
Am 10. Juli kommt Deine Platte raus, einen Monat später das neue Album von Jan Delay, Deines alten Kollegen bei den Beginnern. Seid ihr jetzt Konkurrenten?
Würde ich nicht sagen. Er macht etwas komplett anderes als ich. Er ist nicht mehr oder nicht weniger Konkurrent als Justin Timberlake oder die Böhsen Onkelz.
Jan Delay war mit seinen Solo-Platten viel erfolgreicher als Du mit Deinen. Bisschen neidisch?
Nicht darauf, dass er einen Erfolg hat, den ich in der Größenordnung nicht habe. Aber es gibt Sachen, auf die ich auf jeden Fall ein bisschen neidisch bin. Auf Tour hätte ich vielleicht gerne noch ein Streichquartett und vier Bläser dabei – geht halt im Moment nicht. Aber ich gönne ihm seinen Erfolg.
Habt ihr ein gutes Verhältnis?
Ja, natürlich. Beginner sind Familie. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.
Auf Deinem neuen Album Suchen & Finden vollziehst Du einen erstaunlichen musikalischen Richtungswechsel: Weg vom Rap, hin zum Singer-Songwriter-Pop. Ist HipHop nicht mehr zeitgemäß?
HipHop ist auf jeden Fall nicht mehr so relevant wie früher und wieder ein bisschen zur Nischenmusik geworden. Was in der deutschen HipHop-Szene gerade angesagt ist, kriegt man in der Außenwelt gar nicht mehr unbedingt mit, und die Verkaufszahlen sind verschwindend gering. Persönlich finde ich, dass HipHop zur Zeit stagniert. Weder in Deutschland noch international passiert etwas Neues, Innovatives. Also kann man schon sagen, dass HipHop an Qualität und Relevanz verloren hat. Und an Inhalt.
Die Finanzkrise ist bisher kaum im Rap aufgetaucht, oder?
Ja, mir ist da auch nicht viel untergekommen. Vielleicht liegt das, daran, dass die Leute, die das machen, zu dumm sind, um eine Verbindung zwischen Finanzkrise und ihrer eigenen Lebenssituation herzustellen. Vielleicht muss man aber auch noch zwei, drei Jahre warten.

Dein neues Album ist jetzt ein Gitarrenalbum.
Mit 14 wurde ich konfirmiert, danach habe ich mir eine Epiphone-Gitarre geleistet. Das war zu einer Zeit, wo ich noch Metallica, Guns ’N Roses und “Stairway To Heaven” geil fand und nachgespielt habe. Dann habe ich das aber wieder sein gelassen, mir einen Sampler besorgt und mit Rap angefangen. Ich hatte zwar immer eine Gitarre rumfliegen, aber ohne darauf zu spielen. Es war dann tatsächlich so, dass ich 2006 nach diversen Alben und Solo-Alben im Studio saĂź und gemerkt habe, dass die Leidenschaft ein bisschen weg war. Ich habe gelangweilt nach links und rechts geschaut, was dort noch so liegt, auĂźer meinem Sampler, dem Reimbuch und dem Mikrofon …
… und dann sahst Du in der Ecke die Gitarre.
Genau. Ich habe darauf rumgedudelt und dazu gesungen – und sofort einen Song gemacht. Da habe ich gemerkt, dass noch etwas ganz anderes in mir steckt. Und ich wusste wieder, warum ich Musiker bin, das hatte ich nämlich in der Zwischenzeit ein bisschen vergessen.
Hast Du Dir zur Inspiration Platten von anderen Singer-Songwritern angehört?
Kaum. Das war fĂĽr mich nicht wichtig. Ich habe auch nicht bewusst das Genre gewechselt, weil ich mir ĂĽberlegt habe, Singer-Songwriter zu sein ist bestimmt die Zukunft. Ich habe einfach gemerkt, dass ich mich mit dieser musikalischen Machart besser ausdrĂĽcken kann.
Es war bestimmt nicht leicht, nach Jahren als Rapper nur noch zu singen.
Deshalb hat das auch so lange gedauert mit meinem Album. Ich habe ein Jahr gebraucht, um meine Stimme zu finden, um zu gucken, was ich kann und was ich will.
Die Stimme finden – wie hat man sich das genau vorzustellen?
Ich bin da Autodidakt. Ich habe jeden Tag an den Songs und an mir gearbeitet. Da übt man, probiert Sachen aus, schreibt Texte, spielt Gitarrensachen ein, merkt auf einmal, hier habe ich eine schöne Gesangsmelodie im Kopf, aber ich kann sie nicht singen, weil sie zu hoch ist. So habe ich sehr, sehr lange rumprobiert.
Du hast Dich schon öfter politisch engagiert, aber die neue Platte spielt ausschließlich im Privaten.
Inhaltlich wäre es vielleicht richtig gewesen, aber ich hätte es nicht geschafft, einen wirklich starken politischen Song zu machen. Irgendwie fehlte mir der Zugang dazu. Das können andere besser, auch Jan. Aber ich bin schon ein politischer Mensch.
In Deinem Blog habe ich gelesen, dass Du bei einer Kampagne mitgemacht hast, die Jugendliche ermuntert, wählen zu gehen.
Obama hat es geschafft, junge Menschen, die eigentlich nicht wählen gehen, dafür zu begeistern. Das hat in Amerika auf jeden Fall etwas verändert, und ich finde den Ansatz richtig, so etwas hier auch zu probieren. Für die 18- bis 20-Jährigen ist Politik heute extrem unsexy. Die meisten irren umher und kiffen oder gucken sich im Internet irgendwelchen Scheiß an; sie fühlen gar nicht mehr, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind, für die man etwas tun kann. Diese Gefühl, das muss wieder herausgelockt werden.
Welcher Politiker könnte das schaffen?
Bestimmt nur jĂĽngere. Aber ich habe jetzt keinen im Kopf. Selbst ein Cem Ă–zdemir kriegt es fĂĽr mich nicht so richtig geil hin.
Letzte Frage: Geht’s irgendwann mit den Beginnern weiter?
Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass es auf jeden Fall noch ein Album geben soll. Aber wann das rauskommen wird, ist völlig ungewiss.
Das Album “Suchen & Finden” erscheint am 10. Juli bei Four Music.
Fotos: Robert Wunsch
Who's been talkin?
boh, mensch Denyo
wie langweilig ist das Video bitte? Wenn das Album ebenso daher kommt, dann gut N8. Heiss ersehnt ist die (irgendwann) zu erwartende neue Beginner Auflage! Aber Bambulezeiten sind leider vorbei. Denyo, Rap steht nicht still, nahmean. Dig das bald erscheinende NAS & Damian Marley Album aus, Finale, Chali 2na, CunningLynguists…die Liste ist lang!
Kommentar von Nico — 21. Juli 2009 @ 04:28