Süddeutsche Zeitung Diskothek
Das Musikblog von Johannes Waechter

"It's always good to know what went down before you, because if you know the past, you can control the future." - Bob Dylan

20. Juli 2009

Lady Gaga im Interview: “Ich habe Penis-Neid”

Lady Gaga, lassen Sie uns über einige Ihrer Kostüme reden. In Glastonbury und vorher in Toronto haben Sie einen BH mit Flammenwerfer getragen. Sah ziemlich unbequem aus.

Nein, der war sehr sicher. Es waren auch keine Flammen, sondern Funken. Haus of Gaga, mein Design-Team, hat ihn entworfen.

Sind Ihre Brüste Ihre Waffen?

Nein, die Inspiration für dieses Kleidungsstück kam von einem meiner Spitznamen: Meine Freunde nennen mich “Heiße Titte”.

Dennoch haben solche Kostüme eine symbolische Bedeutung: Der weibliche Körper erscheint als gefährliches Objekt, an dem sich die Männer die Finger verbrennen können.

Das Teil wurde für “Pokerface” entworfen, einen Song über das Spiel der Liebe, über Betrug. Die Interpretation liegt im Auge des Betrachters, aber natürlich machen wir uns Gedanken über die Bedeutung der Kostüme. Ich denke ständig an die Botschaft meiner Arbeit.

Auf dem Cover des Rolling Stone waren Sie in einem Kleid aus Seifenblasen zu sehen. Für mich ein Kommentar zur Vergänglichkeit des Starruhms – schließlich heißt Ihr Erfolgsalbum The Fame.

Ein Kleid, dass Hussein Chalayan vor einigen Jahren entworfen hat, hat mich dazu inspiriert. Wir wollten für die Fotosession eigentlich dieses Original-Seifenblasenkleid, aber es befindet sich in einem Museum in London und wir hätten es nicht rechtzeitig bekommen können. Also haben wir es mit Plastikkugeln nachempfunden. Ich liebe Seifenblasen, weil sie flüchtig und traumartig sind. Die Seifenblasen sind für mich weniger eine Prophezeiung über den Ruhm, als vielmehr eine Prophezeiung über Liebe, Kunst und Launen des Augenblicks. Ich glaube an die Kraft des Träumens.

In Malta trugen Sie neulich eine Art Gesichtsmaske.

Das ist ein zeitgenössisches Kunstwerk von einem neuen Künstler, der ein Freund von uns ist. Ich liebe dieses Werk so sehr, dass ich beschloss, es anzuziehen. Alle drei Kleidungsstücke, die Sie erwähnt haben, trage ich wegen ihrer Schönheit. Und weil sie Kunst sind.

Die Maske sah sehr verstörend aus. Als seien Sie gefesselt und geknebelt.

Ich bin besessen von SM-Mode, sexuellen Masken. Außerdem fasziniert mich der Gedanke, dass das Visuelle die Musik in den Schatten stellen kann.

Im Rolling Stone haben Sie gesagt: “I think I’m changing what people think is sexy”. Wie haben Sie das gemeint?

Zu Beginn meiner Karriere hat niemand das, was ich anzog, sexy gefunden, sondern eher seltsam. Man hielt mich nicht für sexy, sondern für androgyn. Jetzt, fast zwei Jahre später, wird über mich als sexuelle Person berichtet. Ich ziehe mich sexy an, ich rede über Sex, ich bin provokant – und ich werde angemacht. Was ich sagen will: Wo ich herkomme und wo ich jetzt bin sind zwei verschiedene Orte, und deshalb denke ich, dass ich die Leute dazu gebracht habe, anders darüber zu denken, was an mir sexy ist.

Es geht es aber doch nicht nur um Sie persönlich, sondern um das Image eines weiblichen Popstars im Jahr 2009.

Das ist richtig. Ich versuche, Pop und Kunst eins werden zu lassen, hohe Kunst und Mode mit kommerzieller Mainstream-Musik zu kombinieren. Darum geht’s bei Lady Gaga.

Bei Ihrem Konzert in München haben Sie auf der Bühne gesagt, Sie hätten Penis-Neid. Ein Witz, oder?

Nein, das war ernst gemeint. Ich habe Penis-Neid.

Aber diese Idee von Sigmund Freud wird von Feministinnen seit langem belächelt.

Ich bin keine Feministin. Ich glaube an die sexuelle Freiheit und Macht der Frauen, aber ich feiere auch die Männer und ihre Sexualität. Und ich liebe die schwule Kultur.

Wie fanden Sie die Fernsehshow zum Abschied von Michael Jackson?

Ich habe nicht genug davon gesehen, um eine Beobachtung zu machen.

Ist die Popkultur mit Michael Jackson gestorben?

Ohne Michael Jackson weiß ich nicht mehr, in welcher Welt ich Musik mache; aber ich bin jemand, der an die Macht des Showgeschäfts glaubt. Ich bin im Showgeschäft, ich kenne das Showgeschäft. Und Michael Jackson war der König des Showgeschäfts.

Ich finde, dass Sie die Popkultur wiederbelebt haben – durch Mund-zu-Mund-Beatmung.

Vielen Dank. Popkulturelle Wiederbelebung und Liebe bedeuten mir viel. Ich rede immer davon, dass es niemals falsch ist, Popkultur und Kunst zu lieben. Im Grunde genommen arbeite ich vor allem daran, Pop am Leben zu erhalten und größer werden zu lassen.

Wird die Popkultur jemals sterben?

Ich hoffe nicht.

Weitere Konzerte: 22. Juli, Wien; 26. Juli. Hamburg

Fotos: AFP, AP, dpa, ddp, Reuters

Ähnliche Themen in diesem Blog

21 Kommentare »

  1. Welche Intellektuellen sollen denn angeblich so begeistert sein von dieser Frau ? Bitte belegen !!
    Und warum sollten sie auch?

    Welche intelektuelle Leistung hat sie den vollbracht ?

    Kommentar von suki09 — 20. Juli 2009 @ 15:18

  2. @ Suki09
    Was viele Menschen, die normalerweise nicht unbedingt Dancepop hören, an Lady Gaga fasziniert, ist der Bezugsrahmen den sie ihrer Musik gibt, zum Beispiel durch Verweise auf Andy Warhol und Rainer Maria Rilke. Mehr zum Thema in diesem Artikel vom SZ-Feuilleton-Kollegen Jens-Christian Rabe.

    Kommentar von Johannes Waechter — 20. Juli 2009 @ 15:30

  3. Ich stimme suki09 zu, die Begeisterung der Intellektuellen dürfte sich bei den drei Synthesizer-Frauen (sie werden unweigerlich in einen Topf geworfen) Lady Gaga, Little Boots und La Roux wohl eher auf Letztere konzentrieren.

    Kommentar von mk — 20. Juli 2009 @ 15:32

  4. Absoluter Schrott diese Frau , scheiß Musik , und möchtegern ausgeflipptheit .

    Wenn sie eingekackt in Windeln auf der Bühne rumlaufen würde ok aber, ausgeflippt = Nuttig + extras ?

    Kommentar von gesichtaffe — 20. Juli 2009 @ 16:56

  5. In zwei Jahren kräht kein Hahn mehr nach Lady Gaga.

    Kommentar von Inorbit — 20. Juli 2009 @ 17:33

  6. musikalisch -> schlecht
    auftreten -> nuttig
    vorbildsfunktion -> nicht gegeben
    hype -> vorhanden (nur von wem?!)

    ein gutes beispiel wie uns die medien sagen was wir gerne hören.

    naja meine 10 jährige nichte findet sie ganz dufte…

    Kommentar von evergreen — 20. Juli 2009 @ 17:57

  7. Die Intellektuellen und Teenies finden die so toll, damit sich hier noch andere angesprochen fühlen und den Artikel lesen (ich mein die Teenies werden es wohl weniger)

    Das passt auch gut zu Lady Gaga, viel Schein kaum Sein, aber hey thats Showbusiness. Und auch oft Journalistik.

    Kommentar von Kuperan — 20. Juli 2009 @ 22:19

  8. Ist ja gut jetzt SZ, ich kauf ja eine Karte…

    … not.

    Kommentar von Konsument — 20. Juli 2009 @ 22:39

  9. @ Konsument, Kuperan
    Weder will ich Euch eine Karte (wofür?) andrehen, noch eine Meinung aufdrängen. Es geht einfach darum, über eine Künstlerin zu berichten, deren Musik so viele Leute gekauft haben, dass ihre Single 13 Wochen auf Platz eins der Charts war. Wundere mich etwas, dass Ihr damit ein Problem habt. Seltsames Verständnis von Journalismus.

    Kommentar von Johannes Waechter — 20. Juli 2009 @ 23:03

  10. also was ich mal in einem kurzen ausschnitt gesehen hab scheint sie eine mehr als passable pianistin zu sein, mit einer durchaus faszinierenden wohlklingenden stimme, warum das wenig “sein” sein soll versteh ich nicht. nur weil sie eine kunstfigur geschaffen hat (im sinne von künstlich) die pop macht, kann man ihr doch die “künstlerin” nicht absprechen..

    Kommentar von weenah — 21. Juli 2009 @ 00:12

  11. Lady Gaga verkörpert eine neue Generation von Frauen, die die Männerwelt so nimmt wie sie ist. Das Gehabe der verlogenen pseudo Emanzipation prallt an Ihr ab. Sie sucht nicht nach einer Bestätigung besser als ein Mann zu sein, und beneidet offen die Männerwelt sogar um ihre Sexualität.
    Die Musik von Ihr ist nicht hochkarätig, aber interessant. Das gesamte Paket der Show spielt bei Ihr die Hauptrolle.
    Insbesondere können sich viele verklemmte deutsche Frauen, die zu gerne die Männerwelt in eine “Rechtfertigungsecke” stellen, eine Scheibe von Ihr abschneiden.

    Kommentar von Robby — 21. Juli 2009 @ 08:53

  12. Ich verstehe dieses Gemecker auch nicht. Es ist doch normal, dass die Medien über aktuelle Künstler berichten, vor allem, wenn diese gerade ein Album herausgebracht haben oder auf Tournee sind. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Leserschaft auf den Sänger/die Musikerin/den Maler, etc. steht oder nicht. Ich weiss auch nicht, warum Pop irgendwas mit Intellektuellen zu tun haben muss. Vielleicht erklärt das mal jemand.

    Übrigens ist Lady GaGa sicher intelligent genug, um “intellektuell” richtig zu buchstabieren…

    Kommentar von Leseratte — 21. Juli 2009 @ 09:17

  13. [...] http://sz-magazin.sueddeutsche.de/musikblog/lady-gaga-im-interview/ [...]

    Pingback von Stefani Akins (blogqueen) 's status on Tuesday, 21-Jul-09 07:19:11 UTC - Identi.ca — 21. Juli 2009 @ 09:19

  14. Hirnneid stünde der Dame besser!

    Kommentar von Polikrit — 21. Juli 2009 @ 10:13

  15. Was ist das denn für eine skurrile Diskussion?? Da führt jemand ein durchdachtes Interview mit einer aktuellen Musikerin, die sogar ein paar kantige Standpunkte vertritt - und dann wird ihm hier unterstellt, er wolle Karten an den Mann bringen, die Künstlerin sei eh in zwei Jahren nicht mehr da - und “die Journalistik” (…) kritisiert. Selten so viel unreflektierte Miesmacherei gelesen.

    Kommentar von Nallinger — 21. Juli 2009 @ 11:40

  16. Nimm’s easy, Johannes ;-)

    Die, die sich zuerst und am häufigsten melden, sind die,
    die ihren inneren Müll auf die Mitmenschen ausschütten wollen.

    Wenn du dir mal die Kommentare zu vielen Nachrichten auf welt.de durchliest,
    zweifelst du echt an der Menschheit …

    Aber das ist nicht die Mehrheit der Leser.
    Leider die Mehrheit der Kommentatoren.

    Aber egal,
    in Phantasie einen dicken Haufen drauf setzen und einfach weitermachen - lol.

    Wär aber schön, wenn sich in Deutschland nicht überwiegend
    die unausgeglichenen, verrückten Miesepeter zu Wort melden würden.
    Sondern auch die vielen Leute, die eher positiv denken oder wenigstens fair …

    Aber denen ist ihre Zeit vermutlich viel zu schade, um sich mit Idioten auseinanderzusetzen.

    Ich fand das Interview völlig okay!
    Glatte 2 !!

    Buon giorno!

    Kommentar von Dumdi — 21. Juli 2009 @ 17:49

  17. Alle Schnauze jetzt bitte !
    DANKE !

    Kommentar von gesichtaffe — 21. Juli 2009 @ 23:13

  18. penis-neid hab ich auch ssssssspppppppaaaaaaßß

    Kommentar von tn 575n — 22. Juli 2009 @ 11:31

  19. An Lady Gaga ist eine Einzige Sache Kunst:

    Sie hat verstanden, wie Massenmedien funktionieren und bedient und benutzt dieses Wissen in Perfektion. Es handelt sich um die üblichen Provokationen und Aufhänger, mit denen sich bequem die Meute der Yellow Press Autoren animieren läßt.

    Die vom Autoren angeführten 13 Wochen Top Ten Platzierung beruhen daher auch nicht auf dem Produkt, sondern auf der Omnipräsens im Industrie-Verkaufsförderungsblog Süddeutsche Magazin. Lady Gaga steht da auf einer Stufe mit “Künstlern” wie Britney Spears und Konsorten.

    Lady Gaga ist nicht Kunst, ist nicht Literatur und ist nicht Musik, Lady Gaga ist 100% kommerzielles Produkt.

    Kommentar von Dieter Horny — 22. Juli 2009 @ 12:07

  20. @ Dieter Horny
    Deine These, dass der Erfolg von Lady Gaga nur auf ihrer Medienpräsenz beruht, halte ich für falsch. Es gab schon viele Leute, die sogar noch öfter als Lady Gaga in den Klatschspalten waren, die aber trotzdem nicht zu Plattenstars wurden; siehe zum Beispiel Paris Hilton, deren Musikkarriere ein Totalflop war. Man kann vielleicht ein bisschen Erfolg kaufen, aber so einen großen Erfolg wie Lady Gaga ihn hat, kann man nicht kaufen, sprich: Es muss also auch an der Musik liegen. Für mich liegt der Reiz am Popjournalismus u.a. darin, solche Phänome ernst zu nehmen und zu analysieren. Eine Haltung, die kommerzielle Musik einfach als Schrott abtut (und damit die Millionen Leute, die das kaufen, als Deppen abqualifiziert), finde ich snobistisch und ein bisschen miefig.
    Dein Vorwurf, ich würde ein “Industrie-Verkaufsförderungsblog” machen, hat mich amüsiert. Lies mal ein bisschen rum in den Texten hier, dann wirst Du sehen, dass davon keine Rede sein kann. Außer Du hältst Artikel über Künstler wie Bob Dylan, die Beatles und Leonard Cohen auch für “Industrie-Verkaufsförderung”. Dann hätten wir, glaube ich, ein sehr unterschiedliches Verständnis von Qualität in der Musik – und im Popjournalismus.

    Kommentar von Johannes Waechter — 22. Juli 2009 @ 13:55

  21. Ich finde sie hat einen eigen style und macht was sie will, das sit das besondere an ihr. Sie amcht auch sehr gute Musik. Sie zeigt zwar mehr Haut aber es ist ihre sache was sie macht und was sie tut. Ich finde sie sehr toll und bin froh das es sie gibt. (:

    Kommentar von Fan3 — 6. August 2009 @ 15:29

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen