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PromiLeaks  9 Kommentare

Buddha im Bademantel

Jeff Bridges (aka The Dude) und Zenmeister Bernie Glassman entdecken im Kultfilm "The Big Lebowski" die Grundlagen des Buddhismus.

Von Michaela Haas


Das gelöste Lächeln eines geborenen Buddhisten? Schauspieler und “Dude” Jeff Bridges. (Foto: dpa)

Als der Schauspieler Jeff Bridges bei einem Abendessen in Santa Barbara auf den Zenmeister Roshi Bernie Glassman trifft, überrascht der ihn mit einer ungewöhnlichen Frage: Ob Bridges denn wisse, dass der “Dude” – seine Darstellung eines Althippies in der Coen-Brüder-Komödie The Big Lebowski – von Buddhisten für einen Zenmeister gehalten werde? Der Dude ein Buddhist? Bridges glaubt zuerst an einen Scherz, schliesslich spielt er als Lebowski einen abgehalfterten Loser mit Schwabbelbauch und Jesusbart, der sich vorwiegend von Wodka, Kahlua und Joints ernährt und dessen Radius sich auf den Weg zwischen Kühlschrank und Bowling-Bahn beschränkt.

Doch, doch, sagt Glassman, der erste verräterische Hinweis sei doch schon der Name der Regisseure, die Coen-Brüder. Ein Koan, erklärt Glassman, ist schliesslich ein Zen-Rätsel, das dazu anhält, in simplen Worten zu einer tieferen Wahrheit zu führen; The Big Lebowski sei voll von solchen Rätseln. “Hä?” fragt Bridges noch einmal in bester bäriger Dude-Manier: “Was zur Hölle erzählst du denn da? Der Dude redet doch im ganzen Film nicht über Buddhismus.” Bernie Glassman widerspricht und zitiert die schönsten Sprüche des Dude: ‘The Dude abides” (“Der Dude verweilt”) oder “Mann, das ist doch bloss deine Meinung” – beides sei klassischer Zen.

Zwei Buddhas: Der “Dude” und sein Freund Walter in “The Big Lebowski”. (Foto: dpa)

Bridges, 64, und Glassman, 74, schildern diese Begegnung bei einem Abend der Library Foundation in Little Tokio, einem Stadtteil von Los Angeles. Seit dem ersten Treffen vor mehr als zehn Jahren hat sich zwischen Bernie Glassman, einem ehemaligen Flugzeugingenieur jüdischer Abstammung aus Brooklyn, und dem Oscar-gekrönten Filmschauspieler Bridges eine tiefe Freundschaft, gar Bruderschaft, entwickelt. Sogar körperlich sehen sich die beiden immer ähnlicher. Beide tragen die langen, grauen Haare mit einem Gummiband zurückgeschlungen, beide nuscheln bedeutsam in ihre grauen Vollbärte wie Sokrates auf Dope, und beide lümmeln sich lässig in ihren braunen Ledersesseln, nur unterbrochen von innigen Umarmungen. Es sei eine Freundschaft, die ihnen beiden viel bedeute, sagt Bridges. Unübersehbar ist, dass die beiden viel Spass miteinander haben. Er habe Bridges eine Meditationsübung gegeben, die er jeden Morgen ausführen müsse, enthüllt Glassman: “Jeden Morgen muss er in den Spiegel schauen und laut über sich selbst lachen.”

Glassman ist ein Clown, aber ein ernst zu nehmender. Er leitet Obdachlosenretreats in der Bronx und meditiert mit seinen Schülern unter anderem in Auschwitz und Ruanda. Seine Organisation, die Zen Peacemakers, ist weltweit an sozialen Brennpunkten aktiv. Er hat sogar eine erfolgreiche Bäckerei gegründet, die jedem einen Job gibt, der einen haben will. Glassman interessiert sich sehr dafür, Buddhismus zeitgemäss und relevant zu machen, und er findet, dass The Big Lebowski genau das leistet. “Der Film nimmt eine ganze Reihe von Problemen aufs Korn, die wir im Zen-Training ansprechen.” Wenn jeder dem anderen seine Meinung lasse, statt ihm dafür den Kopf einzuschlagen, sei der Weltfriede schnell hergestellt, sagt Glassman. Der Dude ist ein Pazifist, der die Welt lieber umarmt, statt sie nieder zu boxen, und der sich selbst nicht so wichtig nimmt, wenn er im Bademantel zum Bowling schlurft – beides seien Grundlagen des Buddhismus. Das erste Gebot in Glassmans Zen-Gemeinschaft lautet “Nicht wissen”. Auch das, scherzt Glassman halb ernst, verkörpere der Dude perfekt.

Aus ihren Gesprächen haben Glassman und Bridges nun ein Buch gemacht: The Dude and the Zen Master ist gerade in Amerika erschienen und hat wohl als das ungewöhnlichste buddhistische Buch der Welt zu gelten. Genau wie der Film steckt es voller Kraftausdrücke, aber eben doch auch voller skurriler Wahrheiten und Weisheiten. Es ist wie der Dude selbst: Das Gespräch mäandert ein wenig, aber es enthüllt auch überraschende persönliche Einblicke und Ansichten, etwa über Jeff Bridges’ langjährige Ehe mit seiner Frau Sue, seine Filmarbeit mit Größen wie Francis Ford Coppola und Sidney Lumet und seine Verehrung für seinen verstorbenen Vater Lloyd. Der habe ihm das “Spassbeiten” (“Plorking”) beigebracht, sagt Bridges: die Verbindung von Spass und Arbeit.

Stirn an Stirn: Zenmeister Bernie Glassman und Schauspieler Jeff Bridges. (Foto: Alan Kozlowski)

Glassman und Bridges teilen nicht nur ihr Faible für tiefschürfenden Blödsinn, sondern auch ihren Einsatz für soziale Projekte. Die wenigsten wissen, dass Bridges bereits 1983 die Stiftung End Hunger Network gegründet hat; die Orgnisation möchte erreichen, dass keine Kinder in den USA mehr Hunger leiden müssen. Nicht zufällig findet die Veranstaltung in Los Angeles nur einen Strassenblock entfernt von der berüchtigten Skid Row statt, der grössten Ansammlung Obdachloser in ganz Amerika. Gemeinsam betreiben Bridges und Glassman eine Armenspeisung, die es darauf anlegt, Obdachlosen wieder zu einem Job und einer Bleibe zu verhelfen. Jeff Bridges drückt seine Verpflichtung, den Ärmsten zu helfen, so aus: “Wir sind alle Dudes.”

Bridges zelebriert den Dudeismus, indem er zum Beispiel seine Band “The Abiders” genannt hat und davon schwärmt, er habe kürzlich vor einem “Meer aus Dudes” gespielt. Aus dem Dudeismus ist längst eine eigene Religion geworden, komplett mit einem “Take it Easy Manifesto”, Lebowski-Festen und der Ordinierung in der Kirche der Latter Day Dudes. Ernst gemeint ist das nicht, aber doch so schräg, dass es einem modernen Zenmeister gefallen würde. Was der Dude zu seiner Ernennung zum Zenmeister sagen würde, will eine junge Zuschauerin in Los Angeles schließlich noch wissen. Da enthüllt Bridges den buddhistischen Ehrentitel, den ihm sein Freund gegeben hat: “Der Dudely Lama!” So endet der Abend wie es sich für einen Zen-Abend gehört: mit schallendem Gelächter. Und Hollywood hat ein neues spirituelles Oberhaupt.

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Kommentare

  • bavarianDudist

    Ich wußte gar nicht, dass es die Religion gibt, der ich angehöre. ;-)

  • Rüdiger Grothues

    Weder gehöre ich zu den „Dudes“, auch wenn ich den Film mag, noch kann ich mich zu den vielleicht recht ausgeglichenen Zen- und Buddhismus-Anhängern zählen, aber eins ist gewiss: ich schätze Jeff Bridges sehr.
    Dies gilt vor allem für die Rollen, in denen er Musiker verkörperte, den Pianisten in „Die fabelhaften Baker Boys“ oder den ehemaligen Country-Star in „Crazy Heart“. Man spürt sofort, dass er weiß, was er spielt oder nicht zu spielen braucht.
    Und sein soziales Engagement fügt sich ganz unbemüht an diese Freude am Spielen an.

    Der Artikel erinnert an ein Schauspieler-, ein vermeintliches „Promi“-Dasein jenseits des „Ich fühle mich jetzt in dieser Sekunde soundso, sagt mein Agent“-Befindlichkeiten-Twitter-Stakkatos – Danke dafür.

  • thomas

    tja, bin leider nicht über den zweiten artikel hinausgekommen, denn wenn the dude abides mit der dude verweilt (selbst falls das in der deutschen fassung so synchronisiert worden sein sollte) übersetzt wird, kann der rest des artikels auch nicht besser sein…

  • qster

    So falsch finde ich die Übersetzung nicht, wenn sie auch sicherlich lange nicht den Tiefgang hat wie das Original, das wahrscheinlich absichtlich nicht ganz scharf zu fassen ist.
    Jedenfalls haben es auch native speakers nicht leicht ein wirklich passendes Synonym zu finden.
    Siehe dazu hier:
    http://english.stackexchange.com/questions/38213/the-dude-abides-what-does-abide-mean-in-that-context

    Scheint mir dennoch ein erstrebenswerter Zustand zu sein :)

  • Thomas

    Also schon witzig dieser Beitrag. In der Oeffentlichkeit hier (ich bin Amerikaner und an der Duke Universitaet beschaeftigt) wird Bridges schon ziemlich als Witzfigur empfunden, mit seinem neuen Buch, und seine oeffentlichen Auftritte haben einen Kollegen von mir neulich fragen lassen ‘is he high or just drunk?’.

    Von all dem kommt hier nichts rueber. Unsinniges Geplapper wird in der California-Blase zum fast schon ‘wahrnehmenswertem’ erhoben, zur tieferen Einsicht in was-auch-immer.

    Wie gesagt, lustig. :)

  • Gloeckl Rainer

    Koan (bayrisch) Koan? Da ist er! Zahlenmystik?

    Vielen Dank an Michael von Brück.

  • Lothar

    @Thomas: Ja, es scheint generell fundamentale Unterschiede in der Wahrnehmung bei Europäern (…Deutschen) und Amerikanern zu geben. Du sagst, Bridges wird hier geschätzt, aber in der amerikanischen Öffentlichkeit als Witzfigur gesehen. Umgekehrt gelten in der amerikanischen Öffentlichkeit Leute als ernst zu nehmende Politiker, über deren “Weisheiten” hierzulande – bestenfalls unter der Kategorie “Witzfigur” – ungläubig der Kopf geschüttelt wird. Mindestens einer davon wurde (sogar zweimal!) zum Präsidenten gewählt. Ein Dude im Weißen Haus wäre eindeutig die bessere Wahl gewesen…

  • RunningZ

    Das alles ist doch schon lange bekannt: http://dudeism.com/

  • sherpa

    tja, thomas, willst Du nicht erstmal Deine muttersprache lernen, bevor Du an übersetzungen rummäkelst? es heißt absatz und nicht artikel. also zumindest das, was Du ganz offensichtlich meintest….