Süddeutsche Zeitung Magazin

02. May 2009

Ponderosa Stomp ? das beste Musikfestival der Welt?

Von Johannes Waechter
tonyoPost aus Amerika (IV): Auf dem Ponderosa Stomp  in New Orleans werden die "Helden der amerikanischen Musik" gefeiert. Aber diese Helden sind keine glorreichen Erfolgskünstler, sondern vergessene Bluesgitarristen, verrückte Rockabilly-Entertainer und charismatische Soulsänger. Ein Besuch bei einem außergewöhnlichen Musikfestival.otis2

Der Soul-Sänger Otis Clay beim Ponderosa Stomp im House Of Blues, New Orleans, Louisiana.

Hier in den USA ist es die Zeit der Festivals: Letzte Woche habe ich bereits vom MerleFest berichtet und den heutigen Tag verbrachte ich auf dem New Orleans Jazz & Heritage Festival; davon in den nächsten Tagen mehr. Zuerst jedoch einige Worte zum dritten Festival, das ich dieser Tage besuchen konnte: dem Ponderosa Stomp. Nach meinem Geschmack ist es das beste Musikfestival der Welt.

"Celebrating The Unsung Heroes of American Music" lautet das Motto des Festivals, das in diesem Jahr zum achten Mal stattfand. Präsentiert werden mehr oder weniger unbekannte Altmeister aus verschiedensten Bereichen der amerikanischen Roots-Musik: Blues, Country, Rockabilly, Soul, R&B, Garagenrock. Viele der Künstler sind tatsächlich nur Eingeweihten bekannt, oft handelt es sich aber um Leute, die vor etlichen Jahren mal einen Hit hatten und danach in der Versenkung verschwanden; solchen Veteranen die Möglichkeit zu geben, ihre Kunst im angemessenen Rahmen zu präsentieren, ist das Ziel des Ponderosa Stomp.

Ich war zum dritten Mal dabei und muss sagen, dass ich hier einige absolut unvergessliche Konzerte erlebt habe: Sleepy LaBeef, Barbara Lynn, Dave Bartholomew, Travis Wammack, Clarence „Frogman“ Henry, um nur einige Highlights zu nennen. Auch in diesem Jahr war das Programm erneut erlesen: Garagenbands wie die Remains, Flamin’ Groovies und Question Mark & The Mysterians traten auf, Rockabilly-Legenden wie Alton Lott, Carl Mann und Jack Clement, Soul-Sänger wie Howard Tate, Robert Parker und Tony Owens (das ist übrigens der Mann mit der Ziegelstein-Frisur vom Teaser-Foto).

Obwohl das alles eher obskure Künstler sind, gab es doch diverse Schnittstellen zum Mainstream. Irgendwann saß der Songwriter Dan Penn auf der Bühne, Schöpfer von Soulklassikern wie "Dark End Of The Street" und "Do Right Woman", und zählte einige Hits auf, auf denen der neben ihm sitzende Keyboarder Bobby Emmons gespielt hatte: "Son Of A Preacher Man"! "Suspicious Minds"! "In The Ghetto"! "Pancho & Lefty"! Hoppla, nicht schlecht.

Derselbe Effekt bei James Burton. Zweimal tauchte dieser legendäre Gitarrist beim Stomp auf der Bühne auf, bei den Auftritten von Dale Hawkins ("Susie Q") und der Rockabilly-Queen Wanda Jackson. Burton ist auf unzähligen Hits zu hören und hat eine komplette Schule begründet; so einen Mann in Aktion zu erleben, wäre allein schon die Reise Wert gewesen.

So geht es beim Ponderosa Stomp auch darum, die hier versammelten Künstler als "american creators" anzuerkennen und das Gefühl dafür zu vermitteln, dass ihre Leistung nicht weniger Wert ist als irgendein Gedicht oder Roman, auch wenn sie 1959 in Form einer Vinyl-Single auf einem obskuren Label erschien und krude, wild und ungehobelt erscheinen mag.

Schließlich ist es erstaunlich, dass das Feuer, das bei diesen Künstlern vor langer Zeit zu kreativen Musikexplosionen führte, in den meisten Fällen immer noch kräftig am lodern ist. Dies zeigte sich vor allem bei den Soul-Sängern. Howard Tate – Wahnsinn! Mein persönlicher Favorit war aber der Auftritt von Otis Clay und der kompletten Hi Rhythm Section.

Auch hier führt eine Spur in die Hitparade. Die Hi Rhythm Section ist auf sämtlichen Hits von Al Green zu hören, Gitarrist Teenie Hodges ist zum Beispiel der Co-Komponist von "Love And Happiness". Dieser Teenie Hodges saß nun zusammen mit seinen Brüdern Fred, Charles und Mabon sowie Drummer Howard Grimes auf der Bühne und begleitet Otis Clay bei Hits wie „Precious, Precious“ und "I Can Take You To Heaven Tonight". Als Clay dann noch zu Ehren von Soul-Legende O.V. Wright das letzte aus dessen Song "A Nickel And A Nail" herausholte, entstand eine magische Stimmung im Raum, die ich bei größeren Festivals noch nie erlebt habe. Nur beim Ponderosa Stomp.

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Der Rockabilly-Pionier Jay Chevalier mag mehr oder weniger vergessen sein, aber einen schicken Bühnenanzug hat er immer noch.

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/562/ponderosa-stomp-%e2%80%93-das-beste-musikfestival-der-welt/