Süddeutsche Zeitung Magazin

Ein Interview ohne Worte | Heft 08/2007

Sagen Sie jetzt nichts, Lemmy Kilmister

Ein Interview, bei dem der Rockmusiker nichts sagt und doch alles verrät.

Von Frank Bauer (Fotos)



Mister Kilmister, kann es sein, dass Sie während des Interviews tot umfallen?


Okay, dann beeilen wir uns. Schon mal gegen einen Drachen gekämpft, der aus der Tapete kommt?


Und wer hat gewonnen?


Würden Sie wie Kollege Ozzy Osbourne Ihre Seele für viel Geld an MTV verkaufen?


Ist es eigentlich wahr, dass man Ihnen im Alter von sechs Jahren alle Zähne gezogen hat?


Klingt Ihre Musik vielleicht deshalb so … na ja, wie sie eben klingt?


Klar, harte Schale. Noch nie einem Baby die Stirn geküsst, weil Sie von diesem unschuldigen Blick überwältigt waren?



Name: Ian Fraser Kilmister
Geboren: 24. Dezember 1945 in Stoke-on-Trent, England
Beruf: Bassist, Songschreiber, Sänger
Ausbildung: Roadie bei Jimi Hendrix
Status: Das letzte Original der Rockmusik

Messezentrum Stuttgart, 17 Uhr. In zwei Stunden beginnt das Motörhead-Konzert. Ian Kilmister, besser bekannt als Lemmy, schläft noch – kein Mittagsschläfchen, sondern seit gestern. Seine Pressefrau beruhigt. »Er kommt ganz sicher. Ich habe ihm sechs Wecker ins Hotelzimmer gestellt.« Lemmy gilt als Lebemann, der sein ganzes Geld stets für Drogen, Sex und Alkohol ausgegeben hat. Er genießt den zweifelhaften Ruf, jeden Tag eine Flasche Bourbon zu trinken und mehrere Schachteln Zigaretten zu rauchen. Bei seinem Lebenswandel, sagen Freunde, sei es ein Wunder, dass er noch nicht im Rock-’n’-Roll-Himmel ist. Als Lemmy kurz vor sechs zum Interview erscheint, gönnt er sich zum Frühstück statt Kaffee einen Whiskey-Orange. »Als Vitaminzufuhr«, sagt der 61-Jährige.

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/2487