Süddeutsche Zeitung Magazin

13. January 2009

Rocken für Barack

Von Johannes Waechter
Obama schwört – und jede Menge Stars (Beyoncé, Bono, Bruce, Beastie Boys) wollen dabeisein. Die Amtszeit des 44. US-Präsidenten beginnt mit einem bombastischen Konzertmarathon.

[caption id="" align="aligncenter" width="459" caption="Auch Beyoncé lässt es sich nicht nehmen, Obama ein Ständchen zu singen. Fotos: AP"]Auch Beyoncé lässt es sich nicht nehmen, Obama ein Ständchen zu singen. Fotos: AP[/caption]

Dass George W. Bushs zweite Amtszeit ein Desaster werden würde, hätte man schon am Musikprogramm bei seiner neuerlichen Amtseinführung merken können. Vor vier Jahren dominierten Countrysänger und abgehalfterte Rocker die Feierlichkeiten in Washington: Der grauenhafte Michael Bolton war dabei, ebenso wie Ted Nugent, Kenny Chesney, die Gatlin Brother und ZZ Top. Man sieht es förmlich vor sich, wie siegestrunkene Republikaner "I'm bad, I'm nationwide" (=alter ZZ-Top-Hit) grölen, während das Trio aus Texas die Bärte schwenkt.

Obama wünscht man natürlich eine Woodstock-artige Sternstunde zum Eintritt ins Amt, doch das bombastische Musikprogramm der nächsten Tage vermag keine Begeisterung auszulösen, zumindest nicht bei mir. Der Grund: Das passt alles hinten und vorne nicht zusammen. Oder hat es schon jemals funktioniert, avancierten R&B mit handgemachtem Rock zu mischen?

Das Dilemma zeigt sich bereits beim großen Open-Air-Konzert "We Are One" am Sonntag mitten in Washington. Mit Beyoncé, Mary J. Blige, Usher, Shakira und John Legend sind etliche R&B-Stars dabei, doch ganz oben im Line-Up stehen natürlich Bono und Bruce Springsteen (der fünf Tage später – was für ein Zufall – sein neues Album herausbringt).

Bei kleineren Konzerten treten danach noch Elvis Costello, Sting, Jay-Z und die Postrocker Tortoise auf. Nicht ganz geschmackssicher betitelt sind der "HipHop Inaugural Ball" mit LL Cool J sowie eine Veranstaltung namens "Hey, America Feels Kinda Cool Again" (das ging aber schnell!), bei der die Beastie Boys als Headliner fungieren.

Bei der eigentlichen Amtseinführung am Dienstag wird Aretha Franklin singen, bevor Joseph Biden den Eid als Vizepräsident ablegt. Das ist eine gute Wahl, denn obwohl in Arethas Karriere nicht mehr viel los ist, singt sie besser denn je und ist außerdem ein Kind der Bürgerrechtsbewegung.

Bevor dann Obama selbst schwören darf, dirigiert der Filmkomponist John Williams eine Komposition für Geige, Cello, Klavier und Klarinette. Die ungewöhnliche Besetzung hatte Alex Ross, den Musikkritiker des New Yorker, zu der Vermutung veranlasst, ein Stück des Avantgarde-Komponisten Olivier Messiaen werde aufgeführt: das Quartett für das Ende der Zeit, geschrieben in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Aber leider hat der durchaus grauenhafte John Williams das Obama-Quartett selbst geschrieben. Was war nochmal seine bekannteste Filmmusik? Krieg der Sterne.

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/46/rocken-fur-barack/