17. Januar 2013
Die Nummer Eins der Woche: Standort Deutschland
Dass Pep Guardiola neuer Trainer des FC Bayern wird, zeigt: Deutschland ist als Arbeitsplatz begehrt. Und wir holen die Besten der Welt. Hier sechs weitere Vorschläge für spektakuläre Neuzugänge.
Von Boris Herrmann
Pep Guardiola ist der beste Fußball-Trainer dieses Planeten. Und
jetzt ist er beim FC Bayern München. In der Druckwelle, mit der diese Nachricht durch Deutschland schwappt, geht sogar ein wenig unter, dass Bayerns Stadtrivale TSV 1860 nahezu zeitgleich
Sven-Göran Eriksson für seine Trainerbank geschenkt bekommen hat. Jenen Schweden also, der immerhin als der beste
Champagner-Kenner seiner Zunft gilt. Beide Personalien sind auf ihre Weise spektakulär. Denn sie zeigen, Deutschland gibt sich nicht mehr mit Mittelmaß zufrieden. Der Beste ist gerade gut genug. So kann es weitergehen. Verzeihung: So muss es weitergehen!
Hier also sechs schnell umsetzbare Personalvorschläge für ein besseres Deutschland:
1. Neuer Parteivorsitzender der FDP wird: Gérard Depardieu
Der ehemalige französische Schauspieler ist charismatisch, eloquent und wenn er nicht gerade in Paris vom Roller fällt, ist er auch halbwegs trinkfest. Das sind heutzutage Kernkompetenzen eines Spitzenpolitikers. Zumal Depardieu nicht zuletzt in seiner Rolle als Obelix bewiesen hat, dass er anpacken kann, auch wenn
die Zahl der Gegner übermächtig erscheint. So einen kann die FDP allemal gebrauchen. Mit seiner Biografie genießt der Mann außerdem eine hohe Glaubwürdigkeit bei der liberalen Basis, die ja im Wesentlichen aus staatlich gegängelten Steuerflüchtlingen besteht.
2. Den Ludwigshafener Tatort verantwortet künftig: Quentin Tarantino
Der zurückliegende Sonntag hat wieder einmal aufs schmerzlichste vor Augen geführt: Krimis mit dem Ermittlerduo Odenthal und Kopper sind so bieder und langweilig, dass man sich am Ende sogar auf Günther Jauch freut. Zu allem Überfluss hat Kopper jetzt auch noch angefangen, in einer Rock'n'Roll-Rentnerband zu klampfen. Mit dem Drehbuchschreiber und Regisseur Tarantino wäre zunächst einmal für halbwegs erträgliche Hintergrundmusik gesorgt. Außerdem bestünde die berechtigte Hoffnung, dass die komplette Besetzung von Django Unchained demnächst im Rotlichtmilieu von Ludwigshafen aufräumt. Als Leiter der Mordkommission schlagen wir Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson vor, die Rolle der kecken Sekretärin könnte Kerry Washington zufallen. Wichtig wäre natürlich, dass Christoph Waltz immer den Mörder spielt. Dass ginge zwar auf Kosten des wohnzimmerlichen Mitratespiels, würde aber gewiss niemanden stören, weil der Serienmörder Waltz in jeder Folge auf seine unnachahmlich schauerliche Art einen Apfelstrudel vertilgen könnte.
3. Neuer SPD-Kanzlerkandidat wird: Barack Obama
Machen wir uns nichts vor, gegen Angela Merkels Umfragehoch hilft jetzt nur noch ein Wunder. Change we can believe in, oder wie Peer Steinbrück sagen würde: Da muss jetzt mal die Kavallerie einreiten. Obama trinkt zwar lieber Chai-Latte als teuren Rotwein, aber das dürften ihm die sozialdemokratischen Wählerschichten nachsehen, so lange er keine Sparkassen-Direktoren beleidigt. Auch für den Normalverdiener aus Washington hätte die Liaison mit der SPD große Vorteile. Im Falle eines Sieges bei der kommenden Bundestagswahl hätte er automatisch seine wichtigsten Regierungsziele erfüllt: Er hätte das Waffenrecht verschärft, die Staatsschulden verringert, die allgemeine Krankenversicherung eingeführt, die Atomkraft abgeschafft und er hätte auch etwas mehr Beinfreiheit, was diese lästigen Republikaner im Senat betrifft.
4. Neuer Aufsichtsratschef des Berliner Flughafens wird: Wladimir Putin
Welcher Bauarbeiter fürchtet sich denn bitte noch vor Klaus Wowereit? Welcher Feuerschutzexperte arbeitet auch nur einen Tick schneller, wenn Matthias Platzeck ein Machtwort spricht? Harte Kante ist jetzt mal gefragt in Schönefeld. Es braucht einen Mann, der mit sibirischer Strenge poltert, wenn die Rolltreppen mal wieder ohne Stufen eingebaut werden. Einen, der ordentlich Schrecken verbreitet, wenn der Duty-Free-Shop die Abfertigungshalle verstopft. Oder würden Sie gerne Putin unter vier Augen gestehen, dass sich die Baustelle schon wieder um ein, zwei Jährchen in Verzug befindet? Eben.
5. Neue Moderatorin von “Wetten, dass...?” wird: Oprah Winfrey
Zugegeben, Lanz ist nicht ganz so schlimm wie Gottschalk. Er flirtet jedenfalls nicht ganz so aufreizend mit dem neusten Audi A8 herum, während sich das Sportstudio mal wieder um zweieinhalb Tage nach hinten verschiebt. Lanz gibt sich Mühe, was schon daran zu erkennen ist, dass er die albernsten Kostüme nicht mehr wie Gottschalk selbst anzieht, sondern seinen Gästen aufnötigt. Trotzdem liegt der Verdacht nahe, dass eine einfühlsame Fernsehnudel wie Oprah Winfrey die Sache noch einen Tick besser hinbekäme. Bei ihr auf dem Sitzgrüppchen vor der Blumenvasen-Deko muss sich niemand verkleiden. Es reicht, wenn die prominenten Gäste ihre Sünden beichten und gegebenenfalls ihn Tränen zusammenbrechen, falls sie sich bei ihrem Wett-Tipp verschätzen. Im Übrigen wäre die pünktliche Ausstrahlung des Sportstudios am Samstagabend gesichert. Denn wie der Fall Armstrong zeigt, neigt Winfrey dazu, ihre Sendung erst drei Tage nach der Aufzeichnung auszustrahlen.
6. Neuer deutscher Papst wird: Peer Steinbrück
Ach, man könnte sich noch so viel herausragendes Personal für Deutschland wünschen. Der televisionäre Jamie Oliver könnte endlich die ausgekochten Schnauzbartträger Lafer und Lichter in den hiesigen Fernsehküchen ablösen. Der Welt-Vernetzer Mark Zuckerberg wäre bestimmt ein geeigneter Kandidat, um die Netzprobleme der Deutschen Bahn zu beheben. Tom Cruise, Charlie Sheen und Lindsay Lohan könnten gemeinsam die schmerzliche Lücke füllen, die Helmut Berger beim Dschungelcamp hinterlassen hat. Aber man sollte sich auch nicht verzetteln mit seinen Forderungen. Deshalb jetzt ein letzter Wille: Unser Mann im Vatikan muss wieder politischer werden! Wir brauchen jemanden, der nicht endlose Predigen hält, sondern mit kurzen Sätzen und scharfer Zunge die Probleme dieser Welt benennt: Reuige Sünder sind Heulsusen, Päpste verdienen zu viel, solche Sachen. Soeben erreicht uns in dieser Sache ein Vorschlag von Helmut Schmidt. Der Altkanzler ist offenbar weiterhin auf Jobsuche für seinen Schachkumpel Peer Steinbrück. Schmidt meint: „Er kann es.“
Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/nummereins/3185/die-nummer-eins-der-woche-standort-deutschland/