York. Mein Vater hat ein Restaurant aufgemacht, es ist so verdammt köstlich, aber ich nehme jedes Mal fünf Pfund zu, wenn ich da esse.“ Gaga gab zu, 25 Pfund zugelegt zu haben und sagte, sie wolle nun auf Diät gehen. So weit, so konventionell.

Aber kurz darauf ging sie in die Gegenoffensive. Erst trug sie einen “Fettanzug” mit dicken unvorteilhaften Schaumpolstern bei einem Auftritt, dann postete sie ein ungeschöntes Foto von sich in Unterwäsche und gab zu, sie kämpfe seit ihren Teenagerjahren mit Magersucht und Bulimie. Sie habe immer “eine dünne Ballerina” sein wollen und sei doch “ein dickes italienisches Mädchen” gewesen. Vergeblich habe sie ihren Vater angefleht, keine Spaghetti mehr zu kochen. Nur weil sie Angst hatte, ihre Stimme zu schädigen, habe sie aufgehört, sich nach dem Pasta-Essen zu übergeben. “Ich war also nicht immer selbstbewusst,” sagt sie. Nun ruft sie dazu auf, „mutig zu sein.“ Und es scheint, als sei ein Damm gebrochen.

Unzählige “kleine Monster” laden nun Unterwäsche-Fotos von sich ins Internet, die ihre vermeintlichen Makel in den Vordergrund heben. “Tötet Barbie!”, schreibt ein übergewichtiger Teenager zu seinem Unterwäsche-Foto. “Killt die Unsicherheit!” ein anderer.

Zwei Drittel aller Mädchen auf der ganze Welt sagen, dass sie es schwierig finden, sich schön zu fühlen. 40 Prozent aller Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren würden sich gerne Fett absaugen lassen. Jedes dritte Mädchen in Deutschland hat laut Robert-Koch-Institut “ein auffälliges Essverhalten”, schon Siebenjährige mit Diäterfahrung werden in das Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen eingeliefert. Und selbst in Altersheimen nimmt die Zahl der Frauen zu, die Symptome langjähriger Esstörungen zeigen.

Der Körperterror ist eine lebenslange Obsession geworden, atemlos getrieben von einer Schönheitsindustrie, die 120 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt. Jedes Jahr legt allein der Umsatz der Schönheitschirurgen um eine weitere Milliarde zu, nicht zuletzt weil mittlerweile ein Drittel der Kunden Männer sind und die weibliche Zielgruppe nun schon als Minderjährige gewonnen wird.

Lady Gaga ist Teil dieser Industrie, ein durchgestyltes Extrem-Produkt des Musikbusiness. “Bei jedem Musik-Video, jeder Zeitschriften-Produktion wird mein Körper in die Länge gestreckt”, sagt sie. “Sie machen dich perfekt, aber das ist nicht das richtige Leben.” Geschätzte 2000 bis 5000 Mal pro Woche sehen wir Bilder, die digital verstärkt wurden. Kein Mensch sieht so aus wie die konkurrenzlos perfekten Pixelwesen – cellulitefrei, makellos, allmächtig.

Gerade deshalb hat jemand wie Lady Gaga die nötige Zugkraft, tatsächlich eine Körperrevolution in Gang zu setzen. “Diese Diätkriege müssen aufhören!”, fordert sie. Und dass sie selbst mit bestem Beispiel vorangeht, ist wahrscheinlich ihr schlagkräftigstes Argument. Auf ihrer Website postete sie: “Ich bin überrascht und überwältigt. Vor allem vor Dankbarkeit. Ich schaue auf eure Fotos, sehe eure Körper und in euren Geist, von denen die Gesellschaft euch sagt, ihr sollt euch dafür schämen. Ihr zeigt ihnen, dass ihr keine Scham habt. Ihr seid mutig, stark, und akzeptiert nicht nur euch, sondern andere. Ihr seid stolz darauf, so geboren worden zu sein. Ich bin glücklicher als jemals zuvor.” Sie werde nun nicht auf einen “Psychotrip” gehen, sagt die Sängerin. Aber “ich bin, wer ich bin. Ich bin stolz egal welche Grösse ich trage.“ Und sie bedankt sich bei ihren Fans: “Niemand konnte meinen Schmerz darüber heilen. Aber ihr konntet das!” Bravo, Gaga!

Kommentare

  • Lion Lundershausen

    Respekt!