Süddeutsche Zeitung Magazin

15. Februar 2013

Wir können Papst!

Unsere Autorin ĂĽberprĂĽft prominente Kandidaten auf Jobtauglichkeit.

Von Michaela Haas

Unser Papst Benedikt. Photo: dpa.

Nun, da der begehrteste Managerposten der Welt freigeworden ist – Stellvertreter Gottes auf Erden – ist es kein Wunder, dass sofort ein Wettrennen um die Nachfolge begonnen hat. Abgesehen von einigen offensichtlichen Kandidaten, den Kardinälen, werden im Netz auch die Namen einiger Seiteneinsteiger als Geheimtipps gehandelt.


Fernsehmoderator Stephen Colbert: "Könnte ich Papst?" Aber klar! Photo: PR
1. Als erstes warf der katholische Fernsehcomedian Stephen Colbert seinen Hut in den Ring. Wenngleich er in Europa nicht besonders bekannt ist, wäre es nicht übertrieben, ihn als prominentesten amerikanischen Fernsehkatholiken zu bezeichnen. Immerhin schaffte er es in Amerika, als Präsidentschaftskandidat Millionen hinter sich zu versammeln. Er kurbelte also gleich in seinem Colbert Report das “Papal Speculatron 7500” an und forderte, es sei “Zeit für einen amerikanischen Papst”, bevor er direkter wurde: “Warum nicht ich? Könnte ich Papst?” Unter dem jubelnden Beifall seines Studiopublikums segnete er salbungsvoll die Anwesenden und wählte auch gleich seinen Papstnamen: “Urban, der Dritte”. Das ist mehr als ein Gag. Die Huffington Post gab sofort eine Wahlempfehlung für ihn ab und fand überzeugende Argumente für ihn: Eloquent, ein energischer Vertreter der konservativen Katholiken, beliebt bei der jungen Generation, und auch dass er verheiratet ist, scheint kein Hinderungsgrund - das war, so argumentierte der Kommentator der Huffington Post, St. Petrus schließlich auch.

2. Der im Internet zweithäufigst genannte Kandidat: Silvio Berlusconi. Sogleich kursierten Fotos von ihm mit dem Papst-Habitus und dem vorläufigen Kandidatennamen Stramaledetto XVI.

Stramaledetto XVI. Photo: Tumblr.

Was für ihn spricht: Katholik, Italiener, kennt sich in Rom aus. Ist unfehlbar. Größter Vorteil: Wäre damit weg von der politischen Bühne. Kann machen, was er will und erteilt sich dann selbst bei der nächsten Beichte die Absolution.

Was gegen ihn spricht: Eigentlich nichts.

3. Die amerikanische Starmoderatorin Oprah Winfrey predigt schon seit vielen Jahren erfolgreich vor einem Millionenpublikum. Sie wäre die ideale Neubesetzung, um die katholische Kirche den Massen neu zu vermitteln und die Frauenquote im Vatikan zu verbessern.

Was fĂĽr sie spricht: Schwarz, weiblich, einflussreich, kann das neue Zielpublikum der Kirche ansprechen.

Was gegen sie spricht: Sie ist nicht katholisch.

Update: Auch eine deutsche Fernsehmoderatorin hat versucht, sich um den Job zu bewerben - Carolin Kebekus von der Heute Show hat aber laut Kardinal Meisner "nicht die Figur dazu":
httpv://www.youtube.com/watch?v=dDgeUa0kPKw

4. Dann gibt es natürlich die Film- und Fernsehpäpste: Wer könnte schicker sein als Papst Jeremy Irons (“Die Borgias”), Johanna Wokalek (“Die Päpstin”) oder der überzeugte Vollblut-Katholik Martin Sheen, der sich zuletzt mit einer Pilgerwanderung auf dem El Camino läuterte (“Dein Weg”)?


Jeremy Irons als Filmpapst. Photo: PR

Was für sie spricht: Machen in der Rolle eine sehr gute Figur, verstehen sich auf Inszenierungen. Sind päpstlicher als der Papst.

Was gegen sie spricht: Seit Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger wissen wir: Auch wenn Schauspieler ihre Rollen noch so ĂĽberzeugend ausfĂĽllen, im Amt sind sie ein unkalkulierbares Risiko. Die sollen mal lieber in Hollywood bleiben.

5. Ganz Deutschland wünscht sich, der Papsttitel möge in Deutschland bleiben. Wir haben schon die letzte Fussball-WM verloren, müssen wir jetzt wirklich auch den Papsttitel abgeben? Es wäre doch schön, wenn wir wieder einen deutschen Kandidaten aufstellen könnten. Es könnte auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den populärsten deutschen Katholiken hinauslaufen: Günther Jauch und Stefan Raab.
Wenn sich die katholische Kirche das Honorar von Günther Jauch nicht leisten kann, wird es Raab machen müssen. Raab ist für den Posten prädestiniert, denn er wurde schon mehrmals zum “Erlöser” und “Messias" der deutschen Fernseh-Unterhaltung ausgerufen.


Stefanus, der Scheinheilige? Photo: ProSieben

Historisch gibt es große Vorbilder: Stephan I., auch “der heilige Stephan” (gest. 257) war Bischof von Rom. Er war als streitbar bekannt, aber setzte sich schliesslich durch. Sein Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet "der Bekränzte", was irgendwie auch Raab sehr gut steht.

Es gibt gute Gründe, sich nun für den scheinheiligen Stefanus auszusprechen: Er wurde in einem Jesuiten-Internat erzogen und sein Kommunionspater findet, sein Ziehsohn habe sich für sein Show-Business "viel von unseren Bräuchen, unseren Prozessionen und unserer Rhetorik abgeguckt". Er hat den Eurovisions-Contest revolutioniert, da wird es nicht so schwer sein, auch den Vatikan neu aufzustellen.

Was sonst noch fĂĽr ihn spricht: Ist unschlagbar. Kann die gelegentlich steifen Vatikan-Sitzungen durch lockere SprĂĽche aufmuntern. KĂĽndigte schon vor Jahren an, er wolle sich vom Fernsehen zurĂĽckziehen, um drei, vier Jahre lang um die Welt zu reisen.

Was gegen ihn spricht: Hat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den Anwesenden gedroht: “Ihr kommt alle in die Hölle.” Sowas müsste er dann auf Lateinisch formulieren.

Aber wenn er das Papamobil verlost, ist ihm die "absolute Mehrheit" sicher.

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/promileaks/3487/wir-konnen-papst/