20. August 2009
Madonna ? wie soll's weitergehen?
Madonna gastierte in München – und hinterließ bei vielen Zuschauern Ratlosigkeit. Wie lange kann die 51-Jährige noch am Ideal einer ewigen Jugend festhalten und flotten Dancepop für die Generation ihrer Kinder machen?
Von Johannes Waechter

Madonna gastierte in München – und hinterließ bei vielen Zuschauern Ratlosigkeit. Wie lange kann die 51-Jährige noch am Ideal einer ewigen Jugend festhalten und flotten Dancepop für die Generation ihrer Kinder machen?
Am Montag habe ich ein
Interview mit Joe Henry gepostet, der mit Madonnas Schwester Melanie Ciccone verheiratet ist. Henry, ein erfahrener Produzent, hat gesagt, dass eine musikalische Richtungsänderung gut für seine Schwägerin wäre. Stimmt das, frage ich mich seitdem? Und wenn ja, wie sollte so eine Neuerfindung aussehen?
Dass Madonnas Erfolgsrezept ins Wanken kommt, zeigte sich auch bei ihrem Konzert am Dienstag im Münchner Olympiastadion. Etliche tausend Tickets wurden nicht verkauft, und im Stadion scheinen viele Zuschauer – ich war nicht da – von Madonnas Musik eher
underwhelmed gewesen zu sein. Das Konzert sei "mehr Workout als Konzert – Aerobic statt Erotik", schreibt Beate wild auf
sueddeutsche.de, und auch in mehreren anderen Kritiken wird die nahezu sekundengenaue Durchinszenierung des Bühnengeschehens hervorgehoben.
"Diese Show ist getaktet wie ein Herzschrittmacher", findet Christian Jooß in der
Abendzeitung, und Michael Althen schreibt in der
FAZ: "Vielleicht liegt es tatsächlich an der Perfektion, dass die Menge so geschüttelt, aber nicht gerührt ist, an der Durch-und-durch-Inszenierung der Show, die mit dem animierten Videoclip einer flitzenden Candy-Flipperkugel beginnt und mit der Einblendung „Game Over“ aufhört – Zugabe weder möglich noch erwünscht."
Kritischer ist die Stimmung in manchen Blogs. Bei
Queen Of Pop ist von einem "schwachen Konzert" die Rede und von "1,5 Stunden Playback, Tanz und Gehoppse à la Las Vegas". Im
Hype Magazin Blog steht: "Madonnas Performance erinnerte an das Popcorn, welches vor dem Olympiastadion verkauft wurde, nett für den Moment, aber ohne jeglichen Mehrwert."
Aus allen Kritiken geht hervor, dass Madonna kein nostalgisches Greatest-Hits-Konzert gespielt hat, sondern dass selbst Evergreens wie "Holiday" und "La Isla Bonita" durch neue Beats und Arrangements modernisiert wurden. Diesen Drang, aktuell zu bleiben, finde ich einerseits bewundernswert, andererseits könnte er auch in die Sackgasse führen, solange Madonna keine andere künstlerische Persona einfällt als die der sexy Dancefloor-Queen; schon jetzt scheint ihre Show mit all den lasziven Posen und erotischen Kostümen auch ein Kampf gegen das eigene Alter zu sein.
Am 29. September erscheint ihre neue Best-Of-CD
Celebration. Genauso heißt ein neuer Song, der seit drei Wochen auf ihrer
Website gestreamt wird und bereits im US-iTunes-Shop erhältlich ist. Der Track klingt wie immer: unwiderstehliche Beats, ein superstarker Hook, ein Gefühl von Euphorie und Ekstase. Doch gerade weil "Celebration" hundertprozentig Madonnas Hitformel entspricht, hat der Song auch etwas Gespenstisches. Kann es so weitergehen, bis Madonna irgendwann in Strapsen und Bustier von der Bühne fällt? Oder braucht sie tatsächlich eine neue musikalische Idee, die es ihr erlaubt, in Würde zu altern?
Fotos: ddp (2), Reuters
Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/1261/madonna-%e2%80%93-wie-solls-weitergehen/