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                Das Prinzip | Heft 30/2008

Pendler

Text: Tobias Kniebe  (Foto: dpa)

Der Pendler und seine Pauschale sind das Ur-Übel unserer Stadtplanung.

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KOMMENTARE

KLAUS REICHENBERGER (2) 25.07.2008 | 16:45
Der Artikel ist argumentativ etwas wirr::
- gibt es so viele Pendler, weil die Leute nicht von zuhause wegziehen wollen, wenn sie ins Berufsleben einsteigen?
- oder gibt es so viele Pendler, weil die Leute schon von zuhause wegziehen, aber nicht direkt in die schöne große Stadt (wo es ja bekanntlich Wohnraum in solchen Massen gibt, dass die Wohnungssuchenden Prämien für die Vermittlung zahlen und schon am Abend den Zeitungshändlern die Ausgabe vom Folgetag mit den Wohnungsannoncen aus den Händen reißen) und dann aus den Vororten, die ja bekanntlich auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen sind, mit dem Auto pendeln?

Und es wird auch keine "Pendlerpauschale erstattet", sondern man kann gerade man 0,30 ct/km für die EINFACHE (!) Strecke als Werbungskosten geltend machen, was bedeutet, dass man je nach individuellem Steuersatz und danach, ob man überhaupt zusammen mit anderen Werbungskosten über die Werbungskostenpauschale hinaus kommt. Erst dann macht sich dies bei der Steuererstattung bemerkbar. Vielleicht sollte Herr Kniebe, wenn er den Pendlerverkehr als großes Übel ansieht, konkrete Vorschläge machen, wie denn die Pendler an arbeitsstättennahe Wohnungen kommen.
GERHARD LOCKE (1) 27.07.2008 | 19:00
Der Schreiber des Artikels vergisst, daß die Pendlerpauschale mit der Einführung der Ökosteuer drastisch erhöht und für alle eingeführt wurde. Diese Pauschale konnte seitdem von jedem Arbeitnehmer, egal ob er zu Fuß, mit dem Bus, dem Fahrrad oder eben dem Auto, in Anspruch genommen werden. Mit den Jahren wurde die Pauschale jedoch immer weiter reduziert.

Der Vorschlag des Kommentators, den Wohnort dahin zu verlegen wo auch die Arbeit ist, grenzt wahrlich schon an Hohn. Die Zeiten, an denen eine ganze Familie bei ein und demselben Arbeitgeber beschäftig waren sind schon lange vorbei. Kein Arbeitnehmer weiß ob er seinen Job in ein, zwei oder gar drei Jahren überhaupt noch hat. Und Begriffe wie Betriebswohnungen, -Kindergärten, oder -Siedlungen sind schon lange nicht mehr üblich.

Wenn schon die Pendlerpauschale generell in Frage gestellt wird, dann muß auch die Frage gestellt werden dürfen, warum dann auch beruflich bedingte Umzüge oder gar die doppelte Haushaltsführung noch steuerlich berücksichtigt wird?
DIERK WEGENER (1) 27.07.2008 | 23:19
Darf ich mal an die Grundsätze unseres Steuerrechts erinnern? Werbungskosten im Sinne des Einkommensteuergesetzes sind alle Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Mit dieser Definition, die nach wie vor allgemein anerkannt ist, wird die Unsinnigkeit und Willkür, den Weg zur Arbeit zur Privatsache zu erklären, offensichtlich. Der Pendler hat die Kosten des Pendelns, um Steuern bezahlen zu können. Es ist einfach völlig absurd, jahrzehntelang eine Politik zu betreiben, um dann wohlgemerkt aus rein fiskalischen Gründen eine komplette Kehrtwende zu machen. Meiner Meinung nach sollte auch hier ein gewisser Vertrauenschutz gelten. Man kann sicherlich über Höhe und Art der Geltendmachung sprechen. Mich als Arbeitnehmer würde mal interessieren, ob der Freischaffende ebenfalls von dieser Kürzung betroffen ist. Nebenbei: Selbst in den USA kann der Weg zur Arbeit steuerlich geltend gemacht werden.
DIERK WEGENER (1) 27.07.2008 | 23:22
Ich schließe mich auch der Meinung an, daß Wohnraum bezahlbar sein muß, wenn verlangt wird, daß man so nahe wie möglich an seinem Arbeitsplatz wohnen sollte. Die meisten Arbeitsplätze gibt es nun mal in Ballungszentren, und gerade dort ist natürlich der Wohnraum am teuersten. Vielleicht sollte man auch einfach mal kreativ werden? Ich hörte von einem Vorschlag der Grünen, die Wochenarbeitszeit in vier statt fünf Tagen abzuleisten. Dann muß man auch einen Tag weniger pendeln. Nachteil ist natürlich, daß die im Betrieb anfallenden Überstunden nun wirklich nicht in den vier Tagen zu erbringen sind, es müßten dann womöglich Leute eingestellt werden. Hört man deshalb nichts mehr davon? Eine andere, durchaus alte Idee ist die der Heimarbeit. Ich habe allerdings den Eindruck, daß diese eher auf dem Rückzug als auf dem Vormarsch ist. Täusche ich mich? Gibt es noch andere Ideen?
KONRAD MÜHLER (1) 28.07.2008 | 11:32
Es sei ja jedem selbst überlassen, seinen Wohnort zu wählen.
Natürlich kann man billigen Wohnraum im Speckgürtel nutzen und dafür jeden Tag lange Wege zur Arbeit in Kauf nehmen.
Man kann auch den teureren Wohnraum in der Stadt (in unmittelbarer Arbeitsplatznähe) wählen und dadurch die Kosten für die langen Wege sparen. Das ist eine freie Entscheidung.

Nur sollte der Staat nicht ein Modell (das Speckgürtelmodell) dem anderen vorziehen und auch noch fördern.

Gibt es eigentlich einen Kostenausgleich zwischen den Speckgürtel-Dörfern und den Städten, was die Nutzung der Infrastruktur der Städte durch die Umländer angeht? Denn diese zahlen ja ihre tollen Lohnsteuern in die Kassen der Speckgürtel nutzen aber sicher die Infrastrukturen wie Theater etc. der Städte. Gibt es da einen Ausgleich? Und ist es ein optische Täuschung, dass sich gerade die Speckgürteldörfer allerlei Luxus leisten können?
JUSTUS WELL (1) 08.08.2008 | 22:03
Wenn jemand nicht in "vernünftige" Nähe zu seinem Arbeitsplatz zieht, dann muss man regelmäßig annehmen, dass das private Gründe (Wohneigentum, Freunde, Verwandte,...) hat und also steuerlich nicht geltend gemacht werden kann. Es gibt aber noch eine zweite Fehlsteuerung: Da es die Pendlerpauschale gab und immer noch gibt, hat kein Arbeitgeber einen Grund, sein Geschäft aus dem Zentrum der Großstadt zu verlegen in eine Gegend, wo es ausreichend Wohnraum für seine Angestellten gibt. Also hat die Pendlerpauschale nicht nur den falschen Anreiz für die Angestellten gesetzt: "Bleibe wohnen, wo Du wohnst - die Fahrtkosten kannst Du von der Steuer absetzen", sondern eben auch für die Arbeitgeber: "Siedle Dein Unternehmen irgendwo zentral an - Arbeitnehmer kommen auch gerne aus weiter Ferne, wenn es im Zentrum keine Wohnungen gibt". Die Abschaffung der Pendlerpauschale ist also überfällig.
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