
Nur noch drei Tage bis zur Bundestagswahl, und obwohl sich der Trend ein wenig geändert zu haben scheint, spricht weiterhin viel für eine Niederlage der SPD; zumindest liegen Ergebnisse, wie sie Gerhard Schröder, Willy Brandt oder selbst Rudolf Scharping für die Sozialdemokraten erzielten, außerhalb der Reichweite von Frank-Walter Steinmeier. Die Musik, die in diesen schweren Stunden ertönt, schwankt demzufolge zwischen zarter Melancholie und deftigem Blues. Hier sind sie also, meine Songs zur SPD (und deren Krise). Mit Gewinnspiel – Details dazu am Ende des Textes.
1. Nat King Cole: “Red Sails In The Sunset”
Die Sonne geht unter und die Segel der roten Flotte verschwinden langsam hinterm Horizont. Erleben wir gerade die Abenddämmerung der sozialdemokratischen Idee? Seit 140 Jahren tritt die SPD für eine gerechte Welt ein, doch seit einigen Jahren verlieren ihre Ideen rapide an Bindungskraft. Melancholie macht sich breit, Nat King Cole haucht den Roten noch einen Gruß hinterher.
2. The Rolling Stones: “Down In The Bottom”
Unter Genossen werden Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück die “Stones” genannt. Schon Anfang der Sechziger hatten die echten Stones, nämlich die Rolling Stones, eine Ahnung davon, wohin Steinmeier und Steinbrück die Partei führen: “Down In The Botton”, also direkt in den Abgrund. Dieses Cover eines Howlin’-Wolf-Songs entstand im Juni 1964 bei der legendären Rolling-Stones-Session in den Chess-Studios in Cgicago.
3. Blur: “Death Of A Party”
Mausetot ist die SPD noch nicht, aber sie mus sich anstrengen, dass die unheilvolle Prophezeiung, die Blur auf ihrem ersten Album aussprachen, nicht Wirklichkeit wird. Sonst werden die Wähler irgendwann sagen: “The death of the party / Came as no surprise / Why did we bother? / Should have stayed away”.
4. Jimi Hendrix: “Red House”
Über die Entfremdung der sozialdemokratischen Klientel von ihrer Partei singt auch Jimi Hendrix. Ins “Red House” möchte er eintreten, doch der Schlüssel passt nicht mehr; der Mann von der Straße wird von den Roten nicht mehr eingelassen. Der Song erschien bereits auf Hendrix’ Debütalbum Are You Experienced, diese tolle Version hat er in Woodstock gespielt.
5. UB 40: “Red Red Wine”
UB 40 haben sich nach einem Formular benannt, mit dem man in England Arbeitslosenhilfe beantragen konnte – das passt zu einer Partei, die immer noch an Hartz IV und den Folgen leidet. Der sozialdemokratische Rotwein ist jedenfalls ungenießbar geworden: “Red red wine you make me feel so sad / Any time I see you go it makes me feel bad”.
6. Funny van Dannen: “Als Willy Brandt Bundeskanzler war”

Zuflucht vor der aktuellen Misere finden viele Sozialdemokraten allein in der Vergangenheit, in jener Zeit “Als Willy Brandt Bundeskanzler war” und bei der Wahl 45 Prozent für die SPD holte. Funny van Dannen, der Chronist des deutschen Alltags, hat dieser Nostalgie ein Lied gewidmet. “Wir war’n so unbeschwert / Sogar beim Geschlechtsverkehr”, singt er. (Leider ohne Musik, aber dieses Lied musste einfach dabei sein.)
7. Billy Lee Riley: “Red Hot”
Aber ist wirklich schon alles zu spät? Im Lauf ihrer langen Geschichte hat die SPD schon viele schwierige Zeiten überstanden und ist dennoch wieder “Red Hot” geworden, rot und heiß. Billy Lee Riley veröffentlichte diesen Rockabilly-Klassiker Mitte der Fünfziger auf dem Sun-Label; vielleicht wird sein Song irgendwann wieder aktuell. Nicht gänzlich auszuschließen ist sogar, dass dies bereits am Sonntag geschieht…
Und jetzt seid ihr dran! Welche Lieder gibt es noch, die von Frank-Walter Steinmeier, Willy Brandt und ihren Genossen handeln? Ich suche möglichst viele Songs zum Thema “SPD” und verlose unter allen, die mir weitere Songs nennen, drei Bände der SZ-Diskothek. Bitte die Songtitel in den Kommentaren posten (und die korrekte E-Mail-Adresse nicht vergessen). Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, den 27. September.
Foto: dpa
Who's been talkin?
Die Stones haben für die Stones der SPD zahlreiche Songs auf Lager:
zur aktuellen oder zukünftigen Partnerin: Angie ODER I Wanna Be Your Man ???
zu den Chancen am Sonntag: It´s All Over Now
zur Zeit danach ?: Paint It Black ODER I´m Free
Kommentar von Frank — 24. September 2009 @ 12:33
So wie es ausschaut, wird wohl weiter gewurschtelt wie bisher und was passt da besser als “The Red And The Black” von Blue Öster Cult. Nicht zu vergessen die geniale Coverversion von Minutemen:
BÖC:
http://www.youtube.com/watch?v=YLFKJz78LQc
Minutemen:
http://www.youtube.com/watch?v=5uHXsDz8vVY
und immer wieder gern:
Red Tape – Circle Jerks
http://www.youtube.com/watch?v=iExJ2Jtlnlo
Dem bürokratischen Wahnsinn haben sich auch die Beastie Boys angenommen:
http://www.youtube.com/watch?v=iYISEpgskjo&feature=related
Was die Agenda 2010 für die Genossen bedeutet, haben Black Flag schon vor knapp drei Jahrzehnten erkannt:
Damaged by you
Damaged by me
I’m confused
Confused,
Don’t wanna be confused
Stupid attempts
No conclusions
I’m confused
Confused,
Don’t wanna be confused
Damaged – Black Flag:
http://www.youtube.com/watch?v=-zv4-Dw2XoY
Kommentar von Kai — 24. September 2009 @ 13:13
Red Sparowes - Our Happiest Days Slowly Began to Turn into Dust
Kommentar von Christian — 24. September 2009 @ 13:26
Dass „Red House“ es in die „Parteiencharts“ geschafft hat, ist ganz ausgezeichnet (wobei ich die ursprüngliche, kompakte Fassung auf dem in England erschienenen Album mit dem Wortbeitrag am Ende vorziehe).
Ich schlage wieder Franz Josef Degenhardt vor, der ja 1971 aus der SPD ausgeschlossen wurde. Obwohl sich bei ihm bestimmt kluge Kommentare zur Lage der Sozialdemokratie finden würden, empfiehlt sich angesichts der politischen Situation ganz schlicht eine Sauftour, also soll es ein „Zug durch die Gemeinde“ sein:
Bei Paula sind sie schon so weit
Sie grölen aus der braunen Zeit
Lieber also weitergehn
Zu Kurt, wo die Propheten stehn.
Noch `nen Schnaps, Herr Wirt.
Eugen sagt: „Drei Jährchen, dann
Ist China da, und dann geht`s ran.
Falsch war damals Stalingrad,
Wartet, auch der Iwan zahlt.“
Zahlen, raus, weiterziehn,
Irgendwohin fliehn. (1968)
Gruß von
Rüdiger
Kommentar von Rüdiger Grothues — 24. September 2009 @ 14:13
nochmal was von den Stones:
You can’t always get what you want
oder als bitte an die wähler:
Honey, Just Allow Me One More Chance von Bob Dylan
Kommentar von Felix — 24. September 2009 @ 14:56
Natürlich Marc-Uwe Klings Ohrwurm http://www.youtube.com/watch?v=8vFL0QWxugI
Kommentar von AndreasP — 24. September 2009 @ 14:59
Unerreicht ist die Vinyl-Eigenkreation der SPD zum 125. Parteigeburtstag mit Dieter Dehms bots-Adaptation: “Das Weiche Wasser bricht den Stein” (gereimt auf “Wir sind die stärkste der Partein”).
Anspieltipp ist die Version auf der B-Seite mit Albert Mangelsdorff an der Posaune und Vocals von Willy Brandt. Hach!
Kommentar von nc — 24. September 2009 @ 15:12
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Desiree Dees-Hauger. Desiree Dees-Hauger sagte: @enimael: willst du mitsingen? http://tr.im/zBEw [...]
Pingback von Tweets die X erwähnen Die sieben besten Songs über die SPD | SZ-Magazin Musikblog -- Topsy.com — 24. September 2009 @ 15:57
@ nc
Willy Brandt am Mikro? Mangelsdorff an der Posaune? Werde mir die Platte besorgen, vielen Dank für den Tipp!
Kommentar von Johannes Waechter — 24. September 2009 @ 16:01
na ja vom Song-Titel her passt zur SPD und ihrem ambivalenten Verhältnis zur CDU-Kanzlerin sicherlich:
Deep Purple - Strange Kind Of Woman.
Besser umschreibt die Situation sicherlich
Allman Brothers Band - Whipping Post:
I been run down, I been lied to,
I dont know why I let that mean woman make me a fool….
My friends tell me, that Ive been such a fool,
And I have to stand by and take it baby, all for lovin you….
Sometimes I feel, sometimes I feel,
Like I been tied to the whipping post
Kommentar von meinolf bauer — 25. September 2009 @ 08:10
Die nackte Warheit über die SPD beinhaltet nur
“Das politische Lied” der “Kassierer”
Kommentar von Dominik — 25. September 2009 @ 09:33
Und wieder jede Menge tolle Songs, auch wenn ich nicht alle davon kenne, die vorgeschlagen worden sind. Zum Abschluss dieser super Aktion kann ich es mir aber nicht verkneifen, noch DEN SONG schlechthin zu den Wahlen ins Gespräch zu bringen. Partei übergreifend schlage ich vor, den Titel “Little Lies” von Fleetwood Mac zum Leitsong zu küren. “Tell me lies, tell me sweet little lies …..” Einfach mal reinhören. So sind sie halt, unsere lieben Politiker und Politikerinnen. Immer schön an der Macht bleiben. Und was ist mit uns, den Wähler/innen? Wollen nicht viele auch lieber little lies anstelle von grausamen Wahrheiten hören?
Hoffe sehr, dass diese Aktion in vier Jahren wiederholt wird. Das wäre wenigstens ein Grund, sich auf die nächsten Bundestagswahlen zu freuen. Und bis dahin, wie heißt es so schön in einem Song von Queen: The show must go on!
Kommentar von Heino Wolf — 25. September 2009 @ 10:51
Als Abgesang der SPD könnte man auch gut die Instrumental-Nummer “Red sails in the sunset” von Billy Vaughn spielen.
Kommentar von Norbert Butscheidt — 25. September 2009 @ 11:02
gute liste
Kommentar von tobi — 25. September 2009 @ 16:41
Wie wäre es denn mit “Red” von Daniel Merriweather?
http://www.youtube.com/watch?v=yur15Brfvhs
Kommentar von Torsten — 26. September 2009 @ 00:02
The Frank and Walters: I Will Be King
Georg Kreisler: Der guate alte Franz
Kommentar von Walt — 26. September 2009 @ 14:09
Pigor: Lafontaine-Fan
aus dem Jahr 99, also ein klarer Fall für die SPD-Liste. Kann man sich unter pigor.de sogar anhören.
Kommentar von Rolf — 26. September 2009 @ 18:01
albert mangelsdorff und willy brandt … groovy!
kann man sich das irgendwo anhören? bitte bitte!!!
Kommentar von max jasgur — 27. September 2009 @ 11:56
Da das Ergebnis für die SPD nun klar ist: “Steh auf, wenn Du am Boden bist” von den Toten Hosen.
Kommentar von Johannes — 29. September 2009 @ 12:59
Zur Situation der SPD passt doch nun (zumindest aus ihrer Sicht): “Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt?” von Westernhagen. Die Antwort ist aber auch irgendwie klar: Der Wähle wars… oder doch die Partei…?
Kommentar von Sven Boh — 29. September 2009 @ 13:18
Schade, dieser anekdotisch-musikalische Kram in diesem an sich so guten Musikblog. War diese Parteien-Serie die Idee von Herrn Waechter selbst? Ich vermute, die SZ-Redaktion hat ihm das nahegelegt. Ich lehne so etwas kategorisch ab (auf Bayern 2 gibt es auch diese haarsträubende, zutiefst unmusikalische Tradition der kontinuierlichen “Text-Assoziationen” als Illustrierung von politischen Themen). Dieses dröge Konzept lenkt den Blick weg von der Musik auf völlig uninteressante Aspekte wie oberflächliche Textbezüge.
Enttäuschend, wenn man sieht, wie ausgerechnet hier die meisten Kommentare gepostet werden. Lassen Sie sich hiervon nicht in die Irre leiten, Herr Waechter!
Kommentar von Slökes — 12. Oktober 2009 @ 22:47
Na, wo wir schon bei den Sozialdemokraten sind…wie wärs denn dann mit “Wer hat uns verraten” von Marc-Uwe Kling?
Kommentar von Friedemann Ludwig — 9. November 2009 @ 22:21
Wie comment 6 und 22 schon ganz richtig erkannt haben, kann es für die letzten 11 Jahre nur einen Song für die SPD geben:
Marc-Uwe Kling “Wer hat uns verraten”
http://www.youtube.com/watch?v=8vFL0QWxugI
Kommentar von chibi — 10. November 2009 @ 07:18
Nicht zu vergessen Rudi Carrells “Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?” mit den unsterblichen Zeilen:
Der Winter war der Reinfall des Jahrhunderts,
nur über 1000 Meter gab es Schnee.
Mein Milchmann sagt: Dies Klima hier, wen wunderts,
denn Schuld daran ist nur die SPD …
Kommentar von Dantheman — 10. November 2009 @ 11:46