Süddeutsche Zeitung Magazin

15. June 2009

Das E.N.D.E. der Black Eyed Peas

Von Johannes Waechter
black_eyed_peas1Viele Slogans, wenig Inhalt: Trotz demonstrativer Nähe zu Obama zeigen sich die Black Eyed Peas auf ihrem neuen Album den Herausforderungen der Krisenzeit nicht gewachsen. Obwohl es nicht mehr viel zu feiern gibt, machen sie eine hysterische Partyplatte. Und auch musikalisch haben sie sich verrechnet...black_eyed_peas3

Vor einer Woche habe ich ein Interview mit dem Rapper K'naan gepostet, in dem er prophezeit hat, dass demnächst das soziale Bewusstsein in den HipHop zurückkehren werde. Ich musste an diese Worte denken, als ich das neue Album der Black Eyed Peas gehört habe – auf The E.N.D. (Interscope/Universal) ist von K'naans Prognose nämlich noch nichts zu merken. In seiner karnevalsek-krachigen Partystimmung wirkt dieses Album auf mich wie aus der Zeit gefallen.

Dies gilt umso mehr, wenn ich mich an die Obama-Show erinnere, die Will.i.am vergangenes Jahr abgezogen hat. Anfang des Jahres macht der Black-Eyed-Peas-Frontmann aus dem Slogan "Yes We Can" einen Song, und das dazugehörige Video trug einiges dazu bei, um Obama als Pop-Phänomen zu etablieren und ihm die Nominierung zu sichern. Als Obama dann im Weißen Haus saß, legte Will.i.am mit "It's A New Day" nach, einem Song, der die Wahl als Wendepunkt der Geschichte feierte; erneut enthielt das Video zahlreiche Bilder von Obama (sowie von Abraham Lincoln, Martin Luther King und anderen Polit-Ikonen).

Der Ausflug in die Politik scheint ein gewisses Sendungsbewusstsein hinterlassen zu haben, denn vor Veröffentlichung des neuen Albums der Black Eyed Peas verlautbarte Will.i.am, mit ihrem neuen Sound wolle die Band "die ganzen Veränderungen zelebrieren, die momentan stattfinden." Einen neuen Sound hat die Platte tatsächlich, aber mit den sozialen Umwälzungen, die wir in den letzten Monaten erlebt haben, hat The E.N.D. nun leider mal überhaupt nichts zu tun. Ein ähnlich inhaltsleeres Album habe ich lange nicht mehr gehört, der Titel der Hitsingle "Boom Boom Pow" gibt einen guten Eindruck von der Reflektionstiefe der Black Eyed Peas.



The E.N.D. ist eine Partyplatte, demzufolge geht es in den Songs nahezu ausschließlich ums gepflegte Abfeiern (was sich in Titeln wie "Rock That Body", "Rockin To The Beat" und "Party All The Time" schon recht deutlich andeutet). Generell überwiegen Slogans und Einpeitscher-Chorusse.

Musikalisch macht die Platte überraschend deutliche Anleihen beim aktuellen Clubsound. In Interviews haben Will.i.am und Taboo erzählt, dass sie zu Recherchezwecken monatelang auf Underground-Parties gegangen seien, und so dominieren hysterische Electrosounds und Bounce-Rhythmen. Ob das passt, ist eine andere Frage. Die Black Eyed Peas sind und bleiben eine Mainstreamband, und der Underground-Anstrich wirkt reichlich bemüht, gelegentlich gar befremdlich.

Vor allem in einem Punkt haben sie sich verrechnet. Etliche Stimmen auf dem Album sind, wie es in den vergangenen Jahren im HipHop und R&B üblich war, mit Autotune verzerrt worden. Zeitgleich mit dem Erscheinen von The E.N.D. hat Jay-Z nun aber das Ende dieser Ära ausgerufen: "D.O.A." – "Death Of Autotune" – heißt sein neuer Song. Klingt irgendwie zeitgemäßer.



Fotos: Reuters, Promo

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/795/das-ende-der-black-eyed-peas/