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PromiLeaks

Life is a beach. Der ironische Seitenblick auf Stars und Sternchen

PromiLeaks  26 Kommentare

Wir können Papst!

Unsere Autorin überprüft prominente Kandidaten auf Jobtauglichkeit.

Von Michaela Haas


Unser Papst Benedikt. Photo: dpa.

Nun, da der begehrteste Managerposten der Welt freigeworden ist – Stellvertreter Gottes auf Erden – ist es kein Wunder, dass sofort ein Wettrennen um die Nachfolge begonnen hat. Abgesehen von einigen offensichtlichen Kandidaten, den Kardinälen, werden im Netz auch die Namen einiger Seiteneinsteiger als Geheimtipps gehandelt.

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Fernsehmoderator Stephen Colbert: “Könnte ich Papst?” Aber klar! Photo: PR
1. Als erstes warf der katholische Fernsehcomedian Stephen Colbert seinen Hut in den Ring. Wenngleich er in Europa nicht besonders bekannt ist, wäre es nicht übertrieben, ihn als prominentesten amerikanischen Fernsehkatholiken zu bezeichnen. Immerhin schaffte er es in Amerika, als Präsidentschaftskandidat Millionen hinter sich zu versammeln. Er kurbelte also gleich in seinem Colbert Report das “Papal Speculatron 7500” an und forderte, es sei “Zeit für einen amerikanischen Papst”, bevor er direkter wurde: “Warum nicht ich? Könnte ich Papst?” Unter dem jubelnden Beifall seines Studiopublikums segnete er salbungsvoll die Anwesenden und wählte auch gleich seinen Papstnamen: “Urban, der Dritte”. Das ist mehr als ein Gag. Die Huffington Post gab sofort eine Wahlempfehlung für ihn ab und fand überzeugende Argumente für ihn: Eloquent, ein energischer Vertreter der konservativen Katholiken, beliebt bei der jungen Generation, und auch dass er verheiratet ist, scheint kein Hinderungsgrund – das war, so argumentierte der Kommentator der Huffington Post, St. Petrus schließlich auch.

2. Der im Internet zweithäufigst genannte Kandidat: Silvio Berlusconi. Sogleich kursierten Fotos von ihm mit dem Papst-Habitus und dem vorläufigen Kandidatennamen Stramaledetto XVI.

Stramaledetto XVI. Photo: Tumblr.

Was für ihn spricht: Katholik, Italiener, kennt sich in Rom aus. Ist unfehlbar. Größter Vorteil: Wäre damit weg von der politischen Bühne. Kann machen, was er will und erteilt sich dann selbst bei der nächsten Beichte die Absolution.

Was gegen ihn spricht: Eigentlich nichts.

3. Die amerikanische Starmoderatorin Oprah Winfrey predigt schon seit vielen Jahren erfolgreich vor einem Millionenpublikum. Sie wäre die ideale Neubesetzung, um die katholische Kirche den Massen neu zu vermitteln und die Frauenquote im Vatikan zu verbessern.

Was für sie spricht: Schwarz, weiblich, einflussreich, kann das neue Zielpublikum der Kirche ansprechen.

Was gegen sie spricht: Sie ist nicht katholisch.

Update: Auch eine deutsche Fernsehmoderatorin hat versucht, sich um den Job zu bewerben – Carolin Kebekus von der Heute Show hat aber laut Kardinal Meisner “nicht die Figur dazu”:

4. Dann gibt es natürlich die Film- und Fernsehpäpste: Wer könnte schicker sein als Papst Jeremy Irons (“Die Borgias”), Johanna Wokalek (“Die Päpstin”) oder der überzeugte Vollblut-Katholik Martin Sheen, der sich zuletzt mit einer Pilgerwanderung auf dem El Camino läuterte (“Dein Weg”)?


Jeremy Irons als Filmpapst. Photo: PR

Was für sie spricht: Machen in der Rolle eine sehr gute Figur, verstehen sich auf Inszenierungen. Sind päpstlicher als der Papst.

Was gegen sie spricht: Seit Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger wissen wir: Auch wenn Schauspieler ihre Rollen noch so überzeugend ausfüllen, im Amt sind sie ein unkalkulierbares Risiko. Die sollen mal lieber in Hollywood bleiben.

5. Ganz Deutschland wünscht sich, der Papsttitel möge in Deutschland bleiben. Wir haben schon die letzte Fussball-WM verloren, müssen wir jetzt wirklich auch den Papsttitel abgeben? Es wäre doch schön, wenn wir wieder einen deutschen Kandidaten aufstellen könnten. Es könnte auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den populärsten deutschen Katholiken hinauslaufen: Günther Jauch und Stefan Raab.
Wenn sich die katholische Kirche das Honorar von Günther Jauch nicht leisten kann, wird es Raab machen müssen. Raab ist für den Posten prädestiniert, denn er wurde schon mehrmals zum “Erlöser” und “Messias” der deutschen Fernseh-Unterhaltung ausgerufen.


Stefanus, der Scheinheilige? Photo: ProSieben

Historisch gibt es große Vorbilder: Stephan I., auch “der heilige Stephan” (gest. 257) war Bischof von Rom. Er war als streitbar bekannt, aber setzte sich schliesslich durch. Sein Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet “der Bekränzte”, was irgendwie auch Raab sehr gut steht.

Es gibt gute Gründe, sich nun für den scheinheiligen Stefanus auszusprechen: Er wurde in einem Jesuiten-Internat erzogen und sein Kommunionspater findet, sein Ziehsohn habe sich für sein Show-Business “viel von unseren Bräuchen, unseren Prozessionen und unserer Rhetorik abgeguckt”. Er hat den Eurovisions-Contest revolutioniert, da wird es nicht so schwer sein, auch den Vatikan neu aufzustellen.

Was sonst noch für ihn spricht: Ist unschlagbar. Kann die gelegentlich steifen Vatikan-Sitzungen durch lockere Sprüche aufmuntern. Kündigte schon vor Jahren an, er wolle sich vom Fernsehen zurückziehen, um drei, vier Jahre lang um die Welt zu reisen.

Was gegen ihn spricht: Hat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den Anwesenden gedroht: “Ihr kommt alle in die Hölle.” Sowas müsste er dann auf Lateinisch formulieren.

Aber wenn er das Papamobil verlost, ist ihm die “absolute Mehrheit” sicher.

Kommentare

  • Benni

    Superauswahl! Habe mich köstlich amüsiert. Mein Favorit wäre Stramaledetto XVI, er sollte aber der Politik nicht verlorengehen, also beide Ämter.

  • Schinderhannes

    Lieber Benni,
    nochmals nachdenken: Das Papstamt ist Politik pur!
    Also ginge der Herr auch mit einem Amt der Politik nicht verloren.

  • Papstjäger

    Aber nein, Schinder, der Benni meinte, dass Berlusconi sich nach der Papstwahl auch zum Ministerpräsidenten wählen lassen dürfe.

    Papstamt politisch? Na ja, na ja …

  • Salix

    Ahrg Irons, dieser amerikanische Billigpapst, der Rodrigo Borgia entwürdigt hat…..

  • Josef Rödl

    Es ist widerlich, wie sich die SZ über das Papstamt und generell über die katholische Kirche lustig macht.
    Was ist nur aus dieser ehemals großen deutschen Zeitung geworden.
    Sie sollten sich schämen.

  • myomy

    lasst den metzger bitte draussen aus der Witzigkeit, der macht jetzt ernste Politik

  • R-ST

    @Hr. Rödl: Sie haben da wohl etwas falsch verstanden: es ist nicht widerlich, wie sich die SZ auf phantasievolle und witzige art des Themas nähert, sondern wie Sie und Ihr realitätsresistenter Verein damit umgehen.

  • Nachdenken

    Herr Rödl sollte bedenken, dass über 70 % der Deutschen nicht katholisch sind. Da die katholische Kirche andere Religionsgemeinschaften herabwürdigt, indem sie diesen das Kirchsein abspricht, haben Nichtkatholiken durchaus das Recht, sich über das Papstamt lustig zu machen. Sprich: wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

  • rainegg

    An Herrn Rödl:
    Keine Bange. Es wird rechtzeitig ein Blitz hernieder fahren auf das SZ-Gebäude in der Hultschiner Strasse.

  • Hans Woestner

    Zuerst dachte ich an Christian Wulff.
    Aber den können sie nicht einmal im Vatikan gebrauchen.

    Aber unser Bundespräsident wäre doch ein super Kanditat.
    Mit der Zumannenarbeit mit den Evangeln könnte ein großer Schritt nach vorne (besser: zurück) getan werden.

  • Schimmeck

    Liebe SZler, man muss kein Journalist, aber vielleicht jemand mit Kenntnis amerikanischer TV-Kultur (ja, Kultur) sein, um zu wissen, dass Colbert alles, nur kein “energischer Vertreter der konservativen Katholiken” ist. Sein Metier ist die Karikatur von solchen. Darin ist er übrigens so gut, dass Ihre Fehlrecherche in dieser Sache ein größeres Sakrileg bedeutet, als die vermeintliche Verunglimpfung des Papstamtes, die hier einige monieren.

  • Papstjäger

    Na ja, bei aller Liebe zur Ironie, ich kann Josef Rödl verstehen. Vielleicht sollte die SZ ein wenig mehr auf religiöse Gefühle Rücksicht nehmen. Man stelle sich die Aufregung vor, wenn der Islam oder ein muslimischer Religionsführer so durch den Kakao gezogen würden. Gerade die ach so politisch korrekten Deutschen würden am lautesten schreien, nicht wahr?

  • Oiweiweida

    Was soll den so ein Schwachsinnsartikel?

  • Clageo

    Mit welcher Boshaftigkeit der Papst beleidigt wird ist schon ein Skandal. Aber auch hinderte vo Millionen vo Katholiken werden gleichfalls beleidigt. Man stelle sich mal vor, nicht der Papst sondern der Prophet des Islam wäre diese Hetze gewidmet. Da wäre was los, oder? Man denke nur an die Karrikaturen. Es sind böswille und intolerante Armleuchter, die sich hier lustig machen.

  • Johanna II.

    Gute Aufzählung, aber unvollständig:
    Vergessen wurde,
    … dass der Papst künftig doch besser durch eine Elder Statesman besetzt werden sollte (sofern letzterer über 90 und Kettenraucher ist); – es lebe Papst Pontepetrus!
    … dass ein deutscher Messias A.D. immer noch einer neuen Aufgabe harrt

  • /me

    @Papstjäger: Ich kann Herrn Rödl nicht verstehen. Die kath. Kirche blickt auf über 1500 Jahre völlig ungerechtfertigte Sakrosankt-Stellung zurück. In und seit der Spätantike hat sich die Kirche, in deren Tradition sich die katholische sieht, mit Gewalt (Bloßstellung, vielfachen Mord, respektlose Behandlung und gewaltsame Bekämpfung anderer Religionsgemeinschaften, und wieder Mord, Folter Inquisition) in diese Position gekämpft.
    Auf “religiöse Gefühle” ganz allgemein Rücksicht zu nehmen halte ich für falsch. Auf einzelne Menschen kann und muss man Rücksicht nehmen, nicht aber auf Syndikate wie Religionsgemeinschaften, und auch nicht auf die Tatsache, dass sie von manchen immer noch für sakrosankt gehalten werden. Das gilt für Anhänger aller Religionsgemeinschaften, nicht nur für die monotheistischen.

  • rainegg

    @Clageo und /me
    Vor – sagen wir – 500 Jahren hätte die heilige Mutter Kirche wohl auch noch in der Richtung reagiert, wie es heute die Islamisten tun. Heute allerdings bleibt nur noch die verbale Stigmatisierung: “Es sind böswille und intolerante Armleuchter”; dies ist aber getragen von der selben Geisteshaltung.

  • Andidi

    Liebe Katholiken, Humor ist keine Blasphemie – und ich danke Gott (Eurem und jedem anderen), dass Ihr nicht mehr bestimmt, was konform genug ist, um gesagt/ gedruckt/ geliebt/ gelebt zu werden.

  • Schmidt Georg

    eigentlich kann jeder Papst werden-wenn er männlich-RKK und unverheiratet ist, na Heirat, aber das ist wie mit dem Bundespräsidenten, ich hab mich schon 2x beworben und bin jedesmal durchgefallen-es gibt Posten, die werden so hochgehängt, dass man nur die BESTEN dafür nehmen kann, sagt man, aber warum eigentlich ?

  • Josef Rödl

    precibus dilecti populi ego sum malus. ecclesia salvabit vos. et etiam filios vestros.

  • Fidel Zastro

    Ich vermisse bei der Aufzählung der deutschen Kandidaten aber unseren bayrischen “Kaiser” Franz B. Ach ja – der war wohl schon zu oft verheiratet.
    Lasst es mal die Italiener machen. Die haben ein paar hundert Jahre Erfahrung!
    Berufserfahrung ist bei so einem Job alles!

  • Martin

    Etwas dummer Artikel…

  • Trollerjan

    Die Personen die bei ihrer Kritik den Papst mit dem Propheten des Islam vergleichen, stellen den Papst auf eine Stufe mit Jesus. Somit trifft die Kritik nicht. Die Welt ist nicht nur schwarz weiß. Ist das Paradies wirklich ein Ort wo nicht gelacht wird? Lieber ist mir ein Gott der mich schelmisch anschaut und frägt, “na was sagst Du dazu, das ich tatsächlich existiere?” Das macht dann auch die Ewigkeit erträglicher. Einer der meint, sowieso immer Recht zu haben, wie z.B. Berlusconi, verbindet doch gerade seine Person mit dem päpstlichen Absolutismus.

  • Ulrich Hottelet

    In die Richtung Oprah Winfrey gehen auch die Kriterien in https://hottelet.wordpress.com/2013/02/15/die-ideale-papstin/

  • Jürgen Rahf

    Toller Artikel ! Würde mich allerdings interessieren, ob der Redakteur noch lange bei der SZ bleibt. Es hagelt wahrscheinlich Protestbriefe insbesondere aus Augsburg, Regensburg und Köln. Wäre allerdings mal ganz lustig einen farbigen Papst im Vatikan zu sehen, dann werden wahrscheinlich 10000e aus der KK in Deutschland austreten. Tja… nix mehr WIR SIND PAPST…. ADE RATZI und Grüsse von einem Atheisten.

  • Schmidt Georg

    was ist gegen einen farbigen Papst einzuwenden-1992 war ich in den USA, in einem Gespräch sagte ich: ich denke, es werden keine 50Jahre vergehen, das wird ein Asiate oder ein Farbiger Präsident der USA ! Da haben alle gelacht und jetzt?