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Life is a beach. Der ironische Seitenblick auf Stars und Sternchen

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“Für Clint Eastwood halte ich einen Ehrenplatz frei”

Ana Martinez ist die “Queen des Walk of Fame” in Hollywood und entscheidet, wo der Stern der Promis liegt

Von Michaela Haas


Ana Martinez und Schauspielerin Scarlett Johansson bei der Enthüllung ihres Sterns. Foto: Jim Smeal.

Ana Martinez, 50, hat ihr halbes Leben auf dem berühmtesten Gehweg der Welt verbracht: Sie ist die Sternenkönigin, die seit 25 Jahren den Walk of Fame auf dem Hollywood Boulevard verwaltet. Ein Gespräch über aufdringliche Stars, geduldigen Beton und einen dringend nötigen Facelift

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Sie werden überall die “Queen des Walk of Fame” genannt, aber wie lautet eigentlich Ihr richtiger Titel?

Mein Boss, der Bürgermeister, hat mich immer so genannt. Es war ein Scherz, aber der Name blieb hängen. Offiziell bin ich die Vizepräsidentin für Medienbeziehungen bei der Handelskammer von Hollywood.

Entscheiden Sie, wer einen Stern kriegt?

Ein Komitee aus fünf Personen trifft sich einmal im Jahr im Juni und sichtet die Bewerbungen. Wir bekommen 200 bis 300 Bewerbungen im Jahr. Anschliessend werde ich von einigen Leuten geliebt, von anderen angeschrien. Der schlimmste Teil meines Jobs ist, wenn ich Leuten sagen muss, dass sie nicht ausgewählt wurden. Ich stimme selbst nicht mit ab, aber ich bin die Überbringerin der Botschaft.

Versuchen Stars, Sie zu bestechen oder Druck auszuüben?

Die Stars weniger, aber ihre Manager schon. Gerade die Sternchen wollen sich gerne mit einem Stern verewigen, aktuell haben wir beispielsweise eine Debatte um die Kardashians, aber eines der Kriterien ist, dass ein Star mindestens seit fünf Jahren erfolgreich sein muss. Wie haben keine Reality-Stars auf dem Boulevard. Da muss ich mir einiges anhören, von Fans und von Gegnern.

Sie entscheiden schliesslich, ob Stars einen Ehrenplatz vor dem Grauman Theater oder im schlechteren Teil des Boulevards bekommen.

Ich lasse die Stars da absolut nicht mitreden. Es kommt schon mal vor, dass ein Star sagt, leg mich bitte nicht vor das Tattoo-Studio, aber das entscheide ich ganz allein. Ich habe Farrah Fawcett vor einem Friseur platziert, Carol Burnett vor dem Theater, das sie am Anfang ihrer Karriere rausgeschmissen hat, Javier Bardem neben seiner Frau Penelope Cruz. Für Clint Eastwood halte ich einen Ehrenplatz vor dem Grauman Theater frei. Er steht auf der Warteliste. Diesen Freitag enthüllen wir den Stern von Rick Baker. Er macht Spezialeffekt-Makeups und ist der Mensch, der die meisten Oscars und Oscar-Nominierungen bekommen hat. Dafür steht er im Guinness-Buch der Rekorde. Also legen wir ihn vor das Guinness-Museum.

Die Zeremonie wird live übertragen, Dutzende Fernsehteams und Reporter werden da sein. Können Sie sich erklären, dass sich immer noch Millionen Menschen für einen Bürgersteig interessieren?

Es ist schon erstaunlich. Ich glaube, es liegt daran, dass es der einzige Award ist, den die Fans mit ihren Stars teilen können. Der Golden Globe oder die Oscar-Statue stehen irgendwo auf einem Regal, aber auf dem Walk of Fame kann jeder Fan neben seinem Idol stehen. Der Walk of Fame ist die zweitgrösste Touristenattraktion in Kalifornien.

Ist es wirklich die beste Art, einen Star zu verehren, in dem man auf ihm herumtrampelt?

Den Stars scheint es nichts auszumachen. Sie sagen sogar immer: “Jetzt könnt ihr alle auf mir herumtrampeln.” Den Satz habe ich schon oft gehört. Kürzlich hat mich mal jemand gefragt, ob die Stars unter den Sternen beerdigt werden. Darauf habe ich gesagt: Dann müssten wir sie aufrecht beerdigen, denn jeder kriegt auf dem Boulevard nur ein paar Zentimeter. Nein, darunter ist nur Beton. Der einzige, der nicht wollte, dass jemand auf seinen Stern tritt, war Muhammad Ali. Vielleicht, weil er Muslim ist? Die Handwerker haben ihn dann erhöht auf eine Wand gemeisselt, damit keiner draufsteigen kann.

Einige Stars auf dem Boulevard kennt man kaum, dagegen vermisse ich zum Beispiel Bono. Hat schon mal ein Star die Nominierung abgelehnt?

Jeder kann eine Bewerbung einreichen, Männer schlagen ihre Ehefrauen vor, Fans ihre Idole, Agenten ihre Klienten, aber wir verlangen, dass der Star einen Brief schickt, in dem er sich mit der Nominierung einverstanden erklärt. Für Julia Roberts hätte ich einen Platz vor einer Boutique reserviert, aber sie will wohl nicht. Und für Bono hat einfach noch niemand eine Bewerbung eingereicht.

Uggie, der Terrier aus The Artist, dufte auf dem Boulevard bereits seine Pfotenabdrücke verewigen. Könnte er denn auch einen Stern bekommen?

Das fragen mich viele Leute, aber bisher haben wir keine Tiere, und Uggie hat sich bei uns nicht beworben. Die Leute, die über die Handabdrücke entscheiden, haben ein anderes System als wir. Bei uns müsste Uggie einen Brief mit seinem Pfotenabdruck als Bestätigung mitschicken, dass er einen Stern will.

Der Walk of Fame ist mittlerweile 52 Jahre alt….

… und damit reif für einen Facelift. Er kämpft gegen Ficus-Wurzeln, die Erschütterungen durch die U-Bahn, Vandalen und 10 Millionen Touristen, die jedes Jahr auf ihm herumlaufen. Die Terrazzoschicht ist extrem dünn. Wir brauchen 4 Millionen Dollar für die Restaurierung. Die Hälfte der 30.000 Dollar, die jeder für seinen Stern bezahlen muss, gehen auf das Reparatur-Konto.

Warum hat George Clooney keinen Stern?

Weil er keine Zeit hat. George wurde schon vor Jahren nominiert, aber er lebt in Italien und hat uns noch keinen Termin genannt. Genauso wie Robert Downey Jr., Clint Eastwood oder Denzel Washington. Die stehen auf der Warteliste.

Wenn George keine Zeit findet….

…werde ich richtig wütend! Wenn er die Nominierung nicht innerhalb von fünf Jahren annimmt, verfällt sie.

Ist es dann vorbei oder bekommt er eine zweite Chance?

George, wenn du das liest, dann melde dich bitte. Bei mir bekommst du immer eine zweite Chance.


Hier könnte George Clooney liegen: zu Füssen von Ana Martinez- Photo: Hollywood Chamber

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