Süddeutsche Zeitung Magazin

12. June 2009

Hilfe! Phil Spector ohne Perücke!

Von Johannes Waechter
phil_spector1Seit letzter Woche sitzt Phil Spector in einem Gefängnis in Südkalifornien. Sein Kunsthaar musste der zu 19 Jahren Haft verurteilte Musikproduzent allerdings zu Hause lassen, denn hinter Gittern sind Perücken verboten. So zeigt Phil Spector nach dem Mordprozess erstmals sein wahres Gesicht.

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Vor zwei Wochen wurde Phil Spector nach mehrjährigem Mordprozess zu einer Gefängnisstrafe von 19 Jahren verurteilt, letzte Woche traf er im North Kern State Prison in Delano, Kalifornien ein. Im Gefängnis sind Perücken verboten, und so wurde Spector erstmals ohne eines jener künstlichen Haarteile fotografiert, mit denen er im Prozess für Aufsehen sorgte. Das Ergebnis: gruselig!

Man sollte natürlich nicht zu sehr nach Äußerlichkeiten urteilen, aber beim Betrachten der Bilder von Spector mit und ohne Perücke drängt sich der Verdacht auf, dass hier jemand seine wahre Natur zu verbergen versuchte. Das Gericht kam nach umfangreichen Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass Spector, ein Waffennarr, im Februar 2003 der Schauspielerin Lana Clarkson einen Revolver in den Mund steckte und sie beim Russischen Roulette erschoss. Auf den neuen Fotos sieht er nun tatsächlich wie jemand aus, der zu so etwas fähig ist. (Und wie jemand, der sich die zynische Verteidigung ausdenkt, die Schauspielerin habe sich, von plötzlichen Selbstmordgedanken befallen, den Revolver geschnappt und den Schuss selbst abgeben.)

Fürs Musikgeschäft ist Spectors Gefängnisstrafe kein Verlust; es wäre übrigens auch kein Verlust gewesen, hätte man ihn schon 1965 eingesperrt. Nach seiner großen Zeit Anfang der Sechziger mit den Crystals und den Ronettes produzierte er nämlich im wesentlichen überorchestrierten Schrott. "River Deep Mountain High" – sicherlich die schlechteste Platte von Ike und Tina Turner. Dasselbe gilt für Death Of A Ladies Man und End Of The Century: Im Werk Leonard Cohens und der Ramones stellen diese beiden, von Spector produzierten Alben den jeweiligen Tiefpunkt dar.

Und dass Paul McCartney vor einigen Jahren Let It Be von Spectors Geigen befreite und als Let It Be – Naked noch einmal herausbrachte, kann als finales Urteil über Spectors "wall of sound" angesehen werden. Spontan fällt mir nur eine gelungene Spector-Produktion nach 1965 ein, nämlich John Lennons tolle Single "Instant Karma". Habe ich etwas übersehen? Findet sich jemand, der Phil Spector verteidigen mag? Dann bitte unter dieser Haarmodenschau:

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Fotos: Reuters

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/783/hilfe-phil-spector-ohne-perucke/